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Die Praxis der/des Echo. Vom Widerhall in den Künsten, dem Theater und der Geschichte

 

Informationen zu diesem Beitrag

Veranstalter:Institut für Theaterwissenschaft, Universität Leipzig
Datum, Ort:07.02.2013–09.02.2013, Leipzig

Bericht von:
Sophie Witt, Lehrstuhl für Westeuropäische Literaturen, Europa-Universität Viadrina, Frankfurt (Oder)
E-Mail: <witteuropa-uni.de>

Das Symposium „Die Praxis der/des Echo. Vom Widerhall in den Künsten, dem Theater und der Geschichte“ am Leipziger Institut für Theaterwissenschaft führte unter der Leitung von Veronika Darian, Micha Braun und Jeanne Bindernagel internationale WissenschaftlerInnen der Kunst-, Kultur- und Literaturwissenschaften mit PraktikerInnen der performativen und bildenden Künste zusammen, um anhand der mythischen Figur der Echo über eine eigene künstlerische und kulturelle Qualität von Phänomenen des Widerhalls des Vergangenen, des Wiederholens und Erinnerns zu diskutieren. Das Symposium orientierte sich dabei an den übergeordneten Themenfeldern Geschichtlichkeit, mediale Praktiken und Gemeinschaftskonzeptionen. Dies erlaubte sowohl den Austausch zu bereits formulierten wissenschaftlichen Fragestellungen, als auch deren Überführung in interdisziplinäre Deutungsmuster zwischen Theater-, Kultur- und Geschichtswissenschaften.

Paradigmatisch dafür stand die Keynote Speech des Psychologen und Metahistorikers EELCO H. RUNIA (Groningen): Unter dem Titel „Being spoken to“ formulierte er Gedanken zum Verhältnis von Prozessen der Erinnerung und der Resonanz. Während mit Erinnerung oft aktive, intendierte Vorgänge des Wiederaufrufens vergangener Ereignisse verbunden würden, läge das Potenzial der Resonanz – als eines Prozesses wie einer spezifischen Perspektive – im Aufmerken auf unintendierte, nicht steuerbare und geradezu ‚zufällige‘ Vorgänge des Resonierens der Vergangenheit mit der Gegenwart. Im Wechselspiel von singulärem Wiederaufruf und grundlegend unbeständiger Iteration könne sich eine ästhetische wie soziale Wirksamkeit der Geschichte entfalten.

Das erste Panel Echo/Lot – Widerhall der Geschichte ging anhand von Phänomenen der Ungleichzeitigkeit des Gleichzeitigen Themen der Wi(e)der-Holung, der Wiederkehr und der überraschenden Gegenwärtigkeit des Vergangenen nach. So entwarfen DANIEL FULDA und INGO UHLIG (Halle-Wittenberg/Münster) in ihrem Doppelvortrag zu Wallenstein-Wiederholungen bei Rimini-Protokoll eine historische Wiederholungsfigur, welche den Zeitraum zwischen der Goethe’schen Uraufführung von Schillers Trilogie (1798/99) und der Neubearbeitung durch die Theatergruppe Rimini-Protokoll (2005) durchschreitet. In der historischen Figur des Wallenstein und ihren dramatischen Bearbeitungen bündeln sich für Fulda und Uhlig sowohl politisch-soziale Strukturähnlichkeiten zwischen der Sattelzeit und der Gegenwart der Jahrtausendwende als auch gemeinsame ästhetisch-kunstpraktische Fragestellungen eines Umgangs mit Geschichte.

Darin schloss sich der Vortrag von GERDA BAUMBACH (Leipzig) über einen Rückgriff Vsevolod Meyerholds auf ein italienisches Tanztraktat des quattrocento an. In dem willentlichen, jedoch aufgrund mangelnder Überlieferung fehlgeleiteten Verweis auf eine Theorie (und Praxis) tänzerischer Bewegung als einer Lebens-Kunst meinte Meyerhold, ein im wahrsten Sinne vorbildhaftes Modell für seinen Versuch der Befreiung der theatralen Künste vom Korsett des Dramas, der bedeutenden Geste, des sinnhaften Handelns überhaupt gefunden zu haben. Dass dieser Rückruf in die Vergangenheit fehlging und das Traktat einen doppelten Widerhall in Form einer übersteigerten Ästhetisierung in die Zeit der Russischen Revolution (voraus-)warf, kann als unintendiertes und dennoch originäres Echo-Phänomen gefasst werden.

