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Jüdische Geschichte digital

 

Informationen zu diesem Beitrag

Veranstalter:Institut für die Geschichte der deutschen Juden, Hamburg
Datum, Ort:13.06.2013–14.06.2013, Hamburg

Bericht von:
Gerben Zaagsma, Lichtenberg-Kolleg - The Göttingen Institute of Advanced Study in the Humanities & Social Sciences, Universität Göttingen
E-Mail: <gerbenzaagsmagmail.com>

Am 13. und 14. Juni 2013 fand im Institut für die Geschichte der deutschen Juden in Hamburg eine Konferenz zum Thema „Jüdische Geschichte digital“ statt. Über 30 Teilnehmer/innen, darunter sowohl Forscher als auch Vertreter verschiedener Bibliotheken, waren anwesend. Am ersten Konferenztag standen vor allem allgemeine Fragen und Rahmenbedingungen der digitalen Geschichtswissenschaft im Vordergrund, daneben wurden zwei große und bekannte Projekte, Judaica Europeana und Digibaeck, vorgestellt. Am zweiten Konferenztag wurde eine Vielzahl von digitalen Projekten im Bereich jüdischer Geschichte kurz präsentiert. Außerdem diskutierten die Teilnehmer in verschiedenen Arbeitsgruppen über wichtige Themen zur digitalen jüdischen Geschichte. Die Konferenz „Jüdische Geschichte digital” hatte also eigentlich zwei unterschiedliche Ziele. Sie sollte zuerst den Teilnehmer/innen eine Einführung in die digitale Geschichtswissenschaft mit ihren Herausforderungen und Potenzialen bieten, zweitens diente sie einer Bestandsaufnahme der bereits bestehenden Digitalisierungsprojekte. Eine der zentralen Fragen war dabei natürlich, welche besondere Herausforderungen und Potenziale digitale Geschichtswissenschaft für die jüdische Geschichte darstellt. Handelt es sich nur um eine Anwendung von Digital Humanities-Themen im Bereich jüdische Geschichte oder gibt es vielleicht spezifische Charakteristika einer digitalen jüdischen Geschichte?

In ihrer Begrüßung stellte MIRIAM RÜRÜP (Hamburg) die Frage, ob es sich bei digitaler Geschichtswissenschaft um mehr handelt als das digitale Bereitstellen von analogen Ressourcen im Rahmen von Online-Angeboten. Anders gesagt: welcher Mehrgewinn ergibt sich aus der Digitalisierung und aus neuen Techniken für historische Analysen? ANNA MENNY (Hamburg), die die Tagung konzipiert hat, sprach in ihrem Einleitungsvortrag über die täglich wachsende Anzahl digitaler Quellen, die durch sogenannte Retrodigitalisierungsprojekte noch vermehrt werde. Sie erwähnte die digitalen Projekte, die am Institut für die Geschichte der deutschen Juden momentan bestehen, und verwies dabei auch auf die technischen und rechtlichen Herausforderungen bei der Realisierung solcher Projekte. Ein wichtiger Vorteil der Digitalisierung sei die Möglichkeit Materialen, die über verschiedene Institutionen, oft sogar Länder, verstreut sind online zusammenzubringen. Dies gilt im besonderen Maße für die Quellen der (deutsch-)jüdischen Geschichte. Auch erwähnte sie die Herausforderungen, die die Digitalisierung für die Arbeit der Historiker/innen bedeute, so verändere sich nicht nur der Zugang zu Archivalien, sondern etwa auch die Quellenkritik. Dabei verwies sie auf die Arbeiten des kürzlich viel zu früh verstorbenen Peter Habers, ein Pionier auf dem Feld der digitalen Geschichtswissenschaft im deutschsprachigen Raum. Man kann nur hoffen, dass es bald auch eine Übersetzung von seinem Buch Digital Past auf Englisch geben wird. Menny betonte auch, dass zu den mit der Digitalisierung einhergehenden Veränderungen der Geschichtswissenschaft neue Fragestellungen und Methoden gehören könnten.

