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Wahrnehmung, Kommunikation und Bewältigung industrieller Katastrophen vom 18. bis zum 21. Jahrhundert: Bergbau – Chemieindustrie – Kernenergie

 

Informationen zu diesem Beitrag

Veranstalter:Katja Patzel-Mattern, Universität Heidelberg; Clemens Wischermann / Bernhard Kleeberg, Universität Konstanz
Datum, Ort:22.03.2012–24.03.2012, Konstanz

Bericht von:
Thilo Jungkind, Universität Konstanz; Albrecht Franz, Universität Heidelberg
E-Mail: <thilo.jungkinduni-konstanz.de>; <albrecht.franzzegk.uni-heidelberg.de>

Zu Beginn des ersten Panels: „Vorsorge und Versicherung“ fragte CHRISTOPH WEHNER (Bochum) in Bezug auf das zu versichernde Vernichtungspotential der „friedlichen“ Nutzung der Kernenergie nach der Wahrnehmung und den konkreten risikopolitischen Maßnahmen der privaten Versicherungswirtschaft und der Öffentlichkeit. Wehner schilderte die Folgen des Atomic Energy Acts für die USA, sowie die restriktive Risikopolitik der deutschen Versicherungsunternehmen. Im Ergebnis konstatierte der Referent eine Diffusion der Versicherungsfrage in die gesellschaftliche Risikokommunikation – in den USA früher und weitreichender als in der Bundesrepublik. Wichtig war es Wehner, die vielschichtigen Verlaufsformen von Expertenwissen herauszustreichen. Während in der technokratischen Beherrschungsemphase der 1950er- und 1960er-Jahre die Möglichkeit einer Atomkatastrophe überwiegend irreal erschien, rückte sie in den 1970er-Jahren zunehmend in den Bereich des Möglichen. Die Versicherungen und deren Risikopolitik seien im Verlauf der Atomkontroversen mehr und mehr in die Kronzeugenrolle in der Verhandlung über Gefahren der Industriegesellschaft verfallen.

Der Medizinhistoriker SEBASTIAN KNOLL-JUNG (Stuttgart) fragte in seinem Vortrag: Ist ein Massenunglück nur ein Arbeitsunfall mit mehreren Opfern? Er verglich beide Formen von Unfällen anhand der öffentlichen Wahrnehmung, der Unfallerfahrung und der Unfallpraxis der Arbeiter im betrieblichen Alltag sowie der Unfallversicherungspraxis im Kaiserreich und der Weimarer Republik. Das Gefahrenbewusstsein bzw. die Unfallerfahrungen zwischen Massen- und Einzelunfällen der Arbeiter hätte sich nach Knoll-Jung hauptsächlich im Schreck- und Schockverhalten unterschieden. Die historische Versicherungspraxis zwischen Einzel- und Massenunfällen unterschied sich erstens in der Prävention, zweitens in der Rettung und Heilsbehandlung, die sich im Forschungszeitraum professionalisierte, und schließlich drittens in der Entschädigungspraxis. Hier konstatierte der Referent, es hätte sich lediglich eine schnellere Rentenzahlung durchgesetzt, wobei man eine eigene Kategorie für Massenunfälle vergeblich suche.

SEBASTIAN HAUMANN (Darmstadt) sprach über die Katastrophenvermeidung im Kalkabbau des 19. Jahrhunderts. Auf den ersten Blick möchte man nach Haumann verleitet sein, dort keine katastrophenträchtigen Vorkommnisse zu vermuten. Jedoch hätte der industrialisierte Kalkabbau aufgrund geologischer und technischer Schwierigkeiten zu problematischen Verhältnissen zwischen abbauenden Unternehmen und Anrainern geführt, die hauptsächlich auf die räumliche Nähe und die daraus folgenden Gefahrenpotentiale bei Sprengungen zurückgingen. Es habe sich, so der Referent, ein schwieriger Aushandlungsprozess zwischen Grundstückbesitzern und Unternehmen formiert, der sich zwar auf Katastrophenvorstellungen stützte, die sich jedoch aufgrund der natürlichen Gegebenheiten gar nicht hätten ereignen können. Haumann strich ein dicht verzweigtes Akteursnetz heraus, das dazu beitrug, die Probleme nicht systematisch anzugehen, sondern in erster Linie Interessen der politischen, privaten und ökonomischen Akteure zu berücksichtigen.

