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Priester im Deutschen Orden

 

Informationen zu diesem Beitrag

Veranstalter:Internationale Historische Kommission zur Erforschung des Deutschen Ordens (IHKDO)
Datum, Ort:21.09.2012–22.09.2012, Wien

Bericht von:
Bernhard Huber, Hochmeisteramt des Deutschen Ordens, Wien
E-Mail: <hochmeisteramtdeutscher-orden.at>

Anlässlich des 125. Geburtstages und 25.Todestages von Dr. Marian Tumler, Hochmeister des Deutschen Ordens von 1948-1970, fand im Deutschordenshaus in Wien eine Tagung der Internationalen Historischen Kommission zur Erforschung des Deutschen Ordens (IHKDO) statt. Das Jubiläumsjahr Tumlers gab den Ausschlag, sich mit der Bedeutung der Priester im Deutschen Orden in Mittelalter und Früher Neuzeit auseinander zu setzen. In seiner Einleitung umriss der Vorsitzende der Kommission UDO ARNOLD (Bonn) das Forschungsthema und verwies auf wichtige Desiderate, welche Aspekte der Ausbildung der Kleriker, der pastoralen bzw. kategorialen Dienste sowie den Verwendungen in der Verwaltung des Ordens in Mittelalter und Früher Neuzeit betrafen. Die territoriale Streuung des Ordens in Europa brachte es mit sich, dass regionale Disparitäten in Bezug auf Modalitäten der Ausbildung und der Einsatzmöglichkeiten sowie die Stellung innerhalb der Balleien auftraten. Arnold verwies auf die Problematik teilweise lückenhafter Überlieferung sowie die Notwendigkeit noch zu leistender Grundlagenforschung aufgrund nach wie vor mangelnder Einzelstudien.

Die Beiträge der ersten Sektion „Arbeitsfelder im Mittelalter“ gingen den Karrieremöglichkeiten für Priester innerhalb des Ordens nach. Aufgrund der schwachen Quellenüberlieferung für die Haupthäuser des Ordens in Palästina und Venedig widmete sich KLAUS MILITZER (Köln) den Kanzlern der Hochmeister in Preußen. Militzer verwies auf das Tätigkeitsprofil der Kanzler bzw. die Agenden der hochmeisterlichen Kanzlei und arbeitete einen Vergleich zwischen tatsächlichen Anforderungen und möglicher Ausbildung heraus. Erst im Laufe des 14. Jahrhunderts setzte auch eine Universitätsausbildung von Priesterbrüdern ein. Die bessere Ausbildung der Priesterbrüder gegenüber den Ritterbrüdern entschied dann oftmals auch über den Einsatzort. In seinem Beitrag über die Generalprokuratoren des Ordens seit Mitte des 15. Jahrhunderts stellte JAN-ERIK BEUTTEL (Regensburg) die Bestrebungen der preußischen Ordensführung dar, dieses Amt an der römischen Kurie einem Ritterbruder zu übertragen. Da sich an die anspruchsvolle Aufgabe jedoch Bildungsvoraussetzungen wie etwa grundlegende Kenntnisse des Lateinischen oder des Kirchenrechts knüpften, über die nur ganz wenige Ritterbrüder verfügten, wurde das Amt de facto bis zum Niedergang der Ordensherrschaft in Preußen nahezu ausschließlich von Priesterbrüdern des Ordens versehen. Anhand der Biogramme ausgewählter Amtsinhaber gelang es Beuttel, Zusammenhänge zwischen den Rahmenbedingungen der Verfahren und der schlussendlichen Auswahl der Prokuratoren herzustellen.

Die Entstehung des preußischen Ordenslandes und der dortigen kirchlichen Organisation ermöglichten den geistlichen Mitgliedern des Ordens neben den Pfarrbenefizien auch Positionen in den dortigen Domkapiteln des Ordens. RADOSLAW BISKUP (Torun) wies in seinem Beitrag auf die verschiedenen Faktoren hin, die bei der Besetzung des Bischofsstuhles in einem inkorporierten Bistum ausschlaggebend waren. Am Beispiel der Ballei Utrecht wies ROMBERT STAPEL (Leiden) nach, dass die Priesterbrüder aufgrund ihrer administrativen Führungsaufgaben in der Bedeutung für und innerhalb des Gesamtordens im Zeitraum von 1350 bis 1600 sich unmerklich von den Ritterbrüdern unterschieden. Für die Priester der Ballei Bozen konnte FRANCESCO FILOTICO (Lecce) das verhältnismäßig starke Engagement des Ordens in Seelsorge und Hospitalwesen besonders für das 14. Jahrhundert nachweisen. Aufgrund der überlieferten Quellenlage konnte Filotico auch das Verhältnis zwischen Episkopat und Orden sowie dessen Rolle im politisch-religiösen Leben Südtirols verdeutlichen.