Anschließend widmete sich die erste Sitzung dem allgemeinen Thema digitale Geschichtswissenschaft mit drei Vorträgen. RÜDIGER HOHLS (Berlin) befasste sich mit der Geschichtswissenschaft im Web und dem heutigen Stand der Dinge. Schlüsselbegriffe im gegenwärtigen Digitalisierungs-Diskurs seien Digitalisierung, Tools, cloud, social tagging oder Vernetzung (z.B. netzbasierte kollaborative Forschung). Obwohl die technischen Möglichkeiten und Potenziale sehr groß scheinen, gab Hohls sich skeptisch: so gebe es zwar eine große Fülle (bis hin zu einem Überfluss) an Online-Ressourcen, diese könnten aber aufgrund unterschiedlicher technischer Standards nicht verknüpft werden und würden weitgehend nebeneinanderher existieren. Hinzu komme eine mitunter mangelnde Nutzung bestehender Angebote, was sowohl auf die Auffindbarkeit im Netz als auch auf die Nutzerfreundlichkeit bzw. Bedienbarkeit der einzelnen Angebote zurückgeführt werden könne. Das Problem der Vermittlung von Medienkompetenz wurde anschließend auch diskutiert, wobei Hohls ein Schlüsselproblem der Geschichte im digitalen Zeitalter erwähnte: Wie lässt es sich vermeiden, dass Forscher nur noch die Materialien nutzen, die man einfach online finden kann. Obwohl diese Frage in den übrigen Panels nicht weiter erörtert wurde, gehört sie zu den wichtigsten Herausforderungen digitaler Geschichtswissenschaft, nicht nur weil angesichts der Tatsache, dass die Mehrheit der Archivalien nicht digitalisiert ist, ein Verlust analoger Medienkompetenz sehr problematisch ist, sondern auch weil sie die Gefahr einer Verschiebung von problemgesteuerter Forschung zur data driven Forschung unterstreicht.

GUDRUN GERSMANN (Essen) thematisierte in ihrem Vortrag das Schreiben, Publizieren und Kommentieren im digitalen Zeitalter an Hand der digitalen Projekte der Bayerischen Staatsbibliothek, des Münchener Digitalisierungszentrums und des DHI Paris. Sie begann ihren Vortrag aber mit einer Anekdote über Fernand Braudel, der mit einer speziellen Kamera viele Archive um das Mittelmeer herum besuchte und deutete ihn damit als einen digitalen Historiker avant la lettre. Einige der sich heute stellenden Fragen seien demnach nicht so neu, wie sie zunächst scheinen. Auch widmete sie sich recensio.net, einer Online-Plattform für Buchrezensionen, und beschrieb anhand verschiedener Beispiele die sich ändernden Publikationsformen und -praktiken. Außerdem ging Gersmann auf die Widerstände innerhalb der akademischen Welt ein, also die Reputation und die Möglichkeiten der Anerkennung, auch als Leistungen z.B. im Studium. Neben den bestehenden rechtlichen und finanziellen Hürden machte Gersmann die akademische Tradition und das Selbstverständnis des Faches als eine weitere Hürde bei der Anerkennung digitaler Publikationen aus, es fehle bislang an Akzeptanz für diese Publikationsform, insbesondere wenn es sich um Werke von Autorenkollektiven handele.

Über Potenziale und Grenzen neuer Technologien sprach SIMONE LÄSSIG (Braunschweig), die Vorsitzende der AG Digitale Geschichtswissenschaft beim Historikerverband ist. Auch Lässig verwies auf über neue Methoden und Tools, sowie über die Möglichkeit zu Interdisziplinarität und Zusammenarbeit, betonte aber auch, dass es einer neuen Quellenkritik bedarf (auch dies ein Thema, das leider von Historiker/innen noch nicht ausreichend aufgegriffen wird). Auch gab sie eine kurze Übersicht über Geschichte im Web und zeichnete die Entwicklung von Online-Kommunikation (etwa die H-Net mailing lists), über Online-Kataloge und Datenbanken bis zur heutigen (Retro-)Digitalisierungswelle nach. Anschließend erörterte Lässig neue Praktiken hinsichtlich der Wissenserschließung und Distribution, wie z.B. digitale Ausgaben und Rezensionen, wobei bemerkt werden soll, dass viele Historiker nur langsam diesen neuen Publikations- und Produktionsformen aufgeschlossen gegenüberstehen, ein Umstand, der sich nicht nur als Konservatismus in Bezug auf neue Arbeitsweisen erklären lässt, sondern auch erneut das Problem der Anerkennung dieser neuen Formen unterstreicht. Auch betonte sie die Notwendigkeit von neuen Stellen für digitale Historiker. Vor diesem Hintergrund skizzierte sie abschließend die Notwendigkeit und das Selbstverständnis der AG digitale Geschichtswissenschaft.

