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Alte Geschichte

M. Sommer: Wirtschaftsgeschichte der Antike

 

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Diese Rezension wurde redaktionell betreut von: Udo Hartmann <hartmannugeschichte.hu-berlin.de>
Autor(en):
Titel:Wirtschaftsgeschichte der Antike
Reihe:Beck’sche Reihe 2788
Ort:München
Verlag:C.H. Beck Verlag
Jahr:
ISBN:978-3-406-65480-0
Umfang/Preis:128 S.; € 8,95

Rezensiert für H-Soz-u-Kult von:
Raphael Brendel, Historisches Seminar, Ludwig-Maximilians-Universität München
E-Mail: <raphaelbrendelarcor.de>

In diesem Buch, einer der jüngsten Neuzugänge zur Antike aus der bekannten Reihe Beck-Wissen, möchte Michael Sommer „in sieben kurzen Essays in ausgewählte Aspekte des Wirtschaftslebens im Altertum einführen“ (S. 20).

Die Einleitung (S. 8–22) hat drei Funktionen: Sie diskutiert den Begriff der (wirtschaftlichen) Krise in der Antike, führt in die zentralen Forschungskontroversen seit Karl Bücher ein und begründet die Wahl der „langen Antike“ von der Sesshaftwerdung des Menschen etwa 9000 v.Chr. bis zum Fall Westroms als gewählten Zeitraum für die Untersuchung. Warum aber wurde dann nicht der passendere Titel „Wirtschaftsgeschichte des Altertums“ gewählt?

Das Kapitel „Revolutionen“ (S. 22–38) zeigt die Bedeutung der Faktoren der Sesshaftwerdung um 9000 v.Chr., der Urbanisierung vor allem ab 5000 v.Chr. und der Herausbildung politischer Institutionen wie Paläste, Tempel und Armeen etwa ab 3000 v.Chr. für die Entwicklung des Wirtschaftslebens auf. Das Kapitel „Vernetzung“ (S. 38–61) ist dem Fernhandel und seiner Bedeutung gewidmet. Hierin erörtert Sommer, wie der Fall der bronzezeitlichen Imperien und der damit einhergehende Wegfall von großräumigem Güteraustausch und politischen Machtfaktoren den phönizischen Städten weitreichende Entfaltungsmöglichkeiten eröffneten. Sommer zeichnet darüber hinaus die Entwicklung des antiken Fernhandels unter besonderer Berücksichtigung der Handelsbeziehungen mit dem fernen Osten, darunter etwa Indien, nach.

In dem Kapitel „Arbeit“ (S. 61–79) wird die Rolle verschiedener Tätigkeitsbereiche aufgezeigt. Diskutiert werden dabei Handwerk und Kunsthandwerk, Fischerei, Bergbau, Waffenherstellung (für die römische Armee) und Landwirtschaft. Das folgende Kapitel erörtert die „Institutionen“ (S. 79–101) oikos, Staat und Märkte. Sommer zeigt hierin die eingreifende Funktion des antiken Staates an den Beispielen des diokletianischen Höchstpreisediktes und der Versorgung städtischer Bevölkerungen (vor allem in Athen und Rom) auf. In diesem Kapitel kommt auch die Geringschätzung des Handwerks durch die römische Elite und ihre Hochachtung der Landwirtschaft zur Sprache.

Beim „Kapital“ (S. 101–113) wird zwischen ökonomischem Kapital und symbolischem Kapital unterschieden. Bezüglich Ersterem stellt Sommer insbesondere die Entstehung der Münzprägung und die des antiken Bank- und Kreditwesens vor. Daraufhin thematisiert er die Umwandlung des erworbenen ökonomischen Kapitals in symbolisches Kapital: Durch Euergetismus und durch zu günstigen Konditionen gewährte Darlehen war es in antiken Gesellschaften möglich, aus diesen finanziellen Investitionen symbolisches Kapital in Form von Ansehen und Verpflichtung zu erwerben. Das Schlusskapitel (S. 113–120) stellt nochmals die wichtigsten Faktoren der antiken Wirtschaft zusammen: Märkte, Gesetze und staatliche Regulierungsversuche, die antiken Staaten als geschützte Räume für wirtschaftliche Akteure, die Sklaverei, die in der Einführung aber nur beiläufig behandelt wird, sowie Normen, also etwa die Stellung des Handwerks und des Handels verglichen mit der der Landwirtschaft im Denken der antiken Eliten.

Drei Detailkorrekturen seien angeführt: S. 63 findet sich im Querverweis ein Zahlendreher (es ist „86“ statt „68“ zu lesen); die Symbole der Garantie auf einer Münze sind nicht immer Bilder auf beiden Seiten (S. 102), da sich auf den frühesten Münzen keine Bilder und später (aufgrund des Incusum) nur Bilder auf einer Seite finden; die Epitome de Caesaribus ist kein Werk des Aurelius Victor (S. 113).

Sommers kleines Büchlein ist eine gut lesbare und informative Einführung in die Wirtschaft des Altertums. Der Fachmann wird aus ihr kaum Neues entnehmen (wenngleich die Bibliographie, S. 123–126, durchaus einen Blick wert ist), dem Studenten, der sich schnell über die antike Wirtschaft informieren möchte, ist sicher eher die Überblicksdarstellung von Ruffing aus der Reihe „Geschichte kompakt“ zu empfehlen[1], die genauer, systematischer und umfangreicher die griechisch-römische Antike behandelt. Interessierte Laien dagegen dürften mit Sommers Einführung die bessere Wahl treffen.

Anmerkung:
[1] Kai Ruffing, Wirtschaft in der griechisch-römischen Antike, Darmstadt 2012.

ZitierweiseRaphael Brendel: Rezension zu: Sommer, Michael: Wirtschaftsgeschichte der Antike. München 2013, in: H-Soz-u-Kult, 23.06.2014, <http://hsozkult.geschichte.hu-berlin.de/rezensionen/2014-2-190>.

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