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Vierteljahrshefte für Zeitgeschichte 60 (2012), 2

 

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Zeitschrift:Vierteljahrshefte für Zeitgeschichte
Herausgeber:Im Auftrag des Instituts für Zeitgeschichte herausgegeben von Helmut Altrichter, Horst Möller, Hans-Peter Schwarz und Andreas Wirsching
ISSN:0042-5702
Verlag,
Erscheinungsort:
Oldenbourg Verlag,
München
Preis:Jahresabo: 69,80€, Stud.abo: 39,80€ Mitgl.abo. hist. u pol. Fachverbände: 54,80€, Online-Zugang: 66€, Print+Online-Abo 69,80€
Weitere Angaben:vierteljährlich
Ausgabe:2/2012
Link zu dieser Ausgabe:www.oldenbourg-link.com/toc/vfzg/60/2

Die April-Ausgabe der „Vierteljahrshefte für Zeitgeschichte“ ist erschienen. Die Links führen Sie direkt zu den Aufsätzen.

VfZ 60 (2012), Heft 2

INHALTSVERZEICHNIS

Aufsätze

Hubert Wolf
Reichskonkordat für Ermächtigungsgesetz? Zur Historisierung der Scholder-Repgen-Kontroverse über das Verhältnis des Vatikans zum Nationalsozialismus

Beschleunigte der Heilige Stuhl 1933 das Ende der Weimarer Republik, um im Gegenzug mit dem nationalsozialistischen Staat das Reichskonkordat abschließen zu können? Drängte der Vatikan die Zentrumspartei, dem Ermächtigungsgesetz zuzustimmen, und die deutschen Bischöfe, ihre Warnungen vor dem Nationalsozialismus zurückzunehmen? Diese Fragen werden seit den fünfziger Jahren heftig diskutiert – in der Geschichtswissenschaft wie in der breiten Öffentlichkeit. Ihren Höhepunkt erreichte die Debatte Ende der siebziger Jahre, ihre Protagonisten waren der protestantische Kirchenhistoriker Klaus Scholder und der katholische Historiker Konrad Repgen. Gut dreißig Jahre später, nachdem in den Vatikanischen Archiven die Akten aus der Zeit Pius’ XI. zugänglich geworden sind, widmet sich der vorliegende Aufsatz einer kritischen Neubetrachtung und Historisierung dieser Kontroverse. Nun können die Argumente Scholders und Repgens neu abgewogen werden. Äußerst aufschlussreich ist es zudem, den Streit der Kontrahenten um die historische Methode, ihre Argumentationsstrategien in der Auseinandersetzung und ihren Standpunkt im gesellschaftlichen Kräftefeld der „alten“ Bundesrepublik zu analysieren – nicht zuletzt mit Blick auf den Ort und die Methoden der kirchlichen Zeitgeschichte der Gegenwart.
[S. 169–200; www.oldenbourg-link.com/doi/pdf/10.1524/vfzg.2012.0010]

Daniel Schmidt
Der SA-Führer Hans Ramshorn. Ein Leben zwischen Gewalt und Gemeinschaft (1892–1934)

