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Frühe Neuzeit

K. Keller: Erzherzogin Maria von Innerösterreich (1551–1608)

 

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Diese Rezension wurde redaktionell betreut von: Stefan Gorißen <stefan.gorissenuni-bielefeld.de>
Autor(en):
Titel:Erzherzogin Maria von Innerösterreich (1551–1608). Zwischen Habsburg und Wittelsbach
Ort:Wien
Verlag:Böhlau Verlag Wien
Jahr:
ISBN:978-3-205-78796-9
Umfang/Preis:297 S.; € 29,90

Rezensiert für H-Soz-Kult von:
Lisa Damminger, Universität Mannheim
E-Mail: <Lisa.dammingergmx.de>

Es liegt wohl in unserer Natur, unsere Aufmerksamkeit den augenscheinlich Großen der Geschichte zu widmen: den Königen, Kaisern und anderen großen Männern, die offensichtlich viel oder besonders Auffallendes geleistet haben. Selten betrachten wir die Menschen, die hinter diesen Charakteren stehen, die ihnen den Rücken stärken oder sie gar zu großen Taten animieren und sie darin unterstützen. Dies gilt auch für die Erzherzogin Maria von Innerösterreich. Das Leben einer Erzherzogin, deren facettenreicher Charakter maßgeblichen Einfluss auf spätere Nachfahren nahm, sollte gründlich untersucht sein, zumal eine Vielzahl von Quellen erhalten ist, die es erlauben, den Lebensweg und das Wirken Marias nachzuvollziehen. Doch wie viel Beachtung wurde Maria von Innerösterreich tatsächlich entgegengebracht? Bislang nicht viel. Sie erscheint beiläufig in einigen Monografien, doch hat man ihr nie zuvor eine eigene Studie gewidmet, wie dies nun Katrin Keller getan hat. Maria fand zwar schon als Musikliebhaberin Beachtung. Dabei wurde ihr auch eine maßgebliche Beteiligung an der Musikkultur am Grazer Hof eingeräumt. Allerdings kann man ihr mit diesem kleinen Ausschnitt ihres Lebens wohl kaum gerecht werden.[1] Erwähnt wurde sie bereits im Kontext des familienübergreifenden Kulturtransfers, womit bereits auf ihr umfangreiches soziales Netzwerk angespielt wird.[2]

Katrin Keller hat sich neben den üblichen biographischen Grundinformationen vor allem einem Aspekt gewidmet, nach dem bislang kaum gefragt wurde. Sie versucht die Handlungs- und Einflussmöglichkeiten Marias im nahen wie im weiten Umfeld begreiflich zu machen und die Rolle von Fürstinnen in der frühen Neuzeit zu präzisieren. Nebenbei widmet sie sich dem im Untertitel angedeuteten Thema und macht die Spannung ihrer Biografie zwischen dem hineingeborenen und dem eingeheirateten Adelsgeschlecht deutlich. Trotz der unverkennbaren persönlichen Bewunderung für ihre Protagonistin schreckt die Autorin jedoch nicht davor zurück, auch die weniger schönen Seiten der Erzherzogin zu beleuchten. Durch ihre umfassenden Schilderungen ermöglicht sie dem Leser eine eigene Perspektive zu wählen und aus dieser heraus für sich selbst zu bewerten. Sie beschreibt den Weg der jungen Maria Anna von Bayern bis zu ihrem Tod in zehn Hauptkapiteln, welche alle Seiten der Erzherzogin beleuchten.

Maria von Innerösterreich, 1551 in München als Maria Anna von Bayern geboren, heiratete 1571 Erzherzog Karl II. von Innerösterreich-Steiermark, nachdem andere Heiratspläne der beiden Parteien gescheitert waren. Diese sogenannten Ehepläne sowie ihre Kindheit und Jugend in München werden im ersten Kapitel beschrieben, dem man auch entnehmen kann, dass ihr eine gottesfürchtige Erziehung zuteilwurde, welche für Maria Grundstein ihrer eigenen Frömmigkeit und Erziehungsmethoden werden sollte. Auch wird die Vernetzung der Familien Wittelsbach und Habsburg deutlich beschrieben. Die glanzvolle Hochzeit in Wien erfährt eine sehr detaillierte Darstellung. In der 19-jährigen Ehe mit ihrem Gemahl schenkte die Erzherzogin 15 Kindern das Leben, darunter auch dem späteren Kaiser Ferdinand II. Wie man im Weiteren erfährt, führte Maria eine einvernehmliche, glückliche Ehe mit Karl, welche ihr Einfluss auf politische Entscheidungen ermöglichte. Der Leser wird über die streng katholische Erziehung der Kinder unterrichtet, welche die religiöse Orientierung Marias wiederspiegelt. Diese katholische Glaubensfestigkeit wird im Späteren als Anstoß für Marias religionspolitisches Interesse gewertet.

