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Alte Geschichte

K. Galinsky: Augustus

 

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Diese Rezension wurde redaktionell betreut von: Udo Hartmann <hartmannugeschichte.hu-berlin.de>
Autor(en):
Titel:Augustus. Introduction to the Life of an Emperor
Ort:Cambridge
Verlag:Cambridge University Press
Jahr:
ISBN:978-0-521-74442-3
Umfang/Preis:220 S.; £ 17.99

Rezensiert für H-Soz-Kult von:
Josef Löffl, Pfaffenhofen an der Ilm
E-Mail: <Josef.Loefflgmx.de>

An Arbeiten zum Leben und Wirken des ersten römischen princeps besteht wahrlich kein Mangel.[1] Mit dieser Publikation liefert Karl Galinsky jedoch keine der üblichen, äußerst umfangreich gestalteten Augustus-Biographien ab. Stattdessen präsentiert er seinen Lesern eine konzise Darstellung über den Weg des divi Iuli filius, deren Informationsgehalt mit großem Bedacht gewählt wurde.

Zunächst erlaube ich mir einige Anmerkungen zu handwerklichen Details: Das Buch verfügt sowohl über einen Quellen- (S. 199f.) als auch über einen Orts-, Namen- und Sachindex (S. 191–197). Ferner werden eine Genealogie des julisch-claudischen Herrschergeschlechts (S. xiif.) und eine Zeittafel von der Geburt des Augustus bis zum Tod der Livia (S. xv–xvii) angeführt. Dem Vorwort ist eine knappe Übersicht (S. xix–xxii) zu den für die Untersuchung relevanten Quellengattungen vorangestellt. Neben dem entsprechenden Kartenmaterial finden sich zentrale archäologische Zeugnisse der augusteischen Epoche unter den Abbildungen. Detailaspekte werden dem Leser in Form von hervorgehobenen Informationskästen nähergebracht, deren Spektrum von Quellenaussagen über die Schlacht von Actium (S. 33–35, Box 2.3.) bis hin zu einer detaillierten Beschreibung der Gemma Augustea (S. 132f., Box 5.8.) reicht.

Die Publikation ist in acht Kapitel gegliedert: Im Kapitel „From Velitrae to Caesar’s heir“ (S. 1–19) setzt sich der Autor nicht nur mit der Jugend des späteren Augustus auseinander, sondern lässt in die Darstellung auch den Weg der italischen Peninsula bis zur tota Italia einfließen. Neben Angaben zum familiären Netzwerk (S. 7f.) und dem Einfluss der Atia auf ihren Sohn (S. 9–10) finden sich hier auch Ausführungen zu seiner Erziehung (S. 10–14) und seinem Verhältnis zum dictator Caesar (S. 14f.). Galinsky betont dabei zu Recht, dass die ersten Maßnahmen des Erben Caesars im kleinen Stil bereits das erkennen lassen, was dieser als princeps in weit größeren Dimensionen verwirklichen sollte (S. 19). Chronologisch reicht das zweite Kapitel „Power struggles and civil war“ (S. 20–60), der umfangreichste Abschnitt der Arbeit, von den Iden des März 44 v.Chr. bis zum Ende des Krieges gegen Marcus Antonius und Kleopatra. Der Autor schildert mit großer Prägnanz den Weg in eine neue Ära der bella civilia, der mit der Konzeptlosigkeit der Caesar-Mörder (S. 20f.) und der gnadenlosen Unterschätzung Octavians durch den Consul des Jahres 44 v.Chr. (S. 21–23) seinen Anfang nahm. Die Zeitspanne von 43 bis 30 v.Chr. charakterisiert Galinsky als „bloody years“ (S. 31). Interessant gestaltet sich der Ansatz, mit dessen Hilfe der Autor das Wesen des iulischen Triumvirn beschreibt. Anstatt dem Leser eine vorgefasste Meinung zu präsentieren, stellt Galinsky die Zeugnisse, welche das Verhalten des Erben Caesars thematisieren, in zwei kontrastierende Blöcke zusammen (S. 32–36 u. 37–39). Somit wird es weitgehend dem Publikum überlassen, welchen Augustus es zu finden sucht – das Spektrum reicht vom blutrünstigen condottiere bis zum kühl taktierenden Machtpolitiker. Bemerkenswert ist vor allem Galinskys Analyse zum Erfolgsmodell des Augustus, mit dem dieses Kapitel beschlossen wird: „Often, a parade was already marching. His skill lay in the way he responded to these developments and placed himself at the head of the parade in order to direct its course“ (S. 60).

