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Geschichte des Lesens im Nachmärz

 

Informationen zu diesem Beitrag

Sehr geehrte HSK-Leser,

ich schreibe euch hinsichtlich des Zustandes archivarischer Bestände zur deutschen Geschichte des Lesens im Nachmärz. Ich forsche zu einer Dissertation über die Entwicklung, Rezeption, und soziokulturelle Bedeutung der illustrierten und dem Liberalismus nahestehenden Populärpresse nach 1848/‘49. Dieses Projekt verlangt die Untersuchung nicht nur der Briefe und Memoiren zugehöriger Verleger, Redakteure und Autoren, sondern auch der „alltäglicheren“ Notizbücher, Tagebücher, Sammelalben und sogar Randnotizen der „eigentlichen“ Leser solcher Schriften. Wer mit der neueren Arbeit von James Secord oder Jonathan Rose vertraut ist, kennt diese Vorgehensweise wohl besser.

Wie ich schon im Familienarchiv des Staatsarchivs Hamburg herausgefunden habe, ist die Hoffnung auf eine derartige Quellenbasis nicht absonderlich. In der Tat ist es mir gelungen, mehrere Lesejournale ausfindig zu machen; diese aber beziehen sich exklusiv auf Figuren wie Goethe und Schiller, statt auf die weniger monumentalen Druckprodukte, mit denen ich mich beschäftige. Es kann sein, dass sich dies als eine durchgreifende Tendenz erweisen wird, die eine Anpassung meiner Forschungsbedingungen erforderlich machen wird, und ich bin mir außerdem darüber im Klaren, dass die erfolgreiche Identifizierung solcher Materialien bestenfalls nur zufällig sein kann. Daher mein spezifisches Ziel, nämlich mich danach zu erkundigen, ob jemand während ihrer oder seiner eigenen Forschung, egal wie flüchtig, Originalquellen gefunden hat, in denen Leser, etwa zwischen den 1840er- und 1870er-Jahren, sich zu ihren Reaktionen auf die Angebote der deutschen Populärpresse geäußert haben.

Mittlerweile arbeite ich weiter auf der pressebezogenen Seite, wo die Bestände erheblich auffindbarer sind. Bis jetzt hat mich meine Forschung an viele Orte in Hamburg, Leipzig und München geführt, weitere Besuche sind geplant, vor allem in der Berliner Staatsbibliothek, wo sich die Mehrheit meiner gedruckten Quellen befindet. Allein in Hamburg konnte ich allerdings Schriftgut vorab aufspüren, das sich für die leserorientierte Dimension meines Projekts hätte eignen können, und dieses hat sich, wie gesagt, als unbrauchbar erwiesen. In den anderen Fällen haben sich meine Ergebnisse auf einen elitären Bereich beschränkt. Zusätzlich habe ich zahlreiche E-Mails mit Archivaren in ganz Deutschland getauscht, die sehr behilflich Publizisten nennen konnten, die für meine Dissertation gewiss wichtig sind, aber kein einziges Mal ist ein möglicherweise passender Leser zu Tage getreten. Diese allgemeine Unvertrautheit rechne ich der verhältnismäßigen Unreife der Teildisziplin zu, d.h. einer Geschichte des Lesens mit Gesichtern und Namen, ganz abgesehen davon, dass persönliche und familiäre Bestände nur selten gut katalogisiert sind.

Für alle Vorschläge wäre ich sehr dankbar, und ich wünsche euch ein frohes und gesundes Neues Jahr!

URL zur Zitation dieses Beitrageshttp://hsozkult.geschichte.hu-berlin.de/forum/id=1213&type=anfragen
 
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