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Digital Humanities - methodischer Brückenschlag oder "feindliche Übernahme"? Chancen und Risiken der Begegnung zwischen Geisteswissenschaften und Informatik

 

Informationen zu diesem Beitrag

Veranstalter:Digital Humanities im deutschsprachigen Raum (DHd)
Datum, Ort:25.03.2014–28.03.2014, Passau

Bericht von:
Thomas Meyer, Institut für Geschichtswissenschaften, Humboldt-Universität zu Berlin
E-Mail: <meyertgeschichte.hu-berlin.de>

Im Sommer 2012 hat sich in Hamburg auf der internationalen Tagung „Digital Humanities“ ein Interessenverband im deutschsprachigen Raum zusammengefunden, dessen Ziel die Zusammenführung unterschiedlicher Projekte, Aktivitäten und Forschenden auf dem Feld der Digital Humanities (DH) ist. Die damalige Tagung war Teil einer jährlichen Reihe, die seit 1989 primär noch Computerlinguisten, Philologen und Editionswissenschaftler, mittlerweile aber quer durch alle geisteswissenschaftlichen Disziplinen Projekte und Akteure versammelte.[1] Organisiert wird sie von der Alliance Of Digital Humanities Organizations (ADHO) – einem Dach für verschiedene Verbände, die unter dem Label „Digital Humanities“ aus unterschiedlichen Fächern heraus gegründet wurden und sich methodischen und technologischen Aspekten der IT-Nutzung in den Geisteswissenschaften widmen. Der 2012 in Hamburg gegründete Verband Digital Humanities im deutschsprachigen Raum (DHd) [2] hatte nun für Ende März 2014 nach Passau zu seiner ersten Tagung eingeladen. Ausrichter war neben dem DHd der vor kurzem in Passau eingerichtete Lehrstuhl für Digital Humanities mit seinem Team um Malte Rehbein; binnen kurzer Zeit organisierten diese die Tagung mit mehr als vierzig Vorträgen und ebenso vielen Präsentationen, in teils bis zu drei parallelen Sessions.[3]

Schon im Tagungsthema wurde die eigentliche Frage, was genau sich hinter den Digital Humanities verberge, aufgegriffen und auf die Frage zugespitzt, ob es sich um eine „feindliche Übernahme“ durch die in den DH lange präsenten Fächer wie z.B. Computerlinguistik oder einzelne Philologien handele oder um neue „methodische Brückenschläge“ zwischen verschiedenen Geisteswissenschaften. Nachdem in mehreren Workshops im unmittelbaren Vorfeld der Tagung die Praxis verschiedener Anwendungen eingeübt werden konnte, wurde die Konferenz mit der Keynote von JOHN NERBONNE (Groningen/Freiburg) eröffnet, mit der Vorstellung einiger Thesen zu den DH, in denen er aus einer eher Informatik-geprägten Sicht eine eigenständige Disziplin „Digital Humanities“ aus einem Vergleich der Geschichte der Informatik bzw. Wirtschaftsinformatik herzuleiten versuchte; schließlich seien deren Vertreter teils noch bis in die 1980er-Jahre hinein von Elektrotechnikern und Mathematikern müde belächelt worden, da eine „Computer Science“ doch so gar nicht existiere, sondern von Modellen der Berechenbarkeitstheorie bis hin zur Hardware- und Software-seitigen Implementierung entweder theoretische Fragen der Mathematik oder technologische Aspekte der Elektrotechnik im Mittelpunkt stünden. Nerbonnes Fokus lag allerdings weniger auf der Beantwortung der Frage, wann unter welchen Gesichtspunkten und Kriterien die Herausbildung eines eigenständigen Faches zu beobachten wäre; sondern forderte dazu auf, das, was heute unter DH subsumiert werde, doch einfach zu machen.

Konkreter mit Blick auf methodische Fragen und Anforderungen an eine eigenständige Disziplin wurde in den Panels „Definitionen und Sichtweisen der Digital Humanities“ diskutiert. So formulierte PATRICK SAHLE (Köln), dass sich die DH mit Problemen beschäftigen, die über einzelne geisteswissenschaftliche Fächer hinausgehen. Dazu gehörten grundlegende Verfahren der Texterschließung oder -edition, der Bilderkennung und vieles mehr. Eigenständige DH könnten sich entwickeln, wenn sich aus den jeweiligen Herkunftsfächern Linguistik, Geschichtswissenschaften, Informatik etc. die entsprechenden Teile herauslösen und zusammenfinden würden, die sich bereits mit IT-gestützten Methoden befassten. Zu unterfüttern seien diese DH dann mit entsprechenden Curricula an den Universitäten, damit Experten später den eigentlich forschenden Wissenschaftler angemessen unterstützen können; die Aspekte der Curricula wiederum wurden in weiteren Beiträgen anderer Sessions angerissen, wobei sich die Präsentation einzelner Studiengänge oft auf eher fachspezifische Themen z.B. der Literaturwissenschaften oder der Angewandten Informatik beschränkte. Offen blieb in diesem Kontext die Frage, ob es grundlegender Studiengänge mit einer technischen Ausrichtung bedarf, in denen ein geisteswissenschaftliches Grundverständnis vermittelt wird oder ob ausgehend vom forschenden Geisteswissenschaftler zusätzliche IT-Qualifikationen zu vermitteln seien. Die Beantwortung dürfte zukünftig zu einer möglichen „Verfachlichung“ einen nicht unwichtigen Beitrag leisten.

