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Das östliche Europa: (Fremd-?)Bilder im Diskurs des 18. Jahrhunderts

 

Informationen zu diesem Beitrag

Veranstalter:Christoph Augustynowicz, Wien; Agnieszka Pufelska, Potsdam
Datum, Ort:16.05.2013–18.05.2013, Wien

Bericht von:
Elisabeth Haid, Institut für Osteuropäische Geschichte, Universität Wien
E-Mail: <elisabeth.haidunivie.ac.at>

Vor dem Hintergrund politischer Entwicklungen und der wirtschaftlichen Krise in Europa erlangen derzeit Osteuropa-Diskurse neue Aktualität. Über die Medien – führte Agnieszka Pufelska als Beispiel an – werden Vorstellungen von der Rückständigkeit „des Ostens“, von unausgebildeten Arbeitskräften und der zivilisatorischen Kraft des westeuropäischen Kapitals transportiert. Die Konferenz an der Universität Wien befasste sich mit der historischen Dimension solcher Fremdbilder.

Im Kontext des postkolonialen und des piktoralen turns setzte sich die Konferenz zum Ziel, Bilder vom östlichen Europa im Diskurs des 18. Jahrhunderts freizulegen und den Fragestellungen nachzugehen, ob hier ein standardisiertes Repertoire von Bildern existierte und ob die jeweiligen Bilder kolonialen Mustern von Zentrum-Peripherie zu zuordnen wären. In diesem Sinne sollte Larry Wolff’s These eines von der Aufklärung „erfundenen Osteuropa“[1] neu reflektiert und überprüft werden.

Zwar wurde der Raum des östlichen Europa im 18. Jahrhundert nicht zuletzt durch Reiseberichte diskursiv erschlossen, es existierte jedoch noch keine einheitliche Wahrnehmung von Osteuropa, wie WOLFGANG SCHMALE (Wien) in seiner Keynote betonte und im Laufe der Konferenz in einer Reihe von Fallbeispielen gezeigt werden konnte. Osteuropa war keine Namensgebung des 18. Jahrhunderts, auch bezogen sich die von Wolff angeführten Argumentationsmuster nicht ausschließlich auf den osteuropäischen Raum. Ähnliche hierarchische Sichtweisen konnten auch auf das eigene Land angewendet werden, Feinde wurden als Barbaren klassifiziert, unabhängig von ihrer geographischen Verortung. Pejorative Stereotype in Bezug auf osteuropäische Länder wären in diesem Sinne nicht absolut zu sehen, sondern vom jeweiligen Kontext abhängig. Der These Wolffs von der Erfindung Osteuropas zur Konstituierung Westeuropas setzte Schmale die im 18. Jahrhundert entwickelte Vorstellung einer gesamteuropäischen Kultur entgegen, welche etwa in der Ikonographie Ausdruck fand. Der Rückgriff auf die Antike als Wahrnehmungsmuster und die Einbeziehung Griechenlands in die Kultur Europas bildeten hier ein wichtiges Element. Schmale zeigte etwa am Beispiel Polens, dass auch andere Regionen des östlichen Europa daran teilhatten.

Einen räumlichen Schwerpunkt der Konferenz bildeten Russland und Polen. AGNIESZKA PUFELSKA (Potsdam) zeigte etwa anhand von preußischen Polen- und Russlandbildern die Inhomogenität und Brüche im Osteuropabild des 18. Jahrhunderts. Zum einen nahmen hier Polen und Russland oft unterschiedliche oder gar gegensätzliche Rollen ein, zum anderen wechselten die Bilder im Kontext der politischen Verhältnisse. Hatte sich mit der Regierung Peters I. das Bild von Russland in positivem Sinne von einem barbarischen Land zur ernstzunehmenden Großmacht gewandelt, änderte sich dies in Preußen wiederum mit den steigenden politischen Konflikten und machte während des Siebenjährigen Krieges Feindbildern der Kriegspropaganda Platz. Nach Friedensschluss knüpfte man jedoch an die früheren positiven Assoziationen an, welche nun durch die aufgeklärte Stilisierung von Katharina II gestärkt wurden. Im Kontext der Absolutismuskritik Ende des 18. Jahrhunderts nahm dagegen Russland wiederum die Rolle eines Despotenstaates mit asiatischer Konnotation ein. Eine ganz andere Entwicklung nahm das Bild von Polen, welches sich vom Bollwerk der Christenheit zum Inbegriff von Anarchie und sozialer Ausbeutung wandelte und Ende des 18. Jahrhunderts in liberalen Kreisen wiederum Anerkennung in Bezug auf die polnische Verfassung fand.

