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Gewalt, Zurichtung, Befreiung? Körperliche „Ausnahmezustände“ 1880-2000.

 

Informationen zu diesem Beitrag

Veranstalter:Zeitgeschichtlicher Arbeitskreis Niedersachsen (ZAKN)
Datum, Ort:15.11.2013–16.11.2013, Göttingen

Bericht von:
Sandra Fürgut, Institut für Zeitgeschichte München-Berlin
E-Mail: <fuergutifz-muenchen.de>

Seit die Geschichtswissenschaft in den letzten zwanzig Jahren den Körper als Gegenstand immer mehr für sich entdeckt, haben sich vielfältige Methoden und Deutungen herausgebildet. Wo es um Zusammenhänge von Körper und Macht geht, haben sich insbesondere Michel Foucaults Überlegungen zu „Biopolitik“, den „Technologien des Selbst“ und „Gouvernementalität“ etabliert. Diese Konzepte mit dem „Ausnahmezustand“ nach Giorgio Agamben zusammenzubringen, war die Idee der Jahrestagung des Zeitgeschichtlichen Arbeitskreises Niedersachsen (ZAKN) unter der Leitung von Dirk Schumann und Cornelia Rauh und der Organisation von Hannah Ahlheim. Mit der Thematik Gewalt, Zurichtung, Befreiung? Körperliche „Ausnahmezustände“ 1880-2000 knüpfte die Tagung dabei an die letztjährige ZAKN-Tagung an, die Ausnahmezustände generell zum Thema gehabt hatte.[1] Dieses Jahr nun sollten Situationen, in denen Körper Extreme und Ausnahmezustände erleben oder durch sie bedroht sind, in den Blick genommen werden. Mit der Fragestellung nach „Gewalt, Zurichtung, Befreiung“ führte der ZAKN zudem seine Diskussion des „Selbst zwischen Anpassung und Befreiung“[2] fort und nahm Forschungsimpulse zum „beratenen“, „präventiven“ und „unternehmerischen“ Selbst auf.[3]

In seiner Eröffnung erklärte DIRK SCHUMANN (Göttingen) die Wahl der „körperlichen Ausnahmezustände“ als Tagungsthema mit dem Ziel, Ausnahmezustände in den Blick zu bekommen, die durch die Konzentration auf staatliche Ausnahmezustände verdeckt werden würden, an denen sich aber ebenso eine Aufgabe von Normalität – freiwillig oder unter Zwang – beobachten lasse. HANNAH AHLHEIM (Göttingen) zeigte den konzeptionellen Rahmen der Tagung auf. Ausgehend von der Frage nach den Zusammenhängen zwischen körperlichen, gesellschaftlichen und politischen Ausnahmezuständen werde schnell klar, dass soziale, politische und ökonomische Zugriffe immer auch über den Körper des Menschen liefen. Damit sei der Körper keinesfalls ein Relikt aus vormodernen Zeiten, das durch immer subtilere Zugriffe auf das Subjekt unwichtig werde. Vielmehr sollte der körperliche Ausnahmezustand als Bestandteil moderner Gesellschaften analysiert werden. Zugleich plädierte Ahlheim dafür, auch die produktive Seite des Ausnahmezustands zu beachten, die den Raum biete, Strukturen neu zu errichten und Möglichkeiten der Ermächtigung und Befreiung des Individuums zu schaffen.