Unmittelbar mit Bezug dazu umriss auch MANFRED THALLER (Köln), dass DH das sei, was ausschließlich mittels IT an geisteswissenschaftlicher Forschung möglich ist bzw. nicht ohne IT-Einsatz möglich sei. Thaller, wie auch Sahle grenzten dabei die jeweiligen Fachinformatiken in den geisteswissenschaftlichen Disziplinen von den DH – die ja a priori disziplinübergreifend agiere – ab. So existierte eine Digitale Geschichte oder Historische Fachinformatik immer noch unabhängig von den DH, eine Archäoinformatik zwischen Archäologie und den DH. Die Archäologie allerdings wurde im Vortrag von MATTHIAS LANG (Tübingen) gerade als Disziplin herausgestellt, die heute ausschließlich mittels IT forscht. Deren Hauptaufgaben von der Kartierung und Dokumentation sehr großer Mengen an Artefakten seien ohne IT-gestützte Erschließung und Dokumentation gar nicht mehr beherrschbar.

Die Vielzahl der parallelen Panels und Sektionen gab neben eher programmatischen Ausführungen zahlreiche Einblicke in laufende Projekte. Diese widmeten sich teils einzelnen Disziplin-spezifischen Problemen, griffen aber auch allgemeine Fragestellungen auf – allerdings weniger Fragen der Digital Humanities an sich, sondern IT-gestützter Arbeitstechniken oder genereller Möglichkeiten der Massendatenanalyse (nicht nur in den Geisteswissenschaften). So präsentierte aus der Kunstgeschichte WALTRAUD VON PIPPICH (München) Möglichkeiten einer Farbspektrenanalyse mittels eines in einer Kooperation mit Informatikern entwickelten Redcolor-Tools. Mittels der Analyse der Farbe Rot in den bildlichen Darstellungen von Herrschern des 19. Jahrhunderts bis hin zu Politiker-Fotos aus der Tagespresse soll einerseits eine eigene Ästhetik der Darstellung von Farbverläufen in den errechneten Graphen erarbeitet werden; andererseits wurde auch hier das gängige Paradigma von big data formuliert: dass sich mittels Auswertung großer Datenmengen neue implicit patterns finden und somit neue Forschungsfragen stellen ließen. Letzteres ein Thema, das seit seinem Aufkommen in den Naturwissenschaften, über die Geisteswissenschaften hinaus fortwährend zu einer Diskussion der Möglichkeiten und Grenzen von big data führt.[4] Aus den Geschichtswissenschaften präsentierten unter anderem CHARLOTTE SCHUBERT (Leipzig) Forschungen mittels Anleihen im Textmining im Projekt eAqua; WOLFGANG SPICKERMANN (Graz) stellte den Einsatz von Geographischen-Informationssystemen (GIS) zur Visualisierung von Daten im Projekt A.I.D.A. vor. Beide Projekte greifen auf bereits etablierte Verfahren zurück, aus denen sich mittels Visualisierung über Karten oder Wortwolken Anregungen zu neuen Fragestellungen ergeben. Ähnlich können heute Tools zur inhaltlichen Erschließung von Quellen auf großen Datenmengen eingesetzt werden, wie sie SUSANNA FRIESE (Göttingen) präsentierte. In ihren Projekten leisten die Tools MAXQDA oder Atlas.ti wertvolle Hilfestellungen bei der strukturierten Erschließung umfänglicher Quellenbestände (Text, Bild, Film) bis hin zur Markierung bzw. Auszeichnung von Zitaten. Angesichts gesunkener Speicherkosten sowie massiv gewachsener Rechengeschwindigkeit dürfte die Nutzung derartiger Tools zukünftig zunehmen, schon allein angesichts der rapide zunehmenden Anzahl an Publikationen einerseits und der zu erwartenden Verarbeitung genuin digitaler Quellen in der Zukunft.

