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Mittelalterliche Geschichte

F. Opll (Bearb.): Die Regesten des Kaiserreiches unter Friedrich I.

 

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Diese Rezension wurde redaktionell betreut von: Harald Müller <muellerhistinst.rwth-aachen.de>
Autor(en):;
Titel:Die Regesten des Kaiserreiches unter Friedrich I. 1152 (1122)–1190. 4. Lieferung 1181–1190
Reihe:Regesta Imperii 4. Ältere Staufer, 2. Abteilung
Ort:Wien u. a.
Verlag:Böhlau Verlag Wien
Jahr:
ISBN:978-3-205-78683-2
Umfang/Preis:LIV, 345 S.; € 95,00

Rezensiert für H-Soz-u-Kult von:
Bernd Schütte, Akademie der Wissenschaften zu Göttingen
E-Mail: <Bernd_Schuettegmx.net>

Über den Sinn und den Nutzen von Regestenwerken muss man nicht viele Worte verlieren. Ebenso wie die zahlreichen gewissermaßen regional ausgerichteten Bände oder wie die in unterschiedlicher Form vorliegenden Papstregesten sind auch die Regesta Imperii bekanntlich ein wichtiges Hilfsmittel der Forschung. Die heutige Gestalt der Regesta Imperii geht inhaltlich und formal letztlich auf Johann Friedrich Böhmer (1795−1863) zurück, der zunächst für die Zeit von König Konrad I. bis zu Kaiser Heinrich VII. nur Diplome in knappen Auszügen chronologisch geordnet zusammengestellt hat, doch schon bald in von ihm selbst veranstalteten Überarbeitungen auch die für das herrscherliche Handeln einschlägigen nichturkundlichen Quellen berücksichtigt hat. An diesem Aufbau hat sich bis heute im Grunde nichts geändert. Die bislang erschienenen Neubearbeitungen dieser ehrwürdigen Reihe bieten den wichtigsten Leitfaden für die Ereignisgeschichte, sind aber auch für die Beantwortung strukturgeschichtlicher Fragen von zentraler Bedeutung.

Der österreichische Historiker und Archivar Ferdinand Opll hatte bereits mit seiner ersten Buchveröffentlichung, der 1978 erschienenen Arbeit über das Itinerar Friedrichs I., die Grundlage für die Bearbeitung der Barbarossa-Regesten geschaffen.[1] Sowohl diese Untersuchung als auch die ebenfalls in den siebziger Jahren begonnene Arbeit an den Regesten entstanden in engem Zusammenhang mit den von 1975 bis 1990 im Rahmen der Monumenta Germaniae Historica herausgegebenen Diplome Friedrichs I. 31 Jahre nach dem Erscheinen der ersten Lieferung der Barbarossa-Regesten legt Opll nunmehr einen weiteren Band des auf insgesamt fünf Teile konzipierten Werkes vor. Weil die noch ausstehende fünfte Lieferung die üblichen Verzeichnisse enthalten soll, ist die Regestenarbeit im eigentlichen Sinne abgeschlossen: Von der (mutmaßlichen) Geburt Friedrichs I. Barbarossa 1122 über die Erhebung zum König der Römer 1152 bis zum Tod auf dem Kreuzzug im Jahre 1190 ist das herrscherliche Handeln des Staufers mit mehr als 3470 Einträgen dokumentiert.[2] In der Einleitung (S. VII−XVIII) äußert Opll sich unter anderem auch zu den herangezogenen Quellen: Erfasst wurden die echten, gefälschten und in ihrem Wortlaut verlorenen Urkunden Barbarossas und seiner Gemahlin Beatrix von Burgund, Urkunden der im Auftrag des Staufers tätigen Legaten, Urkunden anderer, die einen Bezug zum Kaiser und dessen Handeln erkennen lassen, sowie die einschlägigen Aussagen erzählender Quellen. Hinzukommen die von Opll nicht eigens erwähnten Briefe, so dass unter dem Strich vermutlich die größtmögliche Vollständigkeit erreicht worden sein dürfte.

Ebenso wie in der zweiten und dritten Lieferung finden sich auch in der jüngsten zunächst zahlreiche Ergänzungen und Neueinträge (S. XIX−LIV), die den wissenschaftlichen Fortschritt beglaubigen. Die folgenden 892 Regesten umschreiben die letzten zehn Lebensjahre Friedrichs I., in deren Mittelpunkt der sechste und letzte Italienzug vom September 1184 bis in den Sommer 1186 sowie der im Mai 1189 in Regensburg begonnene Kreuzzug stehen. Einige in der Einleitung angestellte Überlegungen zur „Statistik des Bearbeitungsumfangs“ (S. X) zeigen, dass anteilmäßig die meisten Regesten überhaupt auf die Jahre 1189 und 1190 entfallen, was sowohl mit der hier erfolgten Einreihung nicht datierbarer Deperdita und sonstiger Nachrichten als auch mit dem durch erzählende Quellen gut dokumentierten Kreuzzug zusammenhängt.