RÓISÍN HEALY (Galway) beleuchtete die politische Bedingtheit des Polenbildes in Irland im Sinne einer gemeinsamen Erfahrung von Fremdherrschaft. Nicht eine Grenze zwischen Ost und West, sondern eine Grenze zwischen Unterdrückern und Unterdrückten erscheint hier entscheidend. Während bis ins späte 18. Jahrhundert auch in Irland negative Vorstellungen von Polen, von chaotischen Zuständen und Leibeigenschaft, vorherrschten, änderte sich die Einstellung mit den Teilungen Polens: Polen wurde – sowohl von konservativer als auch von radikaler Seite – zum Objekt des Mitleids und zum Vorbild. Zu der Polenbegeisterung liberaler Kreise in Bezug auf die Verfassung kam in Irland als wesentliches Element die Behauptung der Souveränität hinzu und erzeugte Vorstellungen von geistiger Verwandtschaft. So wurden etwa Parallelen zwischen Kościuszko-Aufstand und irischer Rebellion, zwischen Einigungsakt und dritter Teilung Polens gezogen.

Den Faktor der Selbstdarstellung nahmen die Vorträge von Iskra Schwarcz und Kerstin Jobst in den Blick. ISKRA SCHWARCZ (Wien) behandelte die Rolle Peters I. für den Wandel des westlichen Russlandbildes und die Annäherung zwischen Russland und dem Westen. Sie zeigte, dass Peter I. nicht nur als Projektionsfläche aktueller europäischer Diskurse diente, sondern auch eine aktive an die europäische Öffentlichkeit gerichtete Politik der Selbstinszenierung betrieb und unterschiedliche Medien wie Zeitschriften, Medaillen und nicht zuletzt Gemälde anwendete. Mit Hilfe westeuropäischer Maler zeigte sich Peter in barockem Stil.

KERSTIN JOBST (Wien) zeigte die sogenannte Taurische Reise Katharinas II im Jahr 1787 als legitimistische Performance zur Sicherung des russischen Neuerwerbs der Krim. Jobst fokussierte dabei im Speziellen die an die europäische Öffentlichkeit gerichtete Botschaft: Entgegen einer oft angenommenen Rückständigkeit sollte insbesondere die russische Aufbaukraft auf der Krim gezeigt werden. Unter Rückgriff auf das antike Taurien wollte man hier westliche Kultur reimplementieren. Russland positionierte sich mit dieser Zivilisierungsmission als Teil Europas und handelndes Subjekt. Die Inszenierung, so Jobst, zeigte im Hinblick auf die europäische Öffentlichkeit im Großen und Ganzen Erfolg, wenngleich sie bei manchen Kritik und Zweifel aber auch eine gewisse Furcht angesichts der Erfolge Russlands aufkommen ließ.

Dass Fremdbilder teilweise auch auf indirektem Wege rezipiert wurden verdeutlichte DARIUSZ DOLAŃSKI (Zielona Góra) anhand polnischer Schriften zu Russland. Anders als im 16. und 17. Jahrhundert, hätten polnische Studien zu Russland im 18. Jahrhundert kaum auf ruthenische und russische Materialen zurückgriffen. Exemplarisch zeigte er, dass sie sich vorwiegend auf ältere polnische und insbesondere auf westliche Schriften stützten. Kenntnisse der russischen Historiographie scheinen praktisch nicht vorhanden. Dolański spricht in diesem Sinne von einer Rezeption auf westlichen Umwegen.

MARIJA WAKOUNIG (Wien) befasste sich im Speziellen mit der Rezeption der „Rerum Moscoviticarum Commentarii“ (1549) von Sigismund von Herberstein im 18. Jahrhundert. Herbersteins breit angelegte Beschreibung des als terra incognita geltenden Moskauer Staates basierte auf zwei diplomatischen Reisen in österreichischen Diensten und brachte ihm den Ruf als „Entdecker Russlands“ ein. Das Werk erfuhr rasch große Popularität und beeinflusste eine Reihe späterer Werke. Mit dem neu erwachten Interesse an Russland zu Beginn des 18. Jahrhunderts erfuhr auch Herbersteins „Moscovia“ neue Beachtung. Neben Kontinuitäten in der Rezeption, wie Zuschreibungen von Despotismus und Sklaverei, zeigte Wakounig die Wiederbelebung und Neuinterpretation ausgewählter Themen am Beispiel der Warägerfrage. Während Herberstein noch zwei Interpretationen für die in der Nestorchronik als Staatsgründer genannten Waräger angeboten hatte (als Skandinavier oder als der slawische Stamm der Wagrier), entwickelte sich im 18. Jahrhundert die Frage zu einer heftigen Kontroverse unter oft politischen Vorzeichen (Normannistenstreit).

