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Zwischen Verbot und öffentlicher Auseinandersetzung: NS-Propaganda im 21. Jahrhundert

 

Informationen zu diesem Beitrag

Veranstalter:Professur für Didaktik der Gesellschaftswissenschaften, RWTH Aachen; Internationales Zeitungsmuseum Aachen; Landeszentrale für politische Bildung Nordrhein-Westfalen
Datum, Ort:29.11.2012-30.11.2012, Aachen

Bericht von:
Katharina Grannemann / Anne Günther / Armin Heinen, Historisches Institut, RWTH Aachen
E-Mail: <katharina.grannemannrwth-aachen.de>; <anne.guentherrwth-aachen.de>; <Armin.Heinenpost.rwth-aachen.de>

„Zwischen Verbot und öffentlicher Auseinandersetzung: NS-Propaganda im 21. Jahrhundert“, so lautete der Titel der interdisziplinär ausgerichteten Tagung, organisiert von der Professur für Didaktik der Gesellschaftswissenschaften (Christian Kuchler - RWTH), dem Internationalen Zeitungsmuseum Aachen und der Landeszentrale für politische Bildung NRW. Geschichtsdidaktiker, Medienwissenschaftler, Historiker und Politologen diskutierten zwei Tage über den heutigen Umgang mit NS-Propaganda in Wissenschaft, Medien und Schule.

PETER LONGERICH (London) eröffnete das erste Panel über die Printpresse als Spiegel der nationalsozialistischen Propaganda mit der Frage nach der Bedeutung der NS-Propaganda für Zeitgenossen und Nachgeborene. Er bezeichnete dabei die Presse als „letzte Geheimquelle des Dritten Reichs“. Anhand zweier Zitate aus dem Völkischen Beobachter und einer Gauzeitung machte Longerich deutlich, mit welchen Mitteln die Deutschen vom nationalsozialistischen Regime zu Mitwissern und Komplizen an der massenhaften Vernichtung der Juden gemacht wurden. Bei der Propaganda handele es sich nicht um Verführung oder Manipulation, sondern um konstruierte Mittäterschaft und Repression. Longerich schlug vor, statt des Begriffes "Propaganda" von einem System der Kontrolle der Öffentlichkeit zu sprechen. Dieses System der Kontrolle bestehe, nach Longerich, aus drei Elementen: Es habe keine Duldung anderer Stimmen und Kritik gegeben; das öffentliche Verhalten des Systems habe sich an der NS-Norm orientiert und die Aufgabe der Propaganda sei es gewesen, ein Verhalten der Zustimmung zu dokumentieren sowie Beweise für den Erfolg der nationalsozialistischen Durchdringung der Gesellschaft zu liefern.

Die Nationalsozialisten hätten, so Longerich, den öffentlichen Raum mit ihrer Propaganda beherrscht und dabei auch Mode, Werbung oder Architektur beeinflusst. Er betonte, dass es durchaus keine totalitäre Uniformität gegeben habe, Widerspruch und Kritik jedoch nur in privaten Halböffentlichkeiten geäußert werden konnten. Es fehlte an einem öffentlichen Meinungsbildungsprozess.

Heute gehe von der Propaganda keine Gefahr mehr aus, da sie auf entschiedenen Widerspruch treffe, andere ästhetische Inszenierungen viel mehr faszinierten und sie deshalb keine Wirkung mehr entfalten könne. Das Verbot von nationalsozialistischer Literatur, wie in den 1950er- und 1960er-Jahren durchaus noch gängig, sei nicht mehr zeitgemäß.

Als zweite Rednerin folgte SANDRA PAWERONSCHITZ (Wien) mit einer vergleichenden Darstellung der Projekte „Zeitungszeugen“ in Deutschland und „NachRichten“ in Österreich. Paweronschitz ging der Frage nach, wieso es im Jahr 2009 in Deutschland zu harscher Kritik an den „Zeitungszeugen“ gekommen sei, während der kommentierte Abdruck von Zeitungen aus der Zeit des Nationalsozialismus in Österreich 2008 auf breite Zustimmung stieß. Anhand von Focusgruppen-Interviews arbeitete Paweronschitz folgende Aspekte heraus: Deutschland betrachte das Thema Nationalsozialismus aus der Sicht des Täterlandes, während sich Österreich in der Opferrolle sehe. Österreich sei außerdem ein kleines, eher homogenes Land, Deutschland hingegen wesentlich größer und heterogener. Die Österreicher hätten das Bedürfnis nach Expertenkommentaren zu den Materialien, Deutsche hingegen würden eine eigenständige, individuelle Rezeption fordern. Das liege unter anderem an dem ausgeprägten Demokratiebewusstsein der Deutschen und einem neuen Selbstbewusstsein. Österreich hingegen trage schon seit 1918 einen Minderwertigkeitskomplex mit sich. Kurz, in Deutschland habe sich ein waches Bewusstsein der Verführbarkeit entwickelt, in Österreich ein Bewusstsein von der Fremdheit und Ohnmacht gegenüber der Geschichte.