In einer zweiten Sektion wurden die Rahmenbedingungen digitaler Geschichtswissenschaft diskutiert. HARALD MÜLLER (Heidelberg) widmete sich dem rechtlichen Kontext der Digitalisierung, den er als unbefriedigend erachtete, insbesondere im Hinblick auf vergriffene oder verwaiste Werke, bei denen der Autor eines Werks nicht mehr identifiziert bzw. ermittelt werden kann. Die momentanen Bestimmungen sehen vor, dass für jedes Buch die Autorenschaft untersucht werden muss, dies bedeutet, so Müller, eine Diskriminierung digitaler Bibliotheken, da die Bibliothek die alleinige Verantwortung trage. Obwohl es seit Oktober 2012 eine EU-Richtlinie über verwaiste Werke gibt, steht deren Umsetzung in deutsches Recht noch aus. Allerdings wird die Reform des Urheberrechts derzeit im Deutschen Bundestag diskutiert. Die rechtliche Unsicherheit stellt somit bislang eine Hürde dar, ein Umstand, der durch verschiedene nachfolgende Vorträge illustriert wurde.

CHRISTIAN KEITEL (Stuttgart) widmete sich anschließend Fragen der Nachhaltigkeit von digitalen Objekten in digitalen Archiven, dabei betonte er, dass auch digitale Archive sich um Konservierung bemühen müssen. Dieser Aspekt sei zentral, denn digitale Information geht schnell verloren oder wird „unlesbar”. Keitel warf besonders die Frage nach Authentizität auf: Wie authentisch ist die digitale Kopie eines Originaltexts und welche Folgen hat die Arbeit mit digitalen Objekten für die historische Quellenkritik? Wie kann der Archivar wissen, welche Eigenschaften für den zukünftigen Nutzer signifikant sind? Bei der Migration von einem Datenformat ins andere gehen immer Informationen verloren. Eine Antwort, so Keitel, könnte sein, Metadaten von jeder Kopie zu speichern, umso eine Rekonstruktion zu ermöglichen – es ließe sich dann der Weg vom ersten Digitalisat bis zur aktuellen Version zurückverfolgen und so der Migrationsprozess transparent gestalten.

Europeana ist wohl eines der bekanntesten digitalen Projekte und RACHEL HEUBERGER (Frankfurt) stellte in der dritten Sektion über jüdische Geschichte digital, die das Nachmittagsprogramm eröffnete, das Judaica Europeana-Projekt vor. Als Teil des Europeana-Projekts widmet sich Judaica Europeana der digitalen Erschließung und Aufbereitung (hierzu zählt insbesondere die umfassende Beschreibung der Objekte durch Metadaten) sowie dem Online-Zugang zum jüdischen Erbe Europas. Gestartet im Jahre 2010 haben Judaica Europeana-Partner bis jetzt fast vier Millionen Objekte geliefert. Das Projekt befindet sich seit 2012 in einer zweiten Phase, in der versucht wird, das aufgebaute Netzwerk von 26 Institutionen für Workshops und Veranstaltungen zu nutzen.

