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Historische Zeitschrift 285 (2007), 2

 

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Zeitschrift:Historische Zeitschrift (HZ)
Herausgeber:In Verbindung mit Knut Borchardt, Johannes Fried, Klaus Hildebrand, Hartmut Leppin, Frank Rexroth, Gerhard A. Ritter, Uwe Walter, Gerrit Walther und Eberhard Weis herausgegeben von Lothar Gall
ISSN:0018-2613
Verlag,
Erscheinungsort:
Oldenbourg Verlag,
München
Preis:Jahresabo € 398,00 (für Mitglieder des Historikerverbands und Studenten € 148), Einzelheft € 82,00
Weitere Angaben:6mal jährlich, 3 Hefte ergeben einen Band
Ausgabe:285/2/2007

Das Heft 285/2 der Historischen Zeitschrift erscheint voraussichtlich am 22.10.2007.

Aufsätze

Egon Flaig
,Heiliger Krieg‘. Auf der Suche nach einer Typologie
Dieser Aufsatz fragt, auf welche Weise unterschiedliche Kulturen, bzw. Religionen, das Heilige in ihre Kriege einbeziehen. Ein knapper Vergleich von Kelten, Germanen, Römern, Griechen einerseits, dem Alten Israel, dem Islam und dem Christentum anderseits dient dazu, Unterschiede so herauszuarbeiten, daß sie kategorial erfaßbar werden. Auf diese Weise ließe sich eine künftige Typologie ‚heiliger Kriege’ erstellen. Als Angelpunkt dient die Weihung des Feindes bei Kelten, Germanen und Römern, weil solche Weihungen in diesen drei Kulturen die intensivste Weise darstellt, das Heilige in den Krieg zu involvieren. Dabei ergeben sich nicht allein Unterschiede, was Zeitpunkt, Umfang, Adressat und Vollzugsform der Weihung angeht, sondern insbesondere erhebliche Unterschiede im Ausmaß des politischen Verfügens über die Konsequenzen der Sakralisierung. Die griechische Besonderheit kontrastierend mit der Sakralisierung des Krieges im Alten Israel, läßt sich die Frage beantworten, auf welche Weise die ‚Politische Theologie‘ das Handeln menschlicher Gemeinschaften drastisch einschränkt oder erweitert. Danach wird versucht, den islamischen Djiahd mit Konzepten zu begreifen, die sowohl religionssoziologische und historische Differenzen erfassen als auch sich in eine Typologie Weberscher Prägung eingliedern lassen. Den (als religiöse Pflicht festgeschriebenen) islamischen Djihad zu kontrastieren mit der Mühe, welche das Christentum hatte, Kriege in derselben Weise zu sakralisieren, ermöglicht es, die politisch-theologischen und religionssoziologischen Bedingungen – unabhängig von den historischen Konstellationen – zu erfassen, unter denen es überhaupt zu Kreuzzügen kommen konnte. Wenn sich Kriege sakralisieren, steht letztlich die politische Autonomie kollektiven menschlichen Handelns auf dem Spiele.

Klaus Ries
Kultur als Politik. Das „Ereignis Weimar–Jena“ und die Möglichkeiten und Grenzen einer „Kulturgeschichte des Politischen“
Der Beitrag will am Beispiel des „Ereignisraumes Weimar–Jena“ um 1800, also jener vom Weimarer Staat geförderten kulturellen Verdichtung von Klassik, Idealismus und Romantik, die Möglichkeiten und Grenzen der neueren „Kulturgeschichte des Politischen“ aufzeigen. Dabei wird vor allem der moderne sozial-anthropologische Kulturbegriff kritisiert, weil er ausschließlich eine analytische Kategorie und keinen historischen Gegenstandsbereich abbildet. Der Ereignisraum Weimar–Jena liefert ideales Anschauungsmaterial über die Synthese von Kultur und Politik und bietet die Möglichkeit, den modernen mit dem traditionellen Kulturbegriff in Verbindung zu bringen und für eine Kulturgeschichte des Politischen fruchtbar zu machen. In Sachsen-Weimar-Eisenach besaß spätestens seit dem letzten Drittel des 18. Jahrhunderts „Kultur“ im weitesten Sinne eine herrschaftslegitimierende, ja zum Teil sogar politikersetzende Funktion. Die Kulturgeschichte des Politischen vergibt sich die Chance, solche kulturell bedeutsamen Politikphänomene in den Blick zu nehmen, solange sie sich vornehmlich auf die symbolische Deutung und das rituelle Aushandeln von Politik konzentriert. Es ist an der Zeit, wieder an den Anfang des ‚cultural turns‘ zurückzukehren und auch hochkulturelle Leistungen aufzugreifen, sofern sie in unmittelbarer Verbindung zur Politik stehen, wie dies in Weimar–Jena der Fall war. Politik geht nicht nur in ihrer Symbolik auf, und der Kulturbegriff ist mehr als eine bloß metaphorische Größe.

