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Die digitalen Monumenta Germaniae Historica (dMGH) [1]

 

Informationen zu diesem Beitrag

Diese Rezension wurde redaktionell betreut von: Thomas Meyer <meyertgeschichte.hu-berlin.de>
Web-Site:Monumenta Germaniae Historica digital (dMGH)
http://www.dmgh.de/
Herausgeber:Monumenta Germaniae Historica (MGH) - Deutsches Institut für Erforschung des Mittelalters: München, DE <www.mgh.de/>
Weitere Informationen:[Clio-online Webverzeichnis]

Rezensiert für H-Soz-u-Kult von:
Bernhard Assmann, Universitätsbibliothek Trier; Patrick Sahle, Köln
E-Mail: <assmannuni-trier.de>, <sahleuni-koeln.de>

Die erste elektronische Ausgabe der Monumenta Germaniae Historica (eMGH) erschien 1996 bei Brepols auf CD-ROM, der bis 2007 noch sechs weitere Lieferungen folgten und die inzwischen für Subskribenten auch online verfügbar ist.[2] Die eMGH bilden eine Volltextdatenbank der meisten der in den MGH edierten Texte und erlauben vor allem komplexe Suchanfragen nach Wörtern, Wortteilen oder Wortzusammenhängen. Sie enthalten aber eine abstrahierte, geglättete und reduzierte Form der MGH-Ausgaben.

In einem von der Deutschen Forschungsgemeinschaft geförderten Projekt wurden seit dem 1. Juli 2004 von den MGH in Zusammenarbeit mit der Bayerischen Staatsbibliothek zunächst alle Editionen der MGH digitalisiert, die bis 2000 erschienen sind; derzeit 357 Bände mit 166.285 Seiten. Die Web-Seite der dMGH <www.dmgh.de> bietet bereits seit 2005 eine einigermaßen übersichtliche und funktionale Oberfläche, die dem gegenwärtigen Standard des Münchener Digitalisierungszentrum (MDZ) an der Bayerischen Staatsbibliothek entspricht. Neuere Bände werden nach dem „moving wall“-Prinzip drei Jahre nach ihrem Erscheinen nachgeführt. Die Bilddigitalisierung ist schon seit einiger Zeit abgeschlossen, derzeit – und wohl auch noch in den kommenden Jahren – geht es um die Erstellung elektronischer Volltexte.[3]

Die Vollständigkeit der Digitalisierung ist lobend hervorzuheben. Sie löst das sonst oft in digitalen Bibliotheken bestehende „black box“-Problem. Häufig ist nämlich nicht klar, was sich eigentlich inhaltlich hinter der Oberfläche einer Online-Ressource verbirgt. Elementare Fragen der Benutzungsheuristik bleiben dann lange unbeantwortet: Welches Material ist vorhanden? In welcher Aufbereitungsform? In welcher Menge? In welcher Vollständigkeit? Bei den dMGH ist dies offensichtlich: alle gedruckten MGH-Bände, zunächst als Bilddigitalisate.

An der aktuellen Erscheinung der dMGH als Blättermaschine ist auf den ersten Blick wenig auszusetzen, wenn man davon absieht, dass eine alternative englischsprachige Oberfläche fehlt, Lösungen auf Frame-Basis heutzutage eigentlich nicht mehr dem Stand der Oberflächengestaltung entsprechen und die Teilfenster Informationen doppelt bieten.[4] Der Einstieg geht von den Abteilungen und Reihen aus und führt zu den einzelnen Bänden. Hat man einen Band ausgewählt, wird eine Bildansicht mit zusätzlichen Navigationselementen aufgebaut. Diese umfassen vor allem die Gliederung des Bandes als Liste weitere Einstiegspunkte und Optionen zum Zoomen, Blättern und seitengenauen Aufschlagen. Dass die aktuelle Seitenzahl bei der Bilddarstellung nicht angegeben wird, ist bedauerlich. Für die eigene Orientierung im Band und das weitere Blättern wäre es durchaus hilfreich zu wissen, auf welcher Seite man sich gerade befindet.