Neben den familiären Verhältnissen gewährt die Autorin einen Einblick in das Leben am Grazer Hof. Präzise Unterhaltskosten und Belege über Ausgaben der Herzogin sowie ihr Interesse an teurem Schmuck und Kunstwerken veranschaulichen das Bild ihrer Person und ihres Lebens in Graz. Neben Repräsentationsmitteln wird dabei auch auf das in der Forschungswelt häufiger angesprochene Thema der Musikpflege eingegangen.

Die politische Beteiligung der Erzherzogin nimmt im Buch viel Platz ein, da diese sowohl zu Lebzeiten ihres Gemahls als auch nach dessen Tod, während ihrer Vormundschaft für Ferdinand und darüber hinaus beschrieben wird. An der Seite ihres Mannes betätigte sich Maria von Innerösterreich vor allem im kulturellen, auch musikalischen, Austausch zwischen Graz, Wien und München und lehnte sich gegen die protestantischen Stände in Innerösterreich auf.

Im Kapitel „Witwe- und Regentin?“ werden Marias entschlossener Wille und ihre selbst wahrgenommene Pflicht als Fürstin ersichtlich. Der Kampf um die Vormundschaft und ihren Witwensitz wird vorrangig thematisiert, wobei begreiflich wird, dass Maria in ihrer Entschlossenheit auch nicht davor zurückschreckte, mit dem Kaiser in Unstimmigkeiten zu geraten. An dieser Stelle illustriert die Autorin die politischen Beteiligungsmöglichkeiten einer Fürstin in dieser Zeit.

Der Verheiratung ihrer Töchter wird ebenfalls Beachtung geschenkt, da Maria diese zur Pflege ihrer Netzwerke und für ihre politischen Absichten nutzte. Die Verbindung zu den bayerischen Wittelsbachern wird ebenso untersucht wie die übliche Klientel, mit der die Erzherzogin sich für gewöhnlich umgab. Ebenso werden die Heiratspläne für ihre Töchter und die damit verbundenen Reisen sowie die Bekanntschaften mit neuen Kontaktpersonen, die von Botschaftern über Nuntien bis hin zu den Ehemännern ihrer Töchter reichten, betrachtet. Aufgrund der geschickten Verheiratung ihrer Töchter gelangte sie zu Bekanntschaften am polnischen, spanischen und italienischen Hof. Marias Töchter führten auf Rat ihrer Mutter einvernehmliche Ehen (abgesehen von Maria Christina), in welchen sie wie ihre Mutter versuchten, Einfluss auf ihre Männer zu nehmen.

Eine besondere Rolle spielte die Beziehung zu ihrem Sohn. Hier zeigt sich der Handlungsspielraum von Maria, die ihrem Sohn als Beraterin und Vertraute zur Seite stand. Ihr Einfluss auf das Vorgehen Ferdinands gegen die innerösterreichischen Protestanten ist dabei ebenso wenig zu unterschätzen wie die Vorteile, die sie ihm mit Hilfe ihrer Kontakte verschaffte. Sie stärkte ihrem Sohn den Rücken, bestärkte ihn in seinen Handlungen und erteilte ihm Ratschläge.

Seinen Ausklang findet das Buch im Kapitel „Tod und Nachleben“, in welchem Leben, Charakter und Einfluss der Erzherzogin Maria von Innerösterreich gelungen zusammengefasst werden.

Insgesamt hat Katrin Keller eine präzise Biographie vorgelegt, die sich vor allem auf zahlreiche Briefwechsel stützt. Das Buch zeigt die Erzherzogin in ihrer politisch bedeutsamen Position. Ergänzt wird die gut verpackte Recherche durch 24 farbige Abbildungen, eine genealogische Übersicht sowie Personen- und Ortsregister.

Anmerkungen:
[1] Linda Maria Koldau, Frauen – Musik – Kultur. Ein Handbuch zum deutschen Sprachgebiet der Frühen Neuzeit, Köln 2005.
[2] Dorothea Nolde / Claudia Opitz (Hrsg.), Grenzüberschreitende Familienbeziehungen. Akteure und Medien des Kulturtransfers in der Frühen Neuzeit, Köln 2008. Vgl. hierzu die Rezension von Cornel Zwierlein in: H-Soz-u-Kult, 20.05.2009, hsozkult.geschichte.hu-berlin.de/rezensionen/2009-2-127 (01.03.2013).

ZitierweiseLisa Damminger: Rezension zu: Keller, Katrin: Erzherzogin Maria von Innerösterreich (1551–1608). Zwischen Habsburg und Wittelsbach. Wien 2012, in: H-Soz-Kult, 12.03.2013, <http://hsozkult.geschichte.hu-berlin.de/rezensionen/2013-1-162>.

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