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Alte Geschichte

A. Busch: Militär in Rom

 

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Diese Rezension wurde redaktionell betreut von: Udo Hartmann <hartmannugeschichte.hu-berlin.de>
Autor(en):
Titel:Militär in Rom. Militärische und paramilitärische Einheiten im kaiserzeitlichen Stadtbild
Reihe:Palilia 20
Ort:Wiesbaden
Verlag:Reichert Verlag
Jahr:
ISBN:978-3-89500-706-4
Umfang/Preis:184 S.; € 29,80

Rezensiert für H-Soz-u-Kult von:
Josef Löffl, Pfaffenhofen an der Ilm
E-Mail: <Josef.Loefflgmx.de>

Untersuchungen zu Einrichtungen des römischen Militärs in den Provinzen des Imperium Romanum erfreuen sich nach wie vor einer ununterbrochenen Beliebtheit.[1] Ganz anders sieht es aber aus, wenn man sich auf die Suche nach einer archäologischen Überblicksdarstellung zu den stadtrömischen Einheiten macht. Erfreulicherweise wird diese Lücke nun durch den Band „Militär in Rom. Militärische und paramilitärische Einheiten im kaiserzeitlichen Stadtbild“ von Alexandra W. Busch geschlossen, bei dem es sich um eine überarbeitete Dissertation aus dem Jahr 2004 handelt. Im Zentrum der Analyse stehen drei Hauptfragen (S. 16): Wie entwickelt sich das Auftreten des Militärs in Rom im Laufe der Kaiserzeit? Wie treten die Angehörigen der verschiedenen Verbände in der urbs auf? Wie gestaltet sich das Alltagsleben der Männer in ihren stadtrömischen Unterkünften und in welcher Beziehung stehen diese Einrichtungen zu ihren Pendants an den Grenzen des Imperium Romanum? Die Beschreibung des Wirkens und Wesens des Militärs in Rom erfolgt dabei für die Zeitspanne von 27 v.Chr. bis 312 n.Chr. unter besonderer Berücksichtigung archäologischer Zeugnisse (S. 13).

Die Publikation gliedert sich in drei Kapitel, an die sich eine prägnante Zusammenfassung in deutscher (S. 159–162) und italienischer Fassung (S. 163–166) anschließt. Am Anfang des Kapitels „Historische Einführung“ (S. 17–28) wird kurz (S. 17f.) der Wandel von der strikten Einhaltung der religiösen Reglements des tabuisierten Einsatzes von Waffengewalt innerhalb des pomerium über die Zeit der Bürgerkriege bis hin zur Stationierung von Einheiten in der urbs zu Beginn der Kaiserzeit thematisiert. Im Abschnitt „Zusammensetzung und Aufgaben des Militärs in Rom“ (S. 18–24) gibt Busch einen prägnanten Überblick zu den verschiedenen Gattungen stadtrömischer Einheiten sowohl hinsichtlich der Organisation als auch ihrer Einsatzbereiche. Daraufhin werden verschiedene literarische und archäologische Zeugnisse gestreift, die Auskunft über das Auftreten der Angehörigen stadtrömischer Verbände geben. Dabei erörtert die Autorin etwa den Aspekt, in welchem Kontext antike Autoren das Auftreten bewaffneter Soldaten positiv oder negativ beurteilen (S. 26).

Im Kapitel „Lager und Unterkünfte“ (S. 29–109) erfolgt nicht nur eine fundierte Bestandsaufnahme der verschiedenen Stationierungsgebäude der Militärangehörigen, sondern auch deren Analyse hinsichtlich Fragen wie etwa der Struktur dieser Einrichtungen in Rom (S. 29). Im Vordergrund steht dabei die Untersuchung des Lagers der Prätorianer und der cohortes urbanae (S. 31–72). Nach sehr knappen Hinweisen zum historischen Hintergrund (S. 31f.) bietet Busch eine tiefgehende archäologische Beschreibung, die neben der Forschungsgeschichte (S. 32–34) und der Topographie (S. 34–38) der castra praetoria in übersichtlicher Gliederung sehr detailliert Angaben über die Bauweise der Umwehrung (S. 38–51) und zu den Bauformen im Lagerinneren (S. 56–69) macht. Analog dazu bearbeitet Busch das jüngere Lager der equites singulares Augusti (S. 75–83), das Lager der sogenannten peregrini (S. 84–91) und die Unterkünfte der vigiles (S. 91–94). Nach einer kurzen Vorstellung der heute vornehmlich über die Epigraphik und die literarischen Quellen zu fassenden Stationierungseinrichtungen in Rom (S. 94–96) nimmt die Autorin eine Interpretation der von ihr vorgelegten Befunde vor: Sie kommt dabei unter anderem zu dem Schluss, dass die stadtrömischen Militärlager in höher gelegenen Bezirken der urbs auch unter dem Gesichtspunkt der günstigen Verkehrsanbindung errichtet wurden (S. 97).

