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Mittelalterliche Geschichte

I. Ševčenko (Hrsg.): Vita Basilii Imperatoris

 

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Diese Rezension wurde redaktionell betreut von: Wolfgang Eric Wagner <wolfgang-eric.wagneruni-muenster.de>
Titel:Chronographiae quae Theophanis Continuati nomine fertur Liber quo Vita Basilii Imperatoris amplectitur
Reihe:Corpus Fontium Historiae Byzantinae – Series Berolinensis 42
Herausgeber:Ševčenko, Ihor
Ort:Berlin u.a.
Verlag:de Gruyter
Jahr:
ISBN:3-11-018477-X
Bemerkungen:3 Tafeln 4 Karten
Umfang/Preis:Hardcover; XII, 570 S.; € 168,00

Rezensiert für H-Soz-Kult von:
Michael Grünbart, Institut für Byzantinistik und Neogräzistik, Westfälische Wilhelms-Universität Münster
E-Mail: <gruenbartuni-muenster.de>

1981 erschien die Übersetzung des Lebens des Kaisers Basileios I. (867–886) von Leopold Breyer (1913–1998), welche über drei Dekaden die maßgebliche und gern konsultierte deutsche Übertragung war.[1] Breyer legte seiner Übertragung die Edition Immanuel Bekkers (Bonn 1835) zugrunde, konnte aber bereits die Vorarbeiten Ihor Ševčenkos mitberücksichtigen[2], „der seit längerer Zeit eine textkritische Neuausgabe vorbereitet“[3]. Ševčenko hatte in dem Vaticanus Graecus 167 (11. Jahrhundert) die Haupthandschrift für die Konstituierung des Textes entdeckt, die zwar fehlerhaft und mit Lesevermerken (Zweck unklar) versehen ist, aber den ursprünglichen Zustand des Werkes widerspiegelt. Die Handschrift aus dem Vatikan war die Vorlage der Abschriften, die in der Ausgabe von Bekker verwendet wurden, wobei zahlreiche Passagen aus dem Paralleltext von Ioannes Skylitzes in die Texttradition eingeflossen waren.

30 Jahre später erschien nun die Neuausgabe und die englische Übertragung der Schrift Konstantinos‘ VII. von Ihor Ševčenko (1922–2009) in der renommierten Reihe „Corpus Fontium Historiae Byzantinae“. Bei der Textkonstituierung konnte Ševčenko auch die 1975 wiederentdeckten Aufzeichnungen des Byzantinisten und Bibliothekars Carl Gotthard de Boor (1848–1923) verwenden, die durch ihre philologische und editorische Brillanz bestechen. Nach der Einleitung folgt der Text angereichert durch die üblichen Spezialindices (Namen, byzantinische Termini, Index graecitatis und Stellenbelege). Die Neuausgabe weicht in über mehr als 500 Stellen von der alten Bonner Ausgabe ab (S. 32*).

Die vita Basilii gehört zu einer Serie von Kaiserbiographien, die am Hofe Konstantinos VII. (944–959) gesammelt und dann unter dem modernen Namen „Theophanes Continuatus“ zusammengefasst wurden (die Chronik des Theophanes endete mit dem Jahr 813, hier setzte ungefähr das Kompilationswerk ein). Ob die Schrift Konstantins, das fünfte Buch der sechs Bücher umfassenden Chronographie, ursprünglich integriert oder ein eigenständiges Werk war, lässt sich nicht exakt klären, die Forschungsmeinung tendiert eher zur zweiten Annahme.

Der Text kann als eine Rechtfertigungsschrift Konstantins VII. gelesen werden, der den Aufstieg der sogenannten makedonischen Dynastie verklärend präsentieren wollte. Die Darstellung gleicht einer Heldenerzählung, in der Basileios von vielen Vorzeichen begleitet souverän (und logisch) die Stufen der Herrschaft erklomm. Die Ausführungen sind dementsprechend tendenziös, erlauben aber dennoch Einblicke in das monarchische Verständnis in Byzanz und liefern zudem kulturgeschichtlich wichtige Details (generell zu Bauten und Renovationen Basileios‘, Teppiche in Kirchen [cap. 76] und so weiter).

