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Alte Geschichte

A. Winterling (Hrsg.): Zwischen Strukturgeschichte und Biographie

 

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Diese Rezension wurde redaktionell betreut von: Udo Hartmann <hartmannugeschichte.hu-berlin.de>
Titel:Zwischen Strukturgeschichte und Biographie. Probleme und Perspektiven einer neuen römischen Kaisergeschichte 31 v. Chr.–192 n. Chr.
Reihe:Schriften des Historischen Kollegs, Kolloquien 75
Herausgeber:Winterling, Aloys
Ort:München
Verlag:Oldenbourg Verlag
Jahr:
ISBN:978-3-486-70454-9
Umfang/Preis:VIII, 350 S.; € 64,80

Rezensiert für H-Soz-u-Kult von:
Raphael Brendel, Historisches Seminar, Ludwig-Maximilians-Universität München
E-Mail: <raphaelbrendelarcor.de>

Das Historische Kolleg in München kann eine Reihe der bedeutendsten Vertreter ihres Faches als althistorische Stipendiaten aufweisen.[1] Neuester Zuwachs zu dieser Gruppe ist – neben Egon Flaig – Aloys Winterling, dessen vor wenigen Jahren erschienene Caligula-Biographie für großes Aufsehen sorgte.[2] Nach einem bereits an anderer Stelle erschienenen Aufsatz[3] liegen mit dem zu besprechenden Band nunmehr auch die Beiträge zu dem im Januar 2007 abgehaltenen Kolloquium vor.

Da bereits eine sehr ausführliche Besprechung des Bandes durch Ulrich Lambrecht mit einem detaillierten Referat des Inhaltes an leicht zugänglicher Stelle vorliegt[4], können die Ausführungen hier kürzer gehalten werden. Nach einer Einleitung Winterlings (S. 1–11) ist der Band in drei Themenfelder untergliedert: Quellen, Strukturprobleme kaiserlicher Handlungsfelder sowie „Fragestellungen und Deutungsmuster der biographischen Forschung“. Von den unterschiedlichen Quellengattungen behandelt Ralf von den Hoff die Kaiserbildnisse (zusammen mit den Münzbildern) (S. 15–44) und Christian Witschel ausführlich die Inschriften (S. 45–112). Der Beitrag von Martin Hose (S. 113–124) dagegen ist etwas spezieller und hat nicht die literarischen Quellen oder einen exemplarischen Autor zum Thema, sondern befasst sich mit der „Begrenzung“ des Kaisers im Werk des Cassius Dio; dieser etwas zweideutige Begriff meint dabei die von den antiken Autoren aufgestellten Grenzen, deren Einhaltung vom Kaiser erwartet wird. Im Rahmen der Untersuchung der Strukturprobleme widmet sich Dieter Timpe den modernen Konzeptionen des Kaisertums (S. 127–159), Christer Bruun dem Verhältnis zwischen republikanischen Institutionen und kaiserlicher Verwaltung (S. 161–179), Martin Zimmermann der Repräsentation des kaiserlichen Ranges (S. 181–205) und Aloys Winterling den Freundschaften der Kaiser (S. 207–232).

Bei dem dritten Block handelt es sich im Wesentlichen um Forschungsberichte zu jeweils zwei oder drei Kaisern: Hier referiert Uwe Walter zu Augustus und Tiberius (S. 235–252), Christian Ronning zu den übrigen Kaisern des julisch-claudischen Hauses (S. 253–276), Dirk Schnurbusch zu den Flaviern (S. 277–294), Gunnar Seelentag zu Trajan, Hadrian und Antoninus Pius (S. 295–315) sowie Olivier Hekster in dem einzigen englischsprachigen Beitrag zu Marc Aurel und Commodus (S. 317–328). Den von Lambrecht in seiner Rezension bereits aufgeführten Kritikpunkten sind nur zwei wichtige Ergänzungen hinzuzufügen: So übergeht Schnurbusch bei der Behandlung von Hermann Bengtsons Monographie zu den Flaviern (insbesondere S. 277, Anm. 3) vollkommen die harsche Kritik, die an diesem Werk geübt wurde.[5] Seelentag geht in seiner Aufzählung der neueren Forschungen zu Antoninus Pius nicht auf die neueste Biographie dieses Kaisers von Bernard Rémy ein.[6] Auch die verhältnismäßig umfangreiche, aber faktisch überschaubare ältere Spezialforschung zu diesem Kaiser bleibt bei ihm unbeachtet.[7]