Lothar Gall
Bismarck, Preußen und die nationale Einigung
Dass Bismarck am Ende des 19. Jahrhunderts vielfach als ein Mann der Mitte und des Ausgleichs gefeiert wurde, der den Nationalstaat geschaffen und durch seine Sozialpolitik den sozialen Ausgleich befördert habe, geht an den Intentionen und Zielen des preußischen Machtstaatspolitikers vorbei. Im Mittelpunkt seines Denkens und Handelns stand vielmehr stets der Staat, gelenkt von einer starken Bürokratie mit dem Erbkönigtum an der Spitze. Bismarck erkannte früh, dass die Nationsidee, die Vorstellung, dass die Gesellschaft als solche einen eigenen Willen entwickeln könne, dazu in schroffstem Gegensatz stand, und instrumentalisierte die erstarkende nationale Bewegung, um grundlegende Strukturen des preußischen Staates zu erhalten.

Neue Historische Literatur

Klaus Freitag
Ethnogenese, Ethnizität und die Entwicklung der griechischen Staatenwelt in der Antike. Ein Forschungsüberblick

Buchbesprechungen

Allgemeines

R. Brock/S. J. Hodkinson (Eds.), Alternatives to Athens. Varieties of Political Organization and Community in Ancient Greece (K. Freitag)
P. Sánchez, L’Amphictionie des Pyles et de Delphes. Recherches sur son rôle historique, des origines au II. siècle de notre ère (K. Freitag)
Th. Heine Nielsen/J. Roy (Eds.), Defining Ancient Arkadia (K. Freitag)
G. Mafodda, Il Koinon Beotico in età arcaica e classica. Storia ed istituzioni (K. Freitag)
M. Maurer (Hrsg.), Das Fest. Beiträge zu seiner Theorie und Systematik (A. Assmann)
M. Häberlein, Die Fugger. Geschichte einer Augsburger Familie (1367–1650) (O. Mörke)
H.-H. Nolte, Weltgeschichte. Imperien, Religionen und Systeme 15.–19. Jahrhundert (S. Conrad)
T. Brechenmacher, Der Vatikan und die Juden. Geschichte einer unheiligen Beziehung vom 16. Jahrhundert bis zur Gegenwart (C. Arnold)
D. Alvermann/K.-H. Spieß (Hrsg.), Universität und Gesellschaft. Festschrift zur 550-Jahrfeier der Universität Greifswald 1456–2006. Bd. 1: Die Geschichte der Fakultäten im 19. und 20. Jahrhundert. Bd. 2: Stadt, Region und Staat (N. Hammerstein)
H. Körner, Frankfurter Patrizier. Historisch-Genealogisches Handbuch der Adeligen Ganerbschaft des Hauses Alten-Limpurg zu Frankfurt am Main. Neu bearb. u. fortges. durch A. Hansert (R. Roth)
D. Sdižkov, Das Zeitalter der Intelligenz. Zur vergleichenden Geschichte der Gebildeten in Europa bis zum Ersten Weltkrieg (N. Hammerstein)
C. Hann/P. R. Magocsi (Eds.), Galicia. A Multicultured Land (R. Einax)
B. Struck, Nicht West – nicht Ost. Frankreich und Polen in der Wahrnehmung deutscher Reisender zwischen 1750 und 1850 (M. Maurer)
H.-J. König, Kleine Geschichte Lateinamerikas (B. Potthast)