Ebenso vielfältig wie die fachspezifischen Präsentationen fielen die Vorstellungen einzelner technischer Lösungen aus. Sogenannte webbles wurden von KLAUS P. JANTKE (Leipzig) als ein mögliches Werkzeug zur Verknüpfung beliebiger Datenbanken und Visualisierungstools präsentiert. Bei webbles handelt es sich um eine spezialisierte Webskripting-Technologie, die man in ihrer grundlegenden Funktionsweise auch in anderen Technologien wie z.B. JAVA-portlets implementieren kann. Dass diese webbles im bereits oben erwähnten A.I.D.A.-Projekt die Einbettung beliebiger Datenbanken in das GIS-System ermöglichen sollen, erscheint schlüssig und aussichtsreich; und es zeigt einmal mehr, dass bei der Nutzung von IT nicht unbedingt generalisierende Softwarelösungen entstehen müssen, sondern pragmatische Lösungen recht schnell zum Ziel führen; diese allerdings müssen in ihrer Funktionsweise dokumentiert sein, sollen sie anderen zur Nachnutzung zur Verfügung stehen. Neben den Einzelprojekten präsentierten auch größere Verbundprojekte wie DARIAH und CLARIN Ausschnitte aus ihrem Portfolio. So wurden aus dem DARIAH-Kontext interessante Tools wie das GIS-Projekt GeoBrowser vorgestellt, welches kleine Projekte mit wenig Aufwand zur geographischen Visualisierung ihrer Daten nutzen können. Mittels einfacher Datenkonvertierung können Daten direkt in ein Geoinformationssystem eingebunden werden, unter Berücksichtigung historischer Grenzen über verschiedene Epochen hinweg. Andere vorgestellte DARIAH-Projekte, wie die sog. crosswalks und metadata-registries wiederum sind für Wissenschaftler/innen auf den ersten Blick nicht leicht zu entziffern; Informatiker können mit derartiger Terminologie sicherlich Vokabularien, Metadaten und deren Konkordanzen verbinden, Wissenschaftler/innen jedoch wollen in der Regel ihre Daten sammeln, beschreiben und archivieren.

Brückenschlag oder feindliche Übernahme

Die Vielzahl präsentierter Projekte unterschiedlicher geisteswissenschaftlicher Provenienz deutete darauf hin, dass doch eher Brücken zwischen verschiedenen Disziplinen gebaut werden, als dass Computerlinguistik oder Philologien anderen Fächern ihren Methodenkanon überstülpen. Neben den Keynotes und zwei zumindest in ihrer Themensetzung kontrovers angelegten Podiumsdiskussionen widmeten sich viele der Einzelvorträge einer Stellungnahme, wo nun die DH genau zu verorten seien. So betonte JÖRG WETTLAUFER (Göttingen), dass gemeinsame Fragestellungen im Mittelpunkt der DH stehen müssten, alles andere bliebe immer noch eine eigene Fachinformatik; eine These, die man angesichts der Vorträge, die sich oft spezifisch kunsthistorischen, archäologischen, philologischen und anderen Problemlagen widmeten, nur unterstützen kann. Aus Sicht des teilnehmenden Beobachters scheint sich unter dem Dach der DH eher eine neue „Hilfswissenschaft“ zu entwickeln, die nicht eindeutig einer Geisteswissenschaft zuzuordnen ist, aber eben doch grundsätzliche Verfahren und Technologien erfordert (andere sprechen von Grundlagenwissenschaft). Diese stammen meist aus der Informatik (Technologie), Computerlinguistik (Text) und verschiedenen Bild-orientierten Fächern und nehmen methodische Anleihen in diversen Geisteswissenschaften (Netzwerkanalyse, Quantitative und Qualitative Analyse etc.). Das Postulat, man könne mittels Algorithmen jede Struktur und Semantik in Texten bestimmen, wie es unter anderem GERHARD HEYER (Leipzig) formulierte, ist dagegen zu kurz gegriffen. Dem widersprach auch Manfred Thaller (Köln) in seiner Diskussion mit Heyer unmittelbar, unter anderem mit dem Verweis auf die vielfältigen turns der Geschichtswissenschaften.