Der Vortrag von ULRIKE HAß und MARITA TATARI (beide Bochum) gab ein doppeltes Echo auf Laurent Chétouanes Inszenierung von Kleists Erdbeben in Chili. Darin sahen die Beiträgerinnen eine theatral-ästhetische Strategie am Werk, sowohl dem (immer schon gegebenen, uneinholbaren) historischen Abstand als auch der in diesem Abgrund sich verlierenden Vielheit – von Menschen, Erfahrungswelten und Erzählperspektiven – auf der entleerten Theaterbühne Raum zur Entfaltung zu geben. Gerade in der Untersuchung des zeitlich zu problematisierenden Vorgangs des Sprechens ließe sich so ein Verständnis von Geschichte als einem Echo-Raum gewinnen, das sich von messbaren Strukturen und intendierten Handlungen genauso geprägt zeigt wie von Bewegungen der Arbitrarität, Kontingenz und (medialen) Nachträglichkeit.

Zwei weitere Vorträge gingen schließlich dem Widerhall des Geschichtlichen aus einer transkulturellen Perspektive nach. Ausgehend von einer Kurzgeschichte über einen ehemaligen Soldaten kurz nach dem Zweiten Weltkrieg suchte EIICHIRO HIRATA (Tokio) in seinem Vortrag „Theaterversuche ‚Mit Tokatonton‘“ nach den Möglichkeiten, das Subjekt aus geschichtlichen und/oder genealogischen Zwangslagen zu befreien. Anhand der theatralen Bearbeitung der Erzählung Osamu Dazais durch die Kyoter Theatergruppe Chiten (2012) konnte Hirata die rhythmischen, musikalischen und gestischen Elemente von Echo-Phänomenen als im Raum und auf verschiedene Akteurskörper verteilte beschreiben. Dabei galt es ihm, das analytische Potenzial sensueller und artistischer Praktiken der Vergangenheitsaneignung gegenüber narrativ dramatisierenden oder pathetisierenden Lesarten herauszuarbeiten. GÜNTHER HEEGs (Leipzig) Vortrag „Echo der Antigone in Masataka Matsudas und Marebito-no Kais szenischer Begehung von Minami-soma“ schloss daran ebenso mit einer akustischen Figur an, die den Erinnerungs-Ort geschichtlicher Ereignisse (hier des Tsunami-Unglücks von 2011) mit einer eigenen echoartigen Struktur mythisierend ‚überziehen‘ könne. In der Auflösung phantasmatischer Aneignungsbilder des Vergangenen läge nach Heeg die Möglichkeit eines gestischen, das heißt zitierenden, diskontinuierlich wiederholenden Handelns und Sprechens im Umgang mit der Geschichte und damit erst einem Leben in und mit dieser.

Die Beiträge des zweiten Panels Echo/Lalie – Ich und der/das Andere befassten sich, ausgehend von dem im Mythos verhandelten Verhältnis Echos und Narziss’, mit Fragen nach echo-verwandten Figuren – Beziehungsformen, Ausdrucksweisen und Zeitkonzeptionen. BETTINE MENKE (Erfurt) fragte in ihrem Vortrag zu Ovids Echo-Figuration nach Echos Spiel mit den Worten und Spiel der Worte, in dem ein Wiedererscheinen des Sinns wie auch des sinn-losen Klangs verortet werden kann, das jede Intentionalität der Rede immer schon spaltet und als medial bedingt ausweist. Im vermeintlich machtlosen Widerhall Echos auf Narziss läge stets die durchaus potente Wider​rede begründet – worin die ovidschen Verse das (auch phantasmatische) Potenzial zur Selbstermächtigung eines marginalisierten Subjektes markierten, ebenso wie die ethische Verantwortung des angesprochenen bzw. antwortenden Gegenübers.