Durch den Ausfall einer Referentin und eines Kommentars wurden das erste und zweite Panel zusammengezogen, was den Sinnzusammenhängen jedoch keinen Abbruch tat, da sich alle Beiträge um körperliche Ausnahmezuständen auf dem Feld von Krieg und Folter drehten. CHRISTOPH KAMISSEK (Rostock) skizzierte die Bedeutung von Mobilität und Reiselust im Militär zur Zeit der ersten Globalisierung. Im Gegensatz zur These mentaler Immobilität zeige ein zweiter Blick auf die Quellen einen starken Drang, ins Ausland zu gehen, zu dem sich in der friedlichen Ausnahmezeit des Kaiserreichs der Wunsch nach Feindkontakt gesellte. Welche Wunden der Feindkontakt aber dann tatsächlich reißen konnte, wurde im folgenden Beitrag zu den psychischen und physischen Ausnahmezuständen der Gesichtsverletzten nach dem Ersten Weltkrieg deutlich. ANNELIE RAMSBROCK (Potsdam) hob dabei besonders die Bedeutung der Wiederherstellungschirurgie für die Schönheitschirurgie und die Auswirkungen auf die medizinische Indikationsstellung hervor: Durch die operative Behebung des physischen Ausnahmezustands sollte das Subjekt psychisch wiederhergestellt und seine soziale Integration begünstigt werden. Mit dieser psychophysischen Indikation wurde eine neue Form medizinischen Handelns hervorgebracht, die in fundamentalem Gegensatz zur bis dahin gültigen Maxime der Behandlung des physisch kranken Körpers stand. Gewaltbedingten Ausnahmezuständen ging auch MICHAELA HAMPF (Berlin) nach. Anhand der die Öffentlichkeit erschütternden Bilder von Abu Ghraib mit der Folterin Lynndie England einerseits und der dramatisch inszenierten Rettungsaktion der Soldatin Jessica Lynch andererseits machte sie die Ambivalenzen der Konstruktion und Inszenierung von Weiblichkeit im Kontext von Folter und Krieg und das komplexe Dispositiv von Gewalt, Geschlecht und Sexualität deutlich. In ihrem Kommentar stellte BETTINA GREINER (Hamburg) angesichts der Breite der dargestellten Ausnahmezustände die Frage nach den Bedingungen und Auslösern von Ausnahmezuständen. Es sei zu klären, ob ein Ausnahmezustand definiert werde und es dazu einer Institution bedürfe oder ob es sich um einen Akt der Selbstermächtigung oder -mobilisierung handle. Allgemein wurde die Frage aufgeworfen, ob das Subjekt im Ausnahmezustand in den Quellen überhaupt zu fassen sei. Als eine Kategorie des Ausnahmezustandes wurden der Zustand kompletter Objektivierung eines Menschen und die damit verbundenen Machtausübungen ins Auge gefasst.

Um den Einsatz von Macht über körperliche Grundbedürfnisse ging es in der folgenden Sektion zu Nahrungsentzug und Nahrungsmangel. CHRISTOPH KOPKE (Potsdam / Berlin) eröffnete das Panel mit einem Vortrag über die Ernährungsversuche im KZ Mauthausen unter der Leitung von Ernst Günther Schenk, die dieser selbst mit der Erforschung des Menschen in „extremen Lebensverhältnissen“ als eigentlichen Zweck seiner Forschung rechtfertigte. Wie der Ausnahmezustand eines öffentlichen und für jeden sichtbaren Hungersterbens mit diskursiven Strategien verschleiert wurde, indem nicht darüber gesprochen und Bilder geheim gehalten wurden, zeigte ROBERT KINDLER (Berlin) am Beispiel der Hungersnot in Kasachstan zu Beginn der 1930er-Jahre. Schweigen und nicht-öffentliches Sprechen funktionierten im Stalinismus als Kommunikationsstrategien, die weite Teile der Bevölkerung an die Herrschenden banden und den Erfolg der Herrschaft sicherte. Die so erzeugte stillschweigende Übereinstimmung zwischen Bevölkerung und Herrschenden sicherte zudem denen, die sich an die Regeln des Schweigens hielten, die Existenz und vermied die Zuweisung von Verantwortung und Schuld. Anhand der beiden Beiträge entwarf HABBO KNOCH (Göttingen) in seinem Kommentar vier Modi des Umgangs mit Hunger, die auch allgemeine Modi des Erscheinens und des Umgangs mit Ausnahmezuständen beschreiben können: eine Dimension der körperlichen Ausdrucksform, eine praxeologische Dimension, eine Dimension der Herrschaft und zuletzt eine Dimension der Ökonomisierung, Rationalisierung und Verwissenschaftlichung. In der folgenden Diskussion wurde vor allem das Potential des Ausnahmezustandes zur Herausforderung deutlich: Ausnahmezustände zeigen, welche Akteure Möglichkeiten zum Handeln, Entscheiden und Interagieren haben und wie sie mit diesen Möglichkeiten umgehen. Auch Fragen der Entrechtung oder Ermächtigung des Selbst und des Anderen werden damit aufgeworfen.

