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E. Bäschlin: Wohnort Grossüberbauung

 

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Zuerst erschienen in: Berner Zeitschrift für Geschichte, Jg. 67, Nr. 4, Bern 2005, S. 77. <http://hsozkult.geschichte.hu-berlin.de/infoclio/id=14321>
Titel:Wohnort Grossüberbauung. Das Tscharnergut in Bern
Herausgeber:Bäschlin, Elisabeth
Ort:Wabern-Bern
Verlag:Benteli Verlag
Jahr:
ISBN:978-3716513552
Umfang/Preis:120 S.; € 28,00

Anna Bähler
E-Mail: <->

Das Tscharnergut in Bümpliz ist vielen Bernerinnen und Bernern ein Begriff, sei es als städtebauliche Pionierleistung oder aber – und dies ist wohl häufi ger der Fall – als Paradebeispiel für verfehlte Planung, schlechte Wohnsituation oder Entwurzelung der Bewohnerinnen und Bewohner. Eine im letzten Jahr erschienene Publikation über das Tscharnergut ermöglicht es, die Entstehungsgeschichte dieser Wohnsiedlung in die Zeitgeschichte einzuordnen und die Besonderheiten des Tscharnerguts kennen zu lernen.

Die Herausgeberin Elisabeth Bäschlin ist Lektorin für Kulturgeografie an der
Universität Bern und Spezialistin für Raumplanung, Städtebau und Stadtentwicklung. Sie zog 1960 als Jugendliche in das Tscharnergut. Ein Glücksfall, der auch das Buch prägt: Als Bewohnerin erlebte sie die Entwicklung der Siedlung mit; als Geografin ist sie in der Lage, sich mit dieser wissenschaftlich auseinander zu setzen und sie zu analysieren.

Die Publikation richtet sich an einen weit gespannten Kreis von Leserinnen und Lesern. Einerseits spricht sie die Menschen an, welche im Tscharnergut wohnen und dessen Entstehung und Entwicklung miterlebten. Andererseits ist sie auch interessant für ein Publikum, das mehr wissen möchte über die Entwicklung des modernen Städtebaus allgemein und der Gesamtüberbauungen im Besonderen.

Für die Historikerin und den Historiker wird das Buch da spannend, wo die
Autorinnen und Autoren Einblick geben in die Besonderheiten der Planungs- und Baugeschichte des Tscharnerguts. In der Bauherrschaft, zusammengesetzt aus gemeinnützigen Baugesellschaften, befanden sich Leute mit unterschiedlichen politischen und weltanschaulichen Ansichten. Zusammen mit den Architekten und der Architektin – die selbstverständliche und gleichberechtigte Integration einer Frau ins Planungs- und Bauteam ist einmalig – arbeiteten sie an einem gemeinsamen Ziel: der Erstellung von preisgünstigen Familienwohnungen ohne spekulativen Gewinn.

Die Freizeitanlage trug viel zur Lebensqualität im Tscharnergut bei. Die Architekten und die Architektin verlangten die Einrichtung als Gegenleistung von der Stadt, als diese eine Erhöhung der Geschosszahl forderte, um das Land intensiver zu nutzen. Das Konzept zur Freizeitanlage wurde mit der Vereinigung Pro Juventute erarbeitet. Ebenso interessant ist die Geschichte des Aussenraums, der von Anfang an als autofreie Grünzone geplant war, als ein Landschaftspark für das ganze Quartier. Besondere Beachtung fanden hier die Bedürfnisse der Kinder: Ziel war die Schaffung einer «Allmend des Kindes».

Mit ihren detailreichen Kenntnissen zeigen die Autorinnen und Autoren des Buches die Besonderheiten in der Entstehungsgeschichte des Tscharnergutes auf, betten diese jedoch in das sozioökonomische, weltanschauliche und politische Umfeld der 1950er-Jahre ein. Damit ist eine Publikation entstanden, die durch ihren Facettenreichtum und gute Lesbarkeit tatsächlich ein grosses Publikum anzusprechen vermag. Illustriert mit zahlreichen Schwarzweissbildern, vermittelt sie ein lebendiges, vorwiegend positives Bild der Siedlung, eine Perspektive, die derjenigen der Bewohnerinnen und Bewohner entspricht.

Zitierweise Anna Bähler: Rezension zu: Bäschlin, Elisabeth (Hrsg.): Wohnort Grossüberbauung. Das Tscharnergut in Bern, Wabern-Bern, Benteli, 2004, 103 S., ill. Zuerst erschienen in: Berner Zeitschrift für Geschichte, Jg. 67, Nr. 4, Bern 2005, S. 77. <http://hsozkult.geschichte.hu-berlin.de/infoclio/id=14321>
 
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