Die DH erschienen somit in Passau als eine Vermittlungsinstanz zwischen den einzelnen Disziplinen, die aber auch innerhalb der einzelnen Disziplinen agiert. Der Ansatz von BEN KADEN (Berlin), die DH als eine zusätzliche Instanz zwischen den forschenden Akteuren einerseits und den „Machern“ in der IT andererseits vorzustellen, ging leider etwas unter: Wie stehen Akteure in Beziehung zueinander, und wie lassen sich diese Beziehungen abbilden, welche Übersetzungsprobleme und Missverständnisse gilt es zu überwinden? Die DH werden sicherlich – geht man von ihr als interdisziplinärem Überbau aus IT-Spezialisten mit geisteswissenschaftlicher Grundausbildung aus – gängige Verfahren und Tools weiter adaptieren und auf neue Anwendungsmöglichkeiten zu prüfen haben. Bestes Beispiel sind neue Möglichkeiten der Textselektion mittels qualitativer Vor-Auswertungen: angesichts enorm gestiegener Publikationsmengen und Quellenmassen/-daten werden zukünftig sicherlich vermehrt Tools für die strukturierte Erfassung benötigt werden, spätestens wenn auch die genuin digital entstandenen Quellen in den Fokus der (Geschichts-)Wissenschaften rücken. Interessanterweise stellten gerade einige Vortragende, die eher im technischen Bereich agieren, in den Projektpanels die Tatsache in den Vordergrund, dass sie selbst nur die Werkzeuge bereitstellen, die eigentliche Interpretation aber den Forschenden obliegt. TORSTEN SCHASSAN (Wolfenbüttel) reüssierte daher auch: „Wir erzielen nur eine statistische Wahrscheinlichkeit“, deren Interpretation obliege jedoch den Wissenschaftler/innen.

Vielleicht können die DH von den Geschichtswissenschaften etwas lernen: Das unterschiedliche „turns“ zwar neue Bewegung ins Fach bringen, aber auch Konjunkturen unterworfen sind. Auf jeden Fall ist Nerbonnes Credo zu unterstützen: Projekte muss man einfach machen! Im besten Fall greifen andere Forscher Lösungen auf und entwickeln sie in ihren Kontexten weiter (Nerbonne: „the revolution will come in lots of little steps“). Dass Nerbonne allerdings auf die Frage, wie er denn mit der Grenze zwischen Hermeneutik und Nicht-Hermeneutik umgehe, antwortete, dass er die Frage nicht akzeptiere, löst das Grundproblem der DH nicht wirklich. Grundsätzlich müssen die DH sich eben doch mit den Grenzen der automatisierten Verarbeitung von Text und Bild auseinandersetzen.

Was die Verbreitung der DH betrifft, kann die Technikgeschichte möglicherweise mit ihren jüngsten Forschungen ein Stück beitragen, wenn sie nach der Innovationskraft und Durchsetzung neuer Technologien fragt; in Anlehnung an die Thesen Terry Shinns, demzufolge sich generische research technologies häufig erst mittels involvierter Fachvertreter, die bereits Disziplingrenzen überschreiten, durchsetzen .[5] Dann dürfte sich das Problem der Entfremdung gegenüber den hermeneutischen Geisteswissenschaften, wie es Jörg Wettlaufer treffend formulierte, gar nicht stellen: „Wir dürfen nicht zu den Nerds werden! Sonst fehlen Fragestellungen und man wird DH als Konkurrenz empfinden, und nicht als Bereicherung.

Konferenzübersicht:[6]

Workshops

Workshop 1: DARIAH-Preconference
Workshop 2: GAMS, Geisteswissenschaftliches Asset Management System
Workshop 3: GeoHumanities, Karten, Daten, Texte in den digitalen Geisteswissenschaften
Workshop 4: XML-Print – ein Werkzeug zum Satz beliebiger XML-Dokumente
Workshop 5: Wissenschaftliches Bloggen bei de.hypotheses.org
Workshop 6: Gehör verschaffen! Die Produktion und Verbreitung von digitalen Radiosendungen

Eröffnung der Tagung
Präsident der Universität Passau, Burkhard Freitag
1. Vorsitzende DHd, Jan Christoph Meister (Universität Hamburg)

Keynote
John Nerbonne (Groningen): Die Informatik als Geisteswissenschaft

Definitionen und Sichtweisen der Digital Humanities I
Chair: Claudine Moulin (Universität Trier)
Gerhard Heyer / Andreas Niekler / Gregor Wiedemann (Universität Leipzig): Brauchen die Digital Humanities eine eigene Methodologie? Überlegungen zur systematischen Nutzung von Text Mining Verfahren in einem politikwissenschaftlichen Projekt
Patrick Sahle (Universität zu Köln): DH? Gibt’s doch gar nicht?! - Integration oder Desintegration der Digital Humanities in Deutschland
Lang Matthias (Universität Tübingen): Objekte – Raum – Zeit: Die Archäologie – ein Sonderfall der Digital Humanities?