Die Bandgliederung („Inhalt“) ist nicht identisch mit dem Inhaltsverzeichnis und bildet auch den Inhalt der Bände nicht gut ab. Sie umfasst verschiedene „bibliografische Einheiten“, die mit den Titelblättern beginnen, als einen weiteren Punkt häufig das „Inhaltsverzeichnis“ nennen und dann in der Regel die Teile aufzählen, die sich so auch in eben diesem gedruckten Inhaltsverzeichnis finden. Diese Vorgehensweise hilft einerseits dabei, einen schnellen Überblick über den physischen Band zu gewinnen, auf der anderen Seite sind die inhaltlich besonders relevanten Teile oft nicht leicht zu finden. Die Funktion der Bandgliederung ist nicht klar erkennbar, da auch ihre Zusammensetzung nicht gleich bleibend ist. Hier scheint es an einem konsistenten und klaren Konzept und damit an einer präzisen Anweisung für die Erstellung gefehlt zu haben.
Im Ergebnis wird der Benutzer durch die inkonsistenten „Inhaltsverzeichnisse“ oft mehr irritiert, als orientiert und ihm kein einfacher und verlässlicher Eindruck über die Gliederung des Bandes verschafft. Für eine anzuratende Nachbesserung der digitalen Inhaltsverzeichnisse wäre eine klare Darstellung der physischen Einheiten außerhalb des Inhaltsverzeichnisses, der Einträge des gedruckten Inhaltsverzeichnisses und nachträglich gebildete Unterteilungen in den hauptsächlichen Inhaltsbereichen (z.B. „Urkunden 1–10“, „Urkunden 11–20“ etc. in den Diplomata-Bänden oder die Titel der einzelnen Texte in den Scriptores) zu empfehlen.

Oberhalb der Inhaltsgliederung wird dauerhaft angegeben, in welchem Band man sich gerade befindet. Das sollte selbstverständlich sein, ist es aber bei vielen anderen Ressourcen im WWW nicht und wird hier deshalb eigens lobend erwähnt. Bedauerlich ist es, wenn diese bibliografische Kurzangabe unvollständig ist. Wünschenswert wäre es, wenn sie so gleichmäßig und vielleicht auch zusätzlich in einer endlich von den MGH kanonisierten Form gegeben würde, dass sie tatsächlich als Grundlage für die weitere Zitierung dienen könnte.

Das MDZ hat dafür gesorgt, dass für jeden digitalisierten Band der MGH ein URN (Uniform Resource Name) der Deutschen Nationalbibliothek (DNB) zur Verfügung steht. Dieser erhebt den Anspruch langfristiger Stabilität und verweist über einen Auflösungsmechanismus („resolver“) auf die jeweilige tatsächliche technische Adresse. Das DNB-URN-System ist das am weitesten verbreitete „persistent identifier“-System (PI-System) in den deutschen Bibliotheken. Trotzdem werden bei genauerer Betrachtung einige Nachteile für die unmittelbare Verwendung in der geisteswissenschaftlichen Forschung offenkundig: Die Adressierung ist erstens unnötig kryptisch (statt sprechend), beschränkt sich zweitens auf die Ebene des einzelnen Bandes und lässt drittens unklar, welche Repräsentationsform eines Objekts sich tatsächlich dahinter verbirgt, ob also z.B. die Bilddigitalisate oder der elektronische Volltext eines Bandes angesprochen werden. Möglichkeiten eines feingranularen und stabilen Adressierungssystems für die MGH haben die Rezensenten an anderer Stelle besprochen. [5]

Die Qualität der Bilddigitalisate ist insgesamt befriedigend. Selbst Fußnotenzeichen und Apparatetext sind gut lesbar. Warum Schwarz-Weiß-Bilder von Druckseiten im Bildformat JP(E)G mit den dabei unvermeidlichen Artefakten dieses Algorithmus und nicht als GIF oder PNG angeboten werden, erschließt sich den Autoren auch nach zehn Jahren Digitalisierungserfahrung nicht. Die Kompression ist allerdings so moderat gewählt, dass sich die JP(E)G-typischen „Schlieren“ in Grenzen halten. Außerdem ist zuzugestehen, dass es sich um eine temporäre Ausgabeform handelt und die qualitativ hochwertigen archivierten TIFF-Dateien (300-600 dpi) zu gegebener Zeit zu anderen Präsentationsformen umgewandelt werden können. Kleinere Ungereimtheiten, wie etwa verschiedene Bildbreiten (zwischen 650 und 1000 Bildpunkten) oder bei der Digitalisierung übergangene Seiten sind bei einem Projekt dieser Größe wohl unvermeidlich.

