S. MacLean u.a. (Hgg.): Crisis of Governance in Asia and Africa

Titel
Crisis of Governance in Asia and Africa.


Herausgeber
MacLean, Sandra J.; Quadir, Fahimul; Shaw, Timothy M.
Reihe
International Political Economy of New Regionalisms Series
Erschienen
Aldershot 2001: Ashgate
Anzahl Seiten
338 S.
Preis
Rezensiert für H-Soz-Kult von
Ulf Engel, Institut für Afrikanistik, Universität Leipzig

Im Mittelpunkt dieses Sammelbands steht die in vielen Weltregionen als Spannungsverhältnis wahrgenommene Beziehung zwischen Ethnizität und Governance unter Globalisierungsbedingungen. Die 13 Beiträge des Bands sind drei Themenblöcken zugeordnet: Governance und Ökonomie, Governance und Zivilgesellschaft sowie Governance und Konflikt. Der geografische Fokus liegt auf Asien und dem subsaharischen Afrika. Die Herausgeber berufen sich auf einen gemeinsamen Interpretationsrahmen, den sie als politische Ökonomie neuer Regionalism verstanden wissen wollen, wie ihn Mitherausgeber Shaw in der gleichnamigen Serie bei Ashgate propagiert. In der konzeptionellen Einleitung des Bands definieren die Autoren Governance als Schnittstelle von Beziehungen und Entscheidungen zwischen Staat, Markt und Zivilgesellschaft. Damit unterscheidet sich der Ansatz einerseits zwar von den in der Politikwissenschaft nach wie vor dominanten staatszentristischen Perspektiven. Anderseits jedoch wird über die phänotypische Relevanz eines breiteren Verständnisses hinaus wenig konkretes dazu ausgesagt, was letztlich genau, und unter welchen Umständen, die Dynamik innerhalb dieses Akteursdreiecks determiniert. Während die theoriegeleitete Suche nach systematischen Zusammenhängen nicht allzu rigoros verfolgt wird und es dem epistemologischen Anspruch zuweilen an analytischer Tiefenschärfe mangelt, eint die Herausgeber ein normativer Impetus, wenn sie Governance letztlich als "a process of building a just, equitable and prosperous world for all groups and communities ..." (S. 28) definieren.

Die Fallstudien beziehen sich vor allem auf Malaysia und Südafrika, weitere Artikel finden sich unter anderm zu Bangladesh, Indien und Sri Lanka sowie zu Zimbabwe, Uganda und dem Gebiet der Großen Seen. Thematisch stehen Industrialisierungsprozesse und -krisen (in Malaysia), NGOs und Zivilgesellschaft sowie ethnische Konflikte (vorrangig in Afrika) im Mittelpunkt der einzelnen Beiträge. Vergleichend angelegt, und daher im Kontext des Anliegens der Herausgeber von größtem Interesse, sind die Artikel von Janis van der Westhuizen (Universität Stellenbosch, Western Cape) über ethnische Umverteilungsstrategien in Malaysia und Südafrika sowie von Sandra J. MacLean (2001 noch Dalhousie Universität, Halifax) über den Zusammenhang von politischer Ökonomie und ethnischen Konflikten in Südafrika und Zimbabwe. Beide Autoren knüpfen an die Position von Robert Cox an und geben dem Band zumindest hier das theoretische Profil, das in der Einleitung beansprucht wird. Nicht alle Beiträge dieses Sammelbands versuchen, den theoretischen Vorgaben gleichermaßen gerecht zu werden. Eine Zusammenfassung der Erträge dieses Unterfangens fehlt.

Das unbestreitbare Verdienst dieses Bandes, und auch der Ashgate-Serie insgesamt, besteht darin, neue Formen von Governance in den internationalen Beziehungen und den Staaten des Südens zu registrieren, zu beobachten und zu vergleichen. Eine überzeugende Systematik der neuen Governance-Beziehungen steht indes noch aus. Die Abgrenzung der Herausgeber von "orthodoxen" Forschungsperspektiven, womit offensichtlich das Modernisierungsparadigma der 1960er und 1970er Jahre sowie der Staatszentrismus des "Westfälischen Zeitalters" gemeint sind, gerät daher zuweilen zur Stilisierung, wenn an deren Stelle lediglich ein diffuses Verständnis der "politischen Ökonomie" tritt, dessen Revitalisierung durch die Beobachtung reklamiert wird, dass die Dinge heute unter Globalisierungsbedingungen noch komplexer geworden sind - "governance(s)" und "pluralisms" - und irgendwie alles mit allem zusammenhängt.

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