Informationen zu diesem Beitrag
| Zeitschrift: | Berliner Blätter: Ethnographische und ethnologische Beiträge |
| Herausgeber: | Institut für Europäische Ethnologie der Humboldt-Universität zu Berlin und Gesellschaft für Ethnographie e.V. (GfE) |
| ISSN: | 1434-0542 |
| Verlag, Erscheinungsort: | LIT Verlag, Berlin |
| Preis: | 19,90 Euro |
| Weitere Angaben: | unregelmäßig, mindestens 2 Ausgaben pro Jahr |
| Ausgabe: | 51/2010 – Sonderheft - Samenbanken-Samenspender. Ethnographische und historische Perspektiven auf Männlichkeiten in der Reproduktionsmedizin |
Samenbanken markieren offensichtlicher als andere Institutionen im Bereich assistierter Reproduktion eine „Kommerzialisierung von Fortpflanzung“. Die Spermien junger Männer werden gesammelt, in ihrer Morphologie, Beweglichkeit und Qualität bestimmt, auf Krankheiten getestet, in tief gefrorenem Zustand gelagert und nach bestimmten Regeln verkauft und weitergegeben. Männlicher Samen ist damit zu einem Prototyp kommodifizierbarer Körpersubstanzen geworden. Gleichzeitig scheint sich in der Praxis der Samenspende eine bestimmte ökonomische Rationalität als legitime Form von Männlichkeit zu naturalisieren. Bereits die Bezeichnung „Samenspende“ artikuliert jedoch auch eine Ambivalenz. Der Begriff hält an Konnotationen der „Gabe“, Spende, Fürsorglichkeit und des Gemeinsinns fest und macht darauf aufmerksam, dass der Warenstatus medikalisierten, kryotechnisch verwalteten und verkauften Samens alles andere als eindeutig ist.
Doch wie verändert die medizinisch-diagnostische Klassifikation von Samen Männlichkeitsbilder und Selbstkonzepte? Wie prägen spezifische Muster der Nachfrage, ethische Debatten und rechtliche Regulierungen die Vorstellung einer qualitativ guten Samenspende? Und welche Ideen von Männlichkeit und Vaterschaft, Rationalität und Verantwortung entstehen dabei? Die Beiträge dieses Buches nutzen historische und ethnographische Zugänge, um zu zeigen, wie sich in der Samenspende moralische, kommerzielle und soziale Ökonomien verbinden und dabei Widersprüche erzeugen. Im Zentrum des Interesses steht der Zusammenhang von Männlichkeiten und Reproduktionstechnologien, der in Bezug auf das Selbstverständnis von Spendern untersucht wird, aber auch in den Regulatierungspraktiken von Samenbanken, in den Bildern, die lesbische Frauen von Samenspendern entwerfen sowie in Medienrepräsentationen.
Inhalt
Michi Knecht
Ethnographische und historische Zugänge zu Samenbanken und Samenspendern. Eine Einleitung
6
Anna Frederike Heinitz und Rickmer Roscher
The Making of German Sperm. Überlegungen zum Zusammenhang von Spermakonservierung, Männlichkeiten und Nationalsozialismus
29
Kristina Schneider
Das öffentliche Bild des Samenspenders in Fernsehserien und im Film
68
Katja Baumeister-Frenzel, Michi Knecht, Markus Langenstraß und Matthias Schöbe
Gespräche mit Spendern
81
Anna Hartung, Sebastian Mohr und Sylvi Paulick
Wenn Liebe Früchte trägt – Männlichkeiten und Normierungen als Aushandlungsprozesse lesbischer Familienplanung mit Samenspende
113
Scout Burghardt und Kerstin Tote
Zwischen Risikovermeidung, Normalisierung und Markt: Spenderauswahl und matching in Samenbanken
142
Michi Knecht
Reflexive Bioökonomisierung. Werteproduktion in einer Samenbank
163
Sebastian Mohr
Viking Sperm – Der Stoff, aus dem die Träume sind. Eine Reportage
177
Literaturverzeichnis
Abbildungsverzeichnis
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