BARBARA ADAMS (Cardiff) sprach über katastrophale Ereignisse im Kontext zeitlicher Bezüge. Die Kategorie Zeit / Zeitlichkeit (temporality) diente der Referentin dabei als rekursiver Bezugsrahmen, um Brüche und vernichtete Erwartungen an zukünftige Ordnungen zu exemplifizieren. Durch einen solchen Zugang, so Adams, würden die üblicherweise in der Katastrophenforschung verwendeten Beschreibungsformen über Vorhersehbarkeiten / Wahrscheinlichkeiten, Schutz und zukünftige Ordnungswiederherstellung obsolet. Der Grund läge in der Eigenschaft von Katastrophen, zeitliche Bezugsrahmen zu vernichten. Die Referentin leistete mit ihren Überlegungen einen höchst interessanten Beitrag aus einer sozialwissenschaftlichen Sicht, vor allem in Bezug auf die gesellschaftlichen Anpassungsprozesse, die zwischen Katastrophenereignissen liegen.

ANDREAS SCHWARZ (Illmenau) stellte im Rahmen des zweiten Panels: „Wahrnehmung und Kommunikation“ ein Projekt vor, das sich mit dem Einfluss von „Kultur“ auf Krisendeutung und Krisenkommunikation befasst. Theoretische und methodische Konsequenzen, die sich aus dieser Hypothese ableiten können, sowie praktische Implikationen für ein grenzüberschreitendes Krisenkommunikationsmanagement standen daher im Vordergrund des Beitrags. Thesenartig ging es Schwarz um die empirische Darstellung des Einflusses von regionalen Räumen und ihren spezifischen Verhandlungsmustern selbst in globalen Krisen, respektive Katastrophen. Krisen seien aufgrund existierender Werte- und Normenmuster in hohem Maße beobachterabhängig. Was also zur Krise bzw. Katastrophe erhoben wird, sei raum- und zeitabhängig. In einem letzten Schritt ging es dem Referenten darum, mögliche Organisationskulturen aufzuzeigen, die diesen Annahmen entsprechend besonders krisenanfällig/ krisenresistent seien.

NEENA GUPTA-BIENER (Konstanz) zielte in ihrem Beitrag auf den Einfluss kultureller Prädispositionen auf die Katastrophen-Kommunikation. Das Anliegen von Gupta-Biener war es, einen neuen theoretischen Zugang vorzustellen, wie Katastrophen-Kommunikation zwischen Institutionen in unterschiedlichen Kulturräumen analysiert werden kann. Dazu stellte sie das Semiosphären-Konzept von Yuri Lotmann vor, um die Beziehung zwischen nationaler Kultur, Institution und „Kommunikations-Kultur“ herzustellen. Es schloss sich eine rege Diskussion über die Funktionalität des Semiosphären-Konzepts im Kontext von Katastrophen-Kommunikation an. Grund hierfür waren Zweifel, ob das Lotmansche Konzept wirklich die komplexen Eigendynamiken zwischen Akteuren im Katastrophenfall und der dann notwendig werdenden Kommunikation erfassen kann.

KARENA KALMBACH (Florenz) stellte ihr vergleichs- und transfergeschichtliches Dissertationsprojekt vor, in dem sie sich mit der medialen Verarbeitung des Tschernobyl-GAUs in Frankreich, Italien und Großbritannien beschäftigt. Die Referentin fragte nach den Ursachen der sehr unterschiedlichen Reaktionen auf den atomaren Unfall in westeuropäischen Ländern. Das besondere Anliegen Kalmbachs war dabei die Herausarbeitung der variierenden Bilderwelten des Unglücks in den besagten Ländern. Dazu systematisierte sie innerhalb des Vortrags drei Vergleichskategorien: Selbstbetroffenheit, die konkurrierenden Meta-Narrative „Apokalypse“ und „Radiophobie“ sowie die Rolle der Tschernobyl-Solidaritätsbewegung.

CHRISTIAN HALLER (Mannheim) griff einen bislang wenig beachteten Strang der Katastrophenwahrnehmung des BASF-Explosionsunglücks in Oppau 1921 heraus, indem er die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit den Unglücksursachen in Fachzeitschriften in den Blick nahm. Die Diskussion um die möglichen Gründe war zunächst geprägt von Spekulationen, erst Jahre später publizierten zum Beispiel Sachverständige der Chemisch-Technischen Reichsanstalt die Ergebnisse ihrer Rekonstruktion des Unglücks. Allerdings fanden ihre Erkenntnisse kaum Eingang in die Ursachendebatte, was im Anschluss an den Vortrag Anlass zur Diskussion darüber gab, welchen Akteursgruppen es gelingt, sich im Krisendiskurs als Experten zu generieren. Im Zuge dessen wurde deutlich, welche Rolle sowohl mediale Produktionslogiken als auch bestimmte Narrationen spielen, die im Krisenfall bedient werden wollen.

