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Deutschland Archiv 43 (2010), 5

 
Zeitschrift:Deutschland Archiv: Zeitschrift für das vereinigte Deutschland
Herausgeber:W. Bertelsmann Verlag im Auftrag der Bundeszentrale für politische Bildung, Bonn
ISSN:0012-1428
Verlag,
Erscheinungsort:
W. Bertelsmann Verlag,
Bielefeld
Preis:8,00 EUR
Weitere Angaben:6x im Jahr
Ausgabe:5/2010 - 20 Jahre deutsche Einheit
ISBN:0012–1428

NEUIGKEITEN ZUM DEUTSCHLAND ARCHIV

Die Bundeszentrale für politische Bildung und der W. Bertelsmann Verlag haben sich zu einer umfassenden Modernisierung des Deutschland Archivs entschlossen: Im Januar 2011 geht das kostenfreie Internetportal www.deutschlandarchiv.info an den Start. Hier finden Sie künftig alle aktuellen Beiträge, das Forum und thematische Schwerpunkte. Die älteren Jahrgänge werden sukzessive online verfügbar gemacht.

Zusätzlich soll das Deutschland Archiv als Quartalsschrift erscheinen. Hier lesen Sie die online veröffentlichten Beiträge im gewohnten Format. Die Druckausgabe des Deutschland Archivs wird es allerdings nur unter der Voraussetzung geben, dass es gelingt, genügend Abonnentinnen und Abonnenten zu gewinnen.

Sichern Sie mit einem Abonnement die Druckausgabe Ihrer und unserer traditionsreichen Zeitschrift. Bestellen Sie Ihr Deutschland Archiv-Abonnement bitte bis zum 2. November 2010 beim W. Bertelsmann Verlag: servicewbv.de.

Informationen zu Bestellmöglichkeiten und Preisen finden Sie auf der Umschlaginnenseite am Ende des Heftes und auf unserer Website.

EDITORIAL

20 Jahre nach der Wiederherstellung der staatlichen Einheit Deutschlands sieht die Mehrheit der Deutschen darin einen Grund zur Freude, zumindest die Mehrheit der Ostdeutschen. Zu diesem Befund kommt eine Studie des Forschungsverbunds SED-Staat an der Freien Universität Berlin; und er wird bestätigt durch die Sächsische Längsschnittstudie. Ergebnisse hieraus werden im vorliegenden Deutschland Archiv präsentiert.

Das Heft ist dem 20. Jahrestag der deutschen Einheit gewidmet. Prominente, wie Bundestagspräsident Norbert Lammer und DFB-Chef Theo Zwanziger, schildern, wie aus ihrer Sicht die Einheit gestaltet worden ist, und junge Menschen, die den Mauerfall selbst nicht bewusst erlebt haben, skizzieren ihre Erwartungen an Deutschland.

In all diesen Schilderungen wird deutlich, dass – entgegen manchen Versprechungen – der Vereinigungsprozess keineswegs reibungslos verlief. Die gegenwärtig vielfach diagnostizierte nostalgische Erinnerung an die Zeit der Teilung, die im Westen laut Forschungsverbund stärker ausgeprägt ist als im Osten, geht zu großen Teilen auf Probleme des Transformationsprozesses seit 1989/90 zurück. Dafür steht exemplarisch die Treuhandanstalt, die den Erwartungen einer erfolgreichen und gewinnbringenden Privatisierung ostdeutschen „Volkseigentums“ nicht gerecht werden konnte. Geschäftemacher aus dem Westen, die ihre Versprechungen gegenüber der Treuhand nicht einlösten, beschädigten das Ansehen ihrer Landsleute und das der Anstalt ebenso wie Mitarbeiter, die sich im Zuge der Privatisierungen zu bereichern versuchten.

Ein weiteres Beispiel für die schwierige Annäherung zwischen Ost und West ist der Kampf um die (Stasi-)Akten und die anhaltende Auseinandersetzung um die Aufarbeitung der SED-Diktatur. Die Gauck-/Birthler-Behörde ist auch hier nur ein Symbol für den konflikthaften Umgang mit dem Erbe, der Erforschung und der Vermittlung der deutschen Teilungsgeschichte.

Diese Debatten sind inzwischen in eine neue Phase getreten: Nicht nur die Vergangenheit zwischen 1945/49 und 1989/90 steht im Fokus des Interesses, sondern ebenfalls die Aufarbeitung der letzten beiden Jahrzehnte. Damit geraten auch die Akteure der friedlichen Revolution in den Blick, wird ihre Rolle 1989/90 ebenso genauer betrachtet wie die Gratwanderung zwischen „Konfrontation und Konzession“. Diese Beschreibung für das Agieren und Reagieren während der Revolution in der DDR könnte auch die Vereinigung der beiden deutschen Staaten charakterisieren, zumindest den kurzen Weg dorthin.