Die Oberfläche kann als temporäre Fassung betrachtet werden, da eine im BETA-Stadium befindliche Version, die noch weiter unten besprochen wird, bereits einige Neuerungen aufweist. Für beide Fassungen wäre genauer zu diskutieren, welche Verbesserungen durch welchen Projektpartner noch möglich sind. Ästhetische Perfektion kann wohl nur von externen Spezialisten (Designern) kommen, funktionale Überlegungen müssen aber aus dem fachspezifischen Sachverstand der MGH-Mitarbeiter abgeleitet werden. Für die technische Umsetzung zeichnet derzeit das MDZ verantwortlich. Diese Aufgabenteilung hat Konsequenzen: Die Aufgabe des MDZ endet an der Allgemeinheit digitalisierter Druckwerke. Die konzeptionellen Aufgaben der MGH beginnen bei den speziellen Anforderungen der von ihr edierten mittelalterlichen Quellen. So wie man die Gliederung und den Aufbau der Editions-Druckseite in den letzten 150 Jahren nicht einfach den Druckern überlassen, sondern über viele Jahre hinweg als funktionale Anforderung aus sachlichen und fachlichen Überlegungen heraus entwickelt hat, so muss auch die Grundfunktionalität und der Aufbau der Oberfläche einer Online-Publikation von den zu erwartenden Nutzungsszenarien her gedacht werden – mit denen die Fachwissenschaftler selbst am besten vertraut sind. Um es an einem Beispiel zu verdeutlichen: Für allgemeine Druckwerke liegt die Navigation über Seitennummern nahe. Die MGH enthalten aber zu einem großen Teil Texte (Urkunden, Briefe etc.), die in der Forschung nicht nach Seitennummern, sondern nach Stücknummern oder nach Kapitelnummern benutzt und referenziert werden. Dies wäre in der Oberflächengestaltung nachzubilden.

In der technischen Umsetzung fällt auf, dass es dem MDZ ein großes Anliegen zu sein scheint, den systematischen Download der Bildseiten zu verhindern. Dazu hat sich das MDZ neben dem eher hilflosen Abschalten der rechten Maustaste für das Inhalts-Teilfenster eine besonders skurrile Methode einfallen lassen: Für jeden Aufruf einer Seite wird die IP-Adresse des Nutzers und ein zugehöriger Zähler mitgeführt.[6] Dieser Zähler wird aber nicht Server-seitig mit der IP-Adresse gespeichert, sondern nur in der URL bei jedem Aufruf einer neuen Seite um eins erhöht. Erreicht der Zähler einen Wert von 300, dann wird kein Digitalisat ausgeliefert, sondern die eigentlich unzutreffende Meldung: „Server ausgelastet, bitte versuchen Sie es nach einer kurzen Pause wieder!“[7]

Neben der Angst vor systematischen Downloads findet man am MDZ auch ein etwas distanziertes Verhältnis zu Web-Standards. Schon die Startseite des Projektes <www.dmgh.de/index.html> und dann auch beliebige Unterseiten und die CSS-Dateien sind gespickt mit Proprietärem und Fehlerhaftem.[8] Hier müssen Browser noch ihre ganze Gutmütigkeit aufbieten, um die Seite darzustellen. Suchroboter werden mit dem HTML-Eintrag <meta name=’robots’ content=’nofollow’> davon abgehalten, das Angebot in ihre Indizes aufzunehmen und die Kenntnis von der Existenz des Projekts zu verbreiten. Auf die Verwendung von <meta>-Tags mit beschreibenden Schlagworten wird in den Inhalten der Seiten konsequent verzichtet. Eine Suche bei Google nach „dMGH“ führt zwar zur Startseite des Projektes, doch werden außer der Bandnavigation keine inhaltlich relevanten Seiten indiziert. Warum man mit viel Aufwand eine erstrangige wissenschaftliche Ressource in ein immer noch solides und gut benutzbares Online-Angebot verwandelt, dieses dann aber möglichst vor den Suchmaschinen und damit vor der Welt versteckt, erschließt sich nicht ohne weiteres.

