Erinnerungskultur in westeuropäischer Perspektive: Niederlande, Belgien, Luxemburg und Deutschland (39. Bundesweites Gedenkstättenseminar)

Erinnerungskultur in westeuropäischer Perspektive: Niederlande, Belgien, Luxemburg und Deutschland (39. Bundesweites Gedenkstättenseminar)

Organisatoren
Villa ten Hompel, Münster; Stiftung Topographie des Terrors, Berlin; Bundeszentrale für politische Bildung, Bonn
Ort
Münster
Land
Deutschland
Vom - Bis
22.05.2003 - 25.05.2003
Url der Konferenzwebsite
Von
Krijn Thijs, Zentrum für Zeithistorische Forschung Potsdam

Gefördert von der Bundeszentrale für politische Bildung

Vergleichen, Austauschen, Abstimmen? Niederländische und deutsche Erinnerungskultur

Wenn es zutrifft, dass Europa eine eigene Geschichte braucht, um über nationale Ebenen hinweg identitätsstiftend wirken zu können, so könnte man das 39. Gedenkstättenseminar als europäische Musterveranstaltung sehen. Die viertägige Veranstaltung in Münster versprach einen erinnerungskulturellen Austausch zwischen den Beneluxstaaten und der Bundesrepublik; sie brachte rund achtzig Fachhistoriker, Gedenkstättenmitarbeiter und engagierte Bürger aus vier westeuropäischen Ländern zusammen. Auch wenn man der zunehmenden Neigung zur „Europäisierung der Vergangenheit“1 skeptisch gegenüberstehen mag, war die Tagung spannend, belegte sie doch an vielen Stellen die grundsätzliche Verschiedenheit der benachbarten Erinnerungslandschaften und die Schwierigkeiten einer Perspektivenverschmelzung. Das gelungene Seminar wurde von dieser anregenden Spannung stets begleitet, auch wenn sie durch die praxisorientierte Ausrichtung nicht immer direkt thematisiert wurde.

Die Veranstalter hatten vom Ziel einer „grenzüberschreitenden Erinnerungskultur“ für das „zusammenwachsende Europa“ gesprochen. Dies mündete in der für die kleineren Länder möglicherweise bedrohlich klingenden These, dass „Geschichtsdeutung und Erinnerung“ in den Benelux-Ländern und in Deutschland „nach Abstimmung“ verlangten. Im Zentrum des Seminars stand die Periode von 1940 bis 1945 mit ihren identitätsverbürgenden Erfahrungen von Krieg, Besatzung, Widerstand, Kollaboration und Vernichtung. Dass die „neuere Täterforschung“ dabei besonders berücksichtigt werden sollte, brachte der Veranstaltungsort bereits mit sich. Der Münsteraner „Schreibtischtatort Villa ten Hompel“ ist 1999 als öffentlicher „Geschichtsort“ eingerichtet worden, der mit der beeindruckenden Dauerausstellung „Im Auftrag. Polizei, Verwaltung und Verantwortung“ die Geschichte der uniformierten Polizei zwischen 1924 und 1968 thematisiert.2 Tagungsleiter Alfons Kenkmann (Villa ten Hompel, Münster) hatte für den Eröffnungsvortrag des Seminars im Münsteraner Rathausfestsaal den Rechtshistoriker Cyrille Fijnaut (Universität Tilburg) gewonnen. Fijnaut gab einen Überblick zur Polizeigeschichte in Belgien und den Niederlanden während der Besatzungszeit, zog aber ähnlich wie die Ausstellung der Villa ten Hompel Linien in die 1920er und 1950er Jahren hinein. Durch sein Referat rückte nicht nur der perspektivische Gegensatz zwischen der deutschen Besatzungsmacht und den okkupierten Ländern in den Blick; auch innerhalb der Beneluxstaaten verliefen die Besatzungsjahre so unterschiedlich, dass sich hier sehr verschiedene Erinnerungs- und Forschungslandschaften etabliert haben.