Als letzter Referent dieses Panels folgte CHRISTIAN BUNNENBERG (Duisburg-Essen) mit einer Untersuchung zur Nutzbarkeit von Zeitungen als Quelle im Geschichtsunterricht. Die Geschichte des Nationalsozialismus sei eine didaktische Herausforderung für die Lehrkräfte an Schulen. Auch die Wahl der Medien sei schwierig. Zeitungen böten sich als Quellen für den Geschichtsunterricht an, seien allerdings sehr komplex, weil in hohem Maße voraussetzungsvoll. Was eine geschulte Zeitungslektüre zu leisten imstande sei, auch unter den Bedingungen der Diktatur, bewiesen die Aufzeichnungen von Friedrich Kellner. Wenn es gelänge, dessen Lesemethode verständlich und für den Unterricht nutzbar zu machen, erhielten die Schüler einen Einblick in die kritische Zeitungslektüre, die sie selbst nachvollziehen konnten. Freilich erfordere ein solcher Unterricht geschultes Personal und sei nicht allein durch die Lektüre der „Zeitungszeugen“ zu ersetzen.

THOMAS VORDERMAYER (München) eröffnete das zweite Panel mit einem Arbeitsbericht zum aktuellen Editionsprojekt von „Mein Kampf“ am Institut für Zeitgeschichte in München. Die Edition werde wohl neben dem textkritischen Apparat eine ausführliche Einleitung mit der Erläuterung der Editionsrichtlinien und der Publikationsgeschichte, sowie einen Anhang mit der Auflistung von Verkaufs- und Produktionszahlen, Bildern der verschiedenen Ausgaben und einem Personen-, Orts- und Sachregister enthalten. Außerdem stellte Vordermayer die sechs Kernelemente der Edition vor: die Offenlegung von ideen- und ideologiegeschichtlichen Wurzeln als Quellen von Hitlers Weltanschauung, die Ergänzung einseitiger und die Richtigstellung verfälschter Darstellungen, die Klärung biographischer Hintergründe einzelner Textstellen, die Erläuterung und Kontextualisierung allgemeiner zeitgenössischer Topoi, Hinweise auf Kontinuitäten in der späteren politischen Praxis des Dritten Reiches und schließlich den Aufweis der Brüche in der späteren Realität des nationalsozialistischen Regimes. Dabei sei das Ziel, laut Vordermayer, eine historisch-kritische, wissenschaftliche Edition, die vermutlich mindestens vier Bände umfassen werde.

ULRICH BAUMGÄRTNER (München) stellte in seinem Vortrag verschiedene Darstellungen von „Mein Kampf“ in deutschen Geschichtsbüchern vor. Baumgärtner plädierte dafür, verschiedene Kontexte der Quelle „Mein Kampf“ zu beachten: den Entstehungs-, Publikations- und Aufarbeitungskontext, sowie den quellenkundlichen und inhaltlichen Kontext. Bei seiner Betrachtung verschiedener nordrhein-westfälischer Schulbücher wurde deutlich, dass „Mein Kampf“ durchaus eine Rolle in deutschen Geschichtsbüchern spiele, jedoch in völlig unterschiedlichen Formen. Meistens diene „Mein Kampf“ dazu, Hitlers Weltanschauung den Schülern verständlich zu machen. Nur selten gäben die Autoren indes explizite Anleitungen zur Ideologiekritik. Auch auf die Kontinuitätslinien rechten Denkens werde eher selten verwiesen und das Problem der „Rezeption“ von „Mein Kampf“ während des Nationalsozialismus fast überhaupt nicht angesprochen. Eine wirklich kritische Aufarbeitung leiste kein Schulbuch. So befinde sich der Geschichtslehrer in einem Dilemma: Einerseits sei „Mein Kampf“ wie jede andere Quelle zu analysieren, das Buch andererseits deutlich als Hetzschrift zu kennzeichnen.