Einem zweiten wichtigen Projekt, Digibaeck vom Leo Baeck Institut in New York, widmete sich AUBREY POMERANCE (New York). Das Ziel von Digibaeck ist eine vollständige Digitalisierung der Archive des LBIs (bis jetzt wurden 75% digitalisiert und zugänglich gemacht). Digibaeck stellt ein sehr interessantes Beispiel dar, denn es handelt sich um Quellen zur deutsch-jüdischen Geschichte, die sich in New York befinden. Damit ist Digibaeck ein evidentes Beispiel für den Nutzen der Digitalisierung im Bereich Jewish Studies. Gerade hier erleichtert die digitale Bündelung der Ressourcen den Zugang, da diese oft über Bibliotheken und Archive in verschiedenen Ländern verstreut sind. Pomerance verwies in diesem Zusammenhang ebenfalls auf neue Nutzergruppen, die digitalen Angebote würden verstärkt auch von Laien in Anspruch genommen, sodass die Bedeutung von Historiker/innen als Archivbenutzer möglicherweise in Zukunft sinke. Während der Diskussion wurden verschiedene Metafragen angesprochen, wie z.B. der Verlust von Materialität und Kontext bei digitalen Objekten, sowie Serendipität (je präziser die Suchmöglichkeiten digitaler Objekte, desto kleiner die Chance auf zufällige Entdeckungen, die aber sehr wichtig sein können für den wissenschaftlichen Fortschritt).

In der sich anschließenden vierten Sektion gab ELLEN EULER (Berlin) einen Erfahrungsbericht über die Deutsche Digitale Bibliothek. Nach einer kurzen Einführung über den Nutzen von Kulturportalen im Internet im Allgemeinen stellte sie die DBB vor, die gerade eine Beta-Version gestartet hat, und sich die Sichtbarmachung des kulturellen Erbes in Deutschland zum Ziel setzt. Unabhängig davon, ob es sich um digitale Objekte handelt, soll dieses Erbe auffindbar gemacht werden. Daher bietet die DDB nicht nur den direkten Zugriff auf digitalisierte Objekte, sondern auch auf Metadaten von nicht-digitalisierten Objekten. Damit unterscheidet sich die DDB von anderen digitalen Projekten. Die DBB fungiert auch als deutscher Metadata-Aggregator für Europeana, arbeitet aber mit einem anderen System von Lizenzen.

Zum Abschluss des ersten Konferenztages widmete sich SYLVIA ASMUS (Leipzig) den Erfahrungen mit den Projekten Jüdische Periodika in NS-Deutschland und Exilpresse digital, ihr Beitrag illustrierte genau die rechtlichen Probleme, die Harald Müller in seinem Beitrag hervorgehoben hatte. Bis die EU-Richtlinie über verwaiste Werke ins deutsche Recht umgesetzt ist, muss aufgrund der 70 Jahre-Regel der Autor jedes Zeitungs- oder Zeitschriftartikels identifiziert werden. Weil dies praktisch unmöglich ist, hat die DNB sich dazu entschieden, die beiden Ressourcen wieder offline zu stellen und hofft auf diese ‚subversive’ Weise die rechtliche Debatte zu beeinflussen. An den Vortrag schloss sich eine kontrovers geführte Diskussion über das Für und Wider dieses Vorgehens an. Wobei verschiedene Teilnehmer sich sehr skeptisch gegenüber dieser Strategie äußerten und für ein mutigeres Vorgehen plädierten. In diesem Zusammenhang wurde auf das Angebot von Compact Memory verwiesen.

Der zweite Konferenztag war der Kurzpräsentation verschiedener Digitalisierungsprojekte im Bereich deutsch-jüdischer Geschichte gewidmet, an die sich Diskussionen in drei Arbeitsgruppen anschlossen.

In den Arbeitsgruppen wurden – auch unter dem Eindruck der Impulsreferate am ersten Konferenztag – Fragen zu rechtlichen, technischen und fachspezifischen Rahmenbedingungen, ebenso wie zur Auswirkung der Digitalisierung auf die Geschichtswissenschaft im Allgemeinen und zu Konsequenzen für die jüdische Geschichte im Besonderen diskutiert. Eine weitere Gruppe setzte sich mit der Nutzung der Angebote z.B. in der Lehre und der dabei auftretenden Probleme (z.B. fehlendes Know-How) auseinander. Dabei wurde auch die Frage nach möglichen Zielgruppen digitaler Angebote im Bereich deutsch-jüdische Geschichte in den Blick genommen.