In den Niederlanden wurde die Besatzungszeit lange Zeit als Heldengeschichte rezipiert. Einem einflussreichen Dokumentarfilm der 1960er Jahre zufolge war die „Bezetting“ die „Geschichte der Vergewaltigung eines unschuldigen und ahnungslosen Volkes, das aber durch seine geistige Stärke und Unbeugsamkeit, unter der beseelten Führung seiner Monarchin, das Böse bekämpft und ungebrochen und gereinigt aus diesem Kampf hervorgeht. Der Preis ist hoch, aber die Gerechtigkeit triumphiert.“3 Dieser „hoch bezahlte Preis“, so betonte Johannes Houwink ten Cate (Zentrum für Holocaust- und Genozidforschung, Amsterdam), bezog sich zunächst nur auf die Märtyrer des Widerstandes und das eigene Leiden. Erst in den 1960er Jahren rückte auch der Holocaust als Opfergeschichte in den Blick. Der niederländische Diskurs zeichnete sich weiterhin durch einen markanten Gut-Böse-Moralismus aus, der erst in den 1980er Jahren stärker kritisiert wurde. Hier setzt auch die erweiterte Kollaborationsforschung an, die die Grenze zwischen Tätern und Zuschauern in Frage stellt, um zu erklären, warum 75 Prozent der 140.000 niederländischen Juden den Krieg nicht überlebten.4 Zugleich warnte Houwink ten Cate aber vor einem Übertreiben dieser erweiterten Täterforschung, weil sie die Historisierung wieder zurückzudrehen drohe und an die Vergangenheit heutige Maßstäbe anlege.

Georgi Verbeeck (Universiteit Maastricht) zeigte, wie sehr die Erinnerung in Belgien von der Erfahrung zweier deutschen Besatzungen beherrscht wird (nämlich der Besatzung im Ersten und Zweiten Weltkrieg). Außerdem ist das belgische Gedächtnis in besonderer Weise von der Nationalitätenproblematik geprägt, denn eine starke flämisch-nationalistische Bewegung hatte aus politischen Gründen (zweimal) mit den deutschen Besatzern kollaboriert. Die Verurteilung der Kollaborateure nach 1945 wurde laut Verbeeck in großen Teilen der flämischen Gesellschaft lange Zeit nicht akzeptiert – eine traditionelle flämisch-emanzipatorische Subkultur verehrte die Kollaborateure weiterhin als Helden und Märtyrer der nationalen Sache. Erst in jüngster Zeit werde auch in Flandern die Besatzungszeit viel kritischer aufgearbeitet. Immerhin, so Verbeeck, hat diese gespaltene Erinnerungsgeschichte die Entstehung allzu bequemer Gut-Böse-Schemata verhindert und von Anfang an Fragen der Kollaboration aufgeworfen. Die Ausführungen von Paul Dostert (Centre de Documentation et de Recherche sur la Résistance, Luxemburg) über Luxemburg und die NS-Zeit beschränkten sich auf den Verlauf der Besatzungszeit selbst, während die Luxemburger Erinnerungskultur nach 1945 im Grunde nicht diskutiert wurde.

