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H-Soz-Kult
 

Das Historische Buch 2004

Alte Geschichte
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Geschichte der Frühen Neuzeit
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Außereuropäische Geschichte
Offene Kategorie
Geschichte der Geschichtsschreibung
Thematischer Schwerpunkt 2006
Publikumspreis

Geschichte der Frühen Neuzeit

Essay von Lars Behrisch für H-Soz-Kult

1. Rang (41 Punkte, 8 Voten)

Burschel, Peter: Sterben und Unsterblichkeit. Zur Kultur des Martyriums in der frühen Neuzeit. München 2004.

Dass dem Tod eine kaum zu überschätzende Bedeutung für die Lebenswirklichkeit der Nachwelt zukommt, ist in jüngster Zeit mit überzeugender Nachdrücklichkeit aufgezeigt worden. Peter Burschel setzt nun in seiner eindrucksvollen Studie den Akzent weniger auf den Tod und seine Instrumentalisierung im Dienst der Lebenden, als vielmehr auf den vorausgehenden Akt des Sterbens. Sein Untersuchungszeitraum, die Epoche der Konfessionalisierung, bietet auf diesem Gebiet eine reichhaltige Überlieferung, sowohl an Schrift- wie an Bildquellen, die zwar in einer Vielzahl von Einzelaspekten, jedoch noch nicht in systematischer Zusammenschau untersucht worden ist. Burschel geht es um die Art und Weise, in der die Erinnerung an und die Inszenierung von Märtyrertum zur Konstruktion einer gruppenspezifischen konfessionellen Identität eingesetzt wurde. Arne Karsten für H-Soz-Kult


 

2. Rang (30 Punkte, 7 Voten)

Burke, Peter: Languages and communities in early modern Europe. Cambridge [u.a.] 2004.


 

3. Rang (28 Punkte, 7 Voten)

Ogilvie, Sheilagh C.: A bitter living. Women, markets, and social capital in early modern Germany. Oxford [u.a.] 2003.

Sheilagh Ogilvie has written a highly informative study that utilizes quantitative as well as qualitative sources in order to analyze the sexual division of labor and its impact in two communities. The conclusions drawn from this meticulous analysis allow her to test the accuracy of several important theories on female work patterns. Utilizing the rich historical literature on early modern southwest Germany as well as comparing her results to other European regions, allow her to integrate her micro-study into the broader context of proto-industrialization, gender equality, and the overall social and economic developments of the period. The result is a convincingly argued study that contributes significantly to our knowledge of how early modern women and men decided to spend their time, why they did it in a specific way, and what implications this had for the overall structure and development of society. http://www.h-net.org/reviews/showrev.cgi?path=264201088...

Die Stärke dieser gut strukturierten Arbeit liegt unstrittig in der Verbindung quantitativer und qualitativer Methoden, dem Wissen um die begrenzte Aussagekraft auch statistischer Daten sowie der Kontextualisierung der Ergebnisse im europäischen Vergleich. Damit gelingt es Ogilvie, die Bedeutung von mikrohistorisch gewonnenen Ergebnissen auf eine breitere Basis zu stellen und gleichzeitig durch die detaillierte Quellenauswertung und die Multiperspektivität ihres Ansatzes Abweichungen "vom Normalen", um das es ihr eigentlich geht, aufzuzeigen. http://www.sehepunkte.historicum.net/2004/10/4939.html


 

4. Rang (26 Punkte, 5 Voten)

Strasser, Ulrike: State of virginity. Gender, religion, and politics in an early modern Catholic state. Ann Arbor, Mich. 2004.

For the past several decades, historians of early modern Germany have fruitfully investigated the specter of female sexuality haunting the minds of both Protestant and Catholic reformers. The ways in which marriage functioned to contain these anxieties is now broadly understood, if less well so for the German Catholic than Protestant context. (Here Strasser's book makes an important contribution.) So too can we now discern the ways in which patriarchal households comprised the political bedrock of state power. Thanks to these studies, the gendered dimensions of the nascent public sphere are now more broadly understood. Less well-understood are Catholic states' political uses of virginity and the lives of those women who remained unmarried, choosing or forced to renounce their (hetero)sexuality. (Here Strasser's work is path-breaking.) Early modern virginity is, she argues, the flipside to marital chastity, and its political mobilization was equally important in the building of the Bavarian absolutist state as was marriage. As she succinctly states in the introductory chapter, "holy and female virginity ... was constitutive of the development of a modern-style, centralized government and the emergence of a public sphere". http://www.h-net.org/reviews/showrev.cgi?path=168291119...


 

4. Rang (26 Punkte, 6 Voten)

Beck, Rainer: Ebersberg oder das Ende der Wildnis. Eine Landschaftsgeschichte. München 2003.

Im Zentrum der Beck'schen Untersuchung steht die Periode sozioökonomischer Transformation während des 18. und 19. Jahrhunderts. Diese führte auf dem Gebiet der Landwirtschaft von der genossenschaftlichen Subsistenzwirtschaft zu einer auf individualisiertem Grundeigentum basierenden, marktorientierten Intensivwirtschaft; auf dem Gebiet der Waldnutzung wurde im Zuge dessen der Weg vom multifunktionalen Landwirtschafts-, Holzproduktions- und Jagdwald zum monokulturell bestockten und von "Nebennutzungen" befreiten Forstwirtschaftswald beschritten.
Beck nimmt seinen Ausgangspunkt beim ökonomisierten Naturempfinden der Aufklärer und bei deren abschätzigem Blick auf eine überkommene "Wildnis" und die vermeintliche Ineffizienz der vormodernen Landwirtschaft (19-24). Er skizziert Organisationsformen und Wirtschaften dieses Agrarsystems: intensive Kultivierung der Kernfluren, tendenziell extraktive Nutzung der ertragsschwachen Peripherie (vor allem Weidewirtschaft auf Feucht- und Grenzböden) und des Waldes (Dechelbetrieb, Waldweide, Streunutzung). Er versucht, ein Bild der dadurch geprägten Ökosysteme und Landschaften zu rekonstruieren, und beteiligt sich an der Diskussion um die ökologische Nachhaltigkeit dieser Wirtschaftsweise.
http://www.sehepunkte.historicum.net/2004/02/3754.html