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Archivportal Niedersachsen

 

Informationen zu diesem Beitrag

Diese Rezension wurde redaktionell betreut von: Thomas Meyer <meyertgeschichte.hu-berlin.de>
Web-Site:Archivportal Niedersachsen
http://www.archivportal.niedersachsen.de/
Herausgeber:Niedersächsisches Landesarchiv - Zentrale Archivverwaltung; Arbeitsgemeinschaft der niedersächsischen Kommunalarchivare e.V. (ANKA): Hannover, DE
Weitere Informationen:[Clio-online Webverzeichnis]

Rezensiert für H-Soz-u-Kult von:
Karl Heinz Schneider, Historisches Seminar Universität Hannover
E-Mail: <karl-heinz.schneiderhist.uni-hannover.de>

„Archive sind das Gedächtnis der Gesellschaft. Sie verwahren einzigartige Originalunterlagen – von der Pergamenturkunde des frühen Mittelalters bis zur elektronischen Akte von heute – und stellen sie interessierten Benutzerinnen und Benutzern zur Verfügung.“[1] So lautet der erste Satz auf der Seite des hier besprochenen vorzustellenden Archivportals Niedersachsen. Die niedersächsischen Staatsarchive, bis vor ein paar Jahren eher zurückhaltend bei der Bereitstellung von Angeboten im Internet, haben in den letzten Jahren ihr Online-Angebot deutlich erweitert. Das hier zu besprechende Archivportal umfasst im Wesentlichen zwei Einstiegspunkte.

Erstens kann über den geographischen Standort der Archive gesucht werden. Dahinter steckt die dem wissenschaftlichen Benutzer vertraute Tatsache, dass Archive nicht nur nach sachlichen Kriterien ihre Bestände organisieren, sondern auch nach geographischen, dem Archivsprengel. Das Archivportal will deshalb dem Benutzer bei der Suche nach dem zuständigen Archiv helfen. Gerade der mit Archivsprengeln und Archivstrukturen wenig vertraute Nutzer dürfte hiervon profitieren. Allerdings sollte gerade für diesen Nutzerkreis der Informationstext verständlicher geschrieben sein.

Zweitens bieten die niedersächsischen Staatsarchive eine Online–Recherche in den Findbüchern. Das erleichtert gerade die Vorbereitungsarbeit nicht unerheblich, können doch die gefundenen Archivalien schon vorbestellt werden, so dass im Archiv gleich mit der Lektüre der Archivalien begonnen werden kann.

Beginnen wir zunächst mit der Suche nach Archiven in Niedersachsen. Diese Suche kann entweder über eine interaktive Karte erfolgen, auf der die heutigen Landkreise Niedersachsens eingetragen sind. Durch Anklicken erscheint rechts eine Liste der in dem Landkreis vorhandenen Archive, wobei Staatsarchive durch das Niedersachsenwappen gekennzeichnet sind. Durch ein Anklicken eines solchen Archivs wird in einer mehr oder weniger langen Liste auf der rechten Bildschirmhälfte ein fortlaufender, nicht weiter gegliederter Text angezeigt. Dieser enthält Anschrift und Anfahrtsangaben, eine Verlinkung zu Google-Maps, mit der eine Wegbeschreibung generiert werden kann sowie weitere Infos zu den Beständen und – sofern vorhanden – Publikationen. Ein gestalterisches, den Leser unterstützendes Engagement ist dabei allerdings nicht zu erkennen.

Neben der Suche über die Karte ist auch eine Suche über Suchbegriffe möglich, die beim Autor aber nur ein großes Fragezeichen hinterlassen hat. Bei einigen Suchanfragen wurde lediglich eine Liste von Archiven eingeblendet. Wonach gesucht werden kann, bleibt offen, denn die Kategorien („Bereiche“) geben hier auch keine wirkliche Antwort.

Greift man übrigens über eine andere Adresse auf die Seiten der Staatsarchive Niedersachsen zu erfährt man, dass dort nicht nur über 9,8 Millionen Datensätze verzeichnet sind, sondern auch, dass über 154.000 Besucher diese Seite angewählt haben.[2] Hier gibt es auch eine erweiterte, jedoch spärlich dokumentierte Suche über einen „Bezugsraum“, die dem Nutzer zwar einige Rätsel aufgibt, aber sogar zu Beständen führt. Warum in einem ausgewählten Bereich an dieser Stelle noch die „linke obere Ecke“ angeklickt werden soll, bleibt unklar. Weshalb diese Suchmöglichkeit dem eigentlichen Archivportal vorenthalten wird, bleibt ebenso schleierhaft. Die Suche nach Archiven ist grundsätzlich ein guter Ansatz, die Lösung hinterlässt aber doch den Eindruck, dass dem guten Willen weder gestalterische Kompetenz noch inhaltlicher Ehrgeiz zur Seite standen.

Die Suche in Findbüchern betrifft nur die sieben Staatsarchive, die aber immerhin fast 10 Millionen Akten digital erfasst haben.[3] Es gibt unterschiedliche Suchmöglichkeiten, beginnend mit einer einfachen Suche nach einem Begriff, wie „Ablösungen“. Nach einer kurzen Suchzeit wurden insgesamt 1995 Treffer allein im Titel angezeigt. In der Trefferanzeige erhält der Nutzer Informationen über die Signatur, das Archiv, den Titel und die Laufzeit. Beim Anklicken der Signatur werden sämtliche – sofern nicht geschützte – Informationen des Findbuchs angezeigt, etwa die alte Archivsignatur oder Restaurierungsbedürftigkeit. Hier können die Akten auch gleich bestellt werden. Die Trefferliste lässt sich auch herunter laden, was zwar bei Anfragen größerer Ergebnismengen etwas mehr Zeit beansprucht, jedoch den Vorteil hat, dann über eine durchsuchbare und im Gegensatz zur Webseite deutlich lesbarere pdf-Datei zu verfügen, welche die doch etwas mühselige Auswahl von Archivalien am Bildschirm erleichtert. Eine Einschränkung der Suche nach einzelnen Archiven, nach Laufzeitbeginn oder -ende, nach Signaturen etc. ist ebenfalls möglich und kann allzu umfangreiche Ergebnislisten verhindern.