MAGDALENA ANDRAE (Wien) widmete sich den Reiseberichten von Johann Georg Korb und Friedrich Christian Weber aus dem frühen 18. Jahrhundert. Beiden Berichten lagen diplomatische Reisen nach Russland zugrunde: Korb im Dienste Kaiser Leopolds I. 1698/99 und Weber im Dienste des Kurfürstentums Hannover 1714-19. Vor dem Hintergrund des Modells der 4 Modi des Fremderlebens nach Ortfried Schäffter, verglich Andrae den Blick der beiden Autoren auf das petrinische Reich anhand von drei unterschiedlichen Bereichen: Tischkultur, Religion und Körperlichkeit. Sie veranschaulichte dabei die Bedeutung, welche Korb und Weber der Disziplinierung des Volkes durch den Herrscher zuschrieben.

TILMAN PLATH (Greifswald) behandelte Wahrnehmungen zur Veränderung Russlands unter Peter I. in wirtschaftswissenschaftlichen Arbeiten. Dabei zeigte er St. Petersburg zugleich als wissenschaftlichen Standort und als Forschungsobjekt. Nach einer Kontextualisierung in der Entwicklung der Statistik, vom älteren Modell der Stadtbeschreibung zur neuen Statistik im Bereich des Außenhandels, ging Plath näher auf die Werke dreier Wissenschaftler vom Ende des 18. Jahrhunderts ein: Wilhelm Christian Friebe als Vertreter der neuen Statistik, Johann Gottlieb Georg in der Tradition der Stadtbeschreibung und Heinrich Friedrich von Storch als Zusammenführung dieser beiden Traditionen. Plath zeigte den zentralen Stellenwert, welchen alle drei Autoren der Triade Peter I. – St. Petersburg – Handel bei ihrer Kontrastierung des neuen mit dem „alten Russland“ beimaßen.

KLEMENS KAPS (Sevilla) ging auf wirtschaftliche Diskurse in einem anderen Bezugsrahmen ein. Er zeichnete diskursive Verortungen der Habsburgermonarchie und ihrer internen Trennlinien im Kontext des Kameralismus nach, welcher auf die wirtschaftliche Hebung des Landes zielte. Die scharf gezeichneten Gegensätze, wie arbeitsam und träge, wurden dabei häufig auf institutionelle Ursachen, wie das Untertanenwesen, zurückgeführt. Im Lauf des 18. Jahrhunderts sei eine zunehmend räumliche Codierung festzustellen, wie Kaps am Beispiel der amtlichen Berichte des Hofkriegsrats von 1771/72 vor Augen führte. Allerdings waren hier negative Zuschreibung auch in Bezug auf Kernländer der Habsburgermonarchie zu finden und zudem oft lokal differenziert. Eine Ost-West-Linie lasse sich erstmals Ende des 18. Jahrhunderts anhand der negativen Bewertung Galiziens und Ungarns zeichnen. Während der Kameralismus die Verhältnisse als Ergebnis soziopolitischer Prozesse betrachtete und deren Reformierung anstrebte, gewann mit dem Scheitern der josephinischen Reformen ein Diskursstrang an Einfluss, welcher die Faulheit der slawischen Bauern als anthropologische Konstante betrachtete. Die Wende vom 18. zum 19. Jahrhundert markiere somit die Wende von Reformierungsdiskursen zu einer Essentialisierung ethnischer und kultureller Kategorien.

Zwei weitere Vorträge beschäftigten sich mit dem Fürstentum Moldau. MEINOLF ARENS (München/Wien) fokussierte die westliche Wahrnehmung dieser multiethnischen und multikonfessionellen Region vor dem Russisch-Türkischen Krieg (1768–1774). Anhand der unterschiedlichen Zugänge zu den Moldauer Katholiken und Ungarn zeigte er, dass diese Wahrnehmungen keineswegs einheitlich waren. Während durch die Reformation die Kontakte von Ungarn und Siebenbürgen zu den katholischen Sprachgenossen in der Moldau weitgehend abgebrochen waren, machte Arens zwei weitere Interessensgruppen aus: Zum einen handelte es sich um italienische, franziskanische Missionare, welche – anders als noch im 17. Jahrhundert – schlecht ausgebildet und schlecht vorbereitet sich der Moldau mit einem sehr engen Blick annäherten und den Kontakt zur nicht-katholischen Bevölkerung mieden. Zum anderen waren polnische Adelige, nicht zuletzt aufgrund der kirchlichen Verbindung zum Erzbistum von Lemberg als Bischöfe in der Region präsent. Diese brachten auch politische Interessen mit und favorisierten im Gegensatz zu der rein römisch-katholischen Mission der Franziskaner eine Erweiterung der Kirchenunion.