Die derzeit aktive Blättermaschine auf <www.dmgh.de> erlaubt einen „browsenden“ Zugriff. Eine Suche ist nicht möglich. Die seit einiger Zeit verfügbare Beta-Version der dMGH <mdzx.bib-bvb.de/dmgh_new/> bietet nun neben dem Browsing-Zugang auch eine Volltextsuche. Diese verweist zwar auf die Bilder und markiert in diesen die Stelle des Treffers durch eine Grünfärbung des Wortes, es ist aber zumindest für etliche Bände auch ein Umschalten auf eine HTML-Volltextfassung der Seite möglich. Diese bietet kein satzgetreues Bild der Vorlage, enthält aber immerhin den kompletten Zeichenbestand und bewahrt z.B. Hochstellung, Kursivierung, Fettdruck, Zeilenumbrüche und Zeilenzählung. Verloren sind dagegen anscheinend horizontale Einrückungen, vertikal vergrößerte Abstände, Seitenüberschriften und Schriftgrößen (einschließlich des inhaltlich besonders aussagekräftigen Petit-Drucks). Die MGH sind für den Mut, diese scheinbar nicht perfekten Volltexte dennoch verfügbar zu machen, sehr zu loben! Nur so ist eine einfache Weiternutzung von Textstücken in der Arbeit der auswertenden Forscher möglich. Und nur so kann der Benutzer auch ungefähr die Qualität der Abschrift kontrollieren. Eine Vorstellung von der Fehlerfreiheit des Textes ist aber wiederum unerlässlich, um die Belastbarkeit der Suchergebnisse einschätzen zu können.

Die Qualität der Texterkennung ist nach bisherigen Stichproben erfreulich gut. Verlesungen sind selten und scheinen sich im Bereich von einem bis zwei Zeichen pro Seite zu bewegen. Ein störungsfreies Lesen des elektronischen Textes ist damit ebenso möglich wie die Übernahme und weitere Verwendung in anderen Kontexten. Dass im Zweifelsfall immer das digitale Bild der Druckseite noch einmal zur endgültigen Kontrolle herangezogen werden muss, versteht sich von selbst.

Die neue Oberfläche bietet verschiedene neue Funktionen. Unter anderem gibt es eine „Erweiterte Suche“, hinter der sich ein höchst mächtiges und komfortables Suchmenü verbirgt. Die Volltextsuche umgreift – im Gegensatz zu den eMGH – alle Textteile der MGH-Bände, also nicht nur die Editionstexte selbst, sondern auch den kritischen Apparat, die Sachanmerkungen und „sonstige Texte“, unter die z.B. Vorworte, Band-Einleitungen, Einleitungs- und Vortexte zu den einzelnen Editionsteilen (Urkunden, Briefe, Teiltexte) und die Register gehören. Die Suche kann auf einzelne dieser Textsorten beschränkt und sie kann auf bestimmte Bände oder sogar eine einzelne Seite eines bestimmten Bandes fokussiert werden. Die Form der Ergebnislisten ist in erfreulich hohem Maße durch den Benutzer im Bereich „Erweiterte Einstellungen“ konfigurierbar.

Im Gegensatz zu den eMGH war es bei den dMGH nicht primär das Ziel, ein elektronisches Volltextkorpus mit möglichst mächtigen Suchmöglichkeiten zu bilden. Man darf deshalb zunächst noch keine komplexen Kontextsuchen oder Lemmatisierung erwarten. Umso erfreuter muss man nun diese „Nebenentwicklung“ bemerken, bei der sich die dMGH dem Funktionsumfang der eMGH in diesem Teilbereich annähern, so dass gute Hoffnung besteht, dass in nicht allzu ferner Zukunft eine parallele Verwendung der beiden Formen (für je unterschiedliche Nutzungsszenarien) entfallen kann.

Im Vergleich zur laufenden Oberfläche auf www.dmgh.de wirkt die neue Gliederung der dMGH-Beta aufgeräumter und klarer. Auf einige Funktionalitäten ist verzichtet worden, ohne dass man dies als schmerzlichen Verlust empfinden müsste. Notwendig für eine gute Orientierung und eine effiziente Navigation wäre aber auch hier die ständige Anzeige, an welcher Stelle man sich gerade befindet, verbunden mit der Angabe der Seitenzahlen in der Bandübersicht.

Der elektronische Volltext der neueren BETA-Version basiert auf XML-Dateien, die grundsätzlich dem maßgeblichen Standard für Volltexte in den Geisteswissenschaften, nämlich den Richtlinien der „Text Encoding Initiative“ (TEI) folgen. Hier sind typographische Phänomene festgehalten, die für eine differenzierte Darstellung der Texte, teilweise aber auch für eine strukturelle und semantische Tiefenerschließung genutzt werden können. Enthalten ist hier z.B. bereits die Information, um welche Art von Teiltext es sich handelt: Editionstext, kritischer Apparat, Sachanmerkungen, oder sonstiger Text. Eine solche strukturelle Erschließung kann unmittelbar zu neuen Nutzungsformen führen.

