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Arbeitskreis Historische Friedensforschung

T. Zeiler u.a. (Hrsg.): A Companion to World War II

 

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Diese Rezension wurde redaktionell betreut von: Alexander Korb <ak368le.ac.uk>

Die Rezension ist hervorgegangen aus der Kooperation mit dem Arbeitskreis Historische Friedensforschung. (Redaktionelle Betreuung: Alexander Korb und Christoph Laucht) www.akhf.de/

Titel:A Companion to World War II, 2 Bände
Reihe:Blackwell Companions to World History
Herausgeber:Zeiler, Thomas W.; Daniel M. DuBois
Ort:London
Verlag:Wiley-Blackwell
Jahr:
ISBN:978-1-4051-9681-9
Umfang/Preis:1.062 S.; € 297,00

Rezensiert für den Arbeitskreis Historische Friedensforschung bei H-Soz-u-Kult von:

Rolf-Dieter Müller, Zentrum für Militärgeschichte und Sozialwissenschaften der Bundeswehr, Potsdam
E-Mail: <RolfDieterMuellerbundeswehr.org>

In der kaum noch zu überblickenden Flut an wissenschaftlicher und pseudo-wissenschaftlicher Literatur zur Geschichte des Zweiten Weltkriegs ermöglichen neuere Gesamtdarstellungen Einstieg und Unterstützung. Wenn auch spektakuläre Spezialforschungen zu diesem wohl am besten erforschten Themenfeld der Geschichte rar geworden sind, ist die Forschung im Bereich des Zweiten Weltkriegs immer noch lebendig, aber oft unzureichend vernetzt. Auch deshalb sehen sich Versuche einer globalen Betrachtung vor kaum zu überwindenden Schwierigkeiten. Umso wichtiger sind aktuelle Zwischenbilanzen der Forschung, die, wie das vorliegende zweibändige Werk, von Zeit zu Zeit erscheinen und wichtige Impulse vermitteln können, um dem Ziel einer globalen Perspektive im Verständnis dieser blutigsten Epoche der Menschheit näherzukommen. Der Nutzen von Sammelbänden ist besonders dann groß, wenn es dem Herausgeber gelingt, Autoren zu versammeln, die ein möglichst breites Themenspektrum kompetent abdecken, und die Themen so kombiniert werden, dass sie einander ergänzend ein Gesamtbild ermöglichen sowie konzeptionell auf der Höhe der Zeit angelegt sind. Thomas W. Zeiler, renommierter Diplomatiehistoriker von der Universität von Colorado in Boulder, kommt als Herausgeber solchen Erwartungen sehr nahe. Er selbst hat bereits 2010 eine globale Militärgeschichte des Zweiten Weltkriegs verfasst. Die von ihm zusammengestellten 58 historiographischen Essays bieten eine kaum zu überbietende Fülle von Einblicken in die Weltkriegsgeschichte.
Eingebunden wird diese Vielfalt von Gerhard L. Weinberg, dem Doyen der US-amerikanischen Weltkriegsforscher. Er hatte 1994 (deutsche Ausgabe 1995) mit seinem fulminanten Werk über „Eine Welt in Waffen“ einen Meilenstein geschaffen, der in monographischer Form durch seine Fülle an Aspekten und breiter Kenntnis der Forschungslandschaft überraschte. Nun eröffnet Weinberg das Sammelwerk mit einer Skizze zur Vorgeschichte des Zweiten Weltkriegs und schließt es mit einer Betrachtung über den Ort dieses Krieges innerhalb der Weltgeschichte ab. Diese Skizzen werden jeweils von einer Reihe vertiefender Autorenbeiträge begleitet. Hier zeigt sich bereits die Schwierigkeit einer befriedigenden thematischen Ausgewogenheit. Dass die Wurzeln des Krieges, so die Überschrift des ersten Teils, im Versailler Friedensvertrag angelegt, durch die Weltwirtschaftskrise genährt und von expansionistischen Visionen angetrieben wurden, steht außer Frage. Doch weshalb dann in diesem Abschnitt nur noch der Kolonialismus in Asien und die sowjetische Kriegsplanung erörtert werden, lässt auf eine pragmatische Entscheidung des Herausgebers schließen. Das Schlusskapitel über Folgen und Konsequenzen des Krieges kombiniert Betrachtungen über Kriegsverbrechen in Europa (beschränkt auf deutsche Täter) mit der anglo-amerikanischen Nachkriegsplanung sowie den kulturellen Auswirkungen des Krieges in Deutschland und Erörterungen zum Zweiten Weltkrieg im historischen Gedächtnis.