Den „Krisen und Neuanfängen in der Neuzeit“ widmete sich die zweite Sektion. Die Ordensmitglieder DAMIAN HUNGS (Rheinbach) sowie BERNHARD DEMEL (Wien) gingen in ihren Beiträgen den Priestern in den deutschen Balleien bzw. deren Ausbildungswegen nach. Hungs skizzierte Lebensbilder der Priesterbrüder und versuchte über die Wahrnehmungen des Alltags in Seelsorge wie Konventen ihre Identitäten herauszuarbeiten. Demel legte erstmals Quellenstudien zum Ausbildungsprozedere der Stipendiaten des Ordens in Süddeutschland, im Deutschmeistertum, den Balleien Elsass-Burgund und Franken sowie im mährisch-schlesischen Meistertum im Zeitraum von 1525-1809 vor. Der Beitrag Demels legte damit einen Fokus auf die bislang kaum erkannte Bedeutung der für Studienzwecke bereitstehenden Ordensmittel und verwies auf die weitestgehend fehlenden Einzelstudien zu Migration und Ausbildungswegen der Priester und Prädikanten in den übrigen katholischen bzw. protestantisch gewordenen Ordensballeien. Für die Ballei Biesen legte MICHEL VAN DER EYCKEN (Diest) einen Überblick über Priester und –ausbildung dar, welcher sich insbesondere dem 16. – 18. Jahrhundert widmete. Er untersuchte die regionale Streuung der Herkunft der Ordenspriester sowie deren Sprachkenntnisse und brachte dies mit dem lokalen Bildungsengagement des Ordens durch Stiftungen und Schulen in Relation. Die Wandlungen und Umbrüche im 20. Jahrhundert umriss ARNOLD WIELAND (Bozen) indem er die Veränderung der gesellschaftlichen Strukturen auf die strukturelle wie kirchenrechtliche Entwicklung des Ordens untersuchte. Dem Anlass der Tagung gemäß schloss UDO ARNOLD (Bonn) mit einem Lebensbild des Hochmeisters P. Dr. Marian Tumler (1887-1987), indem er nicht nur seinen Einsatz als Generaloberer des Ordens wie auch sein Bemühen um die wissenschaftliche Erforschung der Geschichte des Deutschen Ordens darstellte, sondern Tumler auch als Ordensmann und Menschen würdigte.

Aufgrund teilweise lückenhafter Quellenlage sowie mangelnder Vorstudien versuchten die Beiträge durch exemplarische Fallbeispiele Einzelbilder von Ausbildungsmöglichkeiten wie Karrierechancen der Priesterbrüder innerhalb der Balleien des Ordens in Mittelalter und Früher Neuzeit herauszuarbeiten. Ziel der Tagung war es nicht, ein allgemeines Priesterprofil des Ordens zu präzisieren, sondern differenziert nach räumlichen und zeitlichen Kriterien Überlieferungen priesterlicher Existenz kritisch zu betrachten und sie im regionalen Kontext diachronisch zu untersuchen.

Konferenzübersicht

Sektion 1: Arbeitsfelder im Mittelalter

Klaus Militzer (Köln): Herren der Schriftlichkeit und Verwaltungsfachleute: Kanzler der Hochmeister

Jan-Erik Beuttel (Regensburg): Diplomaten: Generalprokuratoren

Radoslaw Biskup (Torun): Wege zum Bischofsamt in den preußischen Bistümern

Rombert Stapel (Leiden): Seelsorger: Priester in der Ballei Utrecht

Francesco Filotico (Lecce): Priester in der Ballei Etsch im Mittelalter

Sektion 2: Krisen und Neuanfänge in der Neuzeit

Damian Hungs (Rheinbach): Priester in den deutschen Balleien

Michel Van der Eycken (Diest): Priester und Priesterausbildung in der Ballei Biesen vom 16.–18. Jahrhundert

Bernhard Demel (Wien): Seminar- und Priesterausbildung in Süddeutschland (Balleien Franken und Elsass und Deutschmeistertum)

Arnold Wieland (Bozen): Wandel im 20. Jahrhundert: Vom Ritterorden zum klerikalen Orden

Udo Arnold (Bonn): Hochmeister P. Dr. Marian Tumler (1887–1987)

ZitierweiseTagungsbericht Priester im Deutschen Orden. 21.09.2012–22.09.2012, Wien, in: H-Soz-u-Kult, 21.02.2013, <http://hsozkult.geschichte.hu-berlin.de/tagungsberichte/id=4661>.

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