Zeitgeschichte-online
 
< zurück | 2 / 80 Terminevorwärts >

CfP

Das Globale lokal: Historische Perspektiven auf das Verhältnis von Stadt und Globalisierung in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts

 

Informationen zu diesem Beitrag

Veranstalter:Dr. Christiane Reinecke / Dr. Christoph Strupp, Forschungsstelle für Zeitgeschichte in Hamburg (FZH)
Datum, Ort:16.11.2012-17.11.2012, Hamburg, Forschungsstelle für Zeitgeschichte in Hamburg
Deadline:15.04.2012

In aktuellen politik- und sozialwissenschaftlichen Analysen zur Globalisierung bilden Städte ein bevorzugtes Untersuchungsfeld. Gerade an der veränderten Stellung von Städten zeigen sich demnach die umfassenden Verschiebungen, die mit der Globalisierung von Finanz- und Handels-, Informations- und Migrationsströmen einhergehen. Städte sind in dieser Perspektive ebenso Austragungsorte wie Akteure der Globalisierung: Sie sehen sich einer weltweiten Standortkonkurrenz und einem verstärkten Wettbewerb mit anderen Städten ausgesetzt, zugleich wächst ihr Einfluss mit dem Bedeutungsverlust des Nationalstaates und im Zuge einer grundlegenden Rekonfiguration sozialer Räume. Die – primär soziologische – Forschung zu global cities und postfordistischen Städten hat den Blick auf die Anstrengungen der Städte gelenkt, unter den Bedingungen von Deindustrialisierung und Tertiärisierung ihre ökonomischen Kapazitäten auszubauen. Auch hat sie die Privatisierung öffentlicher Leistungen und den Abbau sozialer Sicherungssysteme sowie die wachsende soziale und ethnische Polarisierung der Bewohnerschaft thematisiert.

Doch so interessant diese aktuelle Auseinandersetzung mit dem Globalen und Lokalen ist, so sehr fällt ihre Geschichtsvergessenheit ins Auge. Wie sich das Verhältnis von Stadt und Globalisierung in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts entwickelte, ist bisher nur oberflächlich untersucht worden. Der Erforschung der ersten Globalisierung im langen 19. Jahrhundert widmen sich inzwischen zahlreiche historische Studien, die auch die Rolle von Städten in imperialen und globalen Konfigurationen in den Blick nehmen. Für die Historisierung von Globalisierungsdynamiken in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts gilt das weniger. Dabei werfen die aktuellen Auseinandersetzungen mit Globalisierung und Urbanisierung gerade für die zeithistorische Forschung produktive Fragen auf: Was gerät in den Blick, wenn Städte mit ihren räumlichen, politischen oder gesellschaftlichen Entwicklungen stärker in globalen Kontexten untersucht werden – und inwiefern modifiziert ein historisierender Blick die gängigen Thesen zum Verhältnis von Stadt und Globalisierung in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts?

Mit diesen Fragen wird sich der Workshop an der Forschungsstelle für Zeitgeschichte in Hamburg auseinandersetzen. Grundlage der Diskussion werden Vorträge sein, die den Kommentatorinnen und Kommentatoren vorab in schriftlicher Form zur Verfügung gestellt werden. Als Leitlinie dient die Frage, wie sich seit den 1940er Jahren die Einbindung von Städten und städtischen Akteuren in transnationale Wirtschafts-, Wanderungs- und Kommunikationsströme veränderte und inwiefern Globalisierungsdynamiken damit auf städtischer Ebene sicht- und erfahrbar wurden. Wo fand sich überhaupt das Globale im Lokalen, mit welchen globalen Entwicklungen sahen sich städtische Akteure konfrontiert? Welche politischen, ökonomischen oder kulturellen Veränderungen auf urbaner Ebene lassen sich tatsächlich über die Einbettung in transnationale Zusammenhänge erklären?

Für diesen Fragekomplex erscheinen sechs Themenfelder besonders relevant:

1. Ökonomie: Verschiebungen in der städtischen Wirtschaftsstruktur und den Arbeitsverhältnissen (Auswirkungen von Deindustrialisierung und der wachsenden Bedeutung des Dienstleistungs- und Finanzsektors), transnationale Wirtschaftsbeziehungen und ihre Auswirkungen im urbanen Raum, Standort- und Infrastrukturwettbewerb zwischen Städten

2. Politik: Austausch und Vernetzung mit anderen Kommunen, Einbindung in transnationale Städteverbünde, Transfer stadtpolitischer Ideen und Modelle

3. Soziale Bewegungen: Vernetzung urbaner sozialer Bewegungen und Proteste, Reaktionen auf räumliche Marginalisierungsprozesse

4. Migration: Einbindung von Städten in transnationale Migrationszusammenhänge, insbesondere im Zusammenhang mit Dekolonisierungsprozessen

5. Medien und Öffentlichkeit: Positionierung von Städten in regional, national oder international übergreifenden Kommunikationsstrukturen, Selbstvermarktung und Imagepolitik der Städte

6. Kultur: Verknüpfung lokaler Kunst-, Musik- und Literaturszenen mit transnationalen Strömungen und Netzwerken

Die Beiträge können sowohl theorieorientiert als auch empirisch auf konkrete Forschungsprojekte mit historischer Dimension bezogen sein. Konferenzsprache wird Deutsch sein, es sind aber auch Beiträge in englischer Sprache möglich.

Bitte schicken Sie Ihren Vorschlag mit einem Abstract von maximal 500 Wörtern und einem kurzen CV bis zum 15. April 2012 als PDF oder Word-Dokument per e-mail an die Organisatoren. Für Rückfragen stehen Ihnen Dr. Christiane Reinecke (reineckezeitgeschichte-hamburg.de) oder Dr. Christoph Strupp (struppzeitgeschichte-hamburg.de) gerne zur Verfügung.

Kontakt:

Christiane Reinecke

Beim Schlump 83
20144 Hamburg

reineckezeitgeschichte-hamburg.de

URL zur Zitation dieses Beitrageshttp://hsozkult.geschichte.hu-berlin.de/termine/id=18702

Copyright (c) 2014 by H-Soz-u-Kult (H-Net), all rights reserved.
This work may be copied for non-profit educational use if proper credit is given to the author and the list. For other permission, please contact hsk.redaktiongeschichte.hu-berlin.de.

 
< zurück | 2 / 80 Terminevorwärts >