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Wehrwirtschaftsführer im NS

 

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01.07.2002 Rauh-Kühne, Cornelia <Cornelia.Rauh-Kuehneuni-tuebingen.de>Clio-online Forscher/innen-Verzeichnis
Re: Wehrwirtschaftsführer im NS

03.07.2002 Müller, Rolf-Dieter <RolfDieterMuellerbundeswehr.org>Clio-online Forscher/innen-Verzeichnis
Re: Wehrwirtschaftsführer im NS

Zur politischen Stellung unter nationalsozialistischer Herrschaft und zur Entnazifizierungspraxis sogenannter "Wehrwirtschaftsführer"

Dirk Reder zitiert ein Gutachten von General Georg Thomas zur Ernennungspraxis von Wehrwirtschaftsführern, dem in der Nachkriegszeit von anderen, politisch ebensfalls beim Regime in Misskredit geratenen Repräsentanten der NS-Rüstungspraxis widersprochen wurde. So findet sich in den Spruchkammerakten zahlreicher (süd?)deutscher Industrieller eine Eidesstattliche Erklärung von Generalleutnant Rudolf Klett, 1934-1943 Wehrwirtschafts- bzw. Rüstungsinspekteur im Wehrkreis V, Stuttgart (= Württemberg, Baden und seit 1940 das Elsass). Das war eine militärische Dienststelle, die dem OKW und den Oberbefehlshabern der drei Wehrmachtteile unterstellt war. Klett war im Herbst 1943 nach eigenen Angaben "auf Veranlassung der Gauleitung Württemberg [der NSDAP] wegen Widerstands gegen deren Anordnungen "abgelöst" worden. Kletts ausführliche Angaben zu den mit dem Titel des Wehrwirtschaftsführers verfolgten Absichten und zur Ernennungspraxis befinden sich - unter anderem - in folgender Akte des Staatsarchivs Ludwigsburg: EL 902/2037/17/7952 71. Sie kann hier nicht ausführlich wiedergegeben werden, schon deshalb, weil sie als personenbezogene Akte nicht frei zugänglich ist.

Wichtig ist jedoch, dass der Titel des Wehrwirtschaftsführers nach dieser Quelle und bisherigen personenbezogenen Forschungen zur Kriegswirtschaft und Entnazifizierungspraxis nichts über die politische Nähe des Inhabers zum NS-Regime aussagt, ebenso wenig wie über die rüstungswirtschaftliche Bedeutung seines Unternehmens. Die Säuberungsrichtlinien des sog. Befreiungsgesetzes in der amerikanischen Zone und darauf basierende Entnazifizierungsrichtlinien in der Französischen Zone gingen insofern an der politischen Praxis des NS-Herrschaftsalltags vorbei.

Empfehlenswerte Literatur:

Astrid Gehrig, Nationalsozialistische Rüstungspolitik und unternehmerischer Entscheidungsspielraum. Vergleichende Fallstudien zur württembergischen Maschinenbauindustrie, München 1996;
Paul Erker, Industrie-Eliten in der NS-Zeit, Passau 1993;
vgl. auch meine politisch eine große Spannweite von Wehrwirtschaftsführern umfassenden Arbeiten:
Cornelia Rauh-Kühne, Hans Constantin Paulssen: Sozialpartnerschaft aus dem Geiste der Kriegskameradschaft, in: Paul Erker/Toni Pierenkemper (Hg.), Deutsche Unternehmer zwischen Kriegswirtschaft und Wiederaufbau. Studien zur Erfahrungsbildung von Industrie-Eliten, München 1999, 109-192.
Hartmut Berghoff/Cornelia Rauh-Kühne, Fritz K., Ein deutsches Leben im zwanzigsten Jahrhundert, Stuttgart 2000.

MfG Cornelia Rauh-Kühne

 
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