Informationen zu diesem Beitrag
| Zeitschrift: | vorgänge. Zeitschrift für Bürgerrechte und Gesellschaftspolitik |
| ISSN: | 0507-4150 |
| Verlag, Erscheinungsort: | Berliner Debatte Wissenschaftsverlag, Berlin |
| Preis: | 12 € |
| Weitere Angaben: | 4 Ausgaben pro Jahr |
| Ausgabe: | 173/2006 - Religion und moderne Gesellschaft |
Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Kolleginnen und Kollegen,
Als vor fünf Jahren Jürgen Habermas in seiner Dankesrede für den Friedenspreis des deutschen Buchhandels den Glauben als gesellschaftliche Macht entdeckte, überraschte der Theoretiker der Moderne damit seine Zuhörer in der Frankfurter Paulskirche. Dennoch trafen seine Worte vier Wochen nach dem 11. September 2001 den Nerv der Zeit. Seither erleben wir hierzulande eine permanente Diskussion über die Zusammenhänge von Religion, Politik und Öffentlichkeit, in Deutschland, im Verhältnis zu islamisch geprägten Ländern, aber auch in der Selbstbefragung westlicher Gesellschaften. Kopftuch und Karikaturen, der Papst und die Präambel der gescheiterten EU-Verfassung: Die Religion scheint in den säkular-aufgeklärten Gesellschaften des Westens mitnichten den langsamen Tod gestorben zu sein, der ihr viele Jahrzehnte prophezeit wurde. Doch kann man angesichts dieser zahllosen - oft medial inszenierten - Phänomene von einer Renaissance der Religion sprechen? Vieles spricht eher dafür, dass das gesellschaftliche Subsystem Glauben heute, in einer ansonsten ideologiearmen Zeit, in den öffentlichen Debatten einspringen muss, um den Auseinandersetzungen prinzipielle Würde zu verleihen. Dennoch: Religion als politischer Faktor wurde hierzulande zu lange ignoriert, in abgeklärt aufklärerischer Manier. Doch welche Macht darf sie in einer Demokratie bekommen, ohne diese zu gefährden?
Die vorgänge, die mit diesem Thema auch einen zentralen Impuls ihrer Gründerzeit vor vier Jahrzehnten aufgreifen, stellen die Gretchenfrage: Wie hält es die moderne Gesellschaft mit dem Glauben? Die Antworten unserer prominenten Autorinnen und Autoren fallen unterschiedlich aus. Doch hilft diese Breite der Aussagen, den Stellewert der Religion in der Gesellschaft zu verorten.
Anbei das Inhaltsverzeichnis; weitere Informationen zum Heft unter vorgaenge.humanistische-union.de/.
Es hat einen Wechsel in der Redaktion und beim Verlag der Vorgänge gegeben. Seit Anfang des Jahres ist Dieter Rulff der verantwortliche Redakteur der Vorgänge. Seitdem wird die Zeitschrift vom Berliner Wissenschaftsverlag betreut.
Das Heft kann beim Verlag (mailto: bwv
Eine Vorschau auf die kommenden Hefte finden Sie am Ende dieser mail: „Die Grenzen Europas?“ (2/2006), „Tod und Selbstbestimmung“ (3/2006), „Die geschlossenen Gesellschaften“ (4/2006).
Ideell gewinnbringende Lektüre wünschen aus Berlin
Alexander Cammann und Dieter Rulff
vorgänge 173
Zeitschrift für Bürgerrechte und Gesellschaftspolitik
45. Jahrgang, März 2006, Heft 1
Religion und moderne Gesellschaft
Editorial
Paul Nolte
Religion als neue gesellschaftliche Ressource
Warum wir einen religionsfreundlichen Staat brauchen (S. 3-20)
Markus Schroer
Ein unsterbliches Chamäleon?
Religion zwischen Säkularisierung und Sakralisierung (S. 21-30)
Matthias Pohlig
Luhmanns Mond
Ist Säkularisierung ein historischer Prozess? (S. 30-39)
Gunnar Hindrichs
Religion als politischer Existenzialismus (S.40-44)
Wahied Wadhat-Hagh
Islamistische Herrschaft als eine Form des Totalitarismus
Die Symbiose von Religion und politischer Diktatur im Iran (S. 45-53)
Jan Fuhse
Religion in der Migration
Ein Blick auf das Einwanderungsland Deutschland (S. 54-62)
Kirsten Wiese
Das Grundgesetz im Glaubenskampf
Rechtspolitische Dialektik: Kopftuchverbote können das Grundrecht der
Religonsfreiheit wieder beleben (S. 63-70)
Maren Ziese
Visuelle Glaubenssuche?