Derartige Potenzialitäten anzusprechen, unternahm auch VERONIKA DARIAN (Leipzig), die mit den Figuren der Echo und des Alter(n)s zwei strukturelle Phänomene im Erfahrungshorizont des Egos in Beziehung setzte. Aus den gängigen Lektüren der mythischen Figurationen Echo – Narziss bzw. Echo – Pan leitete Darian eine grundlegende Praxis des Sprechens oder Schreibens über den Anderen ab, die jedoch oft dem in den Postcolonial wie auch den Aging studies problematisierten ‚Reden für den Anderen‘ gleiche und damit eine hegemoniale Perspektive einnehme. Darians Lektüre der Echo-Mythen legte vielmehr das Augenmerk auf Prozesse, die jeweils auf die Unbestimmtheiten, Unkontrollierbarkeiten und ethischen Zumutungen einer Begegnung mit dem Anderen ‚auf Augenhöhe‘ verweisen.

Den Herausforderungen subjekt-basierter Selbstwahrnehmung widmete sich schließlich auch der Vortrag von LARS KRÜGER (Leipzig), der mit seinen Ausführungen zu „Heiner Müllers Theater der Zukunft“ sowohl genealogischen als auch ontologischen Herleitungen eines selbstsicheren Subjekts eine Absage erteilte. In Müllers Dramentext Der Bau würde die Gegenwart stets von anderen Zeiten heimgesucht und damit das Eigene als Ort wie als Ursprung infrage gestellt. Diesen geteilten Raum der Gegenwart gälte es endlich zu bewohnen und damit den Phantasmen dauerhafter Eigentlichkeit der eigenen Existenz bewusst entgegenzutreten.

Das dritte Panel Echo/Gramm – Mediale Praktiken konzentrierte sich auf die medialen und materiellen Bedingungen, die Echo-Phänomene in Text, Film und Theater/Performance als Herstellungs-, Darstellungs- und Wahrnehmungsmodi insbesondere von Körper(-Bilder)n ausweisen. JEANNE BINDERNAGEL (Leipzig) widmete sich in ihrem Vortrag zu Strategien der (Selbst-)Verschriftlichung in Freuds Fallstudien dem darin bereits angelegten Gegenentwurf zu einem Konzept des spektakulären weiblichen Körpers. Die neuerliche Lektüre der Fallgeschichten machte das „Nachleben der Bilder“ (Didi-Huberman) auch im Denken der Psychoanalyse ausdrücklich kenntlich, nicht zuletzt dort, wo Freud sich selbst als scheinbaren Beweis der Authentizität seiner Autorenschaft in den Text einschreibe. So wurden die Akte des Nach- und auch Vor-Schreibens als genuine Praktiken einer medial verfassten, (selbst-)reflexiven Körperexegese (als Körpergenese) gelesen und erscheint das Echo zwischen den Medien von photographischem Tableau, (Selbst-)Verschriftlichung und theatralem Körper als eine mediale Grenzen überschreitende, nahezu zwangsläufige, gerade darin aber immer differente Wiederholung.

Den Aspekt einer grundsätzlichen Ambivalenz medialer Echophänomene griff NIKOLAUS MÜLLER-SCHÖLL (Frankfurt am Main) auf. Ausgehend von einer Kontroverse zwischen Walter Benjamin und Theodor W. Adorno über das Lachen, ging Müller-Schöll – am Filmbeispiel Das Leben ist schön von Roberto Benigni – dem Lachen in Formen der Darstellung nach, die mit ihm kalkulieren oder von ihm aus dem Kalkül gebracht werden. In der Annahme des Komischen als Paradigma der Modernitätserfahrung überlagerten sich Techniken des Selbst mit Strukturen systemischer Macht. In dieser Perspektive entfalteten die scheinbar unmittelbaren Entäußerungen des Lachens ihre politisierende Wirksamkeit inmitten sich widerstreitender und sich teils unterlaufender Indienstnahmen.