Als letzter Redner dieses Panels öffnete MARC VAN BERKEL (Rotterdam/Nijmegen) den Blick auf Schulbücher und den Geschichtsunterricht in den Niederlanden. Die Parallelen zu Deutschland seien auffallend, denn auch in den Niederlanden sei das Buch verboten worden. In den Schulbüchern werde es dennoch zitiert, als Kerntext eines aggressiven, antichristlichen Nationalismus und als Schlüssel zur totalitären Überwältigung der Niederlande. Mit dem Abklingen des Kalten Krieges hätte sich auch das Interesse an „Mein Kampf“ verringert, so dass es in den heutigen Schulbüchern nur noch selten zitiert werde und wenn doch, dann aus einer vergleichsweise naiven Sicht. Insgesamt hätten die niederländischen Schulbücher die aktuellen Debatten kaum aufgenommen, auch deshalb, weil der Geschichtsunterricht weit weniger eng mit der Forschung verbunden sei als in Deutschland.

ARMIN HEINEN (Aachen) leitete die darauf folgende angeregte Diskussion, in der besonders die Frage nach dem angemessenen didaktischen Umgang mit „Mein Kampf“ in den Schulen im Vordergrund stand. Außerdem wurden verschiedene Kritikpunkte an dem neuen Editionsprojekt erörtert, das grundsätzliche Vorhaben einer kritischen Edition von „Mein Kampf“ jedoch begrüßt.

Am Nachmittag warb MOSHE ZIMMERMANN (Jerusalem) für einen Perspektivwechsel. Wie, so lautete seine Frage, gehen die Opfer und ihre Nachfahren mit der NS-Propaganda um? Zeitungen seien dabei für die Israelis am wenigsten relevant, da die Zeitungen nur auf deutsch publiziert worden seien. Daher prägten weder die nationalsozialistischen Zeitungen noch die zeitgenössischen jüdischen Presseorgane das israelische Geschichtsbild. Wichtigste Grundlage für das Wissen um den Nationalsozialismus seitens israelischer Bürger seien filmische Aufnahmen. Dabei sei allerdings, so Zimmermann, ein Bild entstanden, dass vom Feind geprägt worden sei. Im Folgenden zählte er einige Beispiele auf: Es gäbe das Bild des Diaspora-Juden, der alle Eigenschaften der nationalsozialistischen Propaganda aufweise, und es gäbe das Bild des deutschen Juden, der alle Wesenszüge des „Deutschen“ habe. Dies zeige, dass man zum einen das nationalsozialistische Judenbild aufgreife, aber auch über die Imagination des deutschen Juden das Opfer mit dem Täter verwechseln könne. Zimmermann arbeitete außerdem die Paradoxie heraus, dass die Opfer die NS-Propaganda für eigene politische Zwecke instrumentalisierten. Wie schwierig der Umgang mit den durch den Nationalsozialismus geprägten Bildern sei, zeige das Bild von Kampfflugzeugen über Auschwitz, die die Stärke und Verteidigungskraft der Juden verdeutlichen sollten. So sei es nicht die von der NS-Propaganda ausgehende Bedrohung, die die israelische Öffentlichkeit beherrsche (in diesem Sinne gäbe es keinen Vorbehalt gegenüber einem offenen Umgang mit dem NS-Material), sondern das unbewusste Gefangensein in deren Bildern.

Am Abend konnten sich die Besucher der Tagung zwischen der Teilnahme an zwei verschiedenen thematischen Workshops entscheiden.

Im ersten Workshop „NS-Propaganda im Museum“ referierten STEFANIE PAUFLER-GERLACH (Aachen) und ANDREAS DÜSPOHL (Aachen) über Chancen und Aufgaben einer musealen Präsentation von nationalsozialistischen Objekten im Museum. Weil die Objekte, so das Fazit, noch nicht „musealen“ Status gewonnen hätten, noch nicht wirklich fremd seien, sondern eingebunden wären in das „kommunikative Gedächtnis“, bedürften sie einer besonderen Form der Inszenierung und Kontextualisierung.

Im zweiten Workshop setzte sich DANIEL KRÜGER (Berlin) mit der Frage nach der Bedeutung von NS-Propagandatexten für heutige Neonazis auseinander. Die nationalsozialistischen Texte seien Teil ihrer politisch-kulturellen Identität. Außerdem fänden sie dort ihr spezifisches Weltbild erläutert und die jeweils eigenen Wertevorstellungen der rechtsextremen Szene dargestellt. Originalausgaben von Werken wie „Mein Kampf“ würden wie Trophäen gehandelt.