Hatte der erste Tag vor allem Momente der Macht und Gewaltausübung gezeigt, stand der zweite Tag ganz im Zeichen von Krankheiten als drohenden Ausnahmezuständen und Gefährdungen des Körpers. In diesem Sinne widmete sich das vierte Panel der Prävention und dem Management von Krankheiten. MALTE THIESSEN (Oldenburg) untersuchte die Rolle des Ausnahmezustandes bei der Legitimation und Kritik des Impfens. So diente seine Beschwörung einerseits der Legitimation staatlicher Impfprogramme und der Mobilisierung der Bevölkerung und unterstrich, wenn gebannt, die Wirksamkeit staatlichen Handelns; andererseits setzte auch das Gegenlager katastrophenartige Bilder zur Kritik der Impfpflicht ein. Letztlich standen sich der individuelle und der gesellschaftliche Ausnahmezustand gegenüber, wobei in beiden Lagern im Lauf des 20. Jahrhunderts mehr und mehr der individuelle Körper und seine Bedrohungen in den Mittelpunkt der Krisenszenarien gestellt wurden. An die zunehmende Ausrichtung der Gesundheitspolitik am Leitbild individueller Prävention knüpfte PETER-PAUL BÄNZIGER (Zürich) an, der die Aids-Panik der 1980er-Jahre anhand der zur Aufklärung eingesetzten Bilder von Betroffenen analysierte. Lief die Konstruktion des „Aids-Körpers“ zu Beginn der Aids-Panik vor allem über Bilder eines ausgemergelten Kranken, so lösten später Bilder eines gesunden, sportlichen Ideals die Inszenierung des homosexuellen Körpers als „Ausnahmekörper“ ab. Dieses Ideal war mit einer Aufforderung an alle verbunden, sich (im Sinne einer neuen Gesundheitspolitik postfordistischer Gesellschaften) präventiv zu verhalten. Dass Krankheit eine Bedeutung als Herausforderung für Medizin, Politik und Gesellschaft zukommt, hob auch SUSANNE MICHL (Mainz) in ihrem Kommentar hervor. Betrachte man individuelle Ausnahmezustände und gesellschaftliche Präventionsregimes in Bezug zueinander, zeige sich, dass besonders in Zeiten von Individualisierung und Personalisierung die Bedrohung umso dramatischer beschworen werde. Sie warnte jedoch zugleich davor, über der Betonung der Präventionslogik zu vergessen, dass der Zugriff auf den kranken Körper und seine Zurichtung weiter bestehe.

Nachdem die Bedeutung des psychischen Ausnahmezustands für den körperlichen Ausnahmezustand sich bereits mehrmals angedeutet hatte, rückte er in der folgenden Sektion mit den Beiträgen von SARAH BERNHARDT (Berlin / Mainz) und VIOLA BALZ (Dresden) in den Mittelpunkt. Sarah Bernhardt ging anhand von Bildanalysen auf die Metaphorik des Burnout-Phänomens ein, das sie vor allem als Diskursereignis verstand. Der scheinbar drohende kollektive Ausnahmezustand wurde medial vor allem in vielfältigen Bildern des Ausgebranntseins inszeniert, wobei im Mittelpunkt stets das Individuum und seine Überforderung und weniger die krankmachende Gesellschaft standen. Viola Balz zeigte anschließend nicht nur den experimentellen Charakter der Einführung von Neuroleptika in den 1950er-Jahren, sondern auch, wie der Ausnahmezustand des Wahnsinns Experimente ohne Einwilligung des Patienten begünstigte und die 1950er-Jahre in der Medizin selbst eine Ausnahmezeit und günstig für Experimente waren. Dennoch seien die Patienten in den Versuchen nicht aufgegangen, sondern in produktive Machtverhältnisse eingebettet gewesen, die sie zum Sprechen bringen sollten und auf ihre Zeugenschaft angewiesen waren. In seinem Kommentar regte MAIK TÄNDLER (Göttingen) an, über die Normalisierung von Ausnahmezuständen nachzudenken. So lasse sich in der Geschichte des Psycho-Wissens eine Entwicklung von großen vereinzelten Ausnahmezuständen zu vielen „Mikro-Ausnahmezuständen“ beobachten.