Kurz war der Weg allerdings nur bis zur staatsrechtlichen Einheit, denn nach wie vor ist der Vereinigungsprozess noch nicht abgeschlossen. Obwohl nach den Erkenntnissen des Forschungsverbunds SED-Staat das Wohlstandsgefälle zwischen verschiedenen Regionen der alten Bundesrepublik stärker ausgeprägt ist als das zwischen Ost und West, wird sehr oft das Trennende zwischen Ost und West betont. Dies entspricht laut der Sächsischen Längsschnittstudie jedoch nicht der Sicht junger erwachsener Ostdeutscher. Gleichwohl erwarten diese den Abschluss des Vereinigungsprozesses – 20 Jahre nach der Wiedervereinigung – erst in 20 Jahren.

Die deutsche Einheit bleibt also ein „work in progress“, und die zweifellos erreichten Erfolge – etwa der Wohlstandszuwachs und die Reparatur zerstörter Städte und Landschaften in Ostdeutschland – sollten dazu ermuntern, dieses Werk voranzutreiben. Doch kann eine solche Aufgabe überhaupt jemals als abgeschlossen gelten? Wenn ja, vielleicht gelingt es in weniger als 20 Jahren. Und möglicherweise würde dazu eine ausgelassene, fröhliche Feier des 3. Oktober beitragen, wie sie sich Erich Loest wünscht.

ZEITGESCHEHEN

Norbert Lammert: Einheit muss wachsen. Von Ossis und Wessis, Hunden und Katzen, Kaffee und Kuchen S. 773-777

„Fußball – ein Projekt gelebter Einheit“. Interview mit DFB-Präsident Theo Zwanziger (Daniel Küchenmeister/Thomas Schneider) S. 778-787

Hendrik Berth/Peter Förster/Elmar Brähler/Markus Zenger/Yve Stöbel-Richter: 20 Jahre Wiedervereinigung aus der Sicht einer Gruppe ostdeutscher Erwachsener. Ergebnisse der Sächsischen Längsschnittstudie 1987 bis 2009 S. 787-794

Thomas Cieslik: Die Post-Mauer-Generation wird erwachsen. Wie die junge Generation Deutschlands Rolle in der Welt sieht S. 794-800

Josef Schmid: Rentenversicherung im vereinten Deutschland. Aktuelle politische Schlaglichter und strukturelle Herausforderungen und Lösungen S. 800-806

Richtigstellung S. 806

Manfred Wilke: Das Gesicht der friedlichen Revolution. Zum Tod von Bärbel Bohley (1945 – 2010) S. 807-808

DOKUMENTATION

Erich Loest: „Der Tag der deutschen Einheit wird mündig“. Auszüge aus dem unveröffentlichten Tagebuch des Jahres 2008 S. 809-815

ZEITGESCHICHTE

Ingo Techmeier: „Verkaufen um jeden Preis“. Korruption in der Treuhandniederlassung Halle S. 816-824

Eckhard Jesse/Thomas Schubert: Sachsen 1989/90 – Konfrontation und Konzession S. 824-830

Klaus Bästlein: Der Kampf um die Akten. Die Vernichtung von Unterlagen der Staatssicherheit 1989/90 S. 830-837

Christian Halbrock: Evangelische Kirchen 1989. Verwirrende Vielstimmigkeit einer in weltlichen Fragen irritierten Bekenntnisgemeinschaft S. 838-846

Michael Lühmann: Jenseits der Mehrheitsgesellschaft? Die Milieus der DDR-Opposition – Rest-Milieus im Arbeiterstaat S. 847-853

Tomas Kittan/Saskia Arnold: Leben im und mit dem „roten Elend“. Erste Zeitzeugen-Befragung zum Zuchthaus Cottbus 1945 – 1989 S. 854-860

Günter Jeschonnek: „Neue demokratische Gelassenheit“. Das „Sommermärchen“ des verhüllten Reichstags 1995 in Berlin S. 861-866

Christoph Kopke: „Fegt ihn weg, den roten Dreck – morgen ist die Mauer weg“. Die Würzburger Großkundgebung der extremen Rechten im Oktober 1970 und die „Aktion Widerstand“ 1970/71 S. 866-873

Anmerkungen

Denunziation als allgemeine Selbstverständlichkeit? Anmerkungen zu: Heidrun Budde, Ein Appell an das Böse und seine Folgen, in: DA 43 (2010) 4, S. 640 – 650 (Renate Hürtgen) S. 873-874

Aufarbeitung ohne Tabu. Replik auf die Anmerkungen von Renate Hürtgen (Heidrun Budde) S. 875-876

FORUM

Michael Braun: An Deutschland denken. 20 Jahre danach: Die deutsche Wiedervereinigung ist ein Geschenk für die Literatur S. 877-884

Peter Busse: Wie steht es um das Erbe des erfolgreichen DDR-Sports? S. 884-888

Thomas Schubert: Von der Epoché des Zeithistorikers. Bemerkungen zur „Aufarbeitung der Aufarbeitung“ S. 889-896

Bernd Schick: „Kassler mit Sauerkraut“. Große Koalition (un)historischer Vergleiche S. 897-899

