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Historical Social Research (HSR) 28 (2003), 1/2

 

Informationen zu diesem Beitrag

Zeitschrift:Historical Social Research / Historische Sozialforschung (HSR)
Herausgeber:Zentrum für Historische Sozialforschung e.V
ISSN:0172-6404, 0936-6784
Verlag,
Erscheinungsort:
Selbstverlag des Herausgebers,
Köln
Preis:40 EURO für Institute und Bibliotheken; Sonderpreis für H-Soz-u-Kult-Listenteilnehmer: 10 EURO
Weitere Angaben:4 Hefte / Jahr; 200 Seiten / Heft
Ausgabe:1-2/2003 - DDR-Forschung; Analyse der Führungseliten der DDR

Die Zeitschrift HSR: Historical Social Research, ist eine internationale Zeitschrift, in der englisch- und deutschsprachige Artikel zu Methoden und Forschungsproblemen der Historischen Sozialforschung veröffentlicht werden. Es erscheinen jährlich 4 Hefte.

Das aktuellen Sonderheft HSR Vol.28(2003), No. 1/2 erscheint unter dem Titel „Funktionseliten der DDR: Theoretische Kontroversen und empirische Befunde“.

Das HSR-Sonderheft stellt in zehn Beiträgen Theorien, Methoden, Daten und neueste Ergebnisse aus dem Kontext des Jenaer Forschungsprojektes „Führungsgruppen und gesellschaftliche Differenzierungsprozesse in der DDR“ (Leitung: Heinrich Best / Stefan Hornbostel) vor. Gegenstand des Forschungsprojektes ist die Identifizierung und Analyse zentraler Dimensionen gesellschaftlicher Differenzierung der DDR und grundlegender Steuerungsmechanismen einer staatssozialistischen Gesellschaft, insbesondere vor dem Hintergrund der sozialegalitären Zieldefinitionen des DDR-Regimes.

Im Zentrum steht hierbei die Frage nach den typischen „Opportunitätsstrukturen“ in den Laufbahnen und Karrieremustern von Führungskräften, verortet im Spannungsfeld von Fachkompetenz und politischer Loyalität. Im Einzelnen beziehen sich die Forschungsfragen auf Ausmaß und Art horizontaler und vertikaler Mobilität, auf die Rolle des Bildungssystems in den Allokationsprozessen, auf die Relevanz symbolischer Kapitalien, auf die Bedeutung von Systemloyalität versus Fachqualifikation, auf die Verknüpfungsstrukturen verschiedener Teilsysteme des Führungspersonals und auf das Ausmaß der Selbstreproduktion von Führungsschichten.

Datenbasis des Forschungsprojektes sind "prozessproduzierte Daten" der DDR-Administration: Der "Zentrale Kaderdatenspeicher" (ZKDS) des Ministerrates der DDR. Dieser "Datenspeicher" diente in der DDR als Kontroll- und Steuerungsinstrument bei der Auswahl und dem Einsatz von Führungskadern und Mitarbeitern. Verfügbar sind Datensätze ab dem Jahr 1980 mit Informationen über insgesamt rund 650.000 Führungskräfte aus Wirtschaft, Verwaltung, Wissenschaft und Politik. In über 500 Variablen sind – teilweise als Verlaufsdaten – Angaben zu folgenden Bereichen enthalten: Soziale und politische Herkunft, Aus- und Weiterbildung, Mitgliedschaften in Parteien und gesellschaftlichen Organisationen, beruflicher Werdegang einschließlich der Arbeitsstellen, ausgeübte besondere Funktionen, spezielle Kenntnisse, erhaltene Auszeichnungen, Auslandsaufenthalte, Kinderzahl, sowie einige Informationen zu den Eltern und zum Partner.

Bisherige Analysen des Datenmaterials haben sich vorrangig mit der Rekrutierung der DDR-Leitungskräfte befasst. Hierbei hat sich gezeigt, dass das von der DDR propagierte Selbstbild eines "Arbeiter- und Bauernstaates" bestenfalls für die Gründerjahre Evidenz beanspruchen konnte. Für die Folgezeit sind demgegenüber Prozesse sozialer Schließung charakteristisch, die sich in den Finaljahren der DDR offenbar immer beschleunigter vollzogen haben: Es lässt sich zunehmend eine Rekrutierung des Führungspersonals aus der Intelligenz – also eine Selbstrekrutierung – feststellen. Die Befunde wecken Zweifel an der Vorstellung einer homogenen gesellschaftlichen DDR-Elite – stattdessen existierten beträchtliche sektorale und positionale Differenzierungen. Im Bereich der Funktionselite der Wirtschaft wirkten meritokratische Selektionsmuster in einem nicht erwarteten Maße. Es bildeten sich offenbar erhebliche subsystemare Eigenrationalitäten heraus, die sich durch Prozesse der Selbstrekrutierung verfestigen konnten. Schließlich entpuppt sich auch das Postulat der "Gleichberechtigung der Geschlechter" als Mythos: Der Frauenanteil in Leitungspositionen nimmt über die Hierarchieebenen kontinuierlich ab (eine einzige Ausnahme bilden die Räte der Bezirke, in denen sich ein Quotenmechanismus etablieren konnte).