Wie wird aus einer konventionellen preußischen Offizierskarriere der vielfach gebrochene Lebensweg eines völkischen Paramilitärs? Dieser Frage geht der Beitrag am Beispiel der Biographie Hans Ramshorns (1892-1934) nach. Kennzeichnend für diese soldatische Existenz waren zum einen seine unbedingte Feindschaft und radikale Gewaltbereitschaft gegenüber jenen, die er für die Niederlage im Ersten Weltkrieg verantwortlich machte, zum anderen das Bestreben, sein Leben als Führer einer Lebens- und Kampfgemeinschaft gleichgesinnter Männer zu gestalten. Ramshorn kämpfte im Ersten Weltkrieg und an den Bürgerkriegsfronten der Nachkriegszeit, bevor er als Polizeioffizier im Dienst der Republik maßgeblich an der Niederschlagung des Mitteldeutschen Aufstands beteiligt war. Später schloss er sich der Schwarzen Reichswehr an, engagierte sich in der völkischen Bewegung und fand schließlich 1931 zur SA. Aufgrund seiner exzellenten Vernetzung und seinem Können als paramilitärischer Organisator stieg er auf zum Führer der oberschlesischen SA und im Frühjahr 1933 schließlich zum Polizeipräsidenten von Gleiwitz. Es gelang diesem Verfechter eines kompromisslosen Gewaltkurses aber ebenso wenig wie den anderen schlesischen SA-Führern, seine Machtstellung auszubauen. Als die Konflikte zwischen Reichswehr, SS und SA eskalierten, wurde Ramshorn in der Nacht zum 1. Juli 1934 ermordet. Wie viele andere soldatische Renegaten, die den Aufstieg des Nationalsozialismus organisiert hatten, scheiterte Ramshorn letztlich an der politischen Ambivalenz seiner paramilitärischen Orientierung, die einerseits die Unterordnung suchte, andererseits „anarchisch“ (Ernst Jünger) war.
[S. 201–235; www.oldenbourg-link.com/doi/pdf/10.1524/vfzg.2012.0011]

Markus Krzoska
Der „Bromberger Blutsonntag“. Kontroversen und Forschungsergebnisse

Der so genannte „Bromberger Blutsonntag“ (3./4.9.1939) und seine Folgen gehört bis zum heutigen Tage zu den umstrittenen Themen der Geschichte des Zweiten Weltkriegs. Trotz umfangreicher Forschungen deutscher und polnischer Wissenschaftler konnten bisher die damaligen Ereignisse nicht geklärt werden. Angesichts des Fehlens zentraler Quellen auf deutscher Seite ist dies vermutlich auch nicht mehr möglich. Demgegenüber sind die Untersuchungen zu den Zahlen und Namen der polnischen Opfer in den letzten Jahren deutlich vorangekommen. Der vorliegende Beitrag ergänzt die vorliegenden polnischen Materialien aus den Jahren 2008/2009 um eigene Recherchen auf der Basis deutscher unveröffentlichter Unterlagen der Historisch-Landeskundlichen Kommission für die Deutschen in Polen, darunter dem Nachlass des ehemaligen Lehrers August Müller, die sich im Marburger Herder-Institut befinden. Die vergleichende Analyse der Namen der Toten weist überraschende Unterschiede auf, wohingegen die Einschätzung der Zahl der Todesopfer insgesamt (über 400) auf deutscher und auf polnischer Seite erstaunlich ähnlich ist. Eine endgültige Klärung kann jedenfalls auf der Basis der bisher bekannten Quellen nicht erzielt werden.
[S. 237–248; www.oldenbourg-link.com/doi/pdf/10.1524/vfzg.2012.0012]

Gabriele Metzler
Konfrontation und Kommunikation. Demokratischer Staat und linke Gewalt in der Bundesrepublik und den USA in den 1970er Jahren

Fast alle westlichen Demokratien wurden während der 1970er Jahre von linker Gewalt herausgefordert. Seit einigen Jahren beschäftigt sich die Geschichtsforschung vor allem mit der Entstehung „terroristischer“ Gruppen sowie deren radikalen politischen Ideen und gewalttätigen Strategien, welche als Kommunikationsvorgänge interpretiert wurden. Erst seit kurzen wird auch die staatliche Reaktion auf politisch motivierte Morde, Entführungen, Bombenanschläge und Banküberfälle durch die Forschung in den Blick genommen. Der vorliegende Aufsatz unterzieht die „Antiterrorismuspolitik“ der Bundesrepublik und der USA einer vergleichenden Analyse. Maßnahmen der Regierung, Polizeiaktionen und Prozesse gegen die Täter werden von einer Perspektive aus interpretiert, die die Performancetheorie mit historischen Methoden verbindet. Dabei fokussiert der Beitrag vor allem auf performative Handlungen, die die breitere Öffentlichkeit einbezogen, sowie auf die Narrative, die von den führenden politischen Akteuren (beispielsweise den Regierungschefs) verwendet wurden. In diesen Narrativen spielten Bezüge auf Krieg – entweder den Zweiten Weltkrieg oder den Kalten Krieg – eine genauso zentrale Rolle wie die Zuweisung „Terrorist“ oder „Terrorismus“. Während die Terrorismusforschung die Bedeutung von Gewalt und dem Leben im Untergrund als „Lebensstil“ hervorgehoben hat, zeigt dieser Aufsatz, dass der Kampf dagegen in nicht geringerer Weise Verhaltensänderungen und die Annahme spezifischer Rollen implizierte.
[S. 249–277; www.oldenbourg-link.com/doi/pdf/10.1524/vfzg.2012.0013]

