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Liebe Listenmitglieder,
für die Neukonzeption des Widukind-Museums Enger recherchiere ich nach Quellen zur Rezeption Widukinds und Karls des Großen. Während der NS-Zeit hat es einen Rezeptionswandel gegeben: Die anfängliche Positivbewertung Widukinds wurde teilweise zurückgenommen, teilweise sogar zu einer Negativbewertung umgeformt.
Nachzuvollziehen ist der Deutungsumschwung u.a. in Alfred Rosenbergs Buch "Der Mythus des 20. Jahrhunderts". In der Erstauflage von 1930 heißt es (Erstes Buch, Kapitel II.4., S. 176): "Widukind kämpfte zwar für sich, aber zugleich für die Freiheit aller nordischen Völker. Er unterlag; aber kein Zweifel darf heute mehr darüber bestehen, daß wir zu den Kräften stehen, die ihn leiteten und nicht zu denen, welchen Karl der Große zum Siege verhalf." Dieser Text findet sich auch noch in der 55.-56. Auflage von 1935.
In der 125.-128. Auflage von 1938 lautet die Passage hingegen (S. 186): "Widukind kämpfte zwar für sich, aber zugleich für die Freiheit aller nordischen Völker. Wobei Karl der rauhe Gründer des Deutschen Reiches als politische Einheit bleibt. Es ist zweifelhaft, ob ohne ihn dies Machtgebilde entstanden wäre. Nach Wiederherstellung der Ehre der 1000 Jahre geschmähten Niedersachsen, gehen beide großen Gegner ein in die deutsche Geschichte: Karl als der Gründer des Deutschen Reiches, Widukind als Verteidiger der germanischen Freiheitswerte."
Ich wüßte nun gern, ab welcher Auflage die Textänderung stattfand, die wahrscheinlich die Reaktion auf eine Parteitagsrede Hitlers vom September 1935 war. Leider sind mir die 57. bis 124. Auflage nicht zugänglich. Könnte das eine oder andere Listenmitglied von "H-Soz- u-Kult" so freundlich sein, in der eigenen Institutsbibliothek einmal nachzuschlagen?
Mit besten Grüßen und Dank im voraus
Jan-Holger Kirsch
