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Blätter für deutsche und internationale Politik 53 (2008), 11

 

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Zeitschrift:Blätter für deutsche und internationale Politik
Herausgeber:Blätter Verlagsgesellschaft Herausgeberkreis: Norman Birnbaum, Micha Brumlik, Dan Diner, Jürgen Habermas, Detlef Hensche, Rudolf Hickel, Jörg Huffschmid, Walter Jens, Reinhard Kühnl, Claus Leggewie, Daniel Leisegang, Ingeborg Maus, Klaus Naumann, Jens G. Reich, Rainer Rilling, Irene Runge, Karen Schönwälder, Friedrich Schorlemmer, Gerhard Stuby und Rosemarie Will
ISSN:0006-4416
Verlag,
Erscheinungsort:
Blätter Verlag,
Bonn/Berlin
Preis:9,00 Euro (Einzelheft), 75,60 (58,20 erm.) Abo
Weitere Angaben:monatlich
Ausgabe:11/2008

Liebe Leserinnen und Leser,

am 28. Oktober erschien die November-Ausgabe der „Blätter“ mit Beiträgen von Immanuel Wallerstein, Heiner Flassbeck, Jörg Huffschmid, James K. Galbraith, Valentino Parlato, Wulf D. Hund, Gert Krell, Harald Schmid u.v.a.

Immanuel Wallerstein
Die große Depression

Die neue Weltwirtschaftskrise ist da, und keine bloße Eventualität mehr. Doch ist sie wirklich nur das Ergebnis der Gier einiger weniger Finanzspekulanten? Nach Immanuel Wallerstein, Professor em. für Soziologie an der Yale University, greift diese gängige These viel zu kurz. Wir erleben nicht nur eine Krise der Finanzmärkte, sondern das Auslaufen 50jähriger konjunktureller und global-hegemionaler Zyklen – mit dramatischen Konsequenzen für das gesamte Wirtschaftssystem.

Heiner Flassbeck
Die Panik im Finanzkasino und ihre Folgen

Die Idee einer „unsichtbaren Hand", die den Finanzmarkt im Gleichgewicht hält, hat sich aufgrund der anhaltenden Krise als naives Hirngespinst erwiesen. Daher wird – und darf – nichts mehr so sein wie es vorher war, fordert Heiner Flassbeck, Chef der Abteilung Makroökonomie und Entwicklungspolitik der UNCTAD und ehemaliger Staatssekretär im Bundesfinanzministerium. Vielmehr müsse nun die regulierende Hand des Staates eingreifen, um der demokratiegefährdenden Logik der Finanzmärkte – Gewinne werden privatisiert, Verluste sozialisiert – ein Ende zu bereiten.

Jörg Huffschmid
Die Rückkehr des Staates

Eigenverantwortung" und „Marktdisziplin" waren die Rezepte der EU-Bankenreform im Jahr 2007. Dieser Freibrief für hemmungslose Spekulationsgeschäfte hat zu dem Chaos geführt, in dem die Finanzwirtschaft gegenwärtig steckt. Daher verlangt Jörg Huffschmid, Professor em. für Politische Ökonomie an der Universität Bremen und Mitherausgeber der „Blätter", eine Neuordnung der Kapitalmärkte, basierend auf einer gerechteren Einkommens- und Vermögensverteilung. Den prophezeiten Systemzusammenbruch, der ohne die staatlichen Bürgschaften eintreten würde, hält er hingegen für einen dreisten Bluff der Finanzabenteurer, die allein um ihren Status und ihre Sicherheiten fürchten.

James K. Galbraith
Die Weltfinanzkrise – und was der neue US-Präsident tun sollte

Angesichts der gegenwärtigen Finanzkrise versammelten sich führende Ökonomen aus aller Welt in Paris, um über die notwendigen Maßnahmen zu diskutieren. James Kenneth Galbraith, Professor für Wirtschaftswissenschaften an der University of Texas, bilanziert das Treffen und folgert daraus, welche Imperative sich für den nächsten US-Präsidenten ergeben, damit die Vereinigten Staaten in eine führende Rolle bei der erforderlichen multilateralen Zusammenarbeit zurückfinden können.

Weimar auf Italienisch
Ein Gespräch mit Valentino Parlato, Mitbegründer von „il manifesto"

Blickt man auf die italienische Linke, so offenbart sich eine klaf-fende Leerstelle. Das ist der Grund für die anhaltende Alternativlosigkeit gegenüber dem rechten Spektrum, angeführt durch Silvio Berlusconis „Forza Italia". Die ideelle Auflösung der linken Parteien ist auch für Valentino Parlato, Mitbegründer der linksgerichteten italienischen Tageszeitung „il manifesto" das zentrale Problem Ita-liens. Im Gespräch mit den „Blättern" diskutiert er über die Ursachen der Krise und über die Hoffnungen einer „Neuen Linken" angesichts der dramatischen Strukturkrise des Kapitalismus – aber auch über die Gefahren eines „italienischen Weimar".

Wulf D. Hund
Ein Traum der Vernunft Das weiße Eutopia des James Watson

Nicht immer hält die Auszeichnung mit dem Nobelpreis einer rückblickenden ethischen Bewertung stand. Das zeigt sich besonders deutlich am Fall James Watsons, des „Godfather" der DNA, der für seine Entdeckungen den Nobelpreis für Medizin erhielt. Im vergangenen Jahr wurde er von seinem Forschungsinstitut in Long Island, New York, wegen rassistischer Äußerungen entlassen. Wulf D. Hund, Professor für Soziologie an der Universität Hamburg, weist nach, dass es sich dabei keineswegs um zufällige, alterssenile Entgleisungen handelte. Watson reiht sich vielmehr ein in die Reihe der rassistischen Träumer von einer weißen Herrenrasse und einer eugenischen, homophoben und sexistischen Utopie.

