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Unions of the North. From Margrethe to the EU

 

Informationen zu diesem Beitrag

Veranstalter:Christian-Albrechts Universität zu Kiel (CAU Kiel); Syddansk Universitet Odense und Sønderborg (SDU)
Datum, Ort:19.08.2013–23.08.2013, Brenderup (Dänemark)

Bericht von:
Caroline Weber, Historisches Seminar, Christian-Albrechts-Universität zu Kiel
E-Mail: <caroelisabeth.webergmail.com>

Vom 19.-23.8.2013 fand im dänischen Brenderup auf Fünen eine Sommerschule der Christian-Albrechts Universität zu Kiel (CAU Kiel) und der Syddansk Universitet Odense und Sønderborg (SDU) zum Thema „Unions of the North. From Margrethe to the EU“ statt. Beide Hochschulen gehören dem INTERREG 4a-Projekt „Videnregion/Wissensregion Syddanmark Schleswig-Holstein”, einem Verbundprojekt von sieben Hochschulen aus Deutschland und Dänemark, an und haben nun bereits zum zweiten Mal eine gemeinsame Sommerschule veranstaltet. Federführend waren die Professur für Regionalgeschichte mit Schwerpunkt zur Geschichte Schleswig-Holsteins in Mittelalter/Früher Neuzeit, die Cand. Negot-studier und das Institut for Grænseregionsforskning. Geleitet wurde die Sommerschule von OLIVER AUGE (CAU Kiel), THOMAS WEGENER FRIIS (SDU Odense) und MARTIN KLATT (SDU Sønderborg). Zudem referierten geladene Gäste aus der deutschen und dänischen Wissenschaft und Politik. An der Sommerschule nahmen insgesamt 26 Studierende der Fachrichtungen Geschichte und Wirtschaft teil.

Die Sommerschule orientierte sich an den Schlagworten „Union“ und „Bündnis“ und beleuchtete Aspekte der deutschen, dänischen und nordeuropäischen Zusammenarbeit aus historischer, wirtschaftlicher und tagespolitischer Perspektive. Einen räumlichen Schwerpunkt bildete während der gesamten Sommerschule die deutsch-dänische Grenzregion. Um allen Teilnehmer/innen den thematischen Zugang zu ermöglichen, wurde sowohl in deutscher als auch in englischer Sprache referiert, wobei die Studierenden an jedem Tag vor den Vorträgen Zeit hatten, zuvor gelesene Grundlagentexte zu präsentieren und zur Diskussion zu stellen. Im Anschluss an die Vorträge fanden die intensiven Plenumsdiskussionen ebenfalls in beiden Sprachen statt.

THOMAS WEGENER FRIIS (SDU Odense) eröffnete die Sommerschule mit einer Einleitung zur Begrifflichkeit von Union und Bündnis und wies auf unterschiedliche Herangehensweisen Dänemarks und Deutschlands an die eigene, nationale Geschichte hin. Heutige politische Beziehungen seien historisch gewachsen und könnten nur mit ausreichend Kenntnis der Geschichte, insbesondere der gemeinsamen, verstanden werden.

Einen Überblick zur Entwicklung der dänischen Folkehøjskole im Allgemeinen und zur Geschichte des für die Sommerschule gewählten Ortes im Speziellen gab der Rektor der Folkehøjskole Brenderup, OLE DEDENROTH. Er verwies dabei mehrfach auf die große Bedeutung der Institution Folkehøjskole und der Ausbildung auf ziviler, demokratischer und lebensnaher Basis für das heutige dänische Bildungswesen. In Brenderup werde besonders der internationale Aspekt des Zusammenseins hervorgehoben.

OLIVER AUGE (CAU Kiel) referierte über Margarethe I. und die Kalmarer Union und zog auch Vergleiche zu zeitgeschichtlichen und aktuellen Entwicklungen. In seinem Vortrag fragte er nach den konkreten Handlungsspielräumen Margarethes I. als Frau im Machtgeflecht Skandinaviens in Bezug auf ihre politische Karriere und die Krönung ihres Ziehsohnes Erich. Die Bewertung der Kalmarer Union bildete den Schwerpunkt der anschließenden Diskussion.

