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Neue Wege der Polenforschung. Erfahrungsaustausch und Vernetzung wissenschaftlicher Zentren

 

Informationen zu diesem Beitrag

Veranstalter:Europa-Universität Viadrina
Datum, Ort:13.12.2012-14.12.2012, Frankfurt an der Oder

Bericht von:
Katarzyna Kinga Kowalska, Zentrum für Interdisziplinäre Polenstudien, Europa-Universität Viadrina Frankfurt / Oder
E-Mail: <polen-onlineeuropa-uni.de>

Am 13. und 14. Dezember diskutierten 40 PolenforscherInnen aus Deutschland, Polen und den USA über verstärkten Austausch und das neue Onlineportal www.pol-int.org. Unter dem Titel „Neue Wege der Polenforschung. Erfahrungsaustausch und Vernetzung wissenschaftlicher Zentren“ luden das Zentrum für interdisziplinäre Polenstudien (ZiP) der Viadrina, die Deutsch-Polnische Wissenschaftsstiftung (DPWS) und das Deutsche Polen-Institut Darmstadt (DPI) Polenexpertinnen und -experten zum Meinungs- und Erfahrungsaustausch.

Nach der feierlichen Eröffnung der Veranstaltung durch den Präsidenten der Viadrina GUNTER PLEUGER (Frankfurt Oder) hielt RITA SÜSSMUTH (Berlin) einen Einführungsvortrag und betonte dabei den unverkennbaren Bedeutungsgewinn der Polenforschung innerhalb der wissenschaftlichen Landschaft Deutschlands seit der Jahrtausendwende.

Mit dem Ziel die mannigfaltigen Aktivitäten internationaler PolenforscherInnen zu präsentieren, stellten die geladenen TeilnehmerInnen ihre Forschungseinrichtungen unter Moderation des Geschäftsführers der DPWS WITOLD GNAUCK (Frankfurt/Oder) vor. Neben einer disziplinären Vielfalt zeigte sich, dass die Beschäftigung mit Polen immer häufiger in einem inter-, bzw. transnationalen Zusammenhang erfolgt. Nicht nur die Sprachwissenschaften, auch die Literaturwissenschaften, Geschichts-, Rechts- und Kulturwissenschaft sowie Sozialwissenschaften beziehen Ostmittel- bzw. Gesamteuropa, die Ukraine und Deutschland in ihre Forschungen über Polen mit ein. Eine weitere jüngere Entwicklung ist die verstärkte internationale Zusammenarbeit zwischen WissenschaftlerInnen in und außerhalb von Polen. Wie die anschließende Diskussion ergab, steht der befragte Gegenstand als Maßstab der Polenstudien im Sinne der area-studies zunehmend im Fokus anstelle eines Schreibens über Polen aus nationalen Perspektiven. Die Gastgeberin DAGMARA JAJESNIAK-QUAST (Frankfurt/Oder) begrüßte jene Entwicklung globaler Polenstudien, in denen weder nationale Grenzen noch der unhinterfragte isolierte/eigene Standpunkt die Perspektive alleine leite. Gemeinsamkeit und Bezugspunkt sei vielmehr die polnische Sprache und gemeinsame Forschungsgegenstände. Visualisiert wurde die Internationalität der Polenstudien anhand eines digitalen Globus, der von MICHAEL LAUMER (Frankfurt/Oder) und PHILIPP STEGLICH (Frankfurt/Oder) entwickelt wurde, und eine Übersicht einschließlich Hintergrundinformationen signifikanter Institutionen der Polenforschung enthält.

Welche Auswirkungen die zunehmende Interdisziplinarität und globale Vernetzung der Polenstudien auf die Paradigmen und das Profil der Polenforschung haben, welche Chancen und Risiken damit verbunden sind, stand im Fokus der anregenden Diskussion unter Moderation DIETER BINGENS (Darmstadt) . Im anschließenden Vortrag „Vom Deutsch-Polnischen Grenzraum zum Europäischen Wissensraum“ diskutierte HEIDI FICHTER-WOLF (Erkner) Paradigmen Deutsch-Polnischer Forschung und Impulse grenzüberschreitender Zusammenarbeit.

Aspekte von Interdisziplinarität und Internationalität vor dem Hintergrund zunehmender Digitalisierung kamen am zweiten Tag des Workshops bei der Präsentation von ISABELLA WAIBEL (München) und JANA MÖLLER-KIERO (München) des Netzwerks zur Förderung des deutsch-polnischen Wissens- und Kulturtransfers der Ludwig-Maximilian-Universität München[1] und der Vorstellung der neuen Online-Plattform „Polenstudien.Interdisziplinär“ des ZiP der Universität Viadrina zum Ausdruck. Hinter der Plattform „Polenstudien.Interdisziplinär“, die unter Federführung des ZiP im Umfeld der Online-Umgebung der B/Order-Studies entsteht, stehe die Idee einer internationalen wissenschaftlichen Vernetzung und eines grenzüberschreitenden Austausches. TIM BUCHEN ( Frankfurt/Oder) stellte in seiner Einführung heraus, dass die Einbindung polnischer NutzerInnen in das Kommunikations- und Informationsportal eine von vielen WissenschaftlerInnen ausgemachte Lücke schließen helfe, in Polen stattfindende Forschungsprojekte und Konferenzen sowohl im Land selbst, als auch international bekannter zu machen. Ein weiteres Kennzeichen der neuen Internet-Plattform sei die Interaktivität welche ermögliche, relevante Informationen zusammenzutragen, die Wissenschaftsgemeinschaft zu konstituieren und die Internationalisierung durch größere Forschungsprojekte voranzubringen.