Die vier anderen Teile des Kompendiums sind mehr systematisch angelegt. Der größte Abschnitt widmet sich der Kriegführung und beginnt mit dem frühen japanischen Angriff, gemeint sind die expansiven Schritte in den dreißiger Jahren, und endet mit dem Kriegsende im Pazifik. Dazwischen werden alle größeren Kriegsschauplätze sowie der Luft- und Seekrieg abgehandelt. Der nächste Teil verspricht multinationale und transnationale Kampfzonen. Hier versammeln sich Beiträge zur Strategie, Technologie, Spionage, zur Entwicklung nuklearer Waffen und französisch-afrikanischen Soldaten. Der Beitrag über Zivilisten in der Kampfzone enthält eine Erörterung der Literatur zur anglo-amerikanischen Bombenkriegsstrategie – eine Titelsetzung, die eigentlich höchst interessant ist und einen vielversprechenden Forschungsansatz bilden könnte. Es folgt ein weiterer Teil über multinationale und transnationale Kampfzonen. Dieses Mal geht es um die Gesellschaft. Anspruchsvoll ist der Versuch, die europäischen Kriegsgesellschaften zu vergleichen, den neutralen Teil Europas einzubeziehen und den Widerstand in Osteuropa zu skizzieren. Der Holocaust wird in zwei Beiträgen behandelt, dazu die Themen Umwelt, Frauen, transnationale Bürgerrechte und die globale Kultur. Zumindest der Beitrag über deutsche Emigranten in der US Army fällt etwas aus dem Rahmen.

Ein weiterer Teil ist den Homelands gewidmet. Auch er ist unsystematisch und lückenhaft konstruiert. In Betracht gezogen werden der Balkan im Zweiten Weltkrieg, das polnische Militär, das Vichy-Regime und die Résistance, der alliierte Italienfeldzug, der Kampf um die indische Unabhängigkeit, die US-Kriegsproduktion, die Generierung amerikanischer Kampfkraft und der Antisemitismus in den USA.

Dieser Überblick über die Themenvielfalt des Kompendiums deutet die Schwierigkeiten eines solchen Unternehmens an. Der Herausgeber wird vermutlich nicht jedes gewünschte und notwendige Thema besetzt haben können. Dafür hat er eine imponierende Zahl von Autoren gewonnen, in der Mehrzahl renommierte Wissenschaftler aus aller Welt, freilich hauptsächlich aus dem angelsächsischen Raum. Das bedingt fast zwangsläufig ein Übergewicht der Kriegführung der westlichen Alliierten, also auch des See- und Luftkrieges. Der deutsch-sowjetische Kriegsschauplatz, auf dem die größten Schlachten stattgefunden haben, steht dahinter zurück, ebenso der Kriegsschauplatz China, wo das Massensterben der Zivilbevölkerung bis heute kaum annähernd erfasst werden kann. Man kann auch den Partisanenkrieg in seinen verschiedenen Formen vermissen, das Thema der Kriegsgefangen, die sowjetische Kriegsgesellschaft und vieles mehr, was in jüngster Zeit wissenschaftlich Beachtung gefunden hat.

Dass Deutschland und die deutsche Kriegführung ebenfalls eine vergleichsweise geringe Beachtung gefunden haben und die Themen ausschließlich von angelsächsischen Autoren bearbeitet worden sind, mag praktische Gründe haben. Immerhin sind drei deutsche Historiker integriert worden. Sie befassen sich mit dem Holocaust (Jochen Böhler), dem Widerstand in Osteuropa (Stephan Lehnstaedt) und der Behandlung kriegsgefangener französischer Kolonialsoldaten durch die Wehrmacht (Raffael Scheck).

So bietet die verdienstvolle Sammlung von Essays und Forschungsberichten für Studierende und andere Interessierte einen Überblick über die gegenwärtige Forschungslandschaft, der Wünsche offenlässt und neugierig macht. Impulse für die Wissenschaft können auch auf dieser Basis entstehen.

ZitierweiseRolf-Dieter Müller: Rezension zu: Zeiler, Thomas W.; Daniel M. DuBois (Hrsg.): A Companion to World War II, 2 Bände. London 2012, in: H-Soz-u-Kult, 22.10.2013, <http://hsozkult.geschichte.hu-berlin.de/rezensionen/2013-4-058>.

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