Der Weg vom warlord der Bürgerkriegszeit zum augusteischen Regime wird im Abschnitt „The Experiment of the principate“ (S. 61–83) geschildert. Galinsky beherrscht die Kunst, den Leser nicht mit platt niedergeschriebenen Allzweckmeinungen über diese entscheidende Phase der Weichenstellung in die Kaiserherrschaft abzufertigen, sondern trotz der knapp bemessenen Seitenzahl tiefgründig den Weg in den Prinzipat als Experiment zu schildern. Dabei werden Aspekte wie die Frage, in welcher Art und Weise der exercitus Romanus die Machtbasis (S. 71f.) des Herrschers bildete, ebenso geschildert wie dessen Selbstinszenierung als civilis princeps (S. 78f.).

Das Kapitel „The challenge of pax Augusta“ (S. 84–109) beleuchtet nicht nur die augusteische Definition des Begriffs pax (S. 85–90), sondern setzt sich auch mit den Realitäten jener in der augusteischen Literatur als goldenem Zeitalter (S. 90–95) geschilderten Epoche auseinander. Insbesondere wird hierbei auch die Nutzung der Religion (S. 99–107) als Machtmittel des neuen Regimes hervorgehoben. Weiterhin diskutiert Galinsky prägnant die Nachfolgefrage des Augustus, mit der er zugleich zum nächsten Abschnitt (S. 110–143) weiterleitet, in dem das Innenleben des Herrscherhauses näher beleuchtet wird. Unter den Kurzbiographien der Mitglieder des iulisch-claudischen Kaiserhauses – es finden sich hier Schilderungen zu Agrippa (S. 115–122), Iulia (S. 122–126) und Tiberius (S. 127) – ragt insbesondere die Passage „Livia: Wife and consigiliere“ (S. 111–115) heraus, in der ein nüchtern-objektives Bild der Ehefrau des ersten princeps gezeichnet wird. Unter anderem findet sich hier auch eine kurze Darstellung des Privatmannes Augustus (S. 139–141).

Im Kapitel „Cultural Vitality“ (S. 144–158) werden sowohl das Aufblühen der Literatur in der augusteischen Epoche als auch die umfangreichen Baumaßnahmen des princeps thematisiert. Im Detail geht der Autor zudem auf die dabei auftretende symbiotische Verschmelzung griechischer und römischer Elemente anhand des Augustus-Mausoleums (S. 154–156), der Ara pacis (S. 156–157) und der Aeneis des Vergil (S. 157f.) ein.

Den Weg zum kaiserzeitlichen imperium Romanum schildert Galinsky im Kapitel „The Augustan empire“ (S. 159–175): Er beschreibt darin nicht nur die Bedeutung des Kaisers als einende Figur in diesem neuen System (S. 160–163), die Fortschritte im administrativen wie im ökonomischen Bereich gegenüber der Republik (S. 163–165) und den Kaiserkult (S. 169–173), sondern liefert mit dem Abschnitt „Adapting and adopting Roman ways“ (S. 165–169) zudem eine konzise Schilderung der damaligen Romanisierungsprozesse. Mit dem Abschnitt „The final days and an assessment“ (S. 176–186) liefert der Autor neben einer kurzen Beschreibung des Todes des Augustus in erster Linie seine persönliche Einschätzung über das Wirken des Erben Caesars. Wie in seinen vorhergehenden Ausführungen bietet Galinsky dabei eine äußerst ausgewogene Darstellung.

Im Vorwort der Publikation beschreibt der Autor sein Anliegen mit einem Zitat von Erika Simon: Er wolle „souverän auswählen“ (S. xxiv), um seinem Publikum eine Einführung in die augusteische Epoche abzuliefern. Diesem Anspruch wird Galinskys Buch nicht nur gerecht: Mit seiner „Introduction to the life of an emperor“ offeriert er eine Schilderung, in der sich inhaltliche Brillanz und Sprachgewalt zu einem Lesegenuss vereinen.

Anmerkung:
[1] Siehe dazu exemplarisch Christoph Michels: Rezension zu: Dahlheim, Werner: Augustus. Aufrührer - Herrscher - Heiland. Eine Biographie. München 2010, in: H-Soz-u-Kult, 20.12.2010, <hsozkult.geschichte.hu-berlin.de/rezensionen/2010-4-202> (16.01.2013).

ZitierweiseJosef Löffl: Rezension zu: Galinsky, Karl: Augustus. Introduction to the Life of an Emperor. Cambridge 2012, in: H-Soz-Kult, 28.01.2013, <http://hsozkult.geschichte.hu-berlin.de/rezensionen/2013-1-059>.

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