Zwei Kunstausstellungen inszenieren Religion (S. 71-80)
Ulrich Finckh
Wege und Irrwege der Religion
Warum die Moderne einen anderen Glauben braucht (S. 81-86)
Carl-Wilhelm Macke
Von der Aufklärung eines religiösen Herzens
Erinnerung an frühen Glauben und spätere Lektüren (S. 87-96)
Philipp Schwörbel
„Der Tourist verlangt, der Pilger dankt“
Der Jakobsweg: Tagebuch einer Pilgerwanderung (S. 97-105)
Essay
Gesine Schwan
Die demokratische Verantwortung der Medien
Warum die Rückbesinnung auf einen aufklärerischen Journalismus Not tut (S. 106-113)
Kommentare und Kolumnen
Jürgen Seifert
Vierzehn Aphorismen
Aus der Sammlung Unterm Wolfspelz (1958) (S.114-115)
Martin Kohlrausch
Horst Köhlers konzeptionelle Führung
Das Amtsverständnis des Bundespräsidenten (S. 116-122)
Autorinnen und Autoren (S. 123)
Vorschau
Vorschau auf Heft 174 (2/2006 – Juni): „Die Grenzen Europas“:
Die Europäische Union steckt in ihrer tiefsten Krise. Jahrelang hatte der Souverän die Legitimationsdefizite und strukturellen Schwächen in einem „permissive Konsens“ hingenommen. Dieser Konsens ist mit den Referenden in Frankreich und den Niederlanden aufgekündigt. Das Wechselspiel von Erweiterung und Vertiefung funktioniert nicht mehr. Das Wort von der „Überdehnung“ macht die Runde, nationale Interessen bestimmen die Verhandlungen. Mit dem Scheitern der Verfassung stellt sich die Frage nach der europäischen Identität und den integrierenden Kräften neu. Vor welchen Herausforderungen steht die EU und welches Maß an politischer Gemeinsamkeit ist noch realisierbar? Welchen Part werden die neu aufgenommenen Länder einnehmen? Was sind die Wege und was die Irrwege der Integration der islamischen Kultur in Europa? Mit Beiträgen von Michaele Schreyer, Michael Zürn, Georg Vobruba, Achim Hurrelmann u.a.
Vorschau auf Heft 175 (3/2006 – September): „Tod und Selbstbestimmung“
Immer mehr Menschen erfreuen sich eines hohen Alters. Die durch den medizinischen Fortschritt eröffneten Möglichkeiten eines langen Lebens werfen jedoch in dessen letzter Phase auch die Frage auf, zu welchem Ende hin gelebt wird. Sterben ist nicht mehr allein ein natürlicher Prozess sondern häufig auch eine Frage von Behandlung oder unterlassener Behandlung. Bei nicht wenigen keimt auch der Wunsch, den Prozess, sofern er mit Leid und keiner Aussicht auf Besserung verbunden ist abzukürzen. Ob jemand über das Ende seines Lebens verfügen darf, ist eine ethisch strittige Frage. Hierzulande ist aktive Sterbehilfe verboten, in anderen Ländern unter bestimmten Bedingungen erlaubt. In Umfragen spricht sich ein großer Teil der Bevölkerung dafür aus, dies auch in Deutschland zu ermöglichen. Aber gibt es nicht auch eine aus der Geschickte ableitbare Verpflichtung an diesem Verbot festzuhalten? Für die entscheidenden Eliten gilt dieses Tabu noch. Doch damit gesellt sich zum ethischen Problem noch ein demokratisches.
Vorschau auf Heft 176 (4/2006 – Dezember): Die geschlossenen Gesellschaften
Über Jahrzehnte war das Bild der deutschen Gesellschaft durch das korporatistische Zusammenwirken von Kapitaleignern und Arbeitenden geprägt, technischer Fortschritt ging einher mit industriellem Wachstum und sozialer Aufwärtsmobilität.
Inzwischen sind diese etablierten Beziehungen zerfranst und auf einen industriellen Kernbereich geschrumpft, umlagert von einem Heer von prekär Arbeitenden, von Ausgeschlossenen und dauerhaft Beschäftigungslosen. Die Gesellschaft ist fragmentiert. An ihren Rändern haben sich Parallel- und Nischengesellschaften etabliert. In ihrem Inneren hat sie an Mobilität eingebüßt. Sie zerfällt in Teilgesellschaften, die sich zunehmend gegeneinander abschotten. Damit ist die Frage aufgeworfen, was sie als Ganzes noch zusammenhält.
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Erscheinen und Bezugsbedingungen:
Die Zeitschrift "vorgänge" erscheint vierteljährlich mit einem jeweiligen Umfang von ca. 130 Seiten. Das Einzelheft kostet 12 EUR. Im Abonnement kostet die Zeitschrift jährlich 40 EUR zuzüglich Versand- und Vertriebskosten; für Studierende, Referendare, Wehr- und Zivildienstleistende und Arbeitslose 28 EUR zuzüglich Versand- und Vertriebskosten.
| Kontakt: | Redaktion vorgänge
Haus der Demokratie und Menschenrechte
Tel.: 030/2175 0858
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