GERALD SIEGMUND (Gießen) fokussierte in seinem Beitrag die medial beeinflusste, (fremd-)gesteuerte Arbeit des Schauspielers durch die sogenannten ‚in ears‘, die Knöpfe im Ohr. Als (Nach-)Sprechen auf der Grenze zwischen passivem Widerhall und aktiver stimmlicher Wiedergabe unterbreche das Echo der Sprache im Körper der Darsteller die Verbindung zwischen Sprache und Geist auf der einen und Körper und Bewegung auf der anderen Seite. Das Sprechen auf der Bühne erscheine so als Ort und Akt der Aushandlung von Vor- und Nachrangigkeiten, von Repräsentationsmechanismen und Präsenzvorstellungen, von Vorschrift und Spielraum – und somit als Echoraum des gesamten Theaterdispositivs.

Die im vierten Panel Echo/Loge – Anrufung und Resonanz versammelten Beiträge folgten der Spur des Zuschauer-Echos als Figur eines Doubles, als Reflexionsfläche und als Herausforderung für künstlerisches Handeln auf der Bühne und in der Öffentlichkeit. Dem Doppelsinn einer „Anrufung als Auf-Gabe von Akteur und Zuschauer“ widmete sich der Beitrag von MICHA BRAUN (Leipzig). Zwei eigentlich widerstrebende Mechanismen zeigten sich darin: einerseits die appellative Adressierung des Publikums und andererseits dessen risikoreiche Anheimstellung in und an einer gemeinsamen kommunikativen Situation. Die für den Vortrag auf- und ausgesuchten ‚Orte auf Zeit‘ ermöglichten erst eine theatrale Begegnung: als Situation und Austausch auf Probe. Dadurch werde ein Echo-Raum von Erinnerung, Zeugenschaft und gegenseitiger Verantwortung eröffnet, der wesentlich vom Schrecken über den Anderen als eine Wiederholungs- und Echofigur des Selbst gezeichnet sei: von der grundlegenden Erfahrung der eigenen Sterblichkeit, die eine gegenseitige Auf-Gabe von Akteuren und Zuschauern berge und fordere.

Der Bewegung der Nach-Folge wandte sich wiederum PATRICK PRIMAVESI (Leipzig) zu. In seinen Untersuchungen künstlerischer Audio-Rundgänge folgte er der Resonanz von Tonspuren als auditiven Figurationen, die einen besonderen Bezug zur Geschichte ihrer jeweiligen Orte und Umgebungen schaffen. Der bewegte Zuschauer und Zuhörer vernimmt nicht nur die ‚Kunde‘ aus der Vergangenheit, sondern durchmisst deren Orte des Öffentlichen im Hier und Jetzt. Sinnliche Ansprache, sinnhafte Bezüge durchmengen sich im Gemisch möglicher Präsenzen und aufgerufener Vorstellungen von Vergangenem.

HANS-THIES LEHMANN und HELENE VAROPOULOU (Berlin/Athen) beschlossen das Panel mit ihrem dialogischen Vortrag über den „Zuschauer als Echofigur“. In ihrer historischen Herleitung des theatralen Aktes von Zuschauen und Zuhören als einem Moment ungetrennten Miteinanders entbanden sie in einem auf die Zukunft projizierten Wunsch den Theaterbesucher von der Pflicht zur Teilnahme, ohne die Aufgabe der Teilhabe an der Theatersituation zu schmälern. Als ein ‚Theater der wahrnehmenden Wahrnehmung‘ wollten Lehmann und Varopoulou ein künftiges Theater verstanden wissen, in dem die Zuschauer-Figur das Echo des Wahrgenommenen weiterträgt: spielerisch, versunken, exponiert, wie es der Vortrag selbst vorführte.