Altertum

B. Näf, Traum und Traumdeutung im Altertum (V. Rosenberger)
F. Kolb (Hrsg.), Chora und Polis. Unt. Mitarb. v. E. Müller-Luckner (C. Marek)
M. Jung, Marathon und Plataiai. Zwei Perserschlachten als „lieux de mémoire“ im antiken Griechenland (A. Kühr)
Diodorus Siculus Books 11–12.37.1. Greek History 480–431 B.C. – The Alternative Version. Transl., with Introduction and Commentary, by P. Green (K. Meister)
G. E. M. de Ste. Croix, Athenian Democratic Origins and other Essays. Ed. by D. Harvey and R. Parker (W. Nippel)
M. Nafissi, Ancient Athens & Modern Ideology. Value, Theory & Evidence in Historical Sciences. Max Weber, Karl Polanyi & Moses Finley (W. Nippel)
P. Fröhlich, Les cités grecques et le contrôle des magistrats (IVe–Ier siècle avant J.–C.) (B. Dreyer)
H.-U. Wiemer, Alexander der Große (P. Nadig)
H. Beck, Karriere und Hierarchie. Die römische Aristokratie und die Anfänge des cursus honorum in der mittleren Republik (B. Bleckmann)
K. Christ, Pompeius. Der Feldherr Roms. Eine Biographie (M. H. Dettenhofer)
J. Carlsen, The Rise and Fall of a Roman Noble Family: The Domitii Ahenobarbi 196 BC–AD 68 (G. G. Fagan)
H. Kadra, Jugurtha. Un Berbère contre Rome (L.-M. Günther)
U. Riemer, Die römische Germanienpolitik. Von Caesar bis Commodus (R. Wolters)
R. M. Errington, Roman Imperial Policy from Julian to Theodosius (G. Gottlieb)
B. Ward-Perkins, The Fall of Rome and the End of Civilization (H. Leppin)

Mittelalter

D. L. d’ Avray, Medieval Marriage. Symbolism and Society (C. H. F. Meyer)
A. Borst (Hrsg.), Schriften zur Komputistik im Frankenreich von 721 bis 818. T. 1–3 (D. Lohrmann)
D. Waßenhoven, Skandinavier unterwegs in Europa (1000–1250). Untersuchungen zu Mobilität und Kulturtransfer auf prosopographischer Grundlage (D. Föller)
C. H. Berman, The Cistercian Evolution. The Invention of a Religious Order in Twelfth-Century Europe (F. J. Felten)
F. J. Hernández/P. Linehan, The Mozarabic Cardinal. The Life and Times of Gonzalo Pérez Gudiel (K. Herbers)
E. Widder, Waiblingen. Eine Stadt im Spätmittelalter (I. Eberl)
E.-M. Distler, Städtebünde im deutschen Spätmittelalter. Eine rechtshistorische Untersuchung zu Begriff, Verfassung und Funktion (M. Groten)
L’Armorial Bellenville. [Vol. 1:] Fac-similé du manuscrit Français 5230 conservé au Département des manuscrits occidentaux de la Bibliothèque nationale de France. [Vol. 2:] Volume d’introduction, d’étude et d’édition. Publié par M. Pastoureau et M. Popoff avec la collaboration de C. Vellet (R. Nagel)
J. Rauschert, Herrschaft und Schrift. Strategien der Inszenierung und Funktionalisierung von Texten in Luzern und Bern am Ende des Mittelalters (C. Hesse)
P. Niederhäuser/A. Niederstätter (Hrsg.), Die Appenzellerkriege – eine Krisenzeit am Bodensee? (H. Maurer)