Lars Normann: BStU – Geschichte, Bestand und Zukunft S. 900-906

TAGUNGEN, VERANSTALTUNGEN

Sebastian Richter: Die Musealisierung der DDR. Was können, was sollen Museen? Tagung in Leipzig S. 907-909

Sarah Bornhorst: Grenze – Konstruktion, Realität, Narrative. Tagung in Hannover S. 910-912

Wolfram von Scheliha: Drei Nationen auf der Couch. „Erinnern an den Zweiten Weltkrieg. Mahnmale und Museen in Mittel- und Osteuropa“. Polnisch-russisch-deutsche Konferenz in Berlin S. 912-915

REZENSIONEN

Patrick Salmon, Keith Hamilton, Stephen Twigge (eds.): German Unification 1989 – 1990 (Hans-Heinrich Jansen) S. 916-917

Volker Kronenberg: Patriotismus 2.0 (Christian Schwießelmann) S. 917-918

Izabela Surynt, Marek Zybura (Hg.): Narrative des Nationalen (Wolfgang Schlott) S. 919-920

Jan Palmowski: Inventing a Socialist Nation (Thomas Schaarschmidt) S. 920-921

Andreas H. Apelt, Martin Gutzeit, Gerd Poppe (Hg.): Die deutsche Frage in der SBZ und DDR (Hans-Heinrich Jansen) S. 921-922

Friedrich Dieckmann: Deutsche Daten oder Der lange Weg zum Frieden (Rüdiger Thomas) S. 923-924

Erich Honecker: Moabiter Notizen (Martin Sabrow) S. 924-925

Simone Barck, Ulla Plener (Hg.): Verrat (Christoph Kleßmann) S. 925-926

Mary Fulbrook (ed.): Power and Society in the GDR, 1961 – 1979 (Arnd Bauerkämper) S. 926-928

Andrew I. Port: Die rätselhafte Stabilität der DDR (Peter Hübner) S. 928-929

Ulrich Becker, Hans Günther Hockerts, Klaus Tenfelde (Hg.): Sozialstaat Deutschland (Josef Schmid) S. 929-930

Stefanie Ehmsen: Der Marsch der Frauenbewegung durch die Institutionen; Ilse Lenz (Hg.): Die Neue Frauenbewegung in Deutschland (Gisa Bauer) S. 931-932

Pamela Heß: Geschlechterkonstruktionen nach der Wende (Ingeborg Siggelkow) S. 932-933

Sebastian Prinz: Die programmatische Entwicklung der PDS (Gero Neugebauer) S. 934-935

Detlef Nakath (Hg.): DDR-Geschichte: Bilder & Zerrbilder (Peter Joachim Lapp) S. 935-936

Eckhart Gillen: Feindliche Brüder? (Hannelore Offner) S. 936-937

Paul Michael Lützeler: Bürgerkrieg global (Michael Braun) S. 938

Felix Busse: Deutsche Anwälte (Christian Booß/Klaus Bästlein) S. 939-941

Karl-Heinz Lutz, Martin Rink, Martin von Salisch (Hg.): Reform, Reorganisation, Transformation (Peter Popp) S. 942-943

Sven Felix Kellerhoff: Die Stasi und der Westen (Karl Wilhelm Fricke) S. 944-945

Walter Süß: Die Staatssicherheit im letzten Jahrzehnt der DDR (Hans-Joachim Föller) S. 945-946

Ludwig Große: Einspruch! (Christian Halbrock) S. 947-948

Jochen Voit: Er rührte an den Schlaf der Welt (Lutz Kirchenwitz) S. 948-949

Wiebke Janssen: Halbstarke in der DDR (Peter Wurschi) S. 949-950

Peter Ulrich Weiß: Kulturarbeit als diplomatischer Zankapfel (Hermann Wentker) S. 951-952

Michael Sontheimer: „Natürlich kann geschossen werden.“ (Tobias Wunschik) S. 952-953

Annotationen S. 953-958:

Fred Oberhauser, Axel Kahrs: Literarischer Führer Deutschland (Frank Hoffmann) S. 953-954

Andreas H. Apelt: Die Opposition in der DDR und die deutsche Frage 1989/90 (Sebastian Richter) S. 954

Ralf Kukula: Oktoberfilm (Hendrik Bindewald) S. 954-955

Jürgen Haase (Hg.): Zwischen uns die Mauer (Klaus Finke) S. 955

Dieter Gräf: Im Namen der Republik (Dirk Klose) S. 956

Andreas W. Mytze (Hg.): Robert Havemann 100 (Volker Strebel) S. 956-957

Walter Laqueur: Mein 20. Jahrhundert (Georg Wurzer) S. 957

Günter Benser, Michael Schneider (Hg.): „Bewahren – Verbreiten – Aufklären“ (Thomas Keiderling) S. 957-958

Dorle Zilch: Millionen unter der blauen Fahne (Marc-Dietrich Ohse) S. 958

DIE AUTORINNEN UND AUTOREN DIESES HEFTES S. 959-960
IMPRESSUM S. 960

Kontakt:

]init[ Redaktion
Köpenicker Straße 9
10997 Berlin

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