Wesentlicher Bestandteil des Symposiums und Ort intensiven Austauschs zwischen den unmittelbar Beteiligten und einem interessierten und engagierten Publikum waren die Querschnittsformate von KünstlerInnen und WissenschaftlerInnen, die die Veranstaltung zwischen theoretischer Reflexion und ästhetischer Praxis verorteten. So nahm das Künstlergespräch zwischen dem Choreographen und Tänzer MARTIN NACHBAR (Berlin) und der Tanzwissenschaftlerin SABINE HUSCHKA (Berlin) doppelt Bezug auf Vorangegangenes: zum einen als Nachhall zu Nachbars Performance Repeater. Tanzstück mit Vater, zum anderen als dialogisch-kritische Reflexion der Herausforderungen und Potenziale eines vorher angeklungenen Performative research. Das titelgebende ‚Echolot‘ legte hierbei in einer diachronen Abtragung die (Ge-)Schichten einer gemeinsamen Vergangenheit als Aushandlungsräume in der bzw. für die Gegenwart des Bühnenspiels frei, in denen der Körper, wie schon in den Panelbeiträgen zuvor, als Erinnerungsort und Widerstandsfläche gleichermaßen herausgestellt wurde.

Weiteren Performative research betrieb die freie Leipziger Performance-Gruppe FRIENDLY FIRE in der konzeptionellen Vorarbeit zu ihrer performativen Installation „ECHO/RAUM #1: Echo und Narziss“. Zu sehen und hören war eine szenische Auseinandersetzung mit Echo als mythischer Figur in ihrem Fortleben durch verschiedene Epochen der Kunst, wie auch als Phänomen des Wi(e)derhalls bis hin zu seinem Niederschlag in der Pathologie. Diese zwei Tage andauernde Recherche wies immer wieder auf Überlegungen hin, die im Kontext der wissenschaftlichen Beiträge auf theoretischer Ebene verhandelt wurden und die durch die Performance szenisch sinnlich erfahrbar wurden.

Eine kommunikative Situation jenseits akustischer Übermittlung stellte schließlich JANA SEEHUSEN (Hamburg/Berlin) mit ihren Arbeiten der Ausstellung „Auf anmutige Art eine Bestie zu bändigen“ her. In ihrem Artistic research setzte sich Seehusen mit der Frage nach der uneinholbaren Differenz zwischen singulärem Ereignis und seiner Repräsentation auf der Ebene des Visuellen auseinander. Die von ihr in Form von Kollagen geschaffenen Meeresszenen eröffneten ‚Zonen des Unabgeschlossenen‘ inmitten eines fortdauernd wuchernden Printmedien-Archivs. Aus präzisen künstlerischen Setzungen hervorgehend, markierte das Unabgeschlossene hierbei den Möglichkeitsraum zwischen dem Fiktionalen und dem Faktischen in Abhängigkeit von der Einbildungslust der Betrachtenden.

Die in die Abschlussdiskussion eingebettete Präsentation der beiden halbtägigen Workshops erlaubte allen Anwesenden Einblicke in die gemeinsame theoriegeleitete Arbeit an den Themen „Performing and Locating Memories in Oral History“ unter Leitung von HEIKE ROMS (Aberystwyth) und „Theory as a Performing Practice“ von MIŠKO ŠUVAKOVIĆ (Belgrad). Der erste Workshop ging dem Echo vergangener Performances im Leipziger Stadtraum durch Praktiken der Oral history nach, indem Formen erzählerischer Archivierung und situativ aufgerufener Erinnerungen erprobt wurden. Ausgangspunkt des zweiten Workshops war das Konzept einer Gegenwärtigkeit (künstlerischer wie auch theoretischer Praktiken), die als eine von Gegensätzlichkeit, Konflikten und ‚Gaben‘ der Geschichte gezeichnete begriffen wurde.

So nahmen sich insbesondere die vorgestellten Workshop-Prozesse als eine umfassende Klammer: gerade im kommunikativen Setting zwischen den vier Panels und den künstlerisch-reflexiven Beiträgen konnten die jeweils besonderen Wissensformen und Forschungsmethoden verschiedener geistes- und kulturwissenschaftlicher Disziplinen mit den Strategien und Handlungsweisen der Performance arts und der Bildenden Künste in einen fruchtbaren Dialog treten. Resonanzen und Synergieeffekte zwischen verschiedenen theoretischen und praktischen Wissenshorizonten und Methoden der vertretenen Disziplinen wurden hierbei aufgezeigt und für den weiteren Dialog zwischen den Künsten und Wissenschaften fruchtbar gemacht.

