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| Autor(en): | Wallmann, Johannes |
| Titel: | Der Pietismus. Ein Handbuch |
| Ort: | Stuttgart |
| Verlag: | UTB |
| Jahr: | 2005 |
| ISBN: | 3-8252-2598-4 |
| Umfang/Preis: | 243 S.; € 12,90 |
Rezensiert für H-Soz-u-Kult von:
Hedwig Richter, Universität zu Köln
E-Mail: <herichter
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07.09.2006 Richter, Hedwig <herichter
Re: Antwort auf Michael Kannenberg
Eine Rezension kann schwerlich die Mauer zwischen den Wissenschaftsfeldern einreißen, aber sie kann diese Mauer beklagen: Von rühmlichen Ausnahmen abgesehen[1] und trotz aller Mahnungen (meine Kritik ist ja keineswegs neu) ignorieren „Profanhistoriker“ noch immer Theologie und Religion und bleiben Kirchenhistoriker isoliert in ihrem Feld. Und das liegt in Sachen Pietismus vielmals an einer Selbstverliebtheit und methodischen Unbedarftheit. Wallmanns Überblick hat das einmal mehr verdeutlicht.
So bedarf es etwa für die zeitliche Eingrenzung des Pietismus keiner weiteren klugen Schriften und Polemiken. Vielmehr steht sie in direktem Zusammenhang mit der jeweiligen Fragestellung, dem analytischen Interesse und dem daraus resultierenden methodischen Ansatz. Wer sich nicht für Sozialgeschichte interessiert, nicht für Mentalitätsgeschichte und nicht für die Implikationen zwischen Politik, Kultur und Theologie, der kann den Pietismusbegriff nach Herzen einengen. Er wird sich aber den Vorwurf gefallen lassen müssen, einen Großteil der Geschichte auszublenden. Eine solche Haltung erklärt auch die Anfragen der Replik: Der Zusammenhang etwa zwischen jüdischen Elementen in der pietistischen Theologie und christlichem Widerstandsverhalten süddeutscher Pfarrhäuser in der NS-Zeit kann so nur als blanker Unsinn erscheinen.[2] Und die Verbindung von Bengelscher Verbalinspiration und Begründung moderner Textkritik wiederum kommt dem Verfasser der Replik im Sperrbezirk der Kirchenhistorie so selbstverständlich vor, dass er daran schwerlich die Ironie erkennen kann – wobei zugegebenermaßen die meisten „Profanhistoriker“ mit dem Begriff „Verbalinspiration“ ohnehin nichts anfangen können. Die Mauern sind noch hoch.
Zum letzten Punkt, der Kritik an Ulrike Gleixners Schrift. Eine historische Arbeit zeichnet sich nicht primär durch Quellenerschließung aus, sondern durch eine profunde Analyse dieser Quellen und angemessene Kontextualisierung. Das ist beim Thema Pietismus ohne Theologie schwerlich möglich.
Wenn sich also Wallmann mit einem Überblickswerk explizit an Profanhistoriker wendet, wäre es nunmehr angesagt, er würde allgemeinen Fragestellungen der Geschichtswissenschaft mehr Rechnung tragen. Ist es nicht pharisäisch, das Kräutlein im eigenen Garten allein für wichtig zu halten und den Baum im Nachbargarten, der den Schatten spendet, zu ignorieren?
Anmerkungen:
[1] Vgl. Lucian Hölscher, Projektbericht: Neuer religionsgeschichtlicher Schwerpunkt in Bochum , in: zeitenblicke 5 (2006), Nr. 1, [04.04.2006], URL: www.zeitenblicke.de
[2] Vgl. zu dem bisher noch kaum erforschten Netzwerk von Pfarrhäusern in Süddeutschland, mit dessen Hilfe zahlreiche Juden gerettet werden konnten: Max Krakauer: Lichter im Dunkel. Flucht und Rettung eines jüdischen Ehepaars im Dritten Reich. Stuttgart (2. Aufl.) 1991.
05.09.2009 Kannenberg, Michael <oekolampad
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Re: Rez. FNZ J. Wallmann, Der Pietismus
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