Abgerundet wurde die Tagung durch ein Panel, das Möglichkeiten der Optimierung und Selbsterfahrung im körperlichen Ausnahmezustand nachging. PASCAL EITLER (Berlin) präsentierte Überlegungen, wonach es sich beim Zeitraum der 1960er-Jahre bis 1980er-Jahre um eine „Phase der Somatisierung“ des Selbstverhältnisses gehandelt habe, in der ein kurzfristiger körperlicher Ausnahmezustand – etwa bei der Erfahrung von Drogen, Yoga oder Sex – mit ganzheitlicher Selbsterfahrung verbunden und der Körper als sicherer Zugang zum Selbst und als Authentizitätsgarant privilegiert worden sei. Von dieser emphatischen Selbstfindung wurde der Körper Ende der 1980er-Jahre immer mehr entlastet. Eitler betonte jedoch, dass nur subjekthistorisch diese Körperebene an Bedeutung verloren habe; der biopolitische Zugriff dagegen sei immer weiter intensiviert und ausgebreitet worden. Es sei dennoch sinnvoll, Zäsuren und Perioden für die Zeit „nach dem Boom“ subjektgeschichtlich zu überdenken. Wie ein biopolitischer Zugriff auf den Körper konkret aussehen kann und Normierungen des Körpers entstehen, machte JÜRGEN MARTSCHUKAT (Erfurt) anhand der Analyse der scheinbaren Gegenpole Fitness und Dicksein deutlich. Angesichts der Hegemonie eines gesunden, attraktiven Subjekts, das mit Selbstverantwortlichkeit und Leistungsbereitschaft konnotiert wird, werde Dicksein als ein am Körper ablesbares Scheitern an gesellschaftlichen Anforderungen bewertet und als Krise und Ausnahmezustand konstruiert. Der Sakralität des Fitnessdiskurses entgegen stünde aber beispielsweise das Konzept des Eigensinns, mit dem die Rückgewinnung der individuellen Verfügungsgewalt möglich sei.

In der Diskussion schärfte Pascal Eitler noch einmal die Besonderheit des Körperdiskurses im von ihm thematisierten Zeitraum. Dieser auf Ganzheitlichkeit bezogene Diskurs sei deutlich zu unterscheiden vom heutigen leistungsbezogenen und ökonomischen Optimierungsdiskurs und daher nicht als Avantgardebewegung eines neoliberalen, fitten Selbst zu verstehen. Habbo Knoch setzte sich dafür ein, den Unterschied zwischen Ausnahmezustand und Grenzerfahrung zu bedenken: Während der Ausnahmezustand ein Konzept sei, beschreibe der Begriff der Grenzerfahrung das Spürbare und Erlebbare. Für eine Schärfung des Begriffes plädierten in der Abschlussdiskussion auch Bernd Weisbrod, der den performativen Charakter des Ausnahmezustandes stärker berücksichtigt sehen wollten, und Adelheid von Saldern, die auf die Unschärfe des Wortes „Zustand“ hinwies, der längerfristige Stabilität suggeriere; tatsächlich hätten die Beiträge aber eher gezeigt, dass der Ausnahmezustand fluide, wechselnd und prozesshaft sei.

Von Seiten der Veranstalter wurde der „Ausnahmezustand“ als heuristischer Begriff positiv bewertet. Tatsächlich zeigte die Tagung, dass der Begriff durchaus geeignet ist, um einen Zustand außerhalb des Normalen ohne Wertung zu benennen, unterschiedliche Ebenen, Themen und Ereignisse zu verbinden und Unterscheidungen zwischen den Akteuren, die den Ausnahmezustand definieren, und den Unterworfenen sichtbar zu machen. In den unterschiedlichen Kontexten von Medizin, Folter oder Fitness zeigte er sich diskursiv als Argument, Strategie, Beschwörung oder Drohung. Für die subjektive körperliche Erfahrung im Ausnahmezustand und den Moment des Erlebens mag tatsächlich eher der Begriff der „Grenzerfahrung“ geeignet sein, da der Begriff des Ausnahmezustands vor allem als Zuschreibung und Beschreibung von außen zu funktionieren scheint. Dass Mechanismen der Objektivierung und Entrechtung des Subjekts als Konditionen des Ausnahmezustands deutlich wurden, passte dazu nur zu gut. Überraschenderweise wurde kaum Bezug auf Agambens Figur des „Homo sacer“ genommen; dabei könnte gerade diese Figur durch ihr Zurückgeworfensein auf das „nackte Leben“ im Kontext körperlicher Ausnahmezustände noch Potential zur Schärfung der Fragestellung bieten. Dass für jede Zeitperiode Beispiele körperlicher Ausnahmezustände gefunden werden konnten, unterstützt die Ausgangsthese, wonach sie „genuine Bestandteile der Moderne“ seien. Gerade die Beiträge zur Zeitgeschichte thematisierten medizinische und psychologische Zugriffe auf den Körper; hier bieten sich noch weitere Anknüpfungspunkte.