Wenn man die neue Lieferung durchblättert, dann bestechen schon auf den ersten Blick der Umfang und die Dichte der ausgebreiteten Informationen. Schaut man genauer hin, macht alles einen sorgfältig und mit Bedacht gearbeiteten Eindruck, und insbesondere die Kommentare in den einzelnen Regesten erweisen Opll als den gegenwärtig besten Kenner der Regierungszeit Friedrichs I. Barbarossa. Hervorzuheben sind abgesehen vom Kreuzzug und dessen Vorbereitungen (erstmals Nr. 3085) zum Beispiel der Erfurter Hoftag vom November und Dezember 1181, auf dem Heinrich der Löwe sich dem Kaiser unterwarf (Nr. 2628−2637), die bekannten Mainzer Hoftage von 1182 (Nr. 2655−2661), 1184 (Nr. 2753, 2760, 2762−2766) und 1188 (Nr. 3143, 3145, 3147, 3148), der 1183 ausgebrochene Trierer Wahlstreit (erstmals Nr. 2705), der 1183 geschlossene Friedensvertrag mit dem Lombardenbund (erstmals Nr. 2693, 2694), der Hoftag von Verona 1184, auf dem es zu einem Zusammentreffen mit Papst Lucius III. kam (Nr. 2800−2812, 2820−2825), die Vermählung Heinrichs VI. mit Konstanze von Sizilien in Mailand 1186 (Nr. 2953), der 1186 ausgebrochene Streit des Kaisers mit Erzbischof Philipp von Köln (erstmals Nr. 2993), der Vertrag mit König Alfons VIII. von Kastilien aus dem Jahre 1188 (Nr. 3155), der Tod des Kaisers 1190 (Nr. 3470) und der Umgang mit seinem Leichnam (Nr. 3471).

Irgendwelche Einwände oder Beckmessereien verbieten sich, denn schon jetzt kann man sagen, dass Opll mit seinem wissenschaftlichen Lebenswerk, zu dem neben zahlreichen einschlägigen Aufsätzen auch eine 1986 erschienene Untersuchung zu „Stadt und Reich im 12. Jahrhundert“ sowie ein erstmals 1990 auf den Markt gebrachtes und seitdem einige Male mit bibliographischen Ergänzungen nachgedrucktes Zeitbild Friedrichs I. zählt, die Beschäftigung mit dem Staufer auf neue und belastbare Grundlagen gestellt hat.[3] Zudem hat er die letzte Lücke der stauferzeitlichen Regesta Imperii geschlossen, so dass von Lothar III. an das herrscherliche Handeln bis in die Zeit des Interregnums erfasst ist.

Abschließend sei darauf hingewiesen, dass die vierte Lieferung der Barbarossa-Regesten unter www.regesta-imperii.de im Internet zugänglich und durch Suchfunktionen erschlossen ist.

Anmerkungen:
[1] Ferdinand Opll, Das Itinerar Kaiser Friedrich Barbarossas (1152−1190), Wien u. a. 1978.
[2] J. F. Böhmer, Regesta Imperii 4. Ältere Staufer, 2. Abteilung: Die Regesten des Kaiserreiches unter Friedrich I. 1152 (1122) – 1190. 1. Lieferung 1152 (1122) – 1158, neubearbeitet von Ferdinand Opll / Hubert Mayr, Wien u. a. 1980; 2. Lieferung 1158−1168, neubearbeitet von Ferdinand Opll, Wien/Köln 1991; 3. Lieferung 1168−1180, neubearbeitet von Ferdinand Opll, Wien u. a. 2001.
[3] Ferdinand Opll, Stadt und Reich im 12. Jahrhundert (1125−1190), Wien u. a. 1986; Friedrich Barbarossa, Darmstadt 1990, 4. Aufl. 2009.

ZitierweiseBernd Schütte: Rezension zu: Böhmer, J. F.; Opll, Ferdinand (Bearb.): Die Regesten des Kaiserreiches unter Friedrich I. 1152 (1122)–1190. 4. Lieferung 1181–1190. Wien u. a. 2011, in: H-Soz-u-Kult, 13.03.2013, <http://hsozkult.geschichte.hu-berlin.de/rezensionen/2013-1-167>.

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