Anschließend präsentierte KATARZYNA KINGA KOWALSKA (Frankfurt/Oder) eine Testversion der Plattform, die ab dem Herbst 2013 unter den Domains www.pol-int.de, www.pol-int.pl, www.pol-int.org und www.pol-int.net zugänglich sein werde und erläuterte aus Nutzerperspektive das dreisprachige Menü mit seinen Schwerpunkten „Forschung & Diskussion“, „Karriere“ und „Hilfsmittel & Datenbanken“.

In vier Arbeitsgruppen bekamen die TeilnehmerInnen anschließend die Möglichkeit, ihre Erfahrungen, Wünsche und Vorstellungen für eine erfolgreiche Umsetzung und attraktive Gestaltung des Onlineportals www.pol-int.org einzubringen. Ergebnisse rund um Fragen des Aufbaus eines internationalen Redaktionskreises , eines Projektforums, fruchtbarer Marketingstrategien sowie den Erfahrungsaustausch mit bestehenden wissenschaftlichen Online-Plattformen wurden im Plenum präsentiert und angeregt diskutiert. Mit einer Vielzahl an Ideen und neuen Perspektiven hinsichtlich des Austauschs und der Vernetzung - zukünftig auch in digitaler Form- schloss der zweitägige Workshop.

Da die Akteure der Polenstudien so zahlreich und Institutsübergreifend zusammengekommen sind, war die Diskussion und die Arbeit an gemeinsamen Paradigmen und Zielen der Wissenschaftsausrichtung besonders fruchtbar. Der Vielzahl an Institutionen, der Internationalität und Interdisziplinarität waren u.a. unterschiedliche Prioritätensetzungen und Grenzziehungen dessen, was Polenstudien ausmachen solle geschuldet. Fragen nach dem konkreten Profil von Polenforschung in Polen und außerhalb des Landes wurden kontrovers diskutiert. Mit dem Bewusstsein um die Vielfältigkeit der Polenstudien herrschte jedoch Konsens darüber, dass unabhängig vom Forschungsvorhaben die Polenstudien im Sinne der area studies betrieben werden müssten. Nationale und disziplinäre Isolierungstendenzen müssten noch weiter aufgebrochen werden. Auf dieser Basis und mit der Absicht Polenstudien noch stärker zu internationalisieren und interdisziplinär zu gestalten, sei es sinnvoll, die Online-Plattform „Polenstudien.Interdisziplinär“ zu nutzen. Auch an dieser Stelle herrschte Übereinstimmung darüber, dass zur Realisierung jener Ziele der Online Dienst als solcher nicht ausreiche. Er sei vielmehr ein Instrument und ein zeitgemäßer Kanal, der dabei helfe Polenstudien gemäß den Paradigmen Internationalität und Interdisziplinarität auszugestalten – hierfür sei er in Zeiten zunehmender Digitalisierung von Kommunikation und Publikationen unverzichtbar.

Konferenzübersicht:

Begrüßung
Rita Süssmuth, Bundestagspräsidentin a.D., Präsidentin des Deutschen Polen-Instituts (DPI), Vorsitzende des Vorstandes der Deutsch-Polnischen Wissenschaftsstiftung (DPWS)
Gunter Pleuger, Präsident der Europa-Universität Viadrina (EUV)

Inhaltliche Einführung in das Thema des Workshops
Dagmara Jajeśniak-Quast, Zentrum für Interdisziplinäre Polenstudien der Europa-Universität Viadrina (ZIP)

Vorstellung der teilnehmenden Zentren und Wissenschaftler
Moderation: Witold Gnauck (DPWS)

Vernetzung und Erfahrungsaustausch
Moderation: Dieter Bingen (DPI)

Kurzvortrag
Heidi Fichter-Wolf (Institut für Regionalentwicklung und Strukturplanung Erkner (IRS)), "Vom deutsch-polnischen Grenzraum zum Europäischen Wissensraum" - Impulse aus der Hochschulzusammenarbeit_

Isabella Waibel / Jana Möller-Kiero, (Ludwig-Maximilians-Universität München), Das „Universitäts- und Hochschulnetzwerk zur Förderung des deutsch-polnischen Wissens- und Kulturtransfers“

Katarzyna Kinga Kowalska und Tim Buchen (ZIP) / Michael Laumer und Philipp Steglich (EU Viadrina), Vorstellung des Projektes Polenstudien.interdisziplinär / Studia-o-Polsce.interdyscyplinarnie / Polish-Studies.interdisciplinary – www.pol-int.net

Diskussion in Arbeitsgruppen

Präsentation der Ergebnisse der Diskussion in den Arbeitsgruppen und Vereinbarung der Pilotphase der Online-Plattform Polenstudien.interdisziplinär / Studia-o-Polsce.interdyscyplinarnie / Polish-Studies.interdisciplinary – www.pol-int.net

Anmerkung:
[1] <www.dp.ikk.uni-muenchen.de> (03.04.2013).

ZitierweiseTagungsbericht Neue Wege der Polenforschung. Erfahrungsaustausch und Vernetzung wissenschaftlicher Zentren. 13.12.2012-14.12.2012, Frankfurt an der Oder, in: H-Soz-u-Kult, 15.04.2013, <http://hsozkult.geschichte.hu-berlin.de/tagungsberichte/id=4759>.

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