Die Übersetzung ist gut lesbar; nicht ganz konsequent wurden die byzantinischen Ämter und Titel behandelt (,patrikios‘ wird als ,patrician‘ wiedergegeben, während ,protospatharios‘ kursiv als Fachterminus im Text steht)[4]; an manchen Stellen würde man sich wie bei Breyer mehr Mut zu Erklärungen im Text wünschen: Zum Beispiel S. 123, cap. 31,26 wird das griechische ,Genikon‘ mit „General Office“ übersetzt und die wörtliche Bedeutung „Public Treasure“ wiedergegeben (der griechische Begriff scheint hier aber nicht im englischen Text auf); in cap. 99,7 hingegen ist ,genikon‘ klein geschrieben, gemeint ist aber auch hier die Staatskasse; S. 300, cap. 92,11–13: „because Stephen the Mathematician, who had carefully drawn up a horoscope of the aforementioned emperor (= Herakleios), said that the latter would die by water“ wird von Breyer mit „weil der Mathematiker Stephanos, der die Genealogie des genannten Kaisers erforschte, erklärt hatte, dass ihm aus dem Wasser der Tod drohe“, was näher am Sinn liegt, da in der Vorlage ,genesin‘ (= ,Herkunft‘) steht.

Im "Corpus Fontium Historiae Byzantinae" ist es üblich, auch Übersetzungen in anderen Sprachen anzuführen: Die eingangs genannte deutsche Übersetzung Breyers fehlt. Bibliographische Ergänzungen: Gilbert Dagrons "Empereur et prêtre" ist 2003 in englischer Übersetzung erschienen; Mario Gallina, La descrizione della „Nea Ekklesia“ nella „Vita Basilii“ tra propaganda dinastica e retorica letteraria, in: Studi medievali Ser. 3, 52 (2011), S. 347–373; Mario Gallina, Arte della propaganda e propaganda dell'arte a Bisanzio: la sezione Peri ktismaton della vita Basilii, in: Errico Cuozzo (Hrsg.), Studi in onore di Salvatore Tramontana, Pratola Serra 2003, S. 227–244; auf S. 4* zwar erwähnt, gehört Lieve van Hoof, Among Christian emperors. The Vita Basilii by Constantine VII Porphyrogenitus, in: The Journal for Eastern Christian Studies 54 (2002), S. 163–183, aber auch in die Literaturzusammenstellung.

Was die Lektüre des Einleitungstextes stört, sind die vielen typographischen Fehler: Neben der uneinheitlichen Satzzeichensetzung und Akzentfehlern im Griechischen (hier nicht möglich darzustellen) fielen unter anderen folgende Kleinigkeiten auf: S. XL: Pierahi muss Pieralli heißen; S. 39*: statt Charanix lies Charanis; S. 47*: statt mēges lies pēges; S. 50*: Claudia Rapp, Ritual Brotherhood in Byzantium, erschienen 1997.

Der Verlag De Gruyter wartet mit einer Neuerung auf: Statt des bisher üblichen Leineneinbandes wurde ein einfacher Pappband mit neuem Layout gewählt, der stattliche Preis ließ sich aber trotz des camera-ready copy-Verfahrens nicht senken.

Anmerkungen:
[1] Vom Bauernhof auf den Kaiserthron: Das Leben des Kaisers Basileios I., des Begründers der makedonischen Dynastie. Beschrieben von seinem Enkel, dem Kaiser Konstantinos VII. Porphyrogennetos. Übersetzt, eingeleitet und erklärt von Leopold Breyer, Graz 1981.
[2] Insbesondere Ihor Ševčenko, Storia Letteraria, in: La civiltà bizantina dal IX all‘ XI secolo. Aspetti e problemi, Bari 1978, S. 91–127.
[3] Vom Bauernhof auf den Kaiserthron, S. 23.
[4] Siehe Anthony Kaldellis, in: Bryn Mawr Classical Review 2012.04.25, <bmcr.brynmawr.edu/2012/2012-04-25.html>.

ZitierweiseMichael Grünbart: Rezension zu: Ševčenko, Ihor (Hrsg.): Chronographiae quae Theophanis Continuati nomine fertur Liber quo Vita Basilii Imperatoris amplectitur. Berlin u.a. 2011, in: H-Soz-Kult, 05.12.2012, <http://hsozkult.geschichte.hu-berlin.de/rezensionen/2012-4-200>.

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