Bei einer Gesamtbetrachtung des Bandes, insbesondere im Vergleich mit den übrigen althistorischen Kolloquienbänden des Historischen Kollegs[8], fällt auf, dass die Konzeption des vorliegenden Sammelbandes mehr der eines Companion zur römischen Kaisergeschichte (was nicht mit der römischen „Kaiserzeit“ gleichzusetzen ist) als der eines Kolloquiumsbandes gleicht. In der Tat kann der Band auch die meisten Erwartungen, die man an einen Companion stellt, erfüllen: Die relevanten Aspekte des Themenfeldes sind größtenteils erfasst und die wenigen übergangenen Aspekte werden von Winterling selbst genannt (S. 11): die kaiserliche familia, Kaiser und Heer, der stadtrömische Kommunikationsraum und die Wahrnehmung kaiserlicher Aufgaben. Die Qualität der Beiträge weist sicher Unterschiede auf, kann sich allerdings insgesamt an einem hohen Standard messen lassen. Es ist somit festzuhalten, dass eine Nutzung dieses Sammelbandes sowohl Studenten, die einen Überblick zu den neueren Forschungen suchen, als auch Wissenschaftlern sich gleichermaßen als nützlich wie anregend erweisen dürfte.

Anmerkungen:
[1] Neben Aloys Winterling sind dies: David Cohen, Werner Eck, Egon Flaig, Karl-Joachim Hölkeskamp, Frank Kolb, Aharon Oppenheimer, Kurt Raaflaub und Dieter Simon.
[2] Aloys Winterling, Caligula, München 2003. Die Année Philologique verzeichnet dreizehn Rezensionen sowie eine weitere Rezension der italienischen Übersetzung von Mauro Tosti Croce (Rom 2005) und eine bislang nicht rezensierte spanische Übersetzung von Pedro Madrigal (Barcelona 2006).
[3] Aloys Winterling, Cäsarenwahnsinn im Alten Rom, in: Jahrbuch des Historischen Kollegs (2007), S. 115–140.
[4] In: Göttinger Forum für Altertumswissenschaft 15 (2012), S. 1011–1024 (<gfa.gbv.de/dr,gfa,015,2012,r,02.pdf>, 11.01.2013).
[5] Insbesondere in der Rezension von Werner Eck, in: Gnomon 53 (1981), S. 343–347, wo es S. 347 heißt: „Der jetzt unternommene Versuch ist schon an den elementaren Voraussetzungen historischen Arbeitens gescheitert“. Die neuere Forschung urteilt in dieser Hinsicht nicht anders, vgl. etwa kürzlich Stefan Pfeiffer, Die Zeit der Flavier, Darmstadt 2009, S. IX.
[6] Bernard Rémy, Antonin le Pieux. Le siècle d’or de Rome 138–161, Paris 2005. Dieses Werk scheint in der Forschung bislang nur wenig beachtet worden zu sein; es gibt nur wenige Rezensionen und diese weisen einen klaren zeitlichen Abstand zum Erscheinungsjahr auf: Barbara Mary Levick, in: Gnomon 80 (2008), S. 750; Nicole Méthy, in: Latomus 67 (2008), S. 501f.; Federica Sqadroni, in: Studia historica, historia antigua 28 (2010), S. 205–209.
[7] Insbesondere Georges Lacour-Gayet, Antonin le Pieux et son temps, Paris 1888 und Ernest E. Bryant, The reign of Antoninus Pius, Cambridge 1895. Der Vollständigkeit halber sei noch auf Andreas J. Janssen, T. Antoninus Pius, Nijmegen 1966 hingewiesen. Einen umfangreichen Forschungsüberblick (der aber unter anderem auch Bryant übergeht) bietet José Antonio Garzón Blanco, Antonino Pio, Estudio biográfico y bibliográfico de una época, in: Lucentum 11–13 (1992/94), S. 105–120.
[8] Als Beispiele seien genannt: Karl-Joachim Hölkeskamp (Hrsg.), Eine politische Kultur (in) der Krise?, München 2009; Frank Kolb (Hrsg.), Chora und Polis, München 2004 und Werner Eck (Hrsg.), Lokale Autonomie und römische Ordnungsmacht in den kaiserzeitlichen Provinzen vom 1. bis 3. Jahrhundert, München 1999.

ZitierweiseRaphael Brendel: Rezension zu: Winterling, Aloys (Hrsg.): Zwischen Strukturgeschichte und Biographie. Probleme und Perspektiven einer neuen römischen Kaisergeschichte 31 v. Chr.–192 n. Chr.. München 2011, in: H-Soz-u-Kult, 21.01.2013, <http://hsozkult.geschichte.hu-berlin.de/rezensionen/2013-1-043>.

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