Dieses Heft wird den Teilnehmern der H-Soz-u-Kult-Mailingliste zum Sonderpreis von 10,- EURO angeboten.

No. 103/104, HSR Vol. 28 (2003) 1/2

Sonderheft / Special Issue

Funktionseliten der DDR: Theoretische Kontroversen und empirische Befunde /
The GDR’s Functional Elites: Theoretical Discussion and Empirical Results

Editors
HEINRICH BEST / STEFAN HORNBOSTEL

CONTENTS

EDITORIAL

Detlef Pollack
Auf dem Weg zu einer Theorie des Staatssozialismus.

Frank Ettrich
Differenzierung und Eliten im Staatssozialismus.

Ulf Rathje
Archivierung von DDR-Daten im Bundesarchiv – ein Rückblick auf zehn Jahre.

Dietmar Remy
Datenfriedhof oder Füllhorn für die DDR-Forschung? Geschichte, Funktionsweise und wissenschaftlicher Wert des Zentralen Kaderdatenspeichers des Ministerrates der DDR.

Heinrich Best / Stefan Hornbostel
Die Analyse prozess-produzierter Daten am Beispiel des Zentralen Kaderdatenspeichers des Ministerrates der DDR.

Heinrich Best
Sozialismus in der DDR: ein Feldexperiment mit paradoxalem Ergebnis.

Stefan Hornbostel
Gegenelite oder verdiente Kämpfer für den Sozialismus?

Axel Salheiser
“Du und deine Elite!” – Leitungskader im Elektroniksektor der DDR-Industrie zwischen fachlicher Qualifikation und politischer Loyalität.

Ronald Gebauer
War die DDR eine entdifferenzierte Gesellschaft? Ergebnisse einer Ereignisanalyse auf Basis der Daten des Zentralen Kaderdatenspeichers des Ministerrates der DDR.

Anne Goedicke
Fachexperten und Leitungskader: Karrieren von Angehörigen der oberen Dienstklasse der DDR nach der Wende.

METHODS

Frank Uekötter
Umweltbewegung zwischen dem Ende der nationalsozialistischen Herrschaft und der “ökologischen Wende”: Ein Literaturbericht.

CLIOMETRICS
Claude Diebolt
Accounting Expenditures on Education – Japan from the Meiji Restoration to the Second World War.

DATA & ARCHIVES
Historische Datenbanken und Multimedia (Florian Krüpe); Ergänzende Anmerkung zu: „Der Beitrag historischer Studien zur Sozialkapitalforschung.“ (Gabriele Franzmann).

HUMANITIES COMPUTING
Die Erschließung des Binswanger-Archivs im Universitätsarchiv Tübingen (Irmela Bauer-Klöden / Johannes Michael Wischnath); Das Tübinger Projekt zur Erschließung und Auswertung des Binswanger-Archivs mit TUSTEP (Albrecht Hirschmüller).

PAST EVENTS
Die DDR als Fußnote der deutschen Wirtschaftsgeschichte? (Matthias Judt); Zeitgeschichte als Streitgeschichte. Historische Kontroversen und politische Kultur nach 1945 (Albrecht Wiesener); German History, 1945-1990 (Richard F. Wetzell).

MISCELLANEOUS NOTES
Ökonomische Eliten im sächsischen Transformationsprozeß seit 1989.

PUBLICATIONS: EXTRACTS, REVIEWS, NOTICES
Christiane Lamberty: Reklame in Deutschland 1890-1914. Wahrnehmung, Professionalisierung und Kritik der Wirtschaftswerbung (Hartmut Berghoff); Konrad H. Jarausch / Martin Sabrow (Hrsg.): Verletztes Gedächtnis. Erinnerungskultur und Zeitgeschichte im Konflikt (Jan-Holger Kirsch); Norbert Frei (Hg.): Karrieren im Zwielicht. Hitlers Eliten nach 1945 (Kerstin von Lingen); Sammelrezension: Günther Schulz (Hrsg.): Frauen auf dem Weg zur Elite; Sven Papcke: Gesellschaft der Eliten. Zur Reproduktion und Problematik sozialer Distanz; Andrei Plesu: Eliten. Ost und West; Beate Krais: An der Spitze. Von Eliten und herrschenden Klassen; Karl M. Michel / Ingrid Karsunke / Tilmann Spengler: Die neuen Eliten (Volker Ackermann).

Kontakt:

GESIS – Leibniz-Institut für Sozialwissenschaften
Journal Historical Social Research
Unter Sachsenhausen 6-8
50667 Köln

URL:http://www.gesis.org/hsr
URL zur Zitation dieses Beitrageshttp://hsozkult.geschichte.hu-berlin.de/zeitschriften/ausgabe=979

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