Gert Krell
Antisemitische Erblast Vom Nationalsozialismus zum Nahost-Konflikt

Die Verantwortung Deutschlands im Nahost-Konflikt ist vielschichtig und widersprüchlich. Gert Krell, Professor für Internationale Politik an der Universität Frankfurt a.M., liefert eine differenzierte Einschätzung des Einflusses der NS-Propaganda auf den arabischen Antisemitismus und Antizionismus. Obwohl es schon lange vor der Machtergreifung der Nazis in der arabischen Welt Antisemitismus gab, ist der Nahost-Konflikt in seiner heutigen Ausprägung dennoch auch ein Resultat der nationalsozialistischen Judenvernichtung, da dadurch erst die Notwendigkeit eines eigenen „Judenstaates" in ihrer ganzen Dringlichkeit deutlich wurde.

Harald Schmid
Kommodes Gedenken Die Erinnerungskultur des vereinten Deutschlands

Gerhard Schröder sagte einmal, das Holocaust-Mahnmal in Berlin solle ein Denkmal werden, wo man „gerne hingeht". Das ist nur das vielleicht deutlichste Beispiel für die neue „kommode" Erinnerungskultur. Diese Tendenz zu einem gemütlichen, schmerzfreien Gedenken birgt laut Harald Schmid, Lehrbeauftragter am Institut für Politische Wissenschaft der Universität Hamburg, erhebliche Gefahren. So ging etwa der diesjährige Gedenktag an die Befreiung von Auschwitz (am 27. Januar) völlig im Karnevalsgeschrei der Jecken unter. "Auschwitz helau" – so das Ergebnis des neuen "kommoden Gedenkens", das immer mehr zu einem Verdrängen wird.

Joachim Perels
Verdrängt und Vergessen Der Philosoph und Publizist Theodor Lessing

Theodor Lessing fiel gleich zwei geschichtlichen Perioden zum Opfer – erst dem Nationalsozialismus, der ihn das Leben kostete, und dann der geistesgeschichtlichen Verdrängung, die bis in die bundesrepublikanische Gegenwart reicht. Joachim Perels, Professor für Politische Wissenschaft an der Universität Hannover, erinnert deshalb an den bereits 1933 im tschechischen Exil ermordeten bedeutenden jüdischen Kulturphilosophen, der sich als "Sprachmund" der Eingesperrten verstand und bis zu seinem Tod vehement gegen Antisemitismus und Militarismus eintrat.

Inhaltsverzeichnis

KOMMENTARE UND BERICHTE Die große Depression von Immanuel Wallerstein S. 5

Die Rückkehr des Staates von Jörg Huffschmid S. 8

Bundeswehr im Kampf nach innen von Norbert Pütter S. 12

Österreichs Rechte von Cornelius Lehnguth S. 16

Frankreichs Linke von Bernard Schmid S. 19

Südamerikas neues Selbstbewusstsein von Gerhard Drekonja-Kornat S. 22

Südafrika nach Mbeki von Helga Dickow S. 26

MEDIENKRITIK Der Irrsinn geht um von Albrecht von Lucke S. 29

Wie weiter, Mr. President? Von William Pfaff S. 30

ANALYSEN UND ALTERNATIVEN

Die Panik im Finanzkasino und ihre Folgen von Heiner Flassbeck S. 33

Die Weltfinanzkrise – und was der neue US-Präsident tun sollte von James K. Galbraith S. 41

Weimar auf Italienisch. Ein Gespräch mit Valentino Parlato, Mitbegründer von „il manifesto“ S. 59

Ein Traum der Vernunft. Das weiße Eutopia des James Watson von Wulf D. Hund S. 73

Antisemitische Erblast. Vom Nationalsozialismus zum Nahost-Konflikt von Gert Krell S. 81

Kommodes Gedenken. Die Erinnerungskultur des vereinten Deutschlands von Harald Schmid S. 91

Verdrängt und Vergessen. Der Philosoph und Publizist Theodor Lessing von Joachim Perels S. 103

WIRTSCHAFTSINFORMATION
Norwegen: Staatsfonds und Ethik von Danyel Reiche S. 111

DOKUMENTE ZUM ZEITGESCHEHEN
„Der Staat ist der Hüter der Ordnung“ Bundestagsdebatte zur Rettung des Finanzsektors vom 15. Oktober 2008

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DAS BUCH ZUR US-WAHL: QUO VADIS, AMERIKA?

Mit Beiträgen von: Thomas Barnett, Coral Bell, Peter Bender, Norman Birnbaum, Ian Buruma, Lakshmi Chaudhry, Chas W. Freeman, Al Gore, William Greider, Cilja Harders, Seymour Hersh, Robert Kagan, William Kristol, Margit Mayer, Barack Obama, Rick Perlstein, William R. Polk, Danyel Reiche, Hauke Ritz, Albert Scharenberg, Saskia Sassen, Immanuel Wallerstein, Naomi Wolf, Matthew Yglesias

nur 12 Euro, 288 Seiten, Blätter Verlagsgesellschaft mbH, Juli 2008, ISBN-13: 978-3980492546

Bestellungen:
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Kontakt:

Blätter-Redaktion Berlin
Albrecht von Lucke, Annett Mängel, Dr. Albert Scharenberg
Torstraße 178
10115 Berlin

Tel. 030/3088 3640
Fax 030/3088 3645

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