Eine Betafassung kann nicht bis in die letzten Feinheiten auf ihre Vollständigkeit und ihr zuverlässiges Funktionieren diskutiert werden. Zweifellos handelt es sich um einen guten Schritt in die richtige Richtung, und man sollte ganz auf diese neue Version setzen, wenn sie denn technisch fertig gestellt ist.

Jedes Publikationsmedium legt als technisch und ökonomisch bestimmtes System gewisse Verfahrensweisen, gewisse Präsentationsweisen und die Auswahl gewisser Inhalte nahe, weil es ihre Umsetzung erleichtert oder erschwert. Das Medium beeinflusst seine Botschaft, die Form des Mediums beeinflusst seinen Inhalt. Die Drucktechnologie erlaubte nur die Veröffentlichung von vergleichsweise einfachen Textformen. Digitale Publikationsformen unterstützen dagegen ungleich komplexere, vielfältigere und dynamischere Strukturen. Im Übergang vom Einen zum Anderen legt die Digitalisierung immer weitere Erschließungsformen nahe, die den Inhalt zunächst scheinbar unverändert lassen, unsere Benutzung(smöglichkeiten) dieser Inhalte aber stark modifizieren, unseren Blick auf diese Inhalte verschieben und unsere Erwartungen an diese Inhalte erhöhen. Die Digitalisierung wirkt zunächst wie eine Repräsentation gleicher Inhalte bei verbesserter Zugänglichkeit. Sie gewinnt aber eine Eigendynamik, von der Strukturen, Nutzungsmöglichkeiten und Inhalte schließlich nicht unberührt bleiben. [9] Das hat Rückwirkungen auf die Konzepte hinter solchen Quellenpublikationen. Insofern ist ein grundsätzlicheres Nachdenken über die Bereitstellung von historischen Editionen im digitalen Zeitalter notwendig.

Die MGH sind mit den dMGH auf dem richtigen Weg und spielen wieder mit in der ersten Liga auch medial zeitgemäß aufbereiteter Forschungsressourcen, sollten sich jetzt aber nicht mit dem einmal Erreichten zufrieden geben. Denn warum sollte man nicht als Zielstellung ausgeben, jenen methodischen Führungsanspruch bei der Herausgabe mittelalterlicher Quellen zurückzugewinnen, den die MGH im 19. und 20. Jahrhundert einmal inne hatten. Gerade unter diesem Gesichtspunkt ist die bestehende Trennung von Inhalt (MGH) und scheinbar nicht sachbezogener Technik (MDZ) bei den dMGH kritisch zu hinterfragen und die MGH als Gesamtunternehmen zur Entwicklung eines neuen umfassenden Planes zur Aufbereitung der historischen Quellen für die mittelalterliche Reichsgeschichte aufzurufen.