Frühe Neuzeit

A. Hanschmidt/H.-U. Musolff (Hrsg.), Elementarbildung und Berufsausbildung 1450–1750 (N. Hammerstein)
R. Po-chia Hsia (Ed.), A Companion to the Reformation World (O. Mörke)
E. Bünz/S. Rhein/G. Wartenberg (Hrsg.), Glaube und Macht. Theologie, Politik und Kunst im Jahrhundert der Reformation (U. Lotz-Heumann)
B. Scheller, Memoria an der Zeitenwende. Die Stiftungen Jakob Fuggers des Reichen vor und während der Reformation (ca. 1505–1555) (B. Roeck)
S. Schmidt, Glaube – Herrschaft – Disziplin. Konfessionalisierung und Alltagskultur in den Ämtern Siegen und Dillenburg (1538–1683) (R. Dürr)
Deutsche Reichstagsakten. Jüngere Reihe. Hrsg. v. der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften durch E. Wolgast. Bd. 19: Deutsche Reichstagsakten unter Kaiser Karl V. Der Reichstag zu Augsburg 1550/51. Bearb. v. E. Eltz. 2 Teilbde. (A. Kohnle)
F. Edelmayer/M. Lanzinner/P. Rauscher (Hrsg.), Finanzen und Herrschaft. Materielle Grundlagen fürstlicher Politik in den habsburgischen Ländern und im Heiligen Römischen Reich im 16. Jahrhundert (H. Neuhaus)
M. Engammare, L’ordre du temps. L’invention de la ponctualité au XVIe siècle (K. Malettke)
M. Firpo, Vittore Soranzo vescovo ed eretico. Riforma della chiesa e inquisizione nell’Italia del Cinquecento (M. Schnettger)
I. Fosi (Ed.), La Legazione di Ferrara del Cardinale Giulio Sacchetti (1627–1631). Con la collaborazione di A. Gardi. 2 Vols. (A. Karsten)
H. Duchhardt, Europa am Vorabend der Moderne 1650–1800 (H. Klueting)
S. Murdoch, Network North. Scottish Kin, Commercial and Covert Associations in Northern Europe, 1603–1746 (R. Esser)
M. Rohrschneider, Der gescheiterte Frieden von Münster. Spaniens Ringen mit Frankreich auf dem Westfälischen Friedenskongress (1643–1649) (H. Duchhardt)
G. Rommelse, The Second Anglo-Dutch War (1665–1667). Raison d’état, Mercantilism and Maritime Strife (H. Duchhardt)
H.-C. Kraus, Englische Verfassung und politisches Denken im Ancien Régime 1689 bis 1789 (N. Hammerstein)
E. Pénicaut, Faveur et pouvoir au tournant du Grand siècle. Michel Chamillart. Ministre et secrétaire d`´etat de la guerre de Louis XIV (K. Malettke)

19./20. Jahrhundert

E. Mass/P.-L. Weinacht (Hrsg.), Montesquieu-Traditionen in Deutschland. Beiträge zur Erforschung eines Klassikers (P. Fuchs)
T. Liesegang, Öffentlichkeit und öffentliche Meinung. Theorien von Kant bis Marx (1780–1850) (D. Langewiesche)
W. Leisner, Napoleons Staatsgedanken auf St. Helena (P. Fuchs)
R. Neisen, Feindbild, Vorbild, Wunschbild. Eine Untersuchung zum Verhältnis von britischer Identität und französischer Alterität 1814–1860 (B. Stuchtey)
G. Brudzyńska-Nĕmec, Polenvereine in Baden. Hilfeleistung süddeutscher Liberaler für die polnischen Freiheitskämpfer 1831–1832 (H.-P. Becht)
N. H. Roemer, Jewish Scholarship and Culture in Nineteenth-Century Germany. Between History and Faith (M. Brenner)
D. Ellenson, After Emancipation. Jewish Religious Responses to Modernity (M. Brenner)
H. Biermann, Ideologie statt Realpolitik. Kleindeutsche Liberale und auswärtige Politik vor der Reichsgründung (W. Elz)
R. Chickering, Krieg, Frieden und Geschichte. Gesammelte Aufsätze über patriotischen Aktionismus, Geschichtskultur und totalen Krieg (H.-C. Kraus)
P. Fischer, „Heute habe ich satt bis an den Hals“. Das Kriegstagebuch des Edesheimer Winzers Adam Bourdy von 1914/15 (J. Müller)
N. Beaupré, Écrire en guerre, écrire la guerre. France, Allemagne 1914–1920 (J. Müller)
P. D. Stachura, Poland, 1918–1945. An Interpretive and Documentary History of the Second Republic (M. Lindemann)
C. Andreyev/I. Savický, Russia Abroad. Prague and the Russian Diaspora, 1918–1938 (H. Lemberg)
H. Hömig, Brüning. Politiker ohne Auftrag. Zwischen Weimarer und Bonner Republik (A. Rödder)
G. Besier, Der Heilige Stuhl und Hitler-Deutschland. Die Faszination des Totalitären (C. Arnold)
A.-W. Asserate/A. Mattioli (Hrsg.), Der erste faschistische Vernichtungskrieg. Die italienische Aggression gegen Äthiopien 1935–1941 (M. Thöndl)

Nekrolog Arno Borst 1925–2007

Kontakt:

Prof. Dr. Lothar Gall
Redaktion Historische Zeitschrift
Historisches Seminar der Johann Wolfgang Goethe-Universität
Grüneburgplatz 1
60323 Frankfurt am Main

Redaktion:
Dr. Eckhardt Treichel u. apl. Prof. Dr. Jürgen Müller

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