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Hist. Publikationen auf elektron. Trägermedien

Rez. CD-ROM: Helbig über "1648 - Krieg und Frieden in Europa"

 

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Diese Rezension wurde redaktionell betreut von: Rüdiger Hohls <hohlsrgeschichte.hu-berlin.de>

Diese Rezension entstand durch die Kooperation mit Server für die Frühe Neuzeit www.sfn.uni-muenchen.de/

Titel:1648 - Krieg und Frieden in Europa. CD-ROM für PC; 400 Kunstwerke, 56 Meisterwerke in höchster Auflösung
Herausgeber:Veranstaltungsgesellschaft 350 Jahre 350 Jahre Westfälischer Friede
Ort:Münster
Verlag:Veranstaltungsgesellschaft 350 Jahre Westfälischer Friede mbH
Jahr:
ISBN:3-88789-126-0
Umfang/Preis:45.00 DM

Beatrice M. Helbig, Historisches Seminar der Universität München

Die CD-ROM entstand parallel zur gleichnamigen Ausstellung anläßlich des 350jährigen Jubiläums des Westfälischen Friedens in Münster. Der Schwerpunkt liegt auf kunsthistorischen Aspekten, was bereits durch die zahlreichen Gemälde deutlich wird.

Die Texte sind in den Sprachen Englisch, Französisch, Deutsch, Schwedisch und Niederländisch auszuwählen. Zu Beginn des Rundgangs wird der Inhalt übersichtlich dargestellt. Die einzelnen Themen wurden zu drei Schwerpunkten mit historischer, kulturhistorischer sowie kunsthistorischer Ausrichtung zusammengefaßt. Der historische Bereich umfaßt die Beschreibung des Dreißigjährigen Krieges und die Friedensverhandlungen aus europäischer Perspektive. Die kulturhistorischen Themen behandeln die kriegerischen Aspekte und das Militär sowie die Literatur des Krieges. Der kunsthistorische Komplex behandelt schließlich das Herrscherporträt, die Kriegsmalerei sowie Graphiken und die Darstellung der Friedensfeiern.

Zur besseren Orientierung empfiehlt sich zunächst die "Guided Tour", die die Handhabung des Programms erläutert. Diese kann allerdings nur komplett durchlaufen werden, nicht abschnittsweise und ist weniger spannend inszeniert als im Booklet angekündigt.

Hat man einen Abschnitt aus dem Themenspektrum ausgewählt, so erscheint ein - sowohl inhaltlich als auch optisch - gut lesbarer Text. Die Artikel umfassen maximal 19 Seiten und sind somit nicht zu lang. Positiv zu bewerten sind die bibliographischen Angaben am Ende eines jeden Artikels. Innerhalb des Textes befinden sich Links zu Personennamen oder verschiedenen Begriffen, die dann auf der linken Seite des Bildschirms erläutert werden. Die Kurzbiographien bieten einen sinnvollen Überblick zur betreffenden Person. Sehr häufig verweisen die Links auch auf Gemälde, Radierungen, Büsten oder Waffen, von denen einige Bilder vergrößert und näher betrachtet werden können. Dabei werden zunächst in einem anderen Fenster nähere Informationen über den Maler, die Entstehungshintergründe sowie die Inhalte und die Bedeutung des Bildes vermittelt. Die Photos können in einem weiteren Schritt in verschiedenen Stufen (bis zu 256-fach) vergrößert werden. Äußerst hinderlich ist dabei, daß man lediglich einen zuvor bezeichneten Ausschnitt vergrößern, aber nicht mit der Maus weiterfahren kann, um das gesamte Bild in vergrößertem Maßstab zu betrachten. Dazu muß erst das Bild wieder verkleinert und ein neuer Ausschnitt ausgewählt werden. Das Hin- und Herspringen erschwert in manchen Fällen die Betrachtung des Bildes. Insbesondere stört diese Handhabung bei Graphiken, die einen Text enthalten, der deshalb schwer zu lesen ist.

Schwierigkeiten bereitet manchmal auch die Verlinkung innerhalb der verschiedenen Texte. Der Hinweis auf weitere Artikel zum Thema wird nicht immer sofort ersichtlich. Es wäre vorteilhafter, auf die thematisch verwandten Artikel gleich zugreifen zu können und bei den Kurzbiographien einen Verweis auf ein vorhandenes Porträt einzufügen. Ebensowenig wird deutlich, nach welcher Systematik die Bilder vergrößert werden können. Viele werden weder näher beschrieben noch können sie genauer betrachtet werden.