Da die Vergleichsfälle Belgien und Luxemburg nur mit den Referaten von Verbeeck und Dostert präsent waren, lief das ursprünglich geplante „Vierländerseminar“ über weite Strecken auf eine bilaterale Begegnung zwischen den Niederlanden und der Bundesrepublik hinaus. Friso Wielenga (Zentrum für Niederlande-Studien, Münster) fragte in einem souveränen, für die gesamte Konferenz grundlegenden Vortrag nach Parallelen, Gemeinsamkeiten und Abstimmungsmöglichkeiten beider Erinnerungskulturen. Weil die Ausgangslagen, Erzählperspektiven und Inhalte des Erinnerns nach 1945 in beiden Ländern so grundverschieden gewesen sind, wählte Wielenga den interessanten Ansatz, Analogien vor allem in der Periodisierung der Erinnerungsgeschichten zu suchen. Er unterschied für beide Länder vier ähnliche Etappen: „intensive Beschäftigung“ mit der NS-Herrschaft bzw. der Besatzung in den ersten Nachkriegsjahren; „relative Ruhe“ in den 1950er Jahren; „Moralisierung und Emotionalisierung“ in den 1960er und 1970er Jahren sowie „Polarisierung, Historisierung und Differenzierung“ seit den 1980er Jahren. Diese Perspektive lieferte zwar viele Anregungen, führte aber zu einer Vernachlässigung der Inhalte und Funktionen des Erinnerns. Denn gerade hier liegen die Unterschiede beider Geschichtskulturen – statt einer Parallelgeschichte ließe sich wenigstens bis in die 1970er Jahre hinein besser eine Spiegel- oder Kontrastgeschichte schreiben: Die Kriegszeit verschaffte den Niederlanden eine positive Identität (durch Heroisierung des Widerstands), den Deutschen aber einen negativen Bezug (deutsche Katastrophe). Wielengas „ruhige 1950er“ bedeuteten für die Niederlande eine geistige Rückkehr in die Vorkriegsgesellschaft, während sie in der Bundesrepublik sowohl eine Phase geistiger Restauration als auch grundlegender Neuorientierung waren. Die nächste Periode war ebenfalls recht unterschiedlich: Wo die breite Thematisierung der NS-Vergangeneheit in Westdeutschland zum Generationenkonflikt und letztlich zur „Umgründung“ der Bundesrepublik (Manfred Görtemaker) beitrug, wies der Umbruch der 1960er Jahre in den Niederlanden nur einen geringen Vergangenheitsbezug auf. Der erwähnte Wandel von der Heldengeschichte (Widerstand) zur Opfergeschichte (Holocaust) bestätigte vielmehr die eigene Identität und die moralische Verteilung von Gut (Niederlande) und Böse (NS-Deutschland). Nachdem also die synchrone Entwicklung bis in die 1970er Jahre hinein von Gegensätzen geprägt war, ist die behauptete Parallelität danach noch weniger auszumachen, denn die Kennzeichnung einer fast 25-jährigen Zeitspanne („seit 1980“) als einer Periode von gleichzeitiger „Polarisierung, Historisierung und Differenzierung“ in beiden Ländern zeichnet sich vor allem durch Unschärfe aus.

So hinterließ Wielengas Vortrag einen zwiespältigen Eindruck – letztlich dominierte die Tendenz, Gemeinsames hervorzuheben und Unterschiede auszublenden. Das war nicht untypisch für das gesamte Seminar. Sind dies die Kosten einer „Angleichung“ der Erinnerungskulturen zwischen Ländern der Europäischen Union? Man könnte meinen, dass die Befürworter eines solchen europäischen Blicks die Geschichte auf eine wünschenswerte Zukunft hin glätten (wie es beispielsweise auch bei der Stockholmer Holocaust-Konferenz vom Januar 2000 geschehen ist). Jedenfalls mündete Wielengas Beitrag optimistisch in eine doppelte „Triumph History“: Der jeweilige Umgang mit der Vergangenheit sei „weitgehend enttabuisiert und entmythologisiert“ und bilde zudem „keine Belastung mehr für die politisch-psychologischen Beziehungen“ beider Länder. Skeptiker hätten gegen eine solche Ende-der-Geschichte-Erzählung gewiss eine Menge einzuwenden gehabt.5

Leider fehlte in der sehr straffen Planung der Konferenz die Gelegenheit für vertiefende Diskussionen über solche Fragen. Immerhin bot Chris Vos (Universität Rotterdam) eine alternative Sichtweise auf die transnationalen Konvergenzen in der Erinnerung an den Holocaust. Statt ein organisches Zusammenwachsen Europas zu unterstellen, erklärte Vos die Homogenisierung der Erinnerungskulturen durch ihre wachsende Medialisierung. Mit dem Begriff der „ikonenhaften Klischees“ bezeichnete er jene archivarischen Bilder und Videosequenzen, die wegen ihrer Aussagekraft oder Seltenheit immer wieder „recycled“ werden. Sie bieten dem Fernsehen ein nur begrenztes Arsenal „authentischer“ Bilder und produzieren laut Vos allmählich eine Einheitlichkeit verschiedener Gedenkkulturen. Der Einfluss solcher „Erinnerungsikonen“ auf unsere Vorstellungen sei selbst dort bemerkbar, wo auf Archivbilder verzichtet werde, denn auch im gestellten Kinofilm sehen wir die Judenvernichtung „originalgetreu“ in Schwarz-weiß (Spielbergs „Schindlers Liste“).