In einem weiteren Impulsreferat sprach FREDERIC ZANGEL (CAU Kiel) über den Ripener Vetrag von 1460 und das Verhältnis der schleswig-holsteinischen Ritterschaft zum dänischen König. Bezüglich Schleswig-Holsteins stellte er fest, dass die Entstehung der Personalunion mit Dänemark nicht den Beitritt zur Kalmarer Union bedeutete, es aber dennoch starke Wechselwirkungen mit den Vorgängen innerhalb der Union gab. Anschließend stellte er die Koldinger Union von 1466 als letztlich gescheiterten Versuch eines nordischen Bündnisses vor.

Am Abend referierte THOMAS WEGENER FRIIS (SDU Odense) über die Entwicklung der dänischen Außenpolitik im 20. Jahrhundert. Für Dänemark boten sich sowohl die europäische als auch die nordische Integration als Aktionsräume an, wobei Wegener Friis dabei auch auf mögliche Verbindungen dieser beiden Politikansätze einging. So war gerade Dänemark als lange Zeit einziges EU-Mitglied Skandinaviens ein wichtiges Bindeglied des Nordens zu Europa.

Den dritten Tag eröffnete MARTIN KRIEGER (CAU Kiel) mit einem Impulsreferat zur Rolle Schleswig-Holsteins im dänischen Gesamtstaat. Er verwies auf politische und wirtschaftliche Veränderungen im 18. und 19. Jahrhundert, die noch heute das landschaftliche Bild Schleswig-Holsteins und von Teilen Jütlands prägen. Auch betonte er die Wichtigkeit früherer Übereinkommen, etwa des Ripener Vertrags, sowie der dynastischen Verflechtungen der Herzogtümer und des Königreichs.

Der Vortrag von ERIK KULAVIK (SDU Odense) fand im Rahmen eines Bootsausfluges auf dem Kleinen Belt statt und befasste sich mit der Bedeutung der Ostsee und des Kleinen Beltes für den dänischen Handel und die Wirtschaftspolitik. Der Referent ging dabei auch auf die Bedeutung des Beltes als Grenzregion und während des Kalten Krieges ein.

THOMAS WEGENER FRIIS fragte am vierten Tag nach den Strukturen von Bündnissen und Unionen und präsentierte die deutsch-dänische Zusammenarbeit im BALTAP. Die politische Positionierung Dänemarks hinsichtlich der NATO während des Kalten Krieges, aber auch die Bedeutung Schleswig-Holsteins in diesem Zusammenhang, waren zentrale Aspekte seines Vortrages. Für die Sommerschule von Relevanz war vor allem die Frage der Zugehörigkeit Dänemarks. Schleswig-Holstein hatte in diesem Zusammenhang eine Brückenfunktion inne und war deshalb sowohl für die Kommandostrukturen Nord- als auch Zentraleuropas relevant.

MARTIN KLATT (SDU Sønderborg) stellte im Anschluss die Euroregion und die Idee eines „Europe of regions“ als Gegenmodelle zum europäischen Zentralismus vor. Er legte mögliche Definitionen des Begriffes „Grenze“ dar und befasste sich mit den für eine Region negativen Auswirkungen einer solchen. Anschließend stellte er zur Diskussion, wie diesen Auswirkungen entgegengewirkt werden kann. Der Fokus seiner Darstellung lag auf der Region Sønderjylland/Schleswig und insbesondere auf der unterschiedlichen Bewertung dieser Kooperation durch die deutsche bzw. dänische Bevölkerung. Als ebenfalls grenzüberschreitende und durch die EU geförderte Zusammenarbeit nannte er das Projekt der Wissensregion.

Den Abschluss des vierten Tages bildete der Gastvortrag von TORKIL SØRENSEN, Senior Adviser im Nordischen Rat. Er gab zunächst einen Überblick zur „Region Norden“ und betrachtete weniger die einzelnen Staaten als vielmehr die politische und wirtschaftliche Zusammenarbeit der nordischen Länder. Anschließend berichtete er über den Alltag im Nordischen Rat und betonte die Wichtigkeit von politischen Visionen für eine erfolgreiche internationale Zusammenarbeit.

MARTIN KLATT (SDU Sønderborg) stellte am letzten Tag den Umgang mit Minderheiten am Beispiel Schleswig-Holsteins und Sütjütlands vor. Die Selbstidentifikation sei das verbindende Element der jeweiligen Minderheit, innerhalb Europas sehe der politische Umgang mit Minderheiten jedoch unterschiedlich aus. Im Plenum wurde über die Frage nach der Identität diskutiert, Klatt bezeichnete die Mitglieder der Minderheiten in Schleswig-Holstein als „transregional borderlanders“.

