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Liebe Kolleginnen und Kollegen,
Ich arbeite seit nunmehr drei Jahren an einem Dissertationsprojekt zur Gold- und Edelmetallsammlung, die unter dem Eindruck der Voelkerbundssanktionen 1935/36 im faschistischen Italien durchgefuehrt wurde, um den italienischen Ueberfall auf Aethiopien zu finanzieren. Die mit hohem propagandistischem Aufwand gefuehrte Kampagne gipfelte in einer kollektiven Eheringspende am 18. Dezember 1935: Dem Vorbild der Koenigin folgend, tauschten hunderttausende italienischer Frauen und Maenner zugunsten des "bedraengten" Vaterlandes ihre goldenen Trauringe gegen wertlose Metallringe mit eingraviertem Liktorenbuendel (dem italienischem Aequivalent des Hakenkreuzes) ein, die zuvor von katholischen Priestern oeffentlich gesegnet worden waren. Die symboltraechtige Episode wird in so gut wie allen Standardwerken zum italienischen Faschismus erwaehnt, bislang fehlt jedoch eine Monographie, die der Komplexitaet des Ereignisses gerecht wird und die ich mit meiner Arbeit zu liefern hoffe. Schwerpunkte meiner Untersuchung, die auf Quellenstudien im zentralen Staatsarchiv Rom, aber auch in kleineren Archiven der italienischen Provinz beruht, sind genderhistorische Aspekte (fast die gesamte Propaganda rund um das Geschehen war auf Frauen abgestellt), die Rolle der katholischen Kirche, der pseudoreligioese Charakter der gesamten Inszenierung, aber auch organisatorische und oekonomische Fragen. Dazu kommen ein ikonographisches Kapitel, das die zahlreichen Propagandaplakate und Bildwerke behandelt sowie ein Abschnitt, in dem es - auf der Grundlage muendlicher und schriftlicher Erinnerungen von Zeitzeugen und ihren Familien - um die Spuren geht, die das oftmals als traumatisch erlebte Geschehen im kollektiven Gedaechtnis der Italiener hinterlassen hat. Die Grundidee hinter meiner Arbeit ist es, an einem besonders "dankbaren" Fallbeispiel deutlich zu machen, wie Faschismus im Alltag funktioniert hat.
Zum konkreten Anlass meiner Anfrage: Natuerlich interessieren mich auch mit der Sammlung von 1935/36 vergleichbare Initiativen der Folgezeit bzw. deren historische Vorbilder, darunter ganz besonders die Edelmetallsammlung in Deutschland waehrend des Ersten Weltkrieges, auf die sich die italienischen Faschisten explizit bezogen haben. Bisher weiss ich darueber kaum mehr als die Tatsache ihrer blossen Existenz, eine erste Recherche ueber die einschlaegige Literatur zum Weltkrieg hat mich nicht weitergefuehrt.
Wer weiss hier Naeheres bzw. kann mir Literaturhinweise geben? Fuer Informationen jedweder Art waere ich ausserordentlich dankbar.
Mit freundlichen Gruessen
Petra Terhoeven (terhoeven
Reaktionen / Kommentare
07.03.2001 Ramming, Jochen <frankonzept
Re: Goldsammlungen
07.03.2001 Zilch, Reinhold <zilch
Re: Goldsammlungen
07.03.2001 Schüler, Anja <ams
Re: Goldsammlungen
07.03.2001 Reder, Dirk <reder
Forscher/innen-Verzeichnis
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11.03.2001 Krebs, Gerhild <gerhild
Re: Goldsammlungen
