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Mittelalterliche Geschichte

A. Schubert: Der Stadt Nutz oder Notdurft?

 

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Diese Rezension wurde redaktionell betreut von: Harald Müller <muellerhistinst.rwth-aachen.de>
Autor(en):
Titel:Der Stadt Nutz oder Notdurft?Die Reichsstadt Nürnberg und der Städtekrieg von 1388/ 89
Reihe:Historische Studien 476
Ort:Husum
Verlag:Matthiesen Verlag
Jahr:
ISBN:3-7868-1476-7
Umfang/Preis:324 S.; € 51,00

Rezensiert für H-Soz-Kult von:
Raphael Matthias Krug, Institut für Europäische Kulturgeschichte, Universität Augsburg
E-Mail: <r.krugbllv-wha.de>

Alexander Schubert hat mit seiner Arbeit über den Städtekrieg ein interessantes Werk geschaffen. Anders als der Titel vermuten lässt, beschränkt sich die Darstellung nicht auf Nürnbergs Funktion in dieser Auseinandersetzung, sondern zeigt alle Facetten des Städtekrieges und die Interessen der Protagonisten auf. Dabei wird zunächst die Entwicklung des Städtekrieges darstellt, um sich dann den Auswirkungen und Intentionen der Beteiligten zu widmen. Auslöser des Städtekrieges war ein Bündnis zwischen dem Schwäbischen Städtebund und dem Salzburger Erzbischof Pilgrim von 1387, das die bayerischen Herzöge provozierte. Pilgrim wurde von Herzog Friedrich von Bayern gefangengenommen, für seine Freilassung die Auflösung des Vertrags mit dem Schwäbischen Städtebund forderte.

König Wenzel wurde von einer Nürnberger Gesandtschaft über die Geschehnisse im Reich informiert. Nachdem er weitere Informationen erhalten hatte, erklärte er am 8. Januar 1388 den Reichskrieg gegen Bayern. Der Städtebund seinerseits hatte bereits in einer Bundesversammlung am 15. Dezember 1387 in Ulm den Krieg gegen Bayern beschlossen. Gleichzeitig mit dem Entschluss zum Krieg wurde eine Kriegsordnung verabschiedet, sowie die Einrichtung eines ständigen Rates in Ulm.

Auf Initiative des rheinischen Bundes wurde durch Pfalzgraf Ruprecht dem Älteren versucht, den Krieg abzuwenden. In Neumarkt sollte ein Schiedsgericht tagen und alle Streitigkeiten aus der Welt schaffen, hierbei wurden die Städte des schwäbischen Bundes von rheinischen Bundesgenossen vertreten. Am 15. März 1388 erließ Ruprecht einen Vergleich, der in weiten Teilen den Forderungen der Städte entsprach. Die den Erzbischof betreffenden Punkte wurden auf den 12. April in Heidelberg vertagt, da dieser dem Schiedsgericht ferngeblieben war. Durch diese Vertagung konnten die Streitigkeiten also nicht endgültig geklärt werden.

Die Städte waren den Bestimmungen des Vergleichs nachgekommen und begannen, sich mit den Adligen auszusöhnen. Seitens des Adels kam es jedoch zu Übergriffen auf die Städte. Dies war die Situation, unter welcher man sich in Heidelberg traf, um die letzten Details zu klären. Vertreten wurde der Städtebund diesmal von einer eigenen Delegation sowie von Vertretern der besonders geschädigten Städte, hierzu gehörte auch Nürnberg.