Im Vergleich zu diesen eher spärlichen Kontakten zum Fürstentum Moldau verdichtete sich der Informationsfluss nach dem Frieden von Küçük Kaynarca 1774. Diesem Zeitraum, in dem eine rege Reisetätigkeit in die Moldau einsetzte, widmete sich AMELIA-LIANA VAIDEAN (Cluj-Napoca). Sie untersuchte den preußischen Blickwinkel, ausgehend von diplomatisch-wirtschaftlichen Kontakten mit der Errichtung eines preußischen Vizekonsulats in Iaşi im Jahr 1784. Preußen verfolgte hier sowohl das Ziel einer politischen Präsenz in diesem seit 1774 russisch und österreichisch dominiertem Raum, als auch wirtschaftliche Vorteile durch Handelserleichterungen. Weiters beleuchtete Vaidean die schlaglichtartige Darstellung der Moldau in der „Berlinischen Monatsschrift“ als aufklärerischem Sprachrohr, welches zwar die Fremdheit markierte, dabei jedoch diesem „unbekannten Land Europas“ mit einer gewissen Faszination begegnete.

Multikulturalität stand insbesondere auch in den Vorträgen von Robert Born und Agnieszka Dudek im Mittelpunkt. ROBERT BORN (Leipzig) zeigte, wie Kostümbücher die Multikulturalität Siebenbürgens repräsentierten. Kostümbücher stellten in der Renaissance ein beliebtes Medium zur Abbildung der Welt dar. Während frühneuzeitliche Exemplare Osteuropa nur am Rande beleuchteten, erschienen im 18. Jahrhundert eine Reihe von Sammlungen, die sich detailliert mit Siebenbürgen auseinandersetzten und insbesondere die unterschiedlichen ethnischen und religiösen Gruppen in ihrer horizontalen Breite präsentierten. Dies zeugt zum einen von verstärktem ethnographischem Interesse an dieser Grenzregion, kann aber auch politische Implikationen enthalten. So wies Born auf die These hin, dass angesichts der Eingliederung Siebenbürgens in die Habsburgermonarchie und einer verstärkt katholischen Politik, die Kostümbücher ein an die protestantischen Höfe adressiertes Propagandamedium darstellten und auf die Bewahrung der Sonderstellung und der Vielfalt Siebenbürgens zielten.

AGNIESZKA DUDEK (Wien) fokussierte Schlesien in seiner kulturellen, sprachlichen und religiösen Vielfalt und zeigte, in Anlehnung an Homi Bhabha, den vielseitigen Gelehrten, Pädagogen und Kommunalpolitiker Johann Leopold Scherschnik aus Teschen als Beispiel für Hybridität. Scherschnik, so Dudek, vereinte schon als Jesuit und Aufklärer Widersprüche in sich. Zum anderen vereinte er die unterschiedlichen Sprachen und Kulturen Schlesiens, wie sie etwa unter Verweis auf seine Sprachkenntnisse und anhand des von Scherschnik verfassten Biographischen Lexikons zu Teschener Persönlichkeiten unterschiedlicher Konfession und Herkunft zeigte. Scherschnik stehe somit nicht nur für die Aufhebung von Dichotomien und Grenzüberschreitung, sondern rückte zudem die Peripherie in den Brennpunkt.

CHRISTOPH AUGUSTYNOWICZ (Wien) thematisierte am Beispiel der kleinpolnischen Stadt Sandomierz wie Bildproduktionen an der Peripherie gesamteuropäische Diskurse mitprägten. Dabei lasse sich keine ausdrückliche Ost-West-Dichotomie feststellen, jedoch durchaus West-Ost oder Ost-West-Bewegungen der jeweiligen Ideen. Zum einen führte er die Ritualmordvorstellungen an, welche von England ausgehend im 16. Jahrhundert auch Polen-Litauen erreichten. Zu den spektakulärsten Fällen im 18. Jahrhundert zählten auch die Ritualmordbeschuldigungen in Sandomierz. Die Vatikanische Politik des 18. Jahrhunderts lehnte dagegen Ritualmordvorstellungen ab und betrachtete sie als Zeichen der Peripherie. Die umgekehrte Richtung nahm die Idee des Vampirismus, welche zu Beginn des 18. Jahrhunderts von der Grenze zum Osmanischen Reich in deutschsprachige Gebiete und in die wissenschaftlichen Debatten Europas drang. In diesem Fall stand Sandomierz mit einer Publikation des Jesuiten Gabriel Rzączyński aus dem Jahr 1721 am Anfang des Diskurses, welcher von prominenten Vertretern der Aufklärung perpetuiert wurde. Zunehmend stand das Bild des Blutsaugers allerdings auch als Metapher für sozio-ökonomische Abhängigkeiten und konnte Vorstellungen von Rückständigkeit zusätzlich aufladen.