Am zweiten Tag eröffnete CLEMENS ZIMMERMANN (Saarbrücken) das dritte Panel. Im Zentrum standen der Film, die „Institution Kino“ und das Zuschauerverhalten während des Zweiten Weltkrieges und damit die Hinwendung zur sozialen Praxis des Medienerlebens. Kinoarchitektur, das Erlebnis der Vorführung und die Filme selbst seien als Event inszeniert worden und spiegelten damit die vorangehende Amerikanisierung dieses gesellschaftlichen Teilbereiches (Starkult, Werbung, Plakate, starke Frauenrollen). Der kommerzielle Erfolg musste gelingen, denn die Filmproduktionen im Dritten Reich verschlagen enormen Summen. Da die Propagandafilme, an die wir heute zuerst denken, nur selten Publikumsmagneten waren, galt es, die Neugier und das Unterhaltungsbedürfnis der Menschen mit klassischen Spielfilmen und Melodramen zu befriedigen. Dokumentarfilme und Kriminalgeschichten, wie sie die amerikanische Filmindustrie erfolgreich vermarktete, schieden aus propagandistischen Gründen aus. So waren es die seichten Liebesdramen, Historienspiele und Heimatfilme, die die Menschen von den Kriegswirren ablenkten. Im Kino trafen ganz unterschiedliche Wahrnehmungen und Bedürfnisse von Zuschauern, Schauerspielern, Regisseuren, Geldgebern und nationalsozialistischen Politikern aufeinander. In ihm wurden die Grenzen diktatorialer Einflussnahme mit verhandelt. Höchst aufschlussreich sind daher die Erfahrungsberichte von Kinobesitzern und die Stimmungsmeldungen der Geheimpolizei. Generell könne man also nicht von einer „Volksgemeinschaft vor der Leinwand“ (Gerhard Stahr) sprechen, so Zimmermann.

Im zweiten Vortrag unter der Überschrift „Aufarbeitung der NS-Verbrechen oder Wiederkehr nationalsozialistischer Bildwelten? NS-Filmaufnahmen in den Dokumentarfilmen der Bundesrepublik“ analysierte RENÉ SCHLOTT (Gießen) die filmischen Mittel, mit denen Regisseure nach 1945 versuchten, das überlieferte Filmmaterial zu verfremden und für den kritischen Zuschauer aufzubereiten. In vielen Fällen scheiterte das Vorhaben, weil die faschistische Ästhetik ungebrochen reproduziert wurde. Schlott schloss seinen Vortrag mit fünf Vorschlägen zum Umgang mit NS-Propagandamaterialien: (1) Isolierung: Man solle Ton und Bild nicht gemeinsam ablaufen lassen, da die Wirkung aus der Symbiose von beidem resultieren würde, (2) Multiperspektivierung, wie z.B. ein Vergleich zwischen Wochenschaubildern und Nachrichtensendungen aus Nachbarländern, (3) Kontextualisierung, (4) Kontrastierung: Man solle der Täterperspektive auch eine Opferperspektive entgegenstellen und (5) die Demaskierung, wie beispielsweise Schnitte setzen oder die Aufnahmen rückwärts laufen lassen.

BENJAMIN STÄDTER (Dorsten) schloss das Panel mit einem Blick auf die Verwendung von NS-Spielfilmen im Geschichtsunterricht. Zwar sei der Stundenplan sehr knapp bemessen, doch würden in den philologischen und anderen geisteswissenschaftlichen Fächern sowie außerhalb der Schule Wissen und Kompetenzen vermittelt, auf die zurückgegriffen werden könne. Auf diesem Fundament könne und solle der Unterricht aufbauen. Wenn dann noch der Spielfilm in zentralen Ausschnitten vorgeführt werde, seien die Schüler zu ertragreichen Analysen in der Lage. Im ersten Schritt der Filmanalyse müsse die Suggestion des Filmes zugelassen und im zweiten Schritt die Dekonstruktion des Spielfilms angestrebt werden.

In der anschließenden Diskussion unter der Leitung von GUIDO HITZE (Landeszentrale für politische Bildung) entstand die Frage, inwieweit die Dokumentationen über den Nationalsozialismus Aufschluss über die visuelle Kultur der jeweiligen Zeit erlaubten und ob das von Schott vorgeschlagene Schema der Verfremdung zu schematisch angelegt sei. Andere Diskutanten regten für eine spätere Tagung an, auch die Filmmusik zu thematisieren.