Karsten Jedlitschka
Arkanum der Macht. Die „Geheime Ablage“ im Zentralarchiv der DDR-Staatssicherheit

Im Dezember 1953 schuf die Staatssicherheit innerhalb ihres Zentralarchivs eine zusätzliche Sperrablage, die sogenannte „Geheime Ablage“. Dort wurden in den folgenden Jahrzehnten fast 13000 Aktenbände mit einem Gesamtumfang von knapp 350 laufenden Metern abgelegt. Die Vorgänge unterlagen größter Geheimhaltung, lagerten verplombt in separaten, verschlossenen Regalanlagen, der Zugang war strikt reglementiert, über Ausleihen und Rückgaben wurde penibel Buch geführt. Der Beitrag analysiert die Inhalte dieser Sonderablage und die Motive für deren Einrichtung. Wie sich zeigt, wurden dort neben operativ-geheimpolizeilich brisanten Vorgängen v.a. Unterlagen abgelegt, die moralisches oder strafrechtlich relevantes Fehlverhalten innerhalb des SED-Sicherheits- und Herrschaftsapparates dokumentieren. Die „Geheime Ablage“ sorgte dafür, dass diese brisanten Vorgänge dauerhaft weggeschlossen blieben. So trug sie ihren Teil zur Sicherung der SED-Diktatur bei.
[S. 279–290; www.oldenbourg-link.com/doi/pdf/10.1524/vfzg.2012.0014]

Bernhard Dietz/Christopher Neumaier
Vom Nutzen der Sozialwissenschaften für die Zeitgeschichte. Werte und Wertewandel als Gegenstand historischer Forschung.

Für die Zeitgeschichtsschreibung stellt sich das methodische Problem, wie sozialwissenschaftliche Forschungsergebnisse für die eigenen Analysen genutzt werden können: Handelt es sich ausschließlich um Quellen, die Aufschluss über die zeitgenössische Selbstbeschreibung liefern? Oder enthalten sie darüber hinaus analytisches Potential, das sich durch konstruktive historisch-kritische Aneignung eröffnet? Dieser Beitrag argumentiert – im Unterschied zu Rüdiger Graf und Kim Christian Priemel (VfZ 59.4 2011) –, dass sozialwissenschaftliche Texte je nach Fragestellung sowohl Quelle als auch Literatur sein können. Um dies zu demonstrieren wird mit der Historischen Wertewandelsforschung ein theoretisch-methodisch reflektierter Ansatz vorgestellt, der überhaupt erst aus der methodischen Kritik an einer sozialwissenschaftlichen Theorie hervorgegangen ist und für die Geschichtswissenschaft tragfähige Analyseinstrumente für den Wandel gesellschaftlicher Wertvorstellungen im 19. und 20. Jahrhundert zur Verfügung stellt.
[S. 293–304; www.oldenbourg-link.com/doi/pdf/10.1524/vfzg.2012.0015]

Kontakt:

Redaktion Vierteljahrshefte für Zeitgeschichte
Institut für Zeitgeschichte
Leonrodstraße 46b
80636 München

URL:http://www.ifz-muenchen.de/vierteljahrshefte.html; http://www.vierteljahrshefte.de
URL zur Zitation dieses Beitrageshttp://hsozkult.geschichte.hu-berlin.de/zeitschriften/ausgabe=6815

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