Neben diesen allgemeinen Themen stand die praktische Arbeit von Gedenkstätten und Museen im Mittelpunkt der Tagung. Auf einem „Markt der Möglichkeiten“ präsentierten sich niederländische und deutsche Projekte, darunter auch eine Reihe (noch) nicht institutionalisierter Bürgerinitiativen. Andreas Pflock (Dokumentations- und Kulturzentrum Deutscher Sinti und Roma, Heidelberg) hielt einen sehr gelungenen Bildvortrag zu den niederländischen Lagergedenkstätten. Nach dem Krieg wurden die Lager mal als Armeekasernen, mal als Gefängnisse, Flüchtlingslager oder Asylantenwohnheime verwendet; die Überreste wurden nach Belieben auseinandergenommen oder gar renoviert. (Ein Vergleich mit der Nachgeschichte der Lager in den beiden deutschen Staaten würde verdeutlichen, dass dies ein länder- und systemübergreifendes Phänomen war.) Heute besteht im ehemaligen Durchgangslager Kamp Westerbork eine moderne Gedenkstätte mit Dokumentationszentrum, doch mit der Entwicklung von ähnlichen Stätten tut man sich – etwa im Fall des Lagers Amersfoort – nach wie vor schwer.

Den Abschluss des Seminars bildete ein Besuch im niederländischen „Nationalen Kriegs- und Widerstandsmuseum“ in Overloon. Auch dieses Museum hinterließ bei den kritischen Teilnehmern einen zwiespältigen Eindruck. Overloon ist ein kleiner Ort, der 1944 bei einer Panzerschlacht zwischen Alliierten und Deutschen weitgehend zerstört wurde. Am Ort der Schlacht wurde das Museum gegründet. Überwältigend ist vor allem die Größe des Museumsgeländes (ca. 15 Hektar), das den Besucher zuerst mit verschrotteten Panzern aus der Schlacht konfrontiert. Weil der deutsche Besucher bei Museen zur NS-Zeit eher Nachdenklichkeit und Besinnung gewöhnt ist, wirkt das gesammelte Kriegsmaterial irritierend. Verwunderung herrschte auch über die umfangreiche Ausstellung, deren Anspruch, das niederländische Zentralmuseum zu sein, sich im schieren Volumen zu spiegeln scheint. Die Ehrenhalle mit Militäruniformen und Büsten von Königin Wilhelmina und ihrem Schwiegersohn Bernhard wirkt überholt. Überhaupt erschien die Kombination von Kriegs- und Widerstandsmuseum den Konferenzteilnehmern nicht überzeugend, weil hierdurch gerade die differenzierenden Grautöne der Besatzungsherrschaft selbst unterbelichtet bleiben. Dass in späteren Jahren eine gesonderte Ausstellungshalle über die Judenvernichtung hinzugefügt worden ist, hat geradezu Symbolcharakter – das Gebäude des niederländischen Geschichtsbildes ist in Overloon eher durch „Anbauten“ als durch grundlegende „Umbauten“ mit der Zeit mitgewachsen. Viele Teilnehmer zweifelten daran, ob ein Schlachtfeld der richtige Standort für die Betrachtung der gesamten Besatzungszeit sein kann, und ob ein Nationalmuseum als „große Synthese“ noch zeitgemäß ist.

