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Alte Geschichte

A. Torrance: Repentance in Late Antiquity

 

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Diese Rezension wurde redaktionell betreut von: Udo Hartmann <hartmannugeschichte.hu-berlin.de>
Autor(en):
Titel:Repentance in Late Antiquity. Eastern Asceticism and the Framing of the Christian Life c.400–650 CE
Reihe:Oxford Theology and Religion Monographs
Ort:Oxford
Verlag:Oxford University Press
Jahr:
ISBN:978-0-19-966536-5
Umfang/Preis:VIII, 244 S.; £55.00

Rezensiert für H-Soz-Kult von:
Florian Sonntag, Historisches Institut, Universität Stuttgart
E-Mail: <florian_sonntaggmx.de>

Buße zählt zu den zentralen Begriffen der frühen Christenheit. Meist wird der Begriff negativ gedeutet und häufig im Zusammenhang mit der „Erbsünde“ gesehen. Man tut Buße für die Leiden Christi, für Missetaten, die man selbst oder ein anderer begangen hat, um dadurch zwischenmenschliche Beziehungen wiederherzustellen oder um Gott und die Kirche um Vergebung zu bitten. Alexis Torrance hingegen hat ein anderes Verständnis von Buße und versucht im vorliegenden Werk, den Begriff neu zu definieren und dessen Rolle für das frühe Christentum zu beschreiben.

In einer kurzen Einleitung beschreibt Torrance, was den Leser in den einzelnen Kapiteln erwartet. Danach wird der Forschungsstand ausführlich skizziert und die wichtigste Literatur genannt. Dabei unterscheidet Torrance zwischen der katholischen und der protestantischen Sichtweise auf Buße: Die protestantische geht dabei mehr auf die klassische antike Sicht zurück und betont, dass Buße nicht durch einen Priester erlangt werden kann (S. 10); die katholische sieht Buße als Sakrament an (S. 10). Um Buße zu tun, ist man demnach an die Institution Kirche gebunden. Anschließend erklärt der Autor die chronologische Entwicklung des Begriffes Buße (S. 10–26), erläutert, dass dieser nicht klar definiert ist (S. 27), und beschreibt anschließend seine Methode: Er will anhand von Schlüsseltexten, welche bisher kaum berücksichtigt wurden, versuchen zu erklären, was unter dem Begriff Buße zu verstehen ist. Dabei sind für ihn zwei Aspekte von zentraler Bedeutung: Zum einen will er den historischen und literarischen Kontext darstellen, in welchem die spätantiken, monastischen Ideen von Buße eingebettet und entstanden sind (S. 28). Zum anderen will er den Begriff der Buße genauer definieren (S. 28), was er mit einem „framework“ versucht.

Dieses „framework“ besteht aus drei Punkten: (1) Buße beginnt mit der Taufe, was als Anfang des christlichen Lebens gedeutet wird. Der „Neubeginn“ des christlichen Lebens kann entweder durch die innere (kognitive) oder die äußere Buße vollzogen werden. (2) Buße kann als existentieller Aspekt gesehen werden. Das ganze christliche Leben besteht demnach aus der Aufgabe, die Gebote des Evangeliums zu wahren und danach zu leben. (3) Buße bedeutet, nach Christi Vorbild zu leben und wie er Buße zu tun. Die drei Punkte seines hermeneutischen Konzepts von Buße führt Torrance nicht explizit auf einzelne Textstellen, sondern auf das Konglomerat der Schlüsseltexte zurück. Das Modell soll als ein progressives und hierarchisches, beginnend bei anfänglicher Buße und endend bei Buße im Sinne Jesu Christi, begriffen werden, in welchem die drei Punkte nicht immer klar voneinander abzugrenzen sind (S. 28–30). Danach erläutert er, warum er den Begriff „Repentance“ für seine Studie nutzt und sowohl auf den griechischen Ausdruck matánoia als auch auf den lateinischen Terminus metanoia verzichtet (S. 31f.). Am Ende des Kapitels erklärt er die Auswahl der genannten Autoren für seine Studie (S. 33–35). Ausschlaggebend ist für Torrance dabei, dass die Texte kurz gehalten sind und somit einen diachronen Vergleich ermöglichen, die Autoren auf Griechisch geschrieben haben und in keine politischen oder theologischen Debatten verstrickt waren. Zusätzlich ist er der Meinung, dass diese vier Texte vollständig erklären, was unter Buße in der Spätantike verstanden wurde (S. 33).