Im Abschnitt „Die Außenwirkung der Lager“ (S. 101–104) charakterisiert Busch die Fortifikation der frühen Form des Lagers der Prätorianer als eine Art Attrappe (S. 101), mit deren Hilfe vornehmlich eine Trennung von ziviler und militärischer Ebene erfolgte, die aber nicht für eine Belagerung ausgelegt war. Zudem betont die Autorin die bauliche Vorbildfunktion der castra praetoria für die Militärlager in den Provinzen (S. 102). Ferner wird der Leser darauf hingewiesen, dass zwischen der Unterbringung römischer Soldaten in den Militäranlagen an den Reichsgrenzen und in Rom erhebliche Unterschiede bestanden, so etwa das häufige Fehlen von an die contubernia angeschlossenen Räumen zur Unterbringung von Ausrüstung und die größere Dimensionierung der Mannschaftsräume in der urbs (S. 104f.). Die Autorin betrachtet außerdem die spielkartenförmige Struktur der castra praetoria quasi als Archetypus für die nachfolgenden Militäranlagen in der frühen Kaiserzeit (S. 108f.).

Mit dem Kapitel „Begräbnisplätze und Grabdenkmäler“ (S. 111–158) liefert Busch eine klar strukturierte und fundierte Übersichtsdarstellung zu den entsprechenden Zeugnissen der Prätorianer (S. 114–125), der Germani corporis custodes (S. 125–127), der equites singulares Augusti (S. 127-137), der cohortes urbanae (S. 137–139), der vigiles (S. 139f.), der sogenannten peregrini (S. 140f.) sowie der Flottensoldaten aus Ravenna und Misenum (S. 141f.). Wie auch im vorangegangenen Kapitel wird die Darstellung mit Hilfe von qualitativ hochwertigen Abbildungen untermauert. In ihrer Interpretation weist Busch auf die Tatsache hin, dass die räumliche Distanz zwischen Stationierungsort und Grablegen bei etlichen Einheiten des stadtrömischen Militärs äußerst gering war, was von ihr als Zeichen der Verbundenheit der Männer zur Truppe und zum jeweiligen Lager über den Tod hinaus gewertet wird (S. 143). Bei ihrer Analyse der Zusammensetzung der einzelnen Begräbnisplätze kommt die Autorin zu dem Schluss, dass lediglich die Nekropole der equites singulares Augusti an der Via Labicana als Soldatennekropole zu bezeichnen ist, da sich an anderen Orten zwar Gruppen von Grablegen Militärangehöriger finden, dort zugleich aber auch Mitglieder anderer Gesellschaftsgruppen bestattet wurden (S. 145). Äußerst interessant gestaltet sich die Untersuchung des Erscheinungsbildes des stadtrömischen Militärs in den Nekropolen: Busch zeigt auf, dass die entsprechenden Darstellungen auf den Grabstelen einen fundamentalen Wandel von der frühen Kaiserzeit bis in die Phase der Reichskrise erfahren (S. 152–155). Der Band verfügt sowohl über ein Personen-, Sach- und Ortsregister (S. 173–176) als auch über ein Quellenregister (S. 176–183) – ein Literaturverzeichnis sucht der Leser aber vergeblich. Als besonders nützlich hervorzuheben sind die tabellarischen Überblicke, die beispielsweise eine Übersicht zu den Militärverbänden in Rom (Tabelle 1, S. 168) und zu den Formen der Grabanlagen der Soldaten (Tabelle 7, S. 172) offerieren.

Mit diesem Band bietet die Autorin nicht nur eine gelungene Überblicksdarstellung zum Militär in Rom, sondern führt vor allem bisher in der Untersuchung des römischen Militärs separierte Themenfelder zu einem stimmigen Gesamtbild zusammen.

Anmerkung:
[1] Exemplarisch verweise ich diesbezüglich auf die hervorragende Publikation von Michael Dobson, The Army of the Roman republic. The second century BC, Polybius and the camps at Numantia, Spain, Oxford 2008.

ZitierweiseJosef Löffl: Rezension zu: Busch, Alexandra W.: Militär in Rom. Militärische und paramilitärische Einheiten im kaiserzeitlichen Stadtbild. Wiesbaden 2011, in: H-Soz-u-Kult, 18.02.2013, <http://hsozkult.geschichte.hu-berlin.de/rezensionen/2013-1-105>.

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