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Leviathan 40 (2012), 3

 

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Zeitschrift:LEVIATHAN. Berliner Zeitschrift für Sozialwissenschaft
Herausgeber:herausgegeben an der Freien Universität Berlin, der Humboldt-Universität zu Berlin, der Hertie School of Governance Berlin und dem Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung
ISSN:0340-0425
Verlag,
Erscheinungsort:
Nomos Verlag,
Baden Baden
Preis:Jahrespreis 98,00 € (Druckausgabe und elektronische Ausgabe)
Weitere Angaben:vierteljährlich
Ausgabe:3/2012 - Soziale Ungleichheit und Europäische Krise
Link zu dieser Ausgabe:www.leviathan.nomos.de/archiv/2012/heft3/

Das Herbstheft des Leviathan enthält zwei nachgelassene Beiträge des Berliner Stadtsoziologen Hartmut Häußermann, die von seinen Kollegen und Mitautoren fertiggestellt wurden. Darin und in einem weiteren Beitrag von Walter Siebel, dem langjährigen Weggefährten Häußermanns, geht es um das aktuelle Thema der wachsenden sozialen Ungleichheit aus stadtsoziologischer Sicht.

Der Krise der Europäischen Union sind die Beiträge zur Fehlkonstruktion der europäischen Zentralbank und zur Bedeutung des Eurobarometers als Mittel der Täuschung und Selbsttäuschung der EU-Kommission gewidmet. Zwei Beiträge befassen sich mit der Finanzkrise – welche Rolle fällt hier der Zivilgesellschaft zu? Und wie wirkt sie sich auf den Wohlfahrtsstaat aus.

INHALTSVERZEICHNIS & ABSTRACTS

Editorial

Zu diesem Heft

Aufsätze

Martin Höpner und Bojan Jurczyk
Kritik des Eurobarometers
Über die Verwischung der Grenze zwischen seriöser Demoskopie und interessengeleiteter Propaganda

Das Eurobarometer ist ein wichtiger Datenlieferant der empirischen Integrationsforschung in Europa. Es dient insbesondere der Feststellung des Integrationswillens der europäischen Bürgerinnen und Bürger. Allerdings fungiert die Europäische Kommission selbst als Initiatorin des Eurobarometers. Daraus ergibt sich die Schwierigkeit, dass die Trägerin des Befragungsinstruments den etwaigen demoskopischen Befunden nicht neutral gegenübersteht. Vielmehr ist sie daran interessiert, die Integrationsbereitschaft der Europäerinnen und Europäer so ausgeprägt wie möglich darstellen zu können. Anhand einer Durchsicht der Eurobarometer-Befragungen zwischen 1995 und 2010 wird hier gezeigt, wie die Kommission die Grenze zwischen seriöser Demoskopie und interessengeleiteter Propaganda überschreitet. Diese Überschreitungen betreffen die Informationsüberforderung der Befragten, die einseitige Polung von Fragebatterien, Unterstellungen und Suggestivfragen, nicht ausbalancierte Antwortkategorien, die Hinnahme von Kontexteffekten und tendenziöse Interpretationen integrationspolitisch wichtiger Befunde. Die empirische Europaforschung sollte sich von den Praktiken des Eurobarometers deutlicher als in der Vergangenheit distanzieren.

Stichworte: Europäische Integration, Eurobarometer, Demoskopie, Legitimität

Silke Tober
Europäische Zentralbank: Krisenpolitik ohne Rückendeckung

Die EZB trat während der Staatsanleihenkrise mehrfach als Retterin in Aktion. Für Maßnahmen, die das Vertrauen wiederherstellen könnten, fehlt ihr das Mandat. Sie ist bereits Risiken eingegangen, die infolge der inadäquaten Krisenstrategie der Regierungen hoch sind. Die Konsolidierung und der Abbau externer Ungleichgewichte erfordern Zeit und ein differenziertes Vorgehen, das das Wachstum stützt.

Stichworte: Europäische Zentralbank, Staatsanleihenkrise, Fiskalpakt, Leistungsbilanzungleichgewichte

Jan Goebel, Martin Gornig und Hartmut Häußermann
Bestimmt die wirtschaftliche Dynamik der Städte die Intensität der Einkommenspolarisierung?
Resultate für deutsche Stadtregionen

Das einheitliche Modell von Stadtentwicklung, das auf Zunahme von Bevölkerung und Arbeitsplätzen sowie steigenden Realeinkommen beruht, hat sich mehr und mehr als unhaltbar erwiesen. Die Pfade der Stadtentwicklung sowie der Lebenslagen und Lebenschancen ihrer Bewohner sind unterschiedlicher denn je. Als Indiz für diese Entwicklung analysieren wir mit Hilfe der Individualdaten des Sozio-ökonomischen Panels (SOEP) die personelle Einkommensverteilung in Stadtregionen mit unterschiedlicher wirtschaftlicher Dynamik. Besonders deutlich nimmt danach die Einkommenspolarisierung in Stadtregionen zu, die durch einen starken Strukturwandel von der Industrie zu Dienstleistungen geprägt sind. Unsere empirische Arbeit bestätigt also den Einfluss der Deindustrialisierung auf die Einkommensverteilung, wie er Mitte der 1980er Jahre in den Städten der USA untersucht wurde. Mit einem breiten dynamischen Wirtschaftswachstum ist dagegen keine überdurchschnittliche Einkommenspolarisierung verbunden.

