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Neuere Geschichte

T. Hemmann (Hrsg.): Der Krieg in Sachsen 1809

 

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Diese Rezension wurde redaktionell betreut von: Daniel Menning <daniel.menninguni-tuebingen.de>
Autor(en):
Titel:Der Krieg in Sachsen 1809 dargestellt von Geißler und Sauerweid
Ort:Norderstedt
Verlag:Books on Demand - BoD
Jahr:
ISBN:3-8423-7388-0
Umfang/Preis:148 S.; € 59,90

Rezensiert für H-Soz-u-Kult von:
Alexander Querengässer, Leipzig
E-Mail: <a.querengasseraol.de>

Die Edition von Bilderserien gehört zu den eher vernachlässigten Bereichen der Wissenschaft. Dabei können Bilder auf anschauliche Weise visualisieren, wozu Worte oft nicht im Stande sind. Militärhistorikern liefern sie interessante Details über Uniformen, Sozialwissenschaftler erhalten Einblicke in Alltagsrealitäten und Lebenszustände. Der Wert solcher Quellen hängt dabei jedoch oft von der Qualität der entsprechenden Künstler und ihrem Auge für Details ab. Alexander Sauerweid und Christian Gottfried Geißler zählen zu den Künstlern der „zweiten Reihe“, deren Werke sich durch hohen künstlerischen Anspruch und den Blick für die kleinen Dinge des Alltags auszeichnen. Der Hobbyhistoriker Thomas Hemmann, der bereits mehrere Bilderserien aus der napoleonischen Zeit privat ediert hat, fasste nun ihre Zyklen über den Feldzug in Sachsen 1809 in einem vollständigen und für Militär- wie Sozialforscher wertvollen Bildband zusammen.

Hemmann beginnt mit einer groben Schilderung der Kriegsereignisse in Sachsen 1809. Diese bestanden zunächst aus kleinen Grenzgefechten zwischen dem Freikorps des „Schwarzen Herzogs“, Friedrich Wilhelm von Lüneburg-Oels, sowie den im Königreich verbliebenen Depottruppen unter Oberst Johann Adolph von Thielmann. Nach dem Sieg der Österreicher bei Aspern wurde die Donaumonarchie aktiv und so führte ein Korps des Generalmajors am Ende eine Invasion Sachsens durch und besetzte große Teile des Rheinbundstaates. Die „Schwarze Schar“ spielte bei diesen Ereignissen erneut eine wichtige Rolle. Hilfe erhielt Frankreichs Verbündeter schließlich durch das X. Korps der Grande Armée, westphälische und holländische Truppen unter Jerome von Westphalen. Doch erst der Waffenstillstand zwischen Frankreich und Österreich konnte die unsichere Lage in Sachsen bereinigen. Die letzten Scharmützel fanden anschließend zwischen Thielmanns Truppen und den nach Norden ziehenden Verbänden des Schwarzen Herzogs statt. Hemmann stützt sich bei der Darstellung dieser Ereignisse auf einige wenige Standardwerke älteren Datums, sowie John H. Gills Band über die Kämpfe der Rheinbundtruppen 1809.[1] Entgegen seiner einleitenden Behauptung, dabei Neues über die Zusammensetzung der sächsischen Truppen zutage gefördert zu haben, sind diese Statistiken bereits in Moritz Exners „Die Antheilnahme der Sachsen am Feldzug gegen Oesterreich 1809“ abrufbar.[2] Nichts desto trotz ist diese Übersicht hilfreich für den Leser, der mit diesen eher wenig bekannten militärischen Ereignissen nicht vertraut ist.

Wissenschaftlich sattelfest gibt Hemmann schließlich die Kurzbiografien Geißlers und Sauerweids wieder. Etwas mehr Informationen zur Entstehung der beiden Bilderserien wären hilfreich gewesen. Sehr gut dagegen sind der Vergleich der unterschiedlichen Ausgaben aller Serien und ihre quellenkritische Einschätzung. Den Hauptteil nehmen schließlich die Bildanalysen in Anspruch. Als Kenner napoleonischer Uniformen kann Hemmann das Auge des Betrachters auf die interessanten Details lenken und analysiert mögliche Fehldarstellungen- oder Kolorierungen. Außerdem gelingt es ihm immer wieder unter Ausnutzung gedruckter Quellen bestimmte Ereignisse in den historischen Kontext einzubetten. Somit stellen die drei von ihm edierten Bildserien eine wertvolle Hilfe zur Schilderung der militärischen Ereignisse in Sachsen dar.

Das Buch endet mit einer umfangreichen Auflistung der in Sachsen kämpfenden Truppenkörper, wenn auch nicht neu, so doch aber vollständig, sowie einer Übersicht der weiteren militärhistorisch relevanten Bilderserien von Geißler und Sauerweid.

Über die Verbildlichung dieses Nebenkriegsschauplatzes hinaus stellt Hemmanns Buch eine wichtige Edition für die napoleonische Zeit dar. Durch die hohe Qualität der Drucke und deren präzise Analyse durch den Editor wird jedem Autoren für diese Zeit ein Werkzeug in die Hand gegeben, welches ihm den militärischen Lebensalltag vor Augen führt und es ihm so ermöglicht ebenso farbenprächtig zu schreiben, wie die vorliegenden Bilder koloriert worden sind.

Anmerkungen:
[1] Vgl.: Alexander Querengässer: Rezension zu: Gill, John H.: With Eagles to Glory. Napoleon and His German Allies in the 1809 Campaign. Barnsley 2011, in: H-Soz-u-Kult, 17.04.2012, <hsozkult.geschichte.hu-berlin.de/rezensionen/2012-2-047> (23.07.2012).
[2] Moritz Exner, Die Antheilnahme der Königlich Sächsischen Armee am Feldzuge gegen Oesterreich und die kriegerischen Ereignisse in Sachsen im Jahre 1809, Dresden 1894.

ZitierweiseAlexander Querengässer: Rezension zu: Hemmann, Thomas: Der Krieg in Sachsen 1809 dargestellt von Geißler und Sauerweid. Norderstedt 2011, in: H-Soz-u-Kult, 28.11.2012, <http://hsozkult.geschichte.hu-berlin.de/rezensionen/id=19129>.

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