Insgesamt zeigte die Konferenz eindrücklich die Vielfalt der Bilder vom östlichen Europa im 18. Jahrhundert und ihre Dynamik und konnte Vorstellungen von einer linearen Entwicklung oder teleologischen Kontinuität stereotyper Wahrnehmungen aufbrechen. Auch lassen sich die unterschiedlichen Bilder nicht auf eindimensionale Wahrnehmungen von Zentrum und Peripherie beschränken. Vielmehr wurde in manchem Kontext das Konzept des Netzwerks nahegelegt, um die unterschiedlichen Informations- und Diskursströme zu beschreiben. Obgleich die Ergebnisse der Konferenz die Existenz einer Einheit „Osteuropa“ im 18. Jahrhundert in Frage stellten, führten sie vor Augen, welch essenziellen und integralen Beitrag die Osteuropäische Geschichte für die europäische und die Globalgeschichte leistet.

Konferenzübersicht

Wolfgang Schmale (Wien): Das östliche Europa: (Fremd-?)Bilder im Diskurs des 18. Jahrhunderts und darüber hinaus. Eine Keynote

Panel I: Bewegen – Kommunizieren – Bewahren: Praktiken und Medien der Bildproduktion
Chair: Marija Wakounig

Klemens Kaps (Sevilla): Die Habsburgermonarchie im kapitalistischen Weltsystem: Bild- und Imageproduktion(en) zwischen den Wendejahren 1718 und 1789

Kerstin Jobst (Wien): Die Krim: Subjekt oder Objekt russländisch-imperialer Image-Produktion im 18. Jahrhundert

Panel II: „Preußische“ Blicke auf das östliche Europa
Chair: Christoph Augustynowicz

Agnieszka Pufelska (Potsdam): Bilder, die nicht vergehen wollen: Preußens Blick auf Osteuropa im 18. Jahrhundert

Tilman Plath (Greifswald): „Die Vermessung der Neva“ – Deutsche Gelehrte und der Beginn der statistischen Erfassung des russländischen Außenhandels zum Ende des 18. Jahrhunderts

Amelia-Liana Vaidean (Cluj-Napoca): Preussische Wahrnehmungsmodelle im Hinblick auf das Fürstentum Moldau und seine Bewohner (1774–1812)

Panel III: Bildproduktion und Raumprojektion: Ungarisches und russländisches Paradigma
Chair: Agnieszka Pufelska

Meinolf Arens (München/Wien): Die Moldauer Katholiken und Ungarn im 18. Jahrhundert aus westlicher Wahrnehmung

Robert Born (Leipzig): Siebenbürgische Kostümbücher: Ethnologie oder Politik?

Marija Wakounig (Wien): Sigismund von Herbersteins Moscovia im 18. Jahrhundert: Brüche und Kontinuitäten in der Perzeption

Panel IV: Verkörperer von Wende und Hybridität: Beispiele von individuellen Akteuren
Chair: Kerstin Jobst

Iskra Schwarcz (Wien): Das Bild Peters des Großen im Westen

Magdalena Andrae (Wien): Kultureller Abstand und die Petrinische Wende

Agnieszka Dudek (Wien): Das Leben und Werk Johann Leopold Scherschniks als ein Beispiel der Teschener Hybridität

Panel V: Das Fremde im Eigenen. Polen-Litauen und sein Bildtransfer
Chair: Iskra Schwarcz

Christoph Augustynowicz (Wien): Bildproduktionen an der Peripherie. Der Fall der kleinpolnischen Stadt Sandomierz

Dariusz Dolański (Zielona Góra): Das Russlandbild in Polen – eine Rezeption auf westlichen Umwegen

Róisín Healy (Galway): Polen als Vorbild im Irland des späten 18. Jahrhunderts

Anmerkung:
[1] Larry Wolff, Inventing Eastern Europe. The map of civilization on the mind of the Enlightenment, Stanford, Calif. 1994.

ZitierweiseTagungsbericht Das östliche Europa: (Fremd-?)Bilder im Diskurs des 18. Jahrhunderts. 16.05.2013–18.05.2013, Wien, in: H-Soz-Kult, 04.07.2013, <http://hsozkult.geschichte.hu-berlin.de/tagungsberichte/id=4891>.

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