Stichworte: Einkommenspolarisierung, regionales Wachstum, Tertiarisierung, SOEP, Stadtpolitik

Hartmut Häußermann und Martin Kronauer
Lässt sich konzentrierte städtische Armut überwinden?
Erfahrungen aus den USA

Seit den 1990er Jahren gibt es in den Metropolenregionen der USA erhebliche Veränderungen in der Entwicklung und räumlichen Verteilung der Armut. Darüber hinaus ergriff die amerikanische Regierung politische Initiativen zur Dekonzentration der städtischen Armut. Beides wird hierzulande bislang kaum zur Kenntnis genommen. Der Beitrag gibt einen Überblick über die Entwicklung der Armut in den Metropolenregionen der USA. Sodann stellt er zwei Bundesprogramme vor, die gezielt die räumliche Konzentration städtischer Armut verringern wollen. Er zeigt die Grenzen einer allein auf Mobilität und soziale Mischung setzenden Politik der Armutsbekämpfung auf und zieht Folgerungen für die deutsche und europäische stadtpolitische Diskussion.

Stichworte: Konzentrierte städtische Armut, Nachbarschaftseffekte, Politik der Dekonzentration von Armut

Helmut K. Anheier
Zivilgesellschaft und Krisen: Dahrendorf’sche Reflektionen

Aus dem Werk Dahrendorfs und der neueren Institutionentheorie schöpfend, soll hier am Beispiel der gegenwärtigen Wirtschafts- und Finanzkrise eine These verfolgt werden, die in ihrer Gesamtheit eine recht kritische Diagnose impliziert, aber dennoch auf Optionen im Sinne kreativer Politikgestaltung hinweist: „Die organisierte Zivilgesellschaft wird die transnationalen Konflikte des beginnenden 21. Jahrhunderts moderieren müssen, um der Überforderung von Staat und Markt in einer globalisierten Welt entgegenzuwirken“. Hierbei wird das globale Governance-Problem zentral angesprochen und die entscheidende Frage gestellt: Unter welchen Bedingungen könnte die Zivilgesellschaft ein ordnungspolitisches Korrigendum „von unten“ werden, um die bruchstückhafte Struktur uniformer und universaler Regeln sinnhafter, tragfähiger und handlungswirksamer zu machen?

Stichworte: Zivilgesellschaft, NGOs, Finanzkrise, Institutionentheorie, Konfliktsoziologie, Stiftungen

Herbert Obinger
Die Finanzkrise und die Zukunft des Wohlfahrtsstaates

Dieser Beitrag beschäftigt sich mit der Zukunft des Wohlfahrtsstaates nach der weltweiten Finanzkrise. Es wird argumentiert, dass es aufgrund der jüngsten Rezession in den kommenden Jahren zu erheblichen Einschnitten im Sozialbereich kommen wird. Antriebskräfte dafür sind (a) die durch den Wirtschaftseinbruch verursachte Fiskalkrise, (b) das große fiskalische Gewicht reifer Wohlfahrtsstaaten, (c) die Ausschöpfung von Kürzungen in einer Reihe von nicht-sozialstaatlichen Politikfeldern und (d) Restriktionen auf der Einnahmenseite aufgrund von Globalisierung und Europäisierung. Die erwartete Zurückdrängung des Sozialstaates wird sich negativ auf Politik und Demokratie auswirken.

Stichworte: Finanzkrise, Wohlfahrtsstaat, Staatsschulden
Essay

Walter Siebel
Stadt und soziale Ungleichheit

Mit dem Ende des Fordismus werden auch die Filter schwächer, die lange Zeit verhindert haben, dass das Arbeitsmarktschicksal eines Haushalts auf sein Wohnungsmarktschicksal und damit auf die sozial-räumliche Struktur der Stadt unmittelbar durchschlagen konnte: sozialstaatliche Sicherungen, ein beträchtliches Segment marktfern organisierter Wohnungsversorgung und der Mehrpersonenhaushalt. Damit gewinnt die soziale Frage in den Städten wieder an Brisanz. Es entsteht ein Mosaik aus luxuriös aufgewerteten Quartieren, Zonen des Übergangs und Räumen der Ausgrenzung. Auf die beiden letzteren Quartierstypen wird ausführlicher eingegangen. Die Zonen des Übergangs bilden Nischen für die Schwächeren, aber auch für die Kreativen. Die Räume der Ausgrenzung machen sichtbar, dass die Stadt nicht nur als Erscheinungsort sozialer Ungleichheit fungiert, sondern auch als eine ihrer Ursachen.

Stichworte: Ende des Fordismus, Stadtentwicklung, Stadtstruktur, Ausgrenzung

Kontakt:

Dr. habil. Reinhard Blomert,
Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung
Reichpietschufer 50
10785 Berlin
Email: <blomertwzb.eu>

URL:http://www.nomos-zeitschriften.de/leviathan.html
URL zur Zitation dieses Beitrageshttp://hsozkult.geschichte.hu-berlin.de/zeitschriften/ausgabe=7138

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