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Alte Geschichte

N. Pollard u.a.: Die Legionen Roms

 

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Diese Rezension wurde redaktionell betreut von: Udo Hartmann <hartmannugeschichte.hu-berlin.de>
Autor(en):;
Titel:Die Legionen Roms
Ort:Stuttgart
Verlag:Theiss Verlag
Jahr:
ISBN:978-3-8062-2633-1
Bemerkungen:Aus dem Englischen übersetzt von Cornelius Hartz
Umfang/Preis:240 S., zahlr. Abb.; € 34,95

Rezensiert für H-Soz-Kult von:
Josef Löffl, Pfaffenhofen an der Ilm
E-Mail: <Josef.Loefflgmx.de>

Die erste Anlaufstelle für jeden, der sich mit der Geschichte einer römischen legio auseinandersetzt, ist seit über 80 Jahren der epochale Lexikon-Artikel von Emil Ritterling.[1] Während sich der Bereich des Roman military equipment augenscheinlich einer immer größeren Beliebtheit in der Forschung erfreuen kann[2], blieb bislang die generalistische Aufarbeitung der „Biographien“ der römischen Militärverbände etwas auf der Strecke. Diesbezüglich schaffen Nigel Pollard und Joanne Berry mit „Die Legionen Roms“ eine für Einsteiger in die Thematik geeignete zeitgemäße Alternative, die sich als äußerst nutzerfreundlich erweist[3]: Das Buch verfügt über ein Orts-, Namen- und Sachregister (S. 236–240), eine militärhistorische Zeittafel zur römischen Geschichte (S. 224–226) und ein Glossar (S. 227f.). Hervorzuheben ist außerdem die klar strukturierte Bibliographie, die zudem eine tabellarische Übersicht zu den relevanten antiken Autoren, Werktiteln und deren Abfassungszeitraum aufweist.

Die reich bebilderte Publikation ist chronologisch in drei Teile gegliedert: Im ersten Teil (S. 12–31) wird das Militärwesen der römischen Republik thematisiert und der Weg von der Manipular-Organisation (S. 14–19) über die marianische Heeresreform (S. 19–23) bis zu den Legionen Caesars (S. 24–28) und den Einheiten der Bürgerkriegszeit des zweiten Triumvirats (S. 29–31) aufgezeigt. Neben der Prägnanz der Schilderung ist insbesondere positiv hervorzuheben, dass im Text mit genauer Quellenangabe auf die entsprechenden Zeugnisse aus der antiken Literatur und der Epigraphik verwiesen wird. Zudem werden wichtige Einzelheiten in Form von Schaukästen näher erläutert.

Der Abschnitt „Die Legionen der Kaiserzeit“ (S. 32–209) bildet den Hauptteil der Publikation: Den „Biographien“ der legiones ist eine Kurzdarstellung des kaiserzeitlichen exercitus Romanus vorangestellt, die Informationen über die augusteische Heeresreform (S. 34–36), die Organisationsstruktur der Militäreinheiten (S. 37–41), Ausrüstung (S. 41–46) und die entsprechenden Einsatzfunktionen der Einheiten (S. 46–48) enthält. Zudem wird in diesem vorangestellten Kapitel auch der Aspekt der Truppendislokation kurz umrissen (S. 48–51). Die Einzeldarstellung der Einheiten erfolgt nach einer geographischen Gliederung: Nach den Legionen am Rhein und in Gallien (S. 52–81) sowie in Britannien (S. 82–105) werden die Einheiten in Spanien (S. 106–111), in Afrika (S. 112–119), in Ägypten (S. 120–129), an der Ostgrenze (S. 130–171), in den Balkanprovinzen (S. 172–203) und in Italien (S. 204–209) vorgestellt.

Neben den bereits erwähnten Schaukästen finden sich hier außerdem Info-Boxen zu den thematisierten Einheiten, die auf den ersten Blick neben der Angabe des Beinamens der Legion auch Informationen zu ihrem Emblem, ihrer Stationierung und ihren Feldzügen liefern. Bei der prägnanten Schilderung der individuellen Truppengeschichte ist wiederum als äußerst positiv hervorzuheben, dass im Text beispielsweise auf epigraphische Zeugnisse mit der entsprechenden CIL-Angabe verwiesen wird und dass die einzelnen Abschnitte neben den zahlreichen Abbildungen auch entsprechendes Kartenmaterial aufweisen. Der Inhalt ragt dabei weit über die bloße Truppengeschichte hinaus: Im Grunde wird dem Leser eine regelrechte Militärgeschichte der jeweiligen Provinz des Imperium Romanum präsentiert.

Das dritte Kapitel (S. 210–223) bildet inhaltlich ein spätantikes Pendant zum kurzen Gesamtüberblick über die kaiserzeitliche Armee im zweiten Abschnitt (S. 34–51). Neben einer knappen Zusammenfassung zu den Waffen und der römischen Taktik in der Spätantike (S. 221f.) werden dem Leser hier sowohl die Reichskrise des 3. Jahrhunderts (S. 212–214) als auch die Ausführungen der Notitia dignitatum (S. 215–221) näher gebracht.

Als Fazit gilt es festzuhalten, dass diese Publikation jedem an römischer Militärgeschichte Interessierten als Lektüre empfohlen werden kann. Meines Erachtens ist dieser Band insbesondere für Studierende geeignet, um sich einen Überblick zu verschaffen. Es ist nicht Ziel dieses Buches, den Artikel von Ritterling zu ersetzen, sondern einen ersten Zugang zu dieser Thematik zu schaffen – und dieser Absicht ist zur Gänze Genüge getan.

Anmerkungen:
[1] Emil Ritterling, Art. „legio“, in: Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaften XII 1–2 (1924/25), 1211–1829.
[2] Zuletzt u.a. Kathrin Jaschke in ihrer Rezension zu: Fischer, Thomas: Die Armee der Caesaren. Archäologie und Geschichte. Regensburg 2012, in: H-Soz-u-Kult, 24.09.2012, <hsozkult.geschichte.hu-berlin.de/rezensionen/2012-3-181> (17.01.2013).
[3] Englische Originalausgabe: The Complete Roman Legions, London 2012.

ZitierweiseJosef Löffl: Rezension zu: Pollard, Nigel; Berry, Joanne: Die Legionen Roms. Stuttgart 2012, in: H-Soz-Kult, 04.02.2013, <http://hsozkult.geschichte.hu-berlin.de/rezensionen/2013-1-075>.

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