Mehrwert der IT in geisteswissenschaftlichen Projekten I
Chair: Michael Stolz (Universität Bern)
Thorsten Wübbena (Institut für Europäische Kunstgeschichte / Universität Heidelberg), Matthias Arnold / Eric Decker (Exzellenzcluster „Asien und Europa", Universität Heidelber): „Losing My Religion" – Einsatz einer Videoannotationsdatenbank in der kunstgeschichtlichen Analyse von Musikvideos
Berthold Over (Johannes-Gutenberg-Universität Mainz) / Torsten Roeder Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften Berlin): MUSICI und MusMig. Kontinuitäten und Diskontinuitäten
Christian Riepl (Ludwig-Maximilians-Universität München): Was ich nicht weiß, ... macht mich heiß: Zum Mehrwert der Anwendung informatischer Methoden bei der Analyse von Textkorpora am Beispiel des Projektes "Biblia Hebraica transcripta"

Der Kontext digital gestützter Forschung
Chair: Stephan Lücke (Ludwig-Maximilians-Universität München)
Kerstin Wolff (Stiftung Archiv der deutschen Frauenbewegung, Kassel), Alexander Geyken (Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften Berlin), Thomas Gloning (Justus-Liebig-Universität Gießen): Frauenfragen um 1900 als Gegenstand kontroverser Kommunikation im Umkreis der ›ersten‹ Frauenbewegung. Wie können digitale Ressourcen die Untersuchung und die Ergebnisdokumentation verbessern?
Walter Scholger (Universität Graz): Freier Wissenszugang gegen Geistiges Eigentum: Hürden und Lösungsmodelle für Forschung und Lehre im digitalen Raum
Thomas Erns (Universität Duisburg-Essen): Jenseits des wissenschaftlichen Werks und des geistigen Eigentums? Die digitale Verbreitung wissenschaftlichen Wissens

Poster Slam I und II
Chairs : Evelyn Gius (Universität Hamburg), Cristina Vertan (Universität Hamburg)

Editionen und Editionstechniken I
Chair: Elisabeth Burr (Universität Leipzig)
Georg Vogeler (Universität Graz): Warum werden mittelalterliche und frühneuzeitliche Rechnungsbücher eigentlich nicht digital ediert?
Hanno Biber (Österreichische Akademie der Wissenschaften Wien): AAC-FACKEL. Das Beispiel einer digitalen Musteredition.
Uta Störl / Hartmut Vincon (Hochschule Darmstadt): Kooperatives Forschungsprojekt Online-Brief-Datenbank. Ein Beispiel für disziplinspezifische Anwendungen

Definitionen und Sichtweisen der Digital Humanities II
Chair: Christof Schöch (Universität Würzburg)
Jörg Wettlaufer (Akademie der Wissenschaften zu Göttingen): Digital Humanities und Interdisziplinarität. Thesen für eine Kooperation zwischen Geisteswissenschaften und angewandter Informatik.
Günther Görz (Universität Erlangen-Nürnberg): Künstliche Intelligenz und Geisteswissenschaften
Franz Lehner (Universität Passau): Interdisziplinarität als Herausforderung und Hemmnis für eine disziplinäre Entwicklung - Digital Humanities und Wirtschaftsinformatik im Vergleich

Sammlungen und Hilfsmittel
Chair: Stefanie Steiner-Grage (Max-Reger-Institut Karlsruhe)
Christian Bracht / Werner Köhler (Bildarchiv Foto Marburg): Standardbildung und Linked Open Data. Forschungsinfrastrukturen für Gedächtnisorganisationen
Maria Stieglecker / Emanuel Wenger (Österreichische Akademie der Wissenschaften Wien), , Erwin Frauenknecht (Landesarchiv Baden-Württemberg): WZIS und Bernstein. Die digitale Erschließung, Visualisierung und Vernetzung von Wasserzeichen.
Regina Doppelbauer (Albertina Wien): Albertina - Sammlungen online: eine digitale Ressource und ihre Nutzung

Neue Technologien
Chair: Peter Gietz (DAASI International GmbH Karlsruhe)
Lars Wieneke / Marten Düring / Ghislain Sillaume (Centre Virtuel de la Connaissance sur l'Europe, Luxembourg), Carine Lallemand (Public Research Centre Henri Tudor, Luxembourg), Vincenzo Croce / Marilena Lazarro / Francesco Nucci (Engineering Ingegneria Informatica S.p.a.), Chiara Pasini / Pietro Fraternali / Marc Tagliasacchi (Dipartimento di Elettronica, Informazione e Bioingegneria), Jasminko Novak / Isabel Micheel / Erik Harloff (European Institute for Participatory Media, Berlin), Javier Garcia Moron (Homeria Open Solutions S.L), Mark Melenhors (Delft University of Technology): The History of Europe App - A pipeline for Humanist-Machine Interaction in the Digital Humanities
Gerrit Weber / Marcel Schaeben (Universität zu Köln), Bernhard Strecker (Institut für Medienkultur und Theater, Köln): Will in Town, ein Location-based-Game
Katharina Schuster / Ursula Bach / Anja Richert / Sabina Jeschke (Rheinisch-Westfälische Technische Hochschule Aachen): Einfluss immersiver Benutzerschnittstellen auf kognitive Prozesse in virtuellen Lernumgebungen