Ein weiterer Zugang ist über eine Auswahl der jeweiligen Archive möglich. Wer die „alte“ Methode der Recherche über Archive und Bestände vornehmen möchte, kann dies hier tun. Zugleich kann man auch überprüfen, ob die Bestände einer konkreten Behörde auch tatsächlich schon erfasst sind. So sind etwa noch nicht alle Bestände des Staatsarchivs Bückeburg vorhanden. Sinnvoll wäre in solchen Fällen die Kennzeichnung der „weißen Flecken“, um den Nutzer umfassend über die noch jeweiligen Erschließungslücken des Online-Angebots zu informieren.

Gleichwohl wird insgesamt ein sinnvolles und durchaus nutzbares Angebot bereitgestellt, das aber einige Fragen offen lässt. Unklar bleibt, weshalb die Bezeichnung „Archivportal“ so eng gefasst wird, denn die Niedersächsischen Staatsarchive bieten auf Ihren Seiten unter <www.staatsarchive.niedersachsen.de> durchaus mehr Informationen rund um das Archiv an, nur wird auf diese Informationen nicht vom Archivportal aus verlinkt. Wer sich dagegen über diese Startseite des Landesarchivs auf die Suche begibt, stößt auf ein echtes Archivportal, das etwa unter „Benutzung“ Hinweise zur Arbeit im Archiv bereit stellt. Wie sehr jedoch aber auch hier der Innenblick überwiegt, zeigt sich etwa an einem Titel wie „Was die Wissenschaft von einer Dorfgeschichte erwartet“.[4] Das ist vielleicht im Grundsatz durchaus richtig, obwohl man an dieser Stelle eher erwarten würde, etwas darüber zu erfahren, was der Benutzer vom Archiv erwarten kann.

Vielleicht ist es dieser Einstellung geschuldet, wenn lediglich unter „Benutzung“ und „Hilfsmittel“ auf weitere wichtige, online verfügbare Informationsmöglichkeiten wie die Niedersächsische Bibliografie, die Familienkundliche Literaturdatenbank, das Geschichtliche Ortsverzeichnis Schaumburg[5] verwiesen wird.

Die niedersächsischen Staatsarchive bieten ein umfangreiches und teilweise erstaunliches Angebot an Ressourcen zur Vorbereitung und Begleitung der Archivarbeit. Dieses Angebot ist aber derart inkonsistent und benutzerunfreundlich aufgebaut, dass die Arbeit damit nicht immer Freude aufkommen und den Nutzer auch zuweilen verzweifeln lässt. Irritierend auch der Hinweis auf eine browserspezifische Webseitenoptimierung, in diesem Fall für den „Internet Explorer 6.0 auf Windows 2000/XP bei einer Bildschirmauflösung von 1280x800 Pixel“.[6] Von einem Archivportal sollte der Nutzer erwarten können, dass es alle relevanten Informationen so anbietet, dass sie schnell zu finden sind und gut mit ihnen gearbeitet werden kann. Angebote wie das Archivportal sollten Benutzern unterschiedlicher Herkunft bei der Arbeit mit Archivalien helfen, weniger der Selbstdarstellung. Welche Rückstände bei einer öffentlichkeitsorientierten Darstellung bestehen, zeigt ein Blick auf andere deutsche Angebote wie das Digitale Archive Marburg[7], das Digitale Archiv Hessen-Darmstadt[8] oder das Portal der Nordrhein-Westfälischen Archive.[9] Wie gelungen die Suche in Online-Archiven sein kann, zeigt wiederum Baden-Württemberg.[10]

Anmerkungen:
[1] <www.archivportal.niedersachsen.de/> (12.03.2008).
[2] <aidaonline.niedersachsen.de/> (12.03.2008).
[3] Laut Angaben auf <aidaonline.niedersachsen.de/> waren am 18.2.2008 9.816.581 Akten erfasst.
[4] <www.nla.niedersachsen.de/master/C15823208_N15822969_L20_D0_I503.html> (12.03.2008).
[5] Der Link führt aber ins Leere, der richtige lautet: <www.histag-schaumburg.de/page/page_ID/78?PHPSESSID=99c93fa5f5c657c0454f0fb259c6c6f6>, wobei keineswegs das Ortsverzeichnis online verfügbar ist, sondern nur ein Probeartikel. (12.03.2008).
[6] <www.archivportal.niedersachsen.de/PortalImpressum.aspx> (12.03.2008).
[7] <www.digam.net> (12.03.2008).
[8] <www.digada.de/index.html> (12.03.2008).
[9] <www.archive.nrw.de/> (12.03.2008)
[10] <www.landesarchiv-bw.de/sixcms/detail.php?template=hp_artikel&id=17117&id2=&sprache=de> (12.03.2008).

ZitierweiseKarl Heinz Schneider: Web-Rezension zu: Archivportal Niedersachsen, in: H-Soz-u-Kult, 21.03.2008, <http://hsozkult.geschichte.hu-berlin.de/rezensionen/id=146&type=rezwww>.

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