Informationen zu diesem Beitrag
| Zeitschrift: | Berliner Blätter: Ethnographische und ethnologische Beiträge |
| Herausgeber: | Institut für Europäische Ethnologie der Humboldt-Universität zu Berlin und Gesellschaft für Ethnographie e.V. (GfE) |
| ISSN: | 1434-0542 |
| Verlag, Erscheinungsort: | LIT Verlag, Münster |
| Preis: | 19,90 € |
| Weitere Angaben: | unregelmäßig, mindestens 2 Ausgaben pro Jahr |
| Ausgabe: | 42 (2007), 1 - Verwandtschaft machen |
| ISBN: | 978-3-8258-0422-0 |
Verwandtschaft machen - Reproduktionsmedizin und Adoption in Deutschland und der Türkei
herausgegeben von Stefan Beck, Nevim Çil, Sabine Hess, Maren Klotz, Michi Knecht
Wer sich aus ethnologischer Perspektive mit Verwandtschaft beschäftigt, fragt nach den Grundlagen gesellschaftlichen Zusammenhaltes, nach der Art und Beschaffenheit des „sozialen Kitts“. Im Mittelpunkt dieses Bandes stehen Formen von Verwandtschaft, die durch Adoption oder durch die Nutzung assistierender Reproduktionstechnologien herbeigeführt werden. Diese Verwandtschaftsformen werden als „Aktiva“ verstanden: als Ergebnis von Handlungen. Die Fragestellung lautet nicht: „Wie ist oder wie wird man verwandt?“, sondern „Wie macht man Verwandte und Verwandtschaft?“.
Ethnographisch erforscht und beschrieben werden Routinen, die unterschiedliche Akteure im Umfeld von Berliner Kinderwunschpraxen und Istanbuler Tüp bebek Kliniken entwickeln, präzedenzlose Entscheidungen, die in Beratungsstellen für Regenbogenfamilien oder in Selbsthilfeorganisationen ungewollt Kinderloser getroffen werden, Akte des Austausches und der Kommunikation, durch die transnationale Netzwerke und Spielräume entstehen. Wissen um Gesetze und Genetik sowie Nicht-Wissen, beispielsweise um die Identität anonymer Spender, spielt bei diesen Projekten des Verwandtschaft-Machens eine konstitutive Rolle, aber auch materielle Infrastrukturen und transnationale Mobilität. Verwandtschaftsverhältnisse, die auf Adoption beruhen oder durch Technologien ermöglicht werden, stehen jedoch keineswegs in einem Gegensatz zu „normaler“ oder „natürlicher“ Verwandtschaft. Sie verdeutlichen lediglich in besonderer Art und Weise den Herstellungscharakter, welcher der sozialen Form „Verwandtschaft“ immer innewohnt.
INHALTSVERZEICHNIS
Einleitung
Stefan Beck / Sabine Hess / Michi Knecht
Verwandtschaft neu ordnen: Herausforderungen durch Reproduktionstechnologien und Transnationalisierung
Ferhunde Özbay
Fremde Töchter in den Häusern – Cariyeler, Evlatlıklar, Gelinler
Nevim Çil
Assistierende Reproduktionsmedizin in Istanbul: Zwischen Privatsphäre und Deutungsmacht
Maren Klotz
Doing Kinship in British Parliament: Selfish Parents – Disruptive Children?
Michi Knecht
Spätmoderne Genealogien: Praxen und Konzepte verwandtschaftlicher Bindung und Abstammung
Sabine Hess
Flexible reproduktive Biografisierung. Zum Kinder-Machen im Zeitalter biopolitischer Möglichkeiten– von Zeugungsstreiks und Spielermentalitäten
Stefan Beck
Globalisierte Reproduktionsregimes. Anmerkungen zur Emergenz biopolitischer Handlungsräume
Forum
Aktivistinnen des Verwandtschaft-Machens: Portraits – Skizzen – Eindrücke
Constanze Körner
Neue Familienmodelle: Lesben und Schwule mit Kindern – Möglichkeiten und Grenzen in unserer heutigen Gesellschaft
Maren Klotz
Globalverwandtschaft
Sibel Tuzcu
„Infertilität war ein Wort, das sich nicht ziehmte“
Die Gründerin der Selbsthilfeorganisation ÇiDER, erzählt
Gül Özsan
Gender and Reproductive Technologies: Doing exploratory interviews in Istanbul IVF clinics
Beatriz Hoffmann
Tagungsbericht: The Perspectives of the Americanist Studies in an International Context
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