Editionen und Editionstechniken II
Chair: Patrick Sahle (Universität zu Köln)
Christian Erbacher (University of Bergen): Editionspraxis und technologische Entwicklung: Erfahrungen und Schlussfolgerungen aus der elektronischen Edierung von Wittgensteins Nachlass
Maximilian Hadersbeck / Florian Fink (Ludwig Maximilians Universität München), Alois Pichler / Øyvind Liland Gjesdal (Wittgenstein-Archiv an der Universität Bergen): Wittgensteins Nachlass: Computerlinguistik und Philosophie: Der Finder wiTTFind und die Wittgenstein Advanced Search Tools (WAST)
André Gießler / Marcus Pöckelmann / Jörg Ritter (Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg): Semi-automatische Differenzanalyse von komplexen Textvarianten

Visualisierungen
Chair: Martin Warnke (Leuphana Universität Lüneburg)
Felix Lange / Frithjof Schwartz (Akademie der Wissenschaften und der Literatur Mainz), Martin Unold (i3mainz Fachhochschule Mainz): GenericViewer - Semantische Annotation und 3D-Informationen in den Spatial Humanities
Tina Bögel / Valentin Gold / Annette Hautli-Janisz / Christian Rohrdantz / Sebastian Sulger / Miriam Butt / Katharina Holzinger / Daniel A. Keim (Universität Konstanz): Auf den Weg zur Visualisierung von linguistischen Mustern der Deliberation: eine Fallstudie anhand der Daten von S21
Dorothea Peter (Hochschule für Gestaltung Karlsruhe): Der Presenter - Eine Webanwendung zur Visualisierung und Präsentation von individuell und kollaborativ erzeugten Sinnstrukturen.

Architekturen von Infrastrukturen
Chair: Gerhard Lauer (Universität Göttingen)
Christoph Plutte (Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften Berlin), Tobias Gradl / Andreas Henrich (Universität Bamberg): Die DARIAH-DE Architektur zur forschungsorientierten Föderation von Kollektionen in den Digital Humanities
Ben Kaden (Technische Universität Berlin): Ein Integriertes Monitoring in digitalen Forschungsräumen als Vermittlungsakteur in heterogenen Akteurskonstellationen. Das Beispiel TextGrid.
Jessica Drechsler / Robert Strötgen (Georg-Eckert-Institut Braunschweig): Digitale Forschungsinfrastrukturen für die internationale Bildungsmedienforschung – praxisorientierte Einblicke in die Anforderungsanalyse und Evaluierung

Mehrwert der IT in geisteswissenschaftlichen Projekten II
Chair: Heike Neuroth (Staats- und Universitätsbibliothek Göttingen)
Cathleen Kantner / Jonas Kuhn (Universität Stuttgart), Fritz Kliche (Universität Hildesheim): eIdentity - Werkzeuge zur Erschließung und Exploration von Textdaten
Sophia Stotz / Valentina Stuss (Universität Paderborn): Relationsextraktion mit lokalen Grammatiken am Beispiel der Relation „emigrieren“
Gernot Howanitz (Universität Passau), Helmut Mayer (Universität Salzburg): LitSOM. Kartierung russischer Gegenwartsliteratur

Kontroversdiskussionen
Gerhard Heyer (Universität Leipzig) v. Manfred Thaller (Universität Köln): Grenzen und Gemeinsamkeiten: Die Beziehung zwischen der Computerlinguistik und den Digital Humanities
Chair: Jan Christoph Meister (Universität Hamburg)
Achim Bonte (Sächsische Landes- und Universitätsbibliothek Dresden) v. Thomas Stäcker (Herzog-August-Bibliothek Wolfenbüttel): Infrastruktur für DH, aber richtig
Chair: Claudine Moulin (Universität Trier)

Keynote
Katja Kwastek (Freie Universität Amsterdam): Vom Bild zum Bild: Digital Humanities jenseits des Texts

Panel I
Johannes Kepper (Musikwissenschaftliches Seminar Detmold / Paderborn): Quo Vadis Musikphilologie? Digitale Ausgaben im Gespräch