Die Dokumentation und die Ergebnisse der Tagung werden derzeit in einem open access-Format publiziert und sind auf der Webseite[1] abrufbar.

Konferenzübersicht

Panel Ia: Echo/Lot – Widerhall der Geschichte

Ulrike Haß & Marita Tatari (Bochum): Doppeltes Echo auf Laurent Chétouanes Erdbeben in Chili

Gerda Baumbach (Leipzig): Das doppelte Echo Guglielmos oder Meyerholds Rückruf

Daniel Fulda & Ingo Uhlig (Halle-Wittenberg/Münster). „Der scherzenden, der ernsten Maske Spiel ...“ Wallenstein-Wiederholungen bei Rimini-Protokoll

Öffentlicher Abendvortrag

Eelco H. Runia (Groningen): Being spoken to

Panel Ib: Echo/Lot – Widerhall der Geschichte

Eiichiro Hirata (Tokio): Theaterversuche „Mit Tokatonton“. Zur Vielfältigkeit der Echo-Kräfte in Chitens Tokatonton to

Günther Heeg (Leipzig): Meeresrauschen. Das Echo der Antigone in Masataka Matsudas und Marebito-no Kais szenischer Begehung von Minami-soma

Panel II: Echo/Lalie – Ich und der/das Andere

Bettine Menke (Erfurt): respondance: die Andere der Antwort, die Echoräume der Rede (mit Ovids Echo)

Veronika Darian (Leipzig): Alter Ego – Alter(s) Echo

Lars Krüger (Leipzig): Endlich leben. Heiner Müllers Theater der Zukunft

Performance

Martin Nachbar (Berlin): Repeater. Tanzstück mit Vater

Panel III: Echo/Gramm – Mediale Praktiken

Jeanne Bindernagel (Leipzig): Der doppelte Körper Freuds: Strategien der (Selbst-)Verschriftlichung in den Fallstudien der Hysterie

Nikolaus Müller-Schöll (Frankfurt am Main): Das letzte Lachen. Spielart des Eigensinns und Verhaltenweise der Kälte

Gerald Siegmund (Gießen): Der Knopf im Ohr, oder wenn das Sprechen des Schauspielers zum Echo wird

Künstlergespräch

Martin Nachbar (Berlin) & Sabine Huschka (Berlin): Im Widerhall gestischer Muster: Fragen zum Echolot generativer Verwandtschaft

Workshop-Sessions

Heike Roms (Aberystwyth): Echo/Ortung (Echo/Location): Performing and Locating Memories in Oral History

Miško Šuvaković (Belgrad): Theory as Performing Practice. Art and Knowledge between Lecture and Performance

Panel IV: Echo/Loge – Anrufung und Resonanz

Micha Braun (Leipzig): Anrufung als Auf-Gabe zwischen Akteur und Zuschauer

Patrick Primavesi (Leipzig): Dem Echo nachgehen. Zur Inszenierung von Tonspuren im öffentlichen Raum

Hans-Thies Lehmann & Helene Varopoulou (Berlin/Athen): Der Zuschauer als Echofigur

Abschlussdiskussion & Präsentationen der Workshops

Parallel zum Symposium

Jana Seehusen (Hamburg/Berlin): „Auf anmutige Art eine Bestie zu bändigen“ – Ausstellung

Friendly Fire (Leipzig): „ECHO/RAUM #1: Echo und Narziss“ – Performative Installation

Anmerkung:
[1] Vgl. <www.echo2013.de> bzw. <konferenz.uni-leipzig.de/echo2013/projekt/publikationen/beitraege/> (21.08.2013).

ZitierweiseTagungsbericht Die Praxis der/des Echo. Vom Widerhall in den Künsten, dem Theater und der Geschichte. 07.02.2013–09.02.2013, Leipzig, in: H-Soz-u-Kult, 05.11.2013, <http://hsozkult.geschichte.hu-berlin.de/tagungsberichte/id=5022>.

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