Bei der Beschreibung des Dreißigjährigen Krieges werden der Verlauf und die Friedensverhandlungen erläutert. Positiv zu bewerten ist der europäische Blickwinkel, der bereits durch das renommierte europäische Autorenkollektiv gewährleistet ist und auch den Konflikt zwischen Spanien und den Niederlanden sowie die Perspektive Frankreichs und Schwedens näher beleuchtet. Insgesamt werden die Ereignisse überwiegend chronologisch geschildert und weniger auf Ursachen und Zusammenhänge Wert gelegt. Dies tut der CD aber keinen Abbruch, da dennoch sehr viele Informationen vermittelt werden und schließlich der Westfälische Friede im Zentrum der Ausstellung stand.

Gewinnbringend ist auch die breite Streuung der Themen und die Einbeziehung des kulturhistorischen Aspektes. In diesem Bereich liegt ein großer Schwerpunkt auf den Themen "Krieg" und "Militär". Diese werden anhand von Abbildungen von Waffen, zeitgenössischen Drucken und Grafiken veranschaulicht. Problematisch ist jedoch immer wieder - insbesondere bei Flugblättern oder Radierungen, die viele Informationen enthalten -, daß viele der Bilder nicht vergrößert werden können. Hier wäre es vorteilhaft, sich Ausschnitte näher ansehen zu können, z.B. im Fall des Prager Fenstersturzes oder bei den Beispielen der Flugblattpropaganda. Ebenso begrüßenswert wäre eine intensivere Veranschaulichung der Propaganda und Kunstpolitik Gustav Adolfs durch Münzen, Medaillen und Drucken gewesen.

Der Kriegsalltag wird anhand der Bilderzyklen von Jacques Callot und Hans Ulrich Frank. anschaulich gemacht, allerdings fehlt leider auch bei diesen besonders interessanten Bildquellen eine Zoomfunktion.

Mit Hilfe eines Index besteht die Möglichkeit, Künstler, Daten, Orte oder Stichworte zu suchen. Die CD enthält auch eine Chronologie zur betreffenden Zeit, wobei allerdings nicht ganz klar wird, warum die Zeittafel bei 1567 beginnt und bei 1650 endet. Jahr für Jahr erscheinen aufgeteilt in drei Rubriken - politische und militärische, kulturhistorische und kunsthistorische Ereignisse - die wichtigsten Stichpunkte.

Die CD-ROM spricht ein eher kunstgeschichtlich interessiertes Publikum an und dient als Begleitmaterial zur Ausstellung. Positiv zu bewerten ist das breite Themenspektrum, das auch die Europaperspektive umfaßt. Bild- und Textmaterial befinden sich in einem ausgewogenen Verhältnis und vermitteln einen ausführlichen Überblick über die Zeit des Dreißigjährigen Krieges. Für den Kunsthistoriker ist u.a. die Vergrößerungsmöglichkeit und damit die genauere Betrachtung eines Gemäldes von Vorteil. Dabei ist die ausgezeichnete Bildqualität besonders zu betonen. Für den Historiker ist es etwas bedauerlich, daß informationsreiche Bilder, Radierungen und Stiche selten vergrößert werden können. Ebenso ist zu bemängeln, daß einige der Bilder und die Waffen detailliert beschrieben werden, jedoch die Gemälde der Rubrik "Meisterwerke" sowie Radierungen, die das Zeitalter veranschaulichen, nicht. Dennoch gewährleistet die CD-ROM einen anspruchsvollen und informationsreichen Zugang zum Thema des Westfälischen Friedens. Die vorliegende Produktion kann neben den übrigen Begleitpublikationen zur Jubiläumsausstellung als eigenständige, neue Wege beschreitende Publikationsform bestehen.

ZitierweiseGregor Horstkemper: Rezension zu: Veranstaltungsgesellschaft 350 Jahre 350 Jahre Westfälischer Friede (Hrsg.): 1648 - Krieg und Frieden in Europa. CD-ROM für PC; 400 Kunstwerke, 56 Meisterwerke in höchster Auflösung. Münster 1998, in: H-Soz-Kult, 09.05.2000, <http://hsozkult.geschichte.hu-berlin.de/rezensionen/id=7762&type=rezcdrom>.

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