Panel II
Manfred Thaller (Universität zu Köln), Walter Scholger (Universität Graz): Digital Humanities als Beruf - Der Weg zu einem Curriculum

Panel III
Piotr Kuroczyński (Herder-Institut Marburg), Mieke Pfarr-Harfst (echnische Universität Darmstadt), Markus Wacker (Hochschule für Technik und Wirtschaft Dresden), Sander Münster (Technische Universität Dresde), Frank Henze / Henning Burwitz (Brandenburgische Technische Universität Cottbus): Pecha Kucha "Virtuelle Rekonstruktion – Allgemeine Standards, Methodik und Dokumentation"

Stilometrie
Chair : Tara Andrews (Universität Bern)
Gabriel Viehhauser (Universität Bern): Historische Stilometrie? Methodische Vorschläge für eine Annäherung textanalytischer Zugänge an die mediävistische Textualitätsdebatte
Christof Schöch / Pielström Steffen (Universität Würzburg): Für eine computergestützte literarische Gattungsstilistik
Alexander Koplenig (Institut für Deutsche Sprache, Mannheim): Prinzipielle Probleme der Anwendung statistischer Signifikanztests in der Korpuslinguistik

Mehrwert der IT in geisteswissenschaftlichen Projekten III
Chair: Vera Hildenbrandt (Universität Trier)
Waltraud von Pippich (Ludwig-Maximilians-Universität München): „Von der Kurve zur Epoche“, Wie Rotquantitäten in Bildern Aussagen über Epoche, Genre und Stil erlauben. Ansätze einer computergestützten Bildanalyse
Susanne Friese (Max-Planck-Institut zur Erforschung multireligiöser und multiethnischer Gesellschaften, Göttingen): Was bringt die Anwendung von QDA-Software für die Analyse qualitativer Daten
Daniel Fecker / Werner Pantke / Fouad Slimane (Technische Universität Braunschweig), Bertram Lesser / Torsten Schaßan (Herzog August Bibliothek Wolfenbüttel): Vom Zeichen zur Schrift. Mit Mustererkennung zur automatisierten Schreiberhanderkennung in mittelalterlichen und frühneuzeitlichen Handschriften

Projektvorstellungen I: Informatik und Text
Chair: Sabine Bartsch (Technische Universität Darmstadt)
Swati Chandna (Karlsruher Institut für Technologie), Hannah Busch (Universität Trier), Celia Krause / Oliver Schmid / Philipp Vanscheid (Technische Universität Darmstadt): eCodicology - Mittelalterliche Handschriften als Gegenstand "archäologischer" Forschung
Irina Podtergera / Susanne Mocken (Albert-Ludwigs-Universität Freiburg): SlaVaComp - Kirchenslavisch digital: wozu?
Peter M. Fischer / Andreas Witt (Institut für Deutsche Sprache, Mannheim), Jens Kirsten (Thüringer Buchlöwe - Schreibwettbewerb der Literarischen Gesellschaft Thüringen): Aufbau eines Korpus zur Beobachtung des Schreibgebrauchs im Deutschen
Jürgen Knauth (Universität Trier,), Sven Wortmann (Ruhr-Universität Bochum): Semantisch-Soziale Netzwerkanalyse am Beispiel buddhistischer Texte in der Pali-Sprache: Zwischenstand zur Korpus-Aufbereitung
Matthias Lemke (Universität Hamburg), Gregor Wiedemann (Universität Leipzig): Post-Democracy and Neoliberalism

Projektvorstellungen II: Informatik und Text
Chair: Johannes Kepper (Musikwissenschaftliches Seminar Detmold / Paderborn)
Jennifer von Schwerin (Deutsches Archäologisches Institut, Berlin): Verbundprojekt ‘MayaArch3D’ Ein webbasiertes 3D-GIS zur Analyse der Archäologie von Copan, Honduras
Thomas Kollatz (Steinheim-Institut für deutsch-jüdische Geschicht), Martin Warnke (Leuphana Universität Lüneburg), Peter Gietz (DAASI International GmbH, Tübingen): Relationen im Raum - Visualisierung topographischer Klein(st)strukturen
Kerstin Bischoff (Leibniz Universität Hannover), Heidemarie Hanekop (Soziologisches Forschungsinstitut Göttingen), Kerstin Brückweh (Universität Trier), Nicole Mayer-Ahuja (Universität Hamburg): Herausforderungen und Best Practices interdisziplinärer Kooperation in den eHumanities – Erfahrungen aus dem BMBF-Verbund „Gute Arbeit“ nach dem Boom
Frederik Elwert / Beate Hofmann (Ruhr-Universität Bochum): Ordnung – Kraft – Magie. Netzwerkanalyse als Instrument ägyptologischer Bedeutungsanalyse