Im folgenden Kapitel beschreibt er, wie Buße in der Septuaginta, im Judentum, in den Apokryphen und in den Pseudoapokryphen zu verstehen ist (S. 37–45). Sowohl im Tanach als auch im Alten Testament bedeutet Buße demnach ein Sich-Hinwenden bzw. Zurückkehren zu Gott (S. 39, 41 u. 43f.) und ein Leben nach dessen Gesetzen zu führen (S. 40). Das Ziel war also, das Wort Gottes zu achten und danach zu handeln, egal ob es durch Gott direkt, die Propheten oder die Texte verkündet wurde (S. 45). Im Neuen Testament steht das Motiv von Buße für die Verheißung der Gottesherrschaft und nicht mehr die Vermeidung von Strafe (S. 47). Als Beginn des christlichen Lebens wird die Taufe angesehen (S. 47), durch welche man sich im neutestamentarischen Sinne zum Leben Jesu Christi und dessen Botschaft bekennt. Buße ist somit ein allgegenwärtiger Bestandteil des christlichen Lebens. In Buße zu leben, bedeutet in christlichem Sinn demnach, Vergebung, Gnade sowie Nächstenliebe auszuüben und Almosen zu geben (S. 55). Der Mensch soll Jesus als Vorbild nehmen, wie dieser für die Sünden anderer büßen und die dafür zu empfangenen Strafen auf sich nehmen (S. 57f.). Außerdem beschreibt Torrance, was Buße in der hellenistischen Welt bedeutete (S. 60–63).

Im dritten Kapitel versucht Torrance, die Definition von Buße im Neuen Testament neu zu bewerten (S. 64). Dabei stellt er dem beschriebenen Konzept von Buße fünf neue Punkte gegenüber. Buße war demnach in der frühen Kirche ein vielschichtiges Konzept (S. 67–71) und bestand nicht nur aus der Taufe, sondern etwa auch aus Mitgefühl oder Vergebung. Beispiele hierfür finden sich sowohl in der Bibel als auch in außerbiblischen Texten. Ebenfalls von Bedeutung ist, dass Buße sich zu einem Sakrament entwickelte, was im Hirten des Hermas besonders deutlich wird (S. 67–71). Buße war auch nach der Taufe noch möglich und daher ein immerwährender Prozess im christlichen Leben. Tertullians Konzept von Buße hingegen wird von Torrance als Anomalie gesehen, da der Akzent der Buße auf der rigorosen Bestrafung des Büßers anstatt auf seiner Umkehr durch Fürbitten und durch Mitleid eines wohlwollenden Dritten liegt (S. 75–78). Eine andere Art der Rigorosität stellt das Mönchstum dar. Hier wird Buße als Abgrenzung von anderen und Selbstfindung verstanden (S. 79–83). Johannes Chrysostomos verband die asketische Buße mit der kirchlichen Lehre. Dabei betonte er, dass das Bedürfnis nach Buße universal im christlichen Leben ist, die Kirche ihre regulierende Stellung aber nicht missbrauchen darf und bei der Buße in erster Linie die Einstellung des Büßers, nicht die Dauer der Buße wichtig ist (S. 83–86).