Wie bereits am Anfang erwähnt wurde, setzte sich die Konferenz „Jüdische Geschichte digital” zwei unterschiedliche Ziele und versuchte sowohl eine Einführung in die digitale Geschichtswissenschaft als auch eine Übersicht der bestehenden Digitalisierungsprojekte im Bereich deutsch-jüdischer Geschichte zu geben. Besonders wichtig war, dass zum ersten Mal eine solche Bestandaufnahme stattfand und die Tagung damit auch verschiedene Forscher/innen und Projektmitarbeiter/innen aus dem Bereich der deutsch-jüdischen Geschichte in einem neuen informellen Netzwerk zusammenbrachte.

Gleichzeitig wurde deutlich, dass es noch sehr viel zu tun gibt und eine Fortsetzung der angestoßenen Diskussion wünschenswert wäre. Zentral erscheint dabei, die Diskussion über Digitalisierung und die Anwendung neuer analytischer Techniken in der jüdischen Geschichte unter Berücksichtigung des Digital Humanities-Diskurses zu führen und zugleich die internationalen Entwicklungen im Bereich der Jewish Studies im Blick zu haben. Viele allgemeine digital-geschichtswissenschaftliche Fragen (z.B. über rechtliche Rahmenbedingungen) die an den beiden Konferenztagen diskutiert wurden, sind weder neu noch spezifisch für die Geschichtswissenschaft, sondern werden schon seit Jahren häufig in den Digital Humanities diskutiert. Für die deutschsprachige Diskussion sei hier etwa auf Peter Habers Digital Past verwiesen. Es ist daher zu hoffen, dass sich die neugegründete AG Digitale Geschichtswissenschaft des Historikerverbandes als integraler Bestandteil der Digital Humanities versteht und die dort geführten Debatten, die die Grenze einzelner Disziplinen oft übersteigen, mitverfolgt und -gestaltet.

Dass aber ebenfalls der fachspezifische Austausch sinnvoll ist und gewünscht wird, zeigte sich nicht nur an den angeregten Diskussionen, sondern auch an dem Wunsch nach stärkerer Vernetzung zwischen den verschiedenen Projektvertreter/innen. Damit war die Hoffnung verbunden, sich auch in Zukunft über die Auswirkungen der Digitalisierung auf das Fach austauschen zu können. Auch weil viele der Themen im Rahmen der Konferenz nur angerissen oder gar nicht thematisiert werden konnten, dies gilt insbesondere für die übergeordneten Fragen: Wie ändert sich die Geschichtswissenschaft durch neue Technologien? Welche neuen Forschungsfragen ermöglichen sie? Welche methodologische Folge hat die Nutzung von digitalen Quellen und wie könnte eine Quellenkritik für das digitale Zeitalter entwickelt werden? Darüber hinaus wäre es wichtig, über die Herausforderungen und Potenziale von digitalen Techniken im Bereich jüdischer Geschichte weiter zu diskutieren, die Konferenz bedeutete hier nur einen ersten wichtigen Anstoß. Angesichts der vielen offenen Fragen scheint das Resümee von Andreas Brämer durchaus zutreffend: „we’re still confused but on a higher level”.

Konferenzübersicht:

Begrüßung und Einführung
Miriam Rürup / Anna Menny

Digitale Geschichtswissenschaft

Rüdiger Hohls (Clio-online e.V., Berlin): Die Geschichtswissenschaft im Web. Stand der Dinge.

Gudrun Gersmann (Kulturwissenschaftliches Institut Essen): Geschichte der Digitalisierung und Digitalisierung in der Geschichtswissenschaft. Rückblick und Erfahrungsbericht.

Simone Lässig (Georg-Eckert-Institut Braunschweig, AG Digitale Geschichtswissenschaft): Wie digital kann und soll Geschichtswissenschaft sein? Potenziale und Grenzen neuer Technologien.

