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Themenportal „Europäische Geschichte“ (18.-21. Jh.): Newsletter 03/2012

 

Liebe Leserinnen und Leser von H-Soz-u-Kult,

nachfolgend finden Sie eine Aufstellung der im Februar 2012 neu ins Themenportal Europäische Geschichte eingestellten Artikel, Essays, Materialen und Quellenauszüge.

Essays und Artikel:

Ludi, Regula: Antifaschistische Kämpfer und Opfer des Faschismus nach dem Zweiten Weltkrieg. Überlegungen zur historischen Semantik des Opferbegriffs.
Abstract:
Als Überlebende, als Identifikationsfiguren zeitgenössischer Erinnerungspolitik, als Protagonisten der Populärkultur sind Opfer die Helden und Heldinnen unserer Zeit. Mit Rückgriff auf Max Weber könnte man ihre gesellschaftliche Position in der westlichen Welt am ehesten als Status bezeichnen: Dieser stattet Opfer mit anerkannten Ansprüchen aus; er ist mit Tabus belegt und verleiht moralische Autorität; er garantiert Prestige und verbürgt Unschuld. Diese Entwicklung stößt keineswegs auf ungetrübte Freude. Besorgte Stimmen warnen vor der „sentimentalen Solidarität erinnerter Viktimisierung“, und schon seit geraumer Zeit artikuliert sich ein Unbehagen ob der verbreiteten „Sehnsucht Opfer zu sein“. Ihre Bestätigung haben Bedenken dieser Art Ende der 1990er Jahre im Skandal um die Holocausterinnerungen von Binjamin Wilkomirski gefunden. Die Enthüllung der hoch gelobten und mehrfach übersetzten Memoiren als Fiktion war zunächst vor allem eine Blamage für den Literaturbetrieb, der dem Schwindel fast geschlossen auf den Leim gegangen war: Der Respekt vor dem traumatisierten Autor hatte viele Kritiker und Kritikerinnen davon abgehalten, den Text der fachüblichen Überprüfung zu unterziehen. Darüber hinaus hat der Skandal aber auch Grundstrukturen kollektiver Opferphantasien und deren Verbindung zu populären Erinnerungspraktiken offengelegt.
Im Rückblick betrachtet haben diese Ereignisse unser Bewusstsein für die Historizität von Opferstatus und Opferbegriff geschärft. Und auch dafür, dass Vorstellungen von unverdientem Leid kulturell bedingt und Ergebnis von gesellschaftlichen Aushandlungsprozessen sind. Desgleichen verweist der Skandal um Wilkomirski auf die zentrale Bedeutung des Holocausts – als Chiffre und moralische Referenz – für neuere Opferkonzeptionen und deren Sakralisierung in der westlichen Populärkultur. ....
In: Themenportal Europäische Geschichte (2012), URL: <www.europa.clio-online.de/2012/Article=536>.

Radonic, Ljiljana: Europäisierung der Erinnerung an das kroatische KZ Jasenovac. Wie europäisch sind post-sozialistische Gedenkmuseen?
Abstract:
Es ist keineswegs erstaunlich, in der Ausstellung einer KZ-Gedenkstätte ein antisemitisches Plakat aus dem Jahr 1942 zu finden. Dennoch fallen an diesem Exponat und dem Kontext, in dem es steht, zwei Dinge auf. Erstens die Bildunterschrift zu dem „propagandistisch-hetzerischen“ Ausstellungsplakat, die seit der Eröffnung der neuen Ausstellung in der KZ-Gedenkstätte Jasenovac im Jahre 2006 das Exponat untertitelt: „Die Ustascha- und Nazipropaganda über die zerstörerische Wirkung von Juden wird durch die Tatsache widerlegt, dass in den ersten vier Jahrzehnten des zwanzigsten Jahrhunderts Architekten und Bauunternehmer jüdischer Abstammung zahlreiche wichtigste öffentliche und Wohngebäude im Zentrum Zagrebs errichtet haben.“ Unzureichender kann man Antisemitismus jedoch nicht begegnen, als gegen den Vorwurf des zersetzenden jüdischen Wesens den Hinweis auf architektonische Leistungen von Juden ins Feld zu führen. Wie die mit Davidsternen übersäte Schlange verdeutlicht, zielt der antisemitische Hass keinesfalls bloß auf den Vorwurf der Unproduktivität, sondern imaginiert Jüdinnen und Juden als für den „Volkskörper“ lebensbedrohliches „Gegenvolk“. In der Ausstellung bleibt es jedoch bei diesem kurzen Verhandeln von Antisemitismus.
Zweitens fällt auf, dass hier der Versuch unternommen wird, Antisemitismus, der zur Vernichtung von Jüdinnen und Juden führte, zu thematisieren, während der Hass auf Serb/innen und Roma nicht erklärungsbedürftig erscheint. Von den rund 100.000 Opfern des KZ Jasenovac waren jedoch ungefähr die Hälfte Serb/innen, außerdem wurden mindestens 10.000 Roma aus rassistischen Gründen ermordet. ....
In: Themenportal Europäische Geschichte (2012), URL: <www.europa.clio-online.de/2012/Article=538>.

Materialien und Quellenauszüge:

Richtlinien für die Anerkennung als Opfer des Faschismus (3. Mai 1948). In: Themenportal Europäische Geschichte (2012), URL: <www.europa.clio-online.de/2012/Article=537>.

Weitere Quellen im Anhang zum Artikel von Radonic, Ljiljana: Europäisierung der Erinnerung an das kroatische KZ Jasenovac. Wie europäisch sind post-sozialistische Gedenkmuseen? In: Themenportal Europäische Geschichte (2012), URL: <www.europa.clio-online.de/2012/Article=538>.

Das Themenportal Europäische Geschichte veröffentlicht seit 2006 unter der Adresse <www.europa.clio-online.de> Materialien (Textdokumente, Statistiken, Bilder und Karten), Darstellungen und Debatten zur Geschichte Europas und der Europäer/innen vom 18. Jahrhundert bis zur Gegenwart. Nutzerinnen und Nutzer, die gerne mit eigenen Beiträgen mitwirken möchten, werden um Vorschläge gebeten. Schreiben Sie bitte an die Redaktion <clio.europa-redaktiongeschichte.hu-berlin.de>. Über die Auswahl und Annahme von Beiträgen entscheidet das Herausgeberkollegium aufgrund eines unkomplizierten Evaluationsverfahrens. Weitere Informationen zur Zielstellung und Konzeption des Projektes finden Sie auf den Webseiten des Projektes.

Mit freundlichen Grüßen

Prof. Dr. Hannes Siegrist (Leipzig), Sprecher des Herausgeberkollegiums

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