Durch die vorzeitige Abreise der Städtebundvertreter kam es in Heidelberg zu keinem Rechtsspruch. Diese wollten erst eine Erfüllung des Neumarkter Vergleichs, Ruprecht hingegen tendierte zu einem neuen Rechtsspruch. Anscheinend ist den Städtevertretern die für sie günstige Lage dieses Spruches nie bekannt geworden, da sie sich stets weigerten, ihn anzunehmen. Durch diese Haltung fühlten sich viele Adlige, hierzu gehörte auch Ruprecht der Ältere, die sich bis jetzt neutral verhalten hatten, brüskiert und traten auf bayerischer Seite in den Krieg ein. Somit drohte nun auch der Kriegsausbruch in Franken. Nürnberg war bis dato nur als geschädigte Partei, in Form von verhafteten Kaufleuten bzw. beschlagnahmten Gütern, in Erscheinung getreten. Dies sollte sich ab jetzt ändern. Die Stadt versuchte, auf diplomatischem Weg eine Lösung des Konflikts zu finden, bzw. hielt sich an die geltenden formaljuristischen Schritte, was nahe legt, dass sie später die Schäden einklagen wollte. Der Rat ordnete wegen des näherrückenden Krieges die Mobilmachung der Bevölkerung an und begann mit dem Anwerben von Söldnern.

Neben Kriegshandlungen versuchte Nürnberg immer noch, auf diplomatischem Wege eine Lösung zu finden. Es kam zu zahlreichen Geheimverhandlungen unter anderem mit dem Bischof von Bamberg, um einen Friedenstag zu organisieren; ein erster Versuch scheiterte allerdings. In einem weiteren Versuch war nun vorgesehen, dass der Mainzer Erzbischof, der Bischof von Bamberg und die Stadt Nürnberg einen Frieden aushandelten, wofür sie von allen Kriegsbeteiligten Vollmachten erhalten sollten. Die Stadt erhoffte sich davon eine Lösung des Konflikts auf friedlichem Wege sowie die Beweise, dass die Städte keine Schuld am Krieg traf. Anzumerken bleibt, dass diese Friedensverhandlungen ohne königliches Zutun zustande kamen. Wenzel schaltete sich allerdings in das Geschehen ein und teilte Nürnberg und dem Bischof von Bamberg mit, dass er einen Friedenstag plane. Sowohl Nürnbergs Bemühungen um einen Friedenstag ohne König als auch Wenzels Streben scheiterten. Der letztendlich im April 1389 in Eger erreichte Landfrieden König Wenzels war eine Niederlage für den Schwäbischen Städtebund. Die berechtigten Wünsche der Städte nach Schadensersatz blieben unerhört, „das Hauptziel des Landfriedens war es, den Einfluß des Städtebundes auf die Entwicklung der Reichsordnung zu brechen“.

Schubert beschreibt sehr anschaulich, wie der Konflikt infolge einer fehlenden obersten Reichsinstanz eskalierte. Wenzel war fehlinformiert und interessierte sich wohl auch nicht sehr für diesen reichsfernen Krieg. Erst am Schluss, dann allerdings zum völligen Nachteil der Städte, griff er ins Geschehen ein, nachdem mit Ruprechts des Älteren Kriegseintritt keine Autorität mehr zur Verfügung stand, die die Parteien an den Verhandlungstisch hätte zurückbringen können. Immer wieder wird dabei deutlich, wie sich der Schwäbische Städtebund für eine Trennung von Reich und König einsetzte, sowohl in der Theorie, als auch bei der praktischen Umsetzung.

Die Arbeit belegt ferner, dass Nürnberg entgegen der bisherigen Forschung im Städtekrieg keine königstreue Stadt war. Sie wusste vielmehr ihre vermittelnde Rolle zwischen König und Städtebund zu nutzen, stand im Kriegsfall aber hinter den Entscheidungen des Schwäbischen Bundes. Dabei arbeitet Alexander Schubert die Entscheidungsträger und Intentionen der Nürnberger Politik klar heraus.

„Der Stadt Nutz oder Notdurft?“ ist eine informative, quellennahe Studie zum Städtekrieg, die dank einer gelungenen Gliederung sogar Spannung erzeugt. Ihr ist ein breites Publikum zu wünschen.

ZitierweiseRaphael Krug: Rezension zu: Schubert, Alexander: Der Stadt Nutz oder Notdurft? Die Reichsstadt Nürnberg und der Städtekrieg von 1388/ 89. Husum 2003, in: H-Soz-Kult, 05.10.2004, <http://hsozkult.geschichte.hu-berlin.de/rezensionen/2004-4-009>.

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