Rahmenbedingungen

Harald Müller (Max-Planck-Institut für ausländisches Recht und Völkerrecht, Heidelberg): Digitalisierung von Kulturgut und Urheberrecht – die neue EU-Richtlinie und deren Umsetzung in deutsches Recht.

Christian Keitel (Nestor-AG Digitale Bestandserhaltung, Stuttgart): Nachhaltigkeit, Glaubwürdigkeit und Nutzung. Digitale Objekte und digitale Archive.

Jüdische Geschichte digital

Rachel Heuberger (Judaica Europeana, Frankfurt): Judaica Europeana – Jüdisches Kulturerbe im Netz.

Aubrey Pomerance (LBI Digibaeck, New York): Online-Sammlungen zur deutsch-jüdischen Geschichte und Kultur.

Erfahrungsberichte

Ellen Euler (Stiftung Preußischer Kulturbesitz, Berlin): Die Deutsche Digitale Bibliothek. Ein Erfahrungsbericht.

Sylvia Asmus (Deutsche Nationalbibliothek, Deutsches Exilarchiv 1933-1945, Leipzig): Das Virtuelle und die Realität. Von unüberwindbaren (?) Hürden.

Kurzpräsentation der Digitalisierungsprojekte

Infrastrukturelle und allgemeine Digitalisierungsprojekte:
- Clio-online und H-Soz-u-Kult, Humboldt-Universität zu Berlin (Rüdiger Hohls)
- DARIAH-DE, Salomon-Ludwig-Steinheim Institut für deutsch-jüdische Geschichte (Harald Lordick)
- DFG-Pilotprojekt zur Fotodigitalisierung, Landesarchiv Baden-Württemberg (Christian Keitel)

Europäisch-jüdische Projekte:
- Europäische Traditionen – Enzyklopädie jüdischer Kulturen, Sächsische Akademie der Wissenschaften zu Leipzig (Markus Kirchhoff)
- European Holocaust Research Infrastructure (EHRI), Institut für Zeitgeschichte Berlin - München (Giles Bennett)
- Judaica Europeana, Universitätsbibliothek Frankfurt a.M. (Rachel Heuberger)
- Compact Memory, Germania Judaica Köln (Annette Haller)
- German-Jewish Cultural Heritage, Moses Mendelssohn Zentrum für europäisch-jüdische Studien Potsdam (Elke-Vera Kotowski)
- Corpus der Quellen zur Geschichte der Juden im spätmittelalterlichen Reich, Universität Trier (Jörg Müller)

Lokale Projekte zu der Geschichte der Juden in Hamburg:
- Jüdisches Hamburg online, Institut für die Geschichte der deutschen Juden (Andreas Brämer, Kirsten Heinsohn)
- Bilddatenbank Jüdische Geschichte, Institut für die Geschichte der deutschen Juden (Björn Siegel)
- Stolpersteine Hamburg Datenbank, Landeszentrale für politische Bildung Hamburg/Institut für die Geschichte der deutschen Juden (Beate Meyer)
- Datenbank aller Hamburger jüdischen Sterberegister, Institut für die Geschichte der deutschen Juden/Hamburger Gesellschaft für jüdische Genealogie (Jürgen Sielemann, Michael Studemund-Halévy)
- Werkstatt der Erinnerung, Forschungsstelle für Zeitgeschichte Hamburg (Linde Apel)

Gespräche und Diskussionen in Arbeitsgruppen

AG Rahmenbedingungen: Was sind die zentralen Punkte, die bedacht werden müssen? (Moderation: Anna Menny)

AG Auswirkungen auf und Konsequenzen für die jüdische Geschichte: Wo liegen Potenziale, wo verbergen sich Gefahren? (Moderation: Miriam Rürup)

AG Digitale Angebote und ihre Nutzung: Wie verändern sich Inhalte, wer ist die Zielgruppe? (Moderation: Andreas Brämer)

ZitierweiseTagungsbericht Jüdische Geschichte digital. 13.06.2013–14.06.2013, Hamburg, in: H-Soz-u-Kult, 10.09.2013, <http://hsozkult.geschichte.hu-berlin.de/tagungsberichte/id=5011>.

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