Im Abschlussvortrag referierte MARKO NAOKI LINS, Leiter des Presse- und Kulturreferates der Deutschen Botschaft in Kopenhagen. Er betonte die Wichtigkeit von Botschaften und sprach von einer „Antennenfunktion“ innerhalb Europas und der Welt. Der sprachliche und kulturelle Austausch zwischen Nachbarstaaten sei die Basis für eine gute politische Zusammenarbeit, sowohl auf regionaler als auch auf multinationaler Ebene.

Im Verlauf der Sommerschule wurden also sowohl historische (Kalmarer und Koldinger Union) als auch aktuelle (NATO, EU und Nordischer Rat) Möglichkeiten politischer Kooperation in der langen Sicht vorgestellt und diskutiert. Als verbindende Elemente von Vergangenheit und Gegenwart wurden die sich verändernden Ansprüche an die jeweiligen Bündnisse und Unionen, aber auch die Selbstwahrnehmung der Bevölkerung herausgearbeitet. So sprach Martin Klatt von der Euroregion als einem Elitephänomen und verdeutlichte hinsichtlich der deutsch-dänischen Minderheitenpolitik die zentrale Rolle der Selbstidentifikation der Menschen. Zuvor hatte Oliver Auge in seinem Vortrag zu Margarethe I. auf den bewussten Verzicht und Einsatz von Titeln verwiesen, welcher das zeitgenössische Selbstverständnis noch heute greifbar mache. Der von Frederic Zangel vorgestellte Ripener Vertrag fand auch im Vortrag von Martin Krieger Erwähnung. Das Dokument wurde im 19. Jahrhundert von deutscher Seite als Garantie der Verbindung Schleswig-Holsteins gelesen und war somit auch in der Krise des dänischen Gesamtstaates von großer Bedeutung.

Die Anwesenheit von Studierenden unterschiedlicher Nationalitäten und Fachrichtungen bildete eine gute Grundlage für die gemeinsame Erarbeitung der Themen. Die Diskussionen über fachliche und nationale Grenzen hinweg förderten die Reflektion und das Verständnis von staatenübergreifender Geschichtsforschung und Wissensvermittlung. Der gewählte Ort für die Sommerschule trug wesentlich zum Gelingen bei, da sich beim gemeinsamen Essen oder während der Bootstour persönlichen Kontakte entwickeln konnten. So fügte sich die Sommerschule in das Bild der internationalen Folkehøjskole in Brenderup ein und kann als erfolgreiche weitere Zusammenarbeit der CAU Kiel und der Syddansk Universitet im Rahmen des Projektes Wissensregion verstanden werden.

Konferenzübersicht:

Thomas Wegener Friis (SDU Odense): „Introduction: The Unions of the North“

Ole Dedenroth (Brenderup Højskole): “Højskolen- The Norden and the World”

Oliver Auge (CAU Kiel): “Queen Margrethe and the Kalmar Union”

Frederic Zangel (CAU Kiel): „Der Vertrag von Ripen 1460 und die Koldinger Union zwischen den dänischen und schleswig-holsteinischen Ständen von 1466”

Thomas Wegener Friis (SDU Odense): „Norden or Europe. Danmarks choice“

Martin Krieger (CAU Kiel): „Schleswig-Holstein als Teil des dänischen Gesamtstaats (1721/73-1864)“

Erik Kulavig (SDU Odense): „Denmark – alone and neutral“ (Boattrip along the old border in Lillebælt)

Thomas Wegener Friis (SDU Odense): “BALTAP – Danish German cooperation within NATO“

Martin Klatt (SDU Sønderborg): “Unions from below – Euroregions as elite phenomenon”

Torkil Sørensen (Nordischer Rat): “From my daily life in the Nordic Council”

Martin Klatt (SDU Sønderborg): “The Federal Union of European Nationalities – minority policies in the North”

Marko Naoki Lins (Deutsche Botschaft Kopenhagen): “German/Danish cooperation in Europe”

ZitierweiseTagungsbericht Unions of the North. From Margrethe to the EU. 19.08.2013–23.08.2013, Brenderup (Dänemark), in: H-Soz-u-Kult, 26.09.2013, <http://hsozkult.geschichte.hu-berlin.de/tagungsberichte/id=5047>.

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