Anmerkungen:
[1] Dies ist die Kurzfassung einer umfassenden Besprechung, die unter dem Titel „Digital ist besser. Die Monumenta Germaniae Historica mit den dMGH auf dem Weg in die Zukunft – eine Momentaufnahme“ als „Schriften des Instituts für Dokumentologie und Editorik 1“ im März 2008 als selbständige Schrift gedruckt (Norderstedt: BoD, ISBN 978-3-8370-2987-1 <a href="javascript:" cref="CitaviPicker978-3-8370-2987-1"><img style="border: 0px none;height: 16px;width: 16px;display: inline;" src="data:image/png;base64,iVBORw0KGgoAAAANSUhEUgAAABAAAAAQCAYAAAAf8/9hAAAAGXRFWHRTb2Z0d2FyZQBBZG9iZSBJbWFnZVJlYWR5ccllPAAAAsZJREFUeNpkU11IFVEQ/s7u5k/d0jL603wKLBMDpRuIFEQ+BkVGGUgEReBLRSEa+BD0EgVJP74kCElppVbqQxAUFBgJUiISUaQ+iGB2Re/evXd/zplmz+rtoYU55+yZMzPffDMjEi1Xd8GyOlVy+ZDKpAGlQOBPRKLP/JEQLOFBQaZs+LMzb9z5+Sb8ab782f02SUqprEgptQSBJD8IyPMDcj2fXNejTMYjJ+3S3MALGtm7Y8RSi4nqNWV7okgrC5Feo53oP+EYsA7WYVlR3JJ2yowwEvzxr3DfvQVME7nH6yG2l0AxXOfZE7gT4zB3lyP/7HmQYSDgVF2CaYGkjhRMTyF5/Roo7bBRCk5PNzY8H4Ld0Y4Un1UY+XU/0pMTKLh1j1EoKObEiEhi5WIia6wcB/7Cbzh9vQj4XhuzSH6ZGnoFb24WTJEm2QgXTglmZRVyLzTBKCsHFRVBSQn/10+svdKK3NONMCoqQTl52ok3Mw2ppK6KEaWvKUNOfQNind1Yd+eBhkgFGyFKShBru4nC3kHkHDsBFRoUbmIEMkIQellllrjGxLtaWtKQzX1V+l7K6D5YTgJbt0HsLIUMVIRAN4h2oPRj7gQ4gwNcgWJYh+sYqtK6IJlE+tNH5J08w2kIXYXQ1gpJ1HBXiMp8eA9n+CXWd3SBuEjaKesTbc2gzVuQ13BOw9cI2NbSKYQw+ZHz9DFSD+8idvs+zHgNE8lta9tItFxCYCdR2P4IintAcQW4SzUHHIK9hdFdF/6P74h190EUl2ZTcr6MwqiOo+BUIxMospx4jCIk1JKpJFckMKVhIb/1RgQ5jBw65UfWgVoY+2vAY6HTDOvv+h4cRuZzF1rezNTYQn9v3DhyVCsjYxXt6t9ZV4f1vgzgZDJIDPcwB2JUjFUU71pU1GUrqvX02FJ2nDU/QkTznP1fHXHBQ4OLfwUYALhaDRT0WgkEAAAAAElFTkSuQmCC" title='Titel anhand dieser ISBN in Citavi-Projekt übernehmen'/></a> ) und als Online-Publikation (Kölner Universitäts-Publikations-Server: <kups.ub.uni-koeln.de/volltexte/2008/2317/>) erschienen ist.
[2] Zu den eMGH siehe Assmann, Bernhard; Sahle, Patrick, Die elektronischen Monumenta Germaniae Historica auf CD-ROM: eMGH – zweite Lieferung, in: Zeitschrift für Bibliothekswesen und Bibliographie 49/5-6 (2002), S. 337-340. Eine weitere Besprechung von Müller, Dedo-Alexander, Rezension zu: Monumenta Germaniae Historica (Hrsg.): Elektronische Monumenta Germaniae Historica 3 (MGH-3), Turnhout 2002, in: H-Soz-u-Kult, 16.10.2003, <hsozkult.geschichte.hu-berlin.de/rezensionen/2003-4-030>.
[3] Das Projekt befindet sich derzeit in seiner zweiten Projektphase (2006-2008), an die sich eine dritte Phase (2008-2010) mit den abschließenden Arbeiten zur Volltextgewinnung und ggf. ein Projekt zur Registerkumulation anschließen soll.
[4] Der Projekt-Titel ist doppelt gegeben; das BSB-Logo ist zweimal angezeigt; es gibt zwei Links „Impressum“, die übrigens verwirrender Weise zu zwei verschiedenen Zielen führen: einem dMGH-Impressum und einem Impressum der Bayerischen Staatsbibliothek.
[5] Digital ist besser, S. 32-37.
[6] Die IP-Adresse findet sich beim Parameter „fip“ (hier verallgemeinert), der Seitenzähler beim Parameter „no“: <mdz10.bib-bvb.de/~db/bsb00000355/images/index.html?id=00000355&fip=nnn.nnn.nnn.nnn&no=8&seite=7>.
[7] Google hat als dMGH-Startseite diese Überlast-Fehlermeldung des MDZ in seinem Cache gespeichert und weist dies als ersten Treffer für eine Suchanfrage „dMGH“ aus!
[8] Siehe Digital ist besser, S. 20-22 und Anhänge A.3 bis A.7.
[9] Zu einigen naheliegenden Perspektiven ebd., S. 28-40.

ZitierweisePatrick Sahle: Web-Rezension zu: Die digitalen Monumenta Germaniae Historica (dMGH) [1], in: H-Soz-u-Kult, 07.06.2008, <http://hsozkult.geschichte.hu-berlin.de/rezensionen/id=152&type=rezwww>.

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