Konferenzübersicht:

Gewalt, Zurichtung, Befreiung? Körperliche „Ausnahmezustände“ 1880-2000

Dirk Schumann / Hannah Ahlheim (Göttingen): Begrüßung

I: Gewalt und Folter: Der direkte Zugriff auf den Körper
Moderation: Bernd Weisbrod (Göttingen / Berlin)

Christoph Kamissek (Rostock): Drang an den Feind – Drang in die Ferne. Soldatische Körper im Ausnahmezustand der ersten Globalisierung (1870-1914)

Michaela Hampf (Berlin): „Sexual Tactics“: Robuste Verhörmethoden und Folter in Guantanamo und Abu Ghraib

Kommentar: Bettina Greiner (Hamburg)

II: Heilen und Zurichten: Medizin im „Ausnahmezustand“ Krieg

Annelie Ramsbrock (Potsdam): Versatzstücke. Zur Nutzbarmachung gesichtsverletzter Soldaten des Ersten Weltkriegs

III: Nahrungsentzug und Nahrungsmangel: Macht über körperliche Grundbedürfnisse
Moderation: Adelheid von Saldern (Hannover / Göttingen)

Christoph Kopke (Potsdam / Berlin): Hungerforschung im Konzentrationslager. Ernst Günther Schenck und das Konzept der „extremen Lebensverhältnisse“

Robert Kindler (Berlin): Wandelnde Skelette. Hunger und Kommunikation im Stalinismus

Kommentar: Habbo Knoch (Göttingen)

IV: Prävention und Management von Krankheiten: Einhegungen des Ausnahmezustands
Moderation: Hannah Ahlheim (Göttingen)

Malte Thießen (Oldenburg): Der Ausnahmezustand als bevölkerungspolitisches Argument: Seuchenangst und Impfprogramme im 19. und 20. Jahrhundert

Peter-Paul Bänziger (Zürich): Act Up! und Risikomanagement: Über den Umgang mit sozialen und körperlichen Ausnahmezuständen in den Zeiten von Aids

Kommentar: Susanne Michl (Mainz)

V: Die Seele im Körper: Euphorisierung und Entgrenzung
Moderation: Inge Marszolek (Bremen)

Sarah Bernhardt (Berlin / Mainz): Von Flächenbränden, Alarmglocken und kollabierenden Motoren. Sinnbilder des körperlichen Ausnahmezustands im Burnout-Diskurs

Viola Balz (Dresden): Psychopharmaka in der Erprobung. Versuche in deutschen Psychiatrien zwischen 1950 und 1960

Kommentar: Maik Tändler (Göttingen)

VI: Die Optimierung des Körpers: Zwischen Selbstermächtigung und Disziplinierung
Moderation: Dirk Schumann (Göttingen)

Pascal Eitler (Berlin): Selbsterfahrung im Ausnahmezustand. Vom Einsetzen und Entlasten des Körpers nach „1968“

Jürgen Martschukat (Erfurt): Problematisierungen des fitten Selbst

Abschlussdiskussion

Anmerkungen:
[1] Siehe Jens Elberfeld, Tagungsbericht Ausnahmezustände. Subjekt- und Gesellschaftskonstitution und ihr Wandel seit 1945. 15.06.2012-16.06.2012, Göttingen, in: H-Soz-u-Kult, 21.07.2012, <hsozkult.geschichte.hu-berlin.de/tagungsberichte/id=4319> (8.1.2014).
[2] Maik Tändler / Uffa Jensen (Hrsg.), Das Selbst zwischen Anpassung und Befreiung. Psychowissen und Politik im 20. Jahrhundert, Göttingen 2012.
[3] Eine Vielzahl der Vorträge bezog sich auf Ulrich Bröckling, Das unternehmerische Selbst. Soziologie einer Subjektivierungsform, Frankfurt am Main 2007; siehe auch Martin Lengwiler / Jeannette Madarász (Hrsg.), Das präventive Selbst. Eine Kulturgeschichte moderner Gesundheitspolitik, Bielefeld 2010; Sabine Maasen u.a. (Hrsg.), Das beratene Selbst. Zur Genealogie der Therapeutisierung in den „langen“ Siebzigern, Bielefeld 2011.

ZitierweiseTagungsbericht Gewalt, Zurichtung, Befreiung? Körperliche „Ausnahmezustände“ 1880-2000. 15.11.2013–16.11.2013, Göttingen, in: H-Soz-u-Kult, 18.01.2014, <http://hsozkult.geschichte.hu-berlin.de/tagungsberichte/id=5193>.

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