In den Kapiteln 4–6 analysiert Torrance anhand seines dreistufigen „frameworks“ dann die Bußkonzepte von Markus dem Mönch bzw. Einsiedler (S. 88–117), Barasanuphius von Palästina, Johannes von Gaza (S. 118–157) und Johannes Klimakos (S. 158–175). Außerdem erfolgt jeweils eine kurze Einführung zu Person, Werk und Lebensumständen des Autors. Buße im kognitiven Sinn bedeutet für Markus den Mönch Zurückbesinnung auf die Gebote Jesu Christi. Buße kann nur durch den freien Willen, erweckt durch die Taufe, geleistet und dadurch die Gnade Gottes empfangen werden (S. 97–101). Da Buße die Vorbedingung zum Eintritt in Gottes Reich ist, wird sie zu einer andauernden Lebensaufgabe eines Christen. Markus sieht in der Ausübung der Buße drei Kernelemente: Vermeidung schlechter Gedanken, ständiges Beten und ein geduldiges Hinnehmen der Dinge, die den Menschen widerfahren (S. 102–109). Das höchste Ziel der Buße sollte es sein, gemäß dem Vorbild Jesu Christi die Sünden anderer auf sich zu nehmen und das eigene Leben für sie zu geben. Ziel dieser Perfektion der Buße ist die Errichtung einer Gemeinde basierend auf Nächstenliebe (S. 109–112). Die Notwendigkeit, sich der Buße hinzugeben, wird dadurch begründet, dass Buße als sinnstiftendes Element bezeichnet wird, das die Welt zusammen hält (S. 112–116).

Barasanuphius und Johannes von Gaza unterscheiden zwischen innerer und existentieller Buße, die Grenzen sind hier jedoch fließend. Sie geben für jede Person eine individuelle Antwort (S. 160). Innere Buße wird dabei als Bruch mit der eigenen Vergangenheit und der darin begangenen Taten verstanden (S. 127–132). Existentielle Buße hat zwei Funktionen: zum einen individuellen Frieden und Erlösung zu finden und zum anderen friedvoll in Gemeinschaften zu leben, indem man die mönchischen Tugenden der Geduld, Demut und Trauer ausübt (S. 132–152). Die Buße nach Jesu Vorbild praktizieren für die beiden Autoren die Heiligen und die Rechtschaffenen. Diese fungieren als Mittler zwischen Gott und den Menschen zum Erreichen der allgemeinen Erlösung (S. 152–155).

Für Johannes Klimakos beginnt Buße ebenfalls mit Taufe. Seine Texte richten sich direkt an die Mönchgemeinschaft. Buße zu leisten, bedeutet für ihn, dass der Büßer abwesend vom Teufel ist, was er wiederum als den Beginn der Erlösung sieht. Die Beichte und vor allem die öffentliche Beichte sind ebenfalls Bestandteil der Buße, welche von einem Abt abgenommen wird, den Klimakos als eine Art „Mediziner“ sieht. Außerdem soll man auch für seine Mitmenschen Buße tun und diese ermutigen, ein gutes Leben zu führen (S. 160–163). Existentielle Buße können nach Johannes nur Anhänger des orthodoxen Glaubens erfahren. Man muss in Trauer und Demut leben, um Buße zu tun und gute Taten für Sünder und Gefallene ausüben. Buße ist die Grundlage des christlichen Lebens, aber es bedeutet auch, christlich zu leben (S. 164–171). Die höchste Form der Buße ist, so Johannes, für andere belastbar zu sein, für sie zu arbeiten und für sie zu büßen (S. 171–174). Am Ende des Buches stehen ein Fazit und eine Aussicht (S. 176–185), sowie ein Anhang (S. 186–208) eine Bibliographie und ein Register (S. 209–244).

Insgesamt bietet Torrance eine interessante und umfassende Betrachtung des Begriffes Buße, der in seinem Werk äußerst positiv gedeutet wird. Ob sein „framework“ allerdings wirklich ein Instrument darstellt, um das Prinzip der Buße (S. 179) auch bei anderen Autoren zu untersuchen, muss jedoch noch überprüft werden. Außerdem ist es stark zu bezweifeln, dass die Schriften von vier asketischen Mönchen tatsächlich die gesamte östliche Christenheit repräsentieren. Seine Aussage, es handle sich um Schlüsseltexte, ist ebenfalls strittig, da seine Auswahlkriterien schwer nachvollziehbar sind (S. 33–35). Sein Vorgehen kann man aber sicherlich als innovativ und gut strukturiert bezeichnen. Torrances Werk dürfte in erster Linie für Theologen von großem Interesse sein.

ZitierweiseFlorian Sonntag: Rezension zu: Torrance, Alexis C.: Repentance in Late Antiquity. Eastern Asceticism and the Framing of the Christian Life c.400–650 CE. Oxford 2012, in: H-Soz-Kult, 09.09.2013, <http://hsozkult.geschichte.hu-berlin.de/rezensionen/2013-3-138>.

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