HELMUT KÖNIG (Aachen) entwickelte in seinem abschließenden Vortrag ein Gegenkonzept zur Idee einer gelenkten Öffentlichkeit, wie sie Peter Longerich eingangs vorgestellt hatte. Deshalb plädierte er für eine genaue Analyse des Propagandabegriffs. Der Terminus Propaganda spreche zwei Elemente an. Erstens die geplante, rationale Konstruktion des schönen Scheins. Darauf sei die Tagung ausführlich eingegangen. Zweitens aber – und hierzu sei noch kaum etwas gesagt worden – müsse auch die Ebene der Wünsche und Bedürfnisse berücksichtigt werden. Anhand der Kurzgeschichte „Mario und der Zauberer“ von Thomas Mann analysierte König anschließend drei Aspekte: Die Techniken der Propaganda, das heißt die rationale Seite der Propaganda, die Bedürfnisseite, sowie die Grenzen der rationalen Manipulation. Offensichtlich gäbe es Grenzen einer ausschließlich rational begründeten Verweigerung gegenüber Verführung, so wie umgekehrt die Verführbarkeit ihre Grenzen in der fundamentalen Bedürfnisstruktur der Menschen finde. Der Widerstand müsse deshalb immer die emotionale Seite des Menschen ansprechen.

NS-Propaganda im 21. Jahrhundert, so lässt sich resümieren, ist ein vielschichtiger Untersuchungsgegenstand. Während der Tagung sind mehrere Ebenen von Propaganda sichtbar geworden. So haben einige Beiträge die Konstruktion der Propaganda des nationalsozialistischen Regimes beleuchtet und Strukturelemente herausgearbeitet. Dabei muss die zeitgenössische Anziehungskraft der Propaganda und deren heutige Wirkung berücksichtig werden. Propagandistisches Material könne und solle, so die einhellige Meinung, im Unterricht verwendet werden, jedoch nur mit inhaltlicher Vorbereitung und Begleitung durch geschultes Lehrpersonal.

Konferenübersicht:

Begrüßung und Eröffnung der Tagung
Andreas Düspohl (IZM Aachen)
Guido Hitze (Landeszentrale politische Bildung NRW)
Christian Kuchler (RWTH Aachen)

Panel I: Printpresse als Spiegel der NS-Propaganda

Peter Longerich (London): Bedeutung der NS-Propaganda für Zeitgenossen und Nachgeborene

Sandra Paweronschitz (Wien): Zeitungen der NS-Zeit für ein breites Publikum – „NachRichten“ in Österreich und „Zeitungszeugen“ in Deutschland

Christian Bunnenberg (Duisburg-Essen): Der Reiz der NS-Presse für das historische Lernen

Diskussion

Panel II: „Mein Kampf“ als Gegenstand des öffentlichen Interesses

Thomas Vordermayer (München): „Mein Kampf“ als wissenschaftliche Edition

Ulrich Baumgärtner (München): „Mein Kampf“ in deutschen Geschichtsbüchern

Marc van Berkel (Nijmegen): „Mein Kampf“ in Lehrmitteln außerhalb Deutschlands

Diskussion

Vortrag: Umgang mit NS-Propaganda aus internationaler Sicht

Moshe Zimmermann (Jerusalem): Wie die Erben der Opfer mit der Propaganda der Täter umgehen

Diskussion

Workshop I: Propaganda im Museum

Andreas Düspohl (Aachen): NS-Publikationen im internationalen Zeitungsmuseum Aachen

Stefanie Paufler-Gerlach (Aachen): NS-Propaganda im Museum

Workshop II: NS-Propaganda und heutige Neonazis

Daniel Krüger (Berlin): Bedeutung von NS-Texten für Neonazis heute

Panel III: Ideologie im Kino: Umgang mit NS-Filmen

Clemens Zimmermann (Saarbrücken): Film und Kino im Nationalsozialismus – Politische Strategien und soziale Praxis

René Schlott (Gießen): Aufarbeitung der NS-Verbrechen oder Wiederkehr nationalsozialistischer Bildwelten? NS-Filmaufnahmen in den Dokumentarfilmen der Bundesrepublik

Benjamin Städter (Dorsten): NS-Filme im Schulunterricht – Medienhistorische Zugänge in der schulpraktischen Vermittlung des Nationalsozialismus

Diskussion

Tagungsbilanz

Helmut König (Aachen): NS-Propaganda als Teil der Erinnerungskultur

ZitierweiseTagungsbericht Zwischen Verbot und öffentlicher Auseinandersetzung: NS-Propaganda im 21. Jahrhundert. 29.11.2012-30.11.2012, Aachen, in: H-Soz-u-Kult, 04.02.2013, <http://hsozkult.geschichte.hu-berlin.de/tagungsberichte/id=4631>.

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