Wessen Wissen? (Post-)Kolonialität und die Kunst kollektiver Ermächtigung

Wessen Wissen? (Post-)Kolonialität und die Kunst kollektiver Ermächtigung

Veranstalter
Cornelia Goethe Centrum für Geschlechterforschung, Goethe-Universität Frankfurt a.M.
Veranstaltungsort
Goethe-Universität Frankfurt am Main, Campus Westend, PEG 1.G 191, sofern nicht anders angegeben
Gefördert durch
Förderkreis des Cornelia Goethe Centrums, GRADE Center Gender, Büro für Chancengerechtigkeit der Goethe-Universität
PLZ
60629
Ort
Frankfurt am Main
Land
Deutschland
Findet statt
In Präsenz
Vom - Bis
15.05.2024 - 02.07.2024
Von
Gratz Mandy, Cornelia Goethe Centrum für Geschlechterforschung, Johann Wolfgang Goethe Universität Frankfurt

Die Cornelia Goethe Colloquien Wessen Wissen? (Post-)Kolonialität und die Kunst kollektiver Ermächtigung gehen in diesem Sommersemester den Interventionen von Künstler:innen und Kulturschaffenden nach, die sich der Transformation kolonisierender Wissenspraktiken und -einrichtungen zuwenden.

Wessen Wissen? (Post-)Kolonialität und die Kunst kollektiver Ermächtigung

(Post-)Koloniale Logiken sind eingeschrieben in gesellschaftliche und ökonomische Verhältnisse, Beziehungen, Lebensweisen und Identitäten. So wurde auch die vorherrschende heteronormative und patriarchale Geschlechterordnung erst im Zuge der Kolonisierung durchgesetzt: Bis dahin existierende Geschlechterordnungen wurden in kolonisierten Regionen gewaltsam auszulöschen versucht und Reproduktion wurde vielfach gewaltvoll erzwungen und instrumentalisiert, um den Nachwuchs von Arbeitskräften zu sichern. Als intersektionale Differenzkategorie ist Geschlecht in (post-)kolonialen Gesellschaften mit Wissensordnungen, mit der Verteilung von Ressourcen, Handlungsmacht und Widerstand sowie mit Logiken der sexualisierten Gewalt verbunden.
(Post-)Koloniale vergeschlechtlichte Verhältnisse zu reflektieren und kritisch zu hinterfragen, sich für andere Perspektiven und Erfahrungen zu öffnen und Impulse für Transformationen zu setzen, erweist sich in postkolonialer Perspektive als zentral. Nicht allein – aber auch – an der Universität, welche lange primär zur Produktion, Etablierung und Fortschreibung kolonisierender Wissenspraktiken beigetragen hat.
Widerständige Potenziale wurden und werden oft der Popkultur und den Künsten zugeschrieben – allerdings nicht zuletzt, um diese als kalkulierbares kritisches Gegenüber auch dort in den Dienst nehmen zu können, wo sie sich der Repräsentation hegemonialer Strukturen verweigern. Widerständiges Wissen existiert neben und verwoben mit (post-)kolonialen Logiken, wird in anderen Textsorten, mündlichen Überlieferungen und Rituale, Symbolen und Narrativen weitergegeben, transformiert und neu geschaffen. Oft von derjenigen, deren Wissen in der (post-)kolonialen vergeschlechtlichten Ordnung nicht als Wissen anerkannt wird. Dies waren und sind insbesondere Schwarze Frauen∗ und Women∗ of Color.
Künstler:innen und Kulturschaffende haben nicht nur einige Übung darin, sich Indienstnahmen zu entwinden. Sie haben Werkzeuge und Strategien für kreative und kritische Interventionen entwickelt, die Wege aufzeigen, wie sich kolonisierende Wissenspraktiken ebenso wie die sie (re-)produzierenden Institutionen transformieren lassen. Anders als in den tradierten Erzählungen vom einsamen Genie ist dies oft eine aus dem Engagement in, mit und für Gemeinschaften hervorgehende kollektive Selbstermächtigung, die auf gegenseitiger Achtung und Anerkennung und dem Von- und Miteinander-Lernen basiert.
In diesem Sinne wollen wir uns im Sommersemester 2024 in den Cornelia Goethe Colloquien, die die in diesem Jahr mit der Künstlerin Grada Kilomba besetzten Angela Davis Gastprofessur begleiten, Fragen nach der Performatitivität widerständigen Wissens stellen:
Wie wird widerständiges Wissen geteilt? Mit wem? Welche Transformationen kann es auslösen, welche Hindernisse gilt es zu überwinden, welche Gefahren bringt das Teilen mit sich? Und wer ist überhaupt angesprochen? Kann in hegemonialen Traditionen verwurzelten Bildungsinstitutionen wie Akademien und Universitäten verkörpertes Wissen gegen (post-)koloniale Geschlechterordnungen generiert werden? Was können wir hier(für) von und mit Künstler:innen lernen?
Das Cornelia Goethe Centrum für Geschlechterforschung lädt in Kooperation mit dem Förderkreis des Cornelia Goethe Centrums, dem GRADE Center Gender und dem Büro für Chancengerechtigkeit der Goethe-Universität zu dieser öffentlichen Veranstaltungsreihe ein. Der Eintritt ist frei.

Programm

15.05.2024, 18 Uhr c.t.
Matti Traußneck
Bastardkinder – Sex, Crime, Klassenkampf: Imitationen von Kunst und Leben

22.05.2024, 18 Uhr c.t.
Marny Garcia Mommertz
Archives and access in German and Afro-diasporic contexts: Insights into research on Fasia Jansen and Contemporary And (C&)

05.06.2024, 18 Uhr c.t.
Mirrianne Mahn
Neugestaltung der Gegenwart: Kolonialismus, der Raub von Identitäten, Wiedergutmachung und kulturelle Restitution

12.06.2024, 18 Uhr c.t.
Mahret Ifeoma Kupka
TALKING OBJECTS LAB – Dekoloniale künstlerische und kuratorische Praxis

19.06.2024, 18 Uhr c.t.
Yalız Akbaba
Koloniales Wissen unterbrechen. Geschlecht und Schulbildung am Beispiel einer Schulbuchseite

26.06.2024, 18 Uhr c.t. – online
Imani Kai Johnson
Embodying an Expansive Sociality: B-Girls in Practice
Anmeldung: https://uni-frankfurt.zoom-x.de/meeting/register/u5crduCtpjktE9QSx4zd7VELXaBejCM8voIz

02.07.2024, 18 Uhr c.t., Goethe-Universität Frankfurt am Main, Campus Westend, Hörsaalzentrum HZ 5
Grada Kilomba, Angela-Davis-Gastprofessorin 2024
Antrittsvorlesung und -performance: Performing Knowledