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Alte Geschichte

Th. Fischer: Die Armee der Caesaren

 

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Diese Rezension wurde redaktionell betreut von: Udo Hartmann <hartmannugeschichte.hu-berlin.de>
Autor(en):
Titel:Die Armee der Caesaren. Archäologie und Geschichte
Ort:Regensburg
Verlag:Pustet
Jahr:
ISBN:978-3-7917-2413-3
Bemerkungen:Mit Beiträgen von Ronald Bockius, Dietrich Boschung und Thomas Schmidts
Umfang/Preis:415 S.; € 59,95

Rezensiert für H-Soz-u-Kult von:
Kathrin Jaschke, Historisches Institut, Ruhr-Universität Bochum
E-Mail: <kathrin.jaschkeruhr-uni-bochum.de>

Der kaum zu überschauenden Flut von Einzelabhandlungen zum römischen Militär stehen nur wenige Gesamtüberblicke gegenüber. Noch heute wird in diesem Zusammenhang oft das Werk von Kromayer und Veith aus dem Jahre 1928 genannt.[1] Der 2007 erschienene Band von Erdkamp versucht eine neuere Zusammenschau, spart jedoch, wohl bedingt durch seine eher althistorische Sichtweise, archäologische Fragen zur römischen Armee wie den Lagerbau und vor allem die Details der Ausrüstung weitgehend aus.[2]

Diese Lücke will Thomas Fischer nun schließen, wobei er in seiner Darstellung zwar den Schwerpunkt auf die Ausrüstung des Heeres legt, aber auch – mit Hilfe von Fachkollegen – andere Bereiche wie bildliche Darstellungen, Militärbauten und die Flotte mit einschließt. Wie der Titel schon vermuten lässt, wird dabei vor allem die Kaiserzeit in den Fokus gerückt, Fischer bezieht aber immer auch die republikanische Zeit und die Spätantike mit ein, wodurch Ursprung und Entwicklungslinien leichter nachzuvollziehen sind. Aufgenommen werden Waffen und Gerätschaften, soweit sie in einem militärischen Kontext vorkommen. So finden Werkzeuge nur Erwähnung, wenn sie vorwiegend von Soldaten benutzt wurden, wie etwa die Pionieraxt (dolabra).

Es ist Fischer ein besonderes Anliegen, in diesem Band auch neuen und bislang kaum rezipierten Funden eine Plattform zu bieten. Dies bezieht sich vor allem auf Objekte aus Privatbesitz, die oftmals ohne bekannten Fundzusammenhang in den Kunsthandel gelangen; zu vermuten ist hier oftmals eine Herkunft aus dem unteren Donauraum. Der Band will, laut Fischer, diejenigen Beiträge zusammenfassen, die sich von archäologischer Seite der Erforschung des kaiserzeitlichen Heeres widmen und dabei eine „fachlich korrekte, aber dennoch verständlich geschriebene Gesamtdarstellung der römischen Militärarchäologie samt ausgewählten Aspekten der althistorisch-epigraphischen Forschung“ (S. 12) versuchen. Neben den Fachwissenschaftlern und Studierenden auch benachbarter Wissensgebiete richtet sich dieser Band ebenfalls, wie Fischer ausdrücklich und mehrfach betont, an die immer zahlreicheren Reenactment-Gruppen. Deren Engagement und Erfolge auf dem Feld der experimentellen Archäologie werden von Fischer öfters gewürdigt, und der Band enthält viele Abbildungen und Erfahrungsberichte aus diesem Bereich. Obwohl die meisten Reenactment-Gruppen sich größtmögliche wissenschaftliche Genauigkeit auf die Fahnen geschrieben haben, weicht ihre Ausrüstung doch aufgrund von billigen Rekonstruktionsimporten immer öfter von den Originalen ab. So werden einzelne Ausrüstungsgegenstände nicht immer korrekt rekonstruiert oder aber solche verschiedener Zeitstellungen miteinander kombiniert. Diese Entwicklung hält Fischer auch im Hinblick auf die große Öffentlichkeitswirksamkeit dieser Gruppen für gefährlich und möchte hier Abhilfe schaffen.

Der erste Teil (S. 32–61) behandelt die Bildquellen des römischen Militärs. Dietrich Boschung erläutert knapp aussagekräftige Beispiele römischer Militärdarstellungen sowie die Intention der Auftraggeber, wobei sinnvollerweise auch die wenigen republikanischen Darstellungen wie das Census-Relief oder das Bocchus-Monument Erwähnung finden. Interessant ist die hier nachgezeichnete Entwicklung von der Andeutung des Kriegsgeschehens und dem Herausstellen der Sieghaftigkeit des Kaisers hin zu durchaus grausamen Schlachtendarstellungen, die sich erstmals auf den Reliefs der Trajans- wie der Marc-Aurel-Säule finden. Gerade letztere spielen für die Militärforschung eine bedeutende Rolle, es wird aber betont, dass es sich hier mehr um Vorstellungen stadtrömischer Künstler als um eine realitätsgetreue Wiedergabe der Ausrüstung handelt. Im zweiten Teil (S. 62–111) gibt Fischer einen kurzen Überblick zu Aufbau, Organisation und Entwicklung der Armee, erläutert Herstellungstechniken und Fundsituationen von Waffen und mögliche Unterschiede zwischen Legionären und Hilfstruppen, was zum Verständnis der späteren Kapitel sicher beiträgt.

Daran schließt sich der ausführlichste, dritte Teil (S. 112–249) an, in dem anhand vieler Beispiele Tracht, Bewaffnung und Ausrüstung des Heeres besprochen werden. Thema sind – unterschieden in Infanterie und Kavallerie –, Kleidung, Schutzwaffen und Angriffswaffen sowie Pferdegeschirr und Paradewaffen. Darüber hinaus widmen sich weitere Unterkapitel des dritten Teils, wenn auch jeweils nur kurz, der Artillerie, den Feldzeichen, den Auszeichnungen, den Pionierwerkzeugen und dem Marschgepäck. Mit großer Detailgenauigkeit behandelt Fischer hier die einzelnen Ausrüstungsteile und ihre jeweilige Entwicklung. Bei den Helmen sowohl der Infanteristen als auch der Reiter führt er jeweils eine neue Einteilung der Typen ein, die sich bei den Infanteriehelmen an bestehende Typologisierungen – so an die von Junkelmann[3] – anschließt oder aber – wie bei den Reiterhelmen – völlig neue Wege geht. Ein Grund für diesen neuen Ansatz ist für ihn die bislang nicht zufriedenstellende Zuordnung von Helmen zu Kampf- oder Paraderüstung. Fischer lehnt die Zuordnung eines Helmes zu Paraderüstungen nur aufgrund reicherer Verzierung ab und führt überzeugende Argumente dafür an: Zum einen hätten auch reich verzierte Helme wie die pseudoattischen Kavalleriehelme des späten 2. und gesamten 3. Jahrhunderts n.Chr. den Belastungen eines Kampfes standgehalten, und zum anderen könnten diese Helme nicht alle zu Paraderüstungen gehören, da sich keine anderen Helme aus dieser Zeit erhalten haben und somit eine merkwürdigen Lücke im Fundspektrum entstünde (S. 210).

Die Bauten des Heeres werden im vierten Teil (S. 250–317) abgehandelt. Zunächst werden die Charakteristika und Funktionsweise von Marsch- wie Standlagern sowie die Innenbauten der letzteren vorgestellt. Zu unterscheiden sind hier Fachwerkbauten und dann der Ausbau in Stein. Danach folgt ein Katalog der wichtigsten Lager- und Kastelltypen, der unter anderem Marschlager, Belagerungssysteme, Doppellegionslager und Ein-Legionenlager in chronologischer Reihenfolge sowie Auxiliarkastelle, städtische Garnisonen und spätrömische Befestigungen umfasst. Zu den Bauten des römischen Heeres gehören natürlich auch die Grenzbefestigungssysteme (limites und ripae), während der Straßenbau kaum erwähnt wird. Mit gutem Kartenmaterial versehen, werden hier die befestigten Grenzen von Britannien über Rhein und Donau bis nach Syrien und Nordafrika vorgestellt.

Im fünften Teil (S. 318–351) zu den „Entwicklungsperioden der römischen Militärgeschichte“ fasst Fischer vornehmlich die Ergebnisse des dritten Teils zusammen und zeichnet klar die Entwicklungslinien der einzelnen Ausrüstungsgegenstände nach. Besonders deutlich wird hier, welch starken Änderungen die Ausrüstung unterworfen war und welche Gefahr es birgt, einzelne Gegenstände gedankenlos zu kombinieren. Schließlich setzen sich im sechsten und letzten Teil (S. 352–395) kenntnisreich zum einen Thomas Schmidts mit den Flottenstützpunkten des Römischen Reiches und zum anderen Ronald Bockius mit den einzelnen Schiffstypen der römischen Kriegsmarine auf hoher See und Binnengewässern auseinander. Bau- und Rudertechnik einzelner Schiffe werden erläutert und auf ihr mögliches Einsatzgebiet geschlossen.

Die klare Gliederung sowie die vielen Abbildungen erleichtern das Verständnis, die reich zitierte Literatur nennt die jeweiligen Standardwerke sowie weiterführende Beiträge, die einen direkten Zugriff auf weitere Informationen und damit eine noch intensivere Beschäftigung mit Einzelaspekten ohne weiteres ermöglichen. Das ausführliche Register erleichtert das schnelle und problemlose Auffinden interessanter Aspekte. Das fehlende Glossar hingegen dürfte für den in dieser Materie Unerfahrenen eine kleine Einstiegshürde bei den vielfach verwendeten Fachtermini bilden, und auch die teilweise fehlenden Angaben der antiken Schriftquellen erschweren zuweilen den Zugang. Dies schmälert aber nicht den Lesegenuss; insgesamt präsentiert Fischer einen sehr übersichtlich gestalteten und mit vielen Abbildungen und Details versehenen Überblick zum römischen Heer nicht nur der Kaiserzeit, soweit er durch archäologische Funde gesichert ist, und wird so seiner Absicht voll gerecht. Als Nachschlagewerk zu Einzelfragen eignet sich der Band genauso wie als Gesamteinführung in das Thema.

Anmerkungen:
[1] Johannes Kromayer / Georg Veith, Heerwesen und Kriegführung der Römer und Griechen (Handbuch der Altertumswissenschaft, 4. Abt., 3. Teil, 2. Bd.), München 1928.
[2] Paul Erdkamp (Hrsg.), A Companion to the Roman Army, Oxford 2007. Ähnlich auch die Bücher von Yann LeBohec, Die römische Armee von Augustus zu Konstantin d. Gr., Stuttgart 1993; Das römische Heer in der späten Kaiserzeit, Stuttgart 2010.
[3] Marcus Junkelmann, Römische Helme, Mainz 2000. Beide Einordnungen unterscheiden sich erheblich von der Typologisierung bei Henry R. Robinson, The Armour of Imperial Rome, London 1975.

ZitierweiseKathrin Jaschke: Rezension zu: Fischer, Thomas: Die Armee der Caesaren. Archäologie und Geschichte. Regensburg 2012, in: H-Soz-u-Kult, 24.09.2012, <http://hsozkult.geschichte.hu-berlin.de/rezensionen/2012-3-181>.

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