STEFAN BÖSCHEN (Augsburg) nahm eine erzähltheoretische Perspektive auf Krisenkommunikation ein. Gerade Krisenereignisse, so die Ausgangsthese, bringen bestehende Erzählungen – wie die eines beständigen Fortschritts – durcheinander. Dementsprechend müssten narrative Bewältigungsstrategien gefunden werden, um Vertrauen wiederherzustellen, zum Beispiel indem ein Unglück als Ausnahme dargestellt wird. Diese Strategien folgten auch den Erwartungen des Publikums, denn in der öffentlichen Kultur seien bestimmte Ordnungen des Sagbaren angelegt. Böschen verdeutlichte diese Zusammenhänge am Beispiel eines Unfalls bei Hoechst in Griesheim 1993: Obwohl die Unfälle im Rahmen des Erwartbaren einer chemischen Produktion lagen, verfestigte sich in der Debatte darum rasch eine Narration, die dem Unternehmen die Rolle des „Bösewichts“ zuschrieb. Der Vortrag verdeutlichte damit, wie stark Krisenkommunikation von der Notwendigkeit geprägt ist, nach dem Unglück eine schlüssige Geschichte zu „erzählen“, um das Ereignis bewältigbar erscheinen zu lassen.

LIONEL LOEW (Basel) untersuchte in seinem Beitrag die öffentliche Wahrnehmung des Unglücks von Seveso 1976 als Symbol und Symptom der Krisenwahrnehmung gleichermaßen. Das Chemieunglück von Seveso sei nicht aufgrund seiner tatsächlichen Schwere zum Symbol geworden, sondern weil im industriekritischen Kontext der 1970er-Jahre die Wahrnehmung des Vorfalls bereits vorgezeichnet gewesen sei. Obwohl niemand aufgrund der Explosion oder ihrer Folgen sein Leben verlor, wirkte die symbolische Bedeutung von Seveso lange Zeit nach, wie Loew anhand einer WDR-Dokumentation zeigte, die noch 1993 die Ängste und Mythen rund um Seveso wieder aufnahm. Diese mediale Aufladung des Ereignisses sei auch auf die Krisenkommunikation der Firma La Roche zurückzuführen: sie sei in ihren Entwürfen eines Gegenbildes auch in der Selbstbeschreibung dem Topos von „gut“ und „böse“ in der Krisenwahrnehmung nicht entkommen. Auch der von Loew geschilderte Fall verweist damit auf die prägende Wirkung und die Eigenmacht der Narration bei der Verhandlung von Krisenereignissen.

THILO JUNGKIND (Konstanz) fragte nach dem Einfluss gesellschaftlichen Wertewandels auf die Risikokommunikation in der chemischen Industrie Deutschlands nach 1945. Der Wandel gesellschaftlicher Sinnzuschreibungen gegenüber der Chemieindustrie seit den 1970er-Jahren habe zu einer Veränderung des Selbstverständnisses der Firmen geführt. Bis in die 1960er-Jahre seien Unfälle von der Bevölkerung als Preis für wirtschaftlichen Fortschritt in Kauf genommen worden. Die Krisenkommunikation war entsprechend von einem autoritären Stil geprägt. Im Laufe der 1960er- und 1970er-Jahre seien die Unternehmen mit dieser Haltung jedoch zunehmend auf Widerstand gestoßen, was sie dazu veranlasst habe, vor allem seit den späten 1970er-Jahren durch aktive Dialogstrategien mit Bevölkerung und Behörden die Daseinsberechtigung der chemischen Industrie zu legitimieren. Jungkind zeigte damit, wie rasch die Krisenkommunikation auf gesellschaftlich-kulturelle Veränderungen reagierte.

STEFANIE VAN DE KERKHOF (Mannheim) nahm mit der PR der deutschen Rüstungsindustrie am Ende des Kalten Krieges ein ähnlich gelagertes Phänomen in den Blick. In den 1980er-Jahren befand sich die Rüstungsindustrie in einer Vertrauens- und Legitimitätskrise. Konfrontiert mit einer zunehmend kritischen Öffentlichkeit gab das Unternehmen Rheinmetall seit 1979 mehrere Studien in Auftrag, mit Hilfe derer die Akzeptanz des Unternehmens in der Bevölkerung ermittelt werden sollte. Aus den Ergebnissen wurden, so Kerkhof, konkrete Werbeinstrumente zur Bearbeitung verschiedener für das Unternehmen relevanter Teilöffentlichkeiten abgeleitet: Neben den Kunden auch eine breitere Öffentlichkeit. Entsprechend wurden die Produkte häufig kriegsfern inszeniert. Van de Kerkhof betonte dabei, dass diese Form der Öffentlichkeitsarbeit gerade in der Rüstungsindustrie auf lange Traditionen zurückblicken könne – bis hin zur Benennung und Ikonographie von Kriegsmaterial in Anlehnung an das Tierreich.