(Geistes)wissenschaftliche Methodik und Informatik
Chair: Günther Görz (Universität Erlangen-Nürnberg)
Evelyn Gius / Janina Jacke / Jan Christoph Meister (Universität Hamburg): Informatik und Hermeneutik. Erste Erkenntnisse aus dem heureCLÉA¬Projekt
Stefan Heßbrüggen-Walter (National Research University - Higher School of Economics, Moskau): Using Ontologies as Heuristic Tools: Sources in the History of Philosophy and Their Interpretation in the Semantic Web
Axel Philipps / Eva Barlösius (Leibniz Universität Hannover): Zur Sichtbarkeit von Street Art in Flickr. Methodische Reflexionen zur Zusammenarbeit von Soziologie und Informatik

Sektion I
Bernhard Ebneth / Maximilian Lanzinner / Matthias Reinert (Bayerischen Akademie der Wissenschaften), Marco Jorio (Historisches Lexikon der Schweiz), Martina Schattkowsky (Institut für Sächsische Geschichte und Volkskunde Dresden), Thierry Declerck (Deutsches Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz Kaiserslautern), Roland Feigl / Christine Gruber / Eveline Wandl-Vogt (Österreichische Akademie der Wissenschaften Wien): Vernetzung von historisch-biographischen Lexika und Fachportalen im Linked (Open) Data Framework

Sektion II
Leif Scheuermann (Max-Weber-Kolleg für kultur- und sozialwissenschaftliche Studien der Universität Erfurt), Thomas Grotum (Universität Trier), Werner Rieß (Universität Hamburg), Christoph Schäfer (Universität Trier), Charlotte Schubert (Universität Leipzig), Klaus P. Jantke (Fraunhofer Institut für digitale Medientechnologie Ilmenau), Wolfgang Spickermann (Universität Graz): ICE/AGE - Von der Anwendungsinsel zum digitalen Marktplatz und Hörsaal

Sektion III
Thorsten Trippel (Universität Tübingen), Jörg Knappen (Universität des Saarlands, Saarbrücken), Thomas Eckart (Universität Leipzig), Thoms Kisler / Christoph Draxler (Ludwig-Maximilians-Universität München), Dieter van Uytvanck (Max-Planck Institut für Psycholinguistik, Nijmegen): CLARIN-D: eine Forschungsinfrastruktur für die Geistes- und Sozialwissenschaften

Sektion IV
Stephan Hoppe (Ludwig-Maximilians-Universität München), Peter Bell (Heidelberg Collaboratory for Image Processing), Martin Raspe (Max-Planck-Institut für Kunstgeschichte, Rom ), Georg Hohmann (Deutsches Museum, München): Bedrohte Besitzstände, verlorene Werte? Die Geisteswissenschaft von der Kunst und die neuen digitalen Verfahren

Anmerkungen:
[1] Die diesjährige internationale Tagung der Digital Humanities findet im Juli 2014 in Lausanne statt, für mehr Informationen siehe Website dh2014.org/ (15.04.2014).
[2] www.dig-hum.de/ (15.04.2014).
[3] Eine Würdigung aller Beiträge im Bericht ist angesichts dieses Fülle unmöglich, daher siehe zum ausführlichen Programm die Website www.conftool.pro/dhd2014/index.php?page=browseSessions&path=adminSessions (15.04.2014).
[4] Lesenswert hierzu kürzlich der Schwerpunkt „Das Digitale denken“ in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung: www.faz.net/aktuell/feuilleton/debatten/das-digitale-denken/ (15.04.2014).
[5] Vgl. hierzu in dem Zusammenhang der Tagungsbericht von Thomas Schuetz zu Research technologies - Forschungstechnologien. 94. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Geschichte der Medizin, Naturwissenschaft und Technik. 23.09.2011-25.09.2011, Stuttgart, in: H-Soz-u-Kult, 22.10.2011, <hsozkult.geschichte.hu-berlin.de/tagungsberichte/id=3857> 15.04.2014).
[6] Vgl. auch das vollständige Programm inklusive der Abstracts unter www.conftool.pro/dhd2014/index.php?page=browseSessions&path=adminSessions (15.04.2014).

ZitierweiseTagungsbericht Digital Humanities - methodischer Brückenschlag oder "feindliche Übernahme"? Chancen und Risiken der Begegnung zwischen Geisteswissenschaften und Informatik. 25.03.2014–28.03.2014, Passau, in: H-Soz-u-Kult, 12.06.2014, <http://hsozkult.geschichte.hu-berlin.de/tagungsberichte/id=5384>.

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