Besonders deutlich war der Kontrast zum in den Anfängen begriffenen Museumsprojekt „Markt12“ im niederländischen Aalten nahe der Grenze. Das kleine, „von unten“ getragene Projekt will nachdrücklich ein deutsch-niederländisches Museum sein; es thematisiert gemeinsame Erfahrungen wie Untertauchen, Widerstand und Kollaboration. Initiativen wie „Markt12“ zeigen, dass man auf lokaler und regionaler Ebene manchmal leichter zur erinnerungskulturellen Annäherung kommt als im Bereich der nationalen Repräsentation. In dieser Hinsicht konnte man dem Gedenkstättenseminar viel Positives abgewinnen. Um Institutionen wie die Villa ten Hompel, das Niederlande-Zentrum und das Herinneringcentrum Kamp Westerbork herum ist ein sehr aktives Netzwerk deutsch- niederländischen Austauschs entstanden.6 Auch die große Zahl der Teilnehmer, darunter viele jüngere Kollegen, spiegelte ein großes Interesse am Nachbarn wider – freilich eher von deutscher Seite als umgekehrt. Und gerade hierin liegt die Schwierigkeit der Konstruktion einer „gemeinsamen“ oder „europäischen“ Perspektive: Sie scheint vor allem von Deutschland aus vorangetrieben zu werden. Man würde sich für Folgeveranstaltungen wünschen, dass sich niederländische Institutionen wie zum Beispiel das Nationalmuseum in Overloon, das Niederländische Institut für Kriegsdokumentation (NIOD) oder das Duitsland-Institut (beide in Amsterdam) beteiligen würden. Denn von einem gleichberechtigten Treffen kann erst dann die Rede sein, wenn die deutsche Erinnerungskultur und die Tendenz zur „Europäisierung“ aus niederländischer Sicht mit gleicher Selbstverständlichkeit diskutiert werden.

Anmerkungen:
1 Claudia Lenz, Jens Schmidt und Oliver von Wrochem (Hg.): Erinnerungskulturen im Dialog. Europäische Perspektiven auf die NS-Vergangenheit, Hamburg 2002 (rezensiert von Harald Schmid: http://hsozkult.geschichte.hu-berlin.de/rezensionen/id=2571). Vgl. z.B. auch die aktuellen Debatten um die Etablierung des 17. Juni 1953 als europäisches (Gedenk-) Ereignis oder die europäische Perspektive in: Etienne François und Hagen Schulze (Hg.): Deutsche Erinnerungsorte, Band 1, München 2001, S. 9-24.
2 Website: http://www.muenster.de/stadt/villa-ten-hompel/. Die jetzige Dauerausstellung wurde im Mai 2001 eröffnet.
3 Aus der Fernsehserie „De Bezetting“, die zwischen 1960 und 1965 ausgestrahlt wurde.
4 Zu den Arbeiten, die in den Niederlanden größere Kontroversen hervorgerufen haben, gehören: Nanda van der Zee, Om erger te voorkomen. De voorgeschiedenis en uitvoering van de vernietiging van het Nederlandse jodendom tijdens de Tweede Wereldoorlog, Amsterdam 1997 (dt. Übersetzung: Um Schlimmeres zu verhindern. Die Ermordung der niederländischen Juden: Kollaboration und Widerstand, München 1999), und Chris van der Heijden: Grijs verleden. Nederland en de Tweede Wereldoorlog, Amsterdam 2001.
5 So gibt es nach wie vor Kontroversen um deutsche Opfererfahrungen (Bombenkrieg und Vertreibung), um niederländische Täterschaft beim „Raub“ jüdischen Besitzes und um die Entmoralisierung der Besatzungszeit zur „grauen“ Vergangenheit (vgl. Chris van der Heijden, wie Anm. 4). Und die niederländische Weigerung, 1995 zusammen mit den Deutschen zu gedenken und zu feiern, könnte auch anders gewertet werden als mit Wielengas Genugtuung darüber, dass das Thema immerhin erstmals öffentlich diskutiert worden sei.
6 Als publizierte Ergebnisse vgl. die Tagungsbände: Johannes Houwink ten Cate und Alfons Kenkmann (Hg.): Deutsche und holländische Polizei in den besetzten niederländischen Gebieten. Dokumentation einer Arbeitstagung, Münster 2002 (=Villa ten Hompel Aktuell 2); Jahrbuch des Zentrums für Niederlande-Studien 12 (2001), Themenheft zur Vergangenheitspolitik und Erinnerungskultur in Deutschland und den Niederlanden.