Das dritte Panel „Sinnstiftung und Zukunftsgestaltung“ wurde von ALFRED RECKENDREES (Kopenhagen) eröffnet. 1834 ereignete sich in der Grube Gouley das schwerste Bergunglück im preußischen Kohlebergbau in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Anhand dieses Beispiels ging Alfred Reckendrees der Frage nach, wie die Kommunikation über das Ereignis unter den medialen Bedingungen des frühen 19. Jahrhunderts ablief. Erst rund eine Woche nach dem Unglück berichteten die überregionalen Zeitungen, ihre Artikel hätten den Charakter offizieller Mitteilungen gehabt und kolportierten vor allem die seitens der Behörden ergriffenen Maßnahmen. Erst nach und nach thematisierten die Artikel auch die Menschen und ihre Leiden. Einen medialen wie auch symbolischen Abschluss fand die Kommunikation über das Ereignis in Form einer zugunsten der Hinterbliebenen veranstalteten Hauskollekte. Mit dieser Spendensammlung als einer direkten bzw. mündlichen Form der Krisenkommunikation sprach Reckendrees darüber hinaus eine Ebene der Krisenkommunikation an, die bislang im Rahmen des Netzwerks noch nicht thematisiert wurde.

KATJA PATZEL-MATTERN (Heidelberg) setzte sich mit der sprachlichen und bildlichen Aneignung der BASF-Explosionsunglücke 1921 und 1948 auseinander. Die narrative Verarbeitung dieser Unglücke sei Bestandteil der Notwendigkeit, die durch sie entstandenen Brüche zu überwinden und könne damit als eine Form der Krisenbewältigung gelten. In beiden Fällen war die eng mit dem Werk verbundene Bevölkerung mitten im Wiederaufbau erneut mit Tod und massiven Zerstörungen von Eigentum konfrontiert, die „Nachkriegsnormalität“ wurde erschüttert. Sprachlich wie auch bildlich sei dieser Umstand in gängige Erzählmuster eingeordnet worden. Die stillstehende Uhr war ein solches Motiv, mittels dessen die unterbrochene Kontinuität angezeigt worden sei. Durch derartige sprachliche Strategien werde das empfundene „unfassbare Grauen“ erfahrbar gemacht. Gerade die narrativen Strategien zur Thematisierung des Bruchs zeigten, wie die Verlusterfahrung räumlich und zeitlich begrenzt und gleichzeitig traditionalisiert werde.

CONSTANTIN CANAVAS (Hamburg) befasste sich am Beispiel des Unglücks in der Insektizidanlage des amerikanischen Konzerns Union Carbide im indischen Bhopal 1984 mit der Zuweisung von Orten und Symbolen der Erinnerung an das Ereignis in der Zeit nach der Katastrophe. Die Diskussion darüber, was mit dem Ort der Katastrophe geschehen soll, sei bis heute nicht abgeschlossen. Gerade das Beispiel Bhopal zeige daher, wie schwierig es ist, den Schauplatz einer industriellen Katastrophe in ein geordnetes Gedenken zu überführen. Die Verhandlungen darüber seien nicht nur an einer Verständigung darüber gescheitert, was erinnert werden sollte, sondern auch an der damit verbundenen Frage, was vergessen werden dürfe. Mit der Aushandlung dessen, was im Anschluss an Krisenereignisse nicht erinnert werden soll, sprach Canavas einen weiteren wichtigen Aspekt der Krisenkommunikation an, der bislang unterrepräsentiert blieb.

Die Vorträge der Abschlusstagung griffen Aspekte der industriellen Krisenkommunikation auf, die bereits im Rahmen der bisherigen vier Treffen des seit 2010 bestehenden Netzwerks als zentrale Merkmale identifiziert wurden. Als Ergebnis des Netzwerks ist damit festzuhalten, dass, erstens, Stör- und Unfälle als manifest gewordene Risiken zu verstehen sind, die ihre Wirkung erst durch natürliche und soziale Aspekte erhalten. Zweitens führen sie dadurch zu einer Destabilisierung und Delegitimierung bestehender Institutionen. Drittens fällt in dieser Situation der Kommunikation des verursachenden Unternehmens eine zentrale Rolle in pluralistischen und partizipationsbereiten Gesellschaften zu. Der Grund dafür liegt viertens in der (nicht zu jeder Zeit zu erkennenden) kompromissorientierten Aushandlung, die in der Folge von Störfällen nötig wird, um neues Vertrauen zwischen Verursachern und Betroffenen herzustellen. Fünftens lässt sich daraus auf die zentrale Bedeutung narrativer Strukturen schließen, die in der Folge von industriellen Un- und Störfallen aktiviert werden, um eine neue Ordnung zu schaffen. Mit diesen Ergebnissen, insbesondere in Bezug auf die Wahrnehmung von industriellen Krisenereignissen, haben die Netzwerk-Tagungen zahlreiche neue Perspektiven auf die Bedeutung von Unglücken erproben und etablieren können. Die Vorträge der Abschlusstagung haben insbesondere deutlich gemacht, dass sich Krisenkommunikation keinesfalls auf eine Strategie reduzieren lässt, sondern grundsätzlich als Teil lokaler, gesellschaftlicher oder kultureller Aushandlungsprozesse verstanden werden muss – nicht zuletzt um den Stellenwert potentiell gefährlicher Produktionsformen an sich.

Konferenzübersicht:

Panel 1: Vorsorge und Versicherung
Moderation: Clemens Wischermann (Konstanz)

Christoph Wehner (Bochum): Insuring the Atom. Versicherungsexpertise, Sicherheitsproduktion und Atomgefahr in den USA und der Bundesrepublik, 1953–1979

Sebastian Knoll-Jung (Stuttgart): Ist ein Massenunglück nur ein Arbeitsunfall mit mehreren Opfern? – Öffentliche Wahrnehmung, Unfallerfahrungen und Unfallversicherungspraxis im Kaiserreich und der Weimarer Republik

Sebastian Haumann (Darmstadt): Katastrophenvermeidung im Kalkabbau des 19. Jh.: technologische Entwicklung, Regulierung und Materialität

Barbara Adam (Cardiff): Catastrophe through a temporal lens

Panel 2: Wahrnehmung und Kommunikation
Teil 1, Moderation: Bernhard Kleeberg (Konstanz)

Andreas Schwarz (Illmenau): Industrielle Katastrophen im internationalen Kontext. Überlegungen zum Einfluss von Kultur auf Krisenkommunikation und Krisendeutung

Neena Gupta-Biener (Konstanz): Influence of Culture on Communication of Disasters: A New Theoretical Approach for Analyzing Communication and Discourse between Institutions in Different Cultures

Karena Kalmbach (Florenz): Tschernobyl in Westeuropa. Ansätze zu einer vergleichs- und transfergeschichtlichen Studie zum Umgang mit dem Atomunfall in Frankreich, Italien und Großbritannien

Christian Haller (Mannheim): Katastrophenwahrnehmung und -verarbeitung in Fachzeitschriften am Beispiel des Explosionsunglücks der BASF vom 21. September 1921

Teil 2, Moderation: Reinhold Reith (Salzburg)

Stefan Böschen (Augsburg): Krisenkommunikation und wissenskulturelle Differenz

Lionel Loew (Basel): Seveso 1976: Wahrnehmung und Kommunikationskrise

Thilo Jungkind (Konstanz): Risikokommunikation als Kulturprodukt – das Beispiel der deutschen Chemischen Industrie nach 1945

Stefanie van de Kerkhof (Mannheim): Public Relations als Instrument der Krisenbewältigung in der deutschen Rüstungsindustrie am Ende des Kalten Krieges

Panel 3: Sinnstiftung und Zukunftsgestaltung
Moderation: Frank Uekötter (München)

Alfred Reckendrees (Kopenhagen): Das Unglück auf der Grube Gouley 1834

Katja Patzel-Mattern (Heidelberg): Stillstand oder Weiterschreiten? Zur sprachlichen Aneignung industrieller Unfälle, BASF 1921 und 1948

Constantin Canavas (Hamburg): Negotiating the Future of Disaster. Perspectives Concerning Sites with Catastrophe Heritage

ZitierweiseTagungsbericht Wahrnehmung, Kommunikation und Bewältigung industrieller Katastrophen vom 18. bis zum 21. Jahrhundert: Bergbau – Chemieindustrie – Kernenergie. 22.03.2012–24.03.2012, Konstanz, in: H-Soz-Kult, 18.09.2012, <http://hsozkult.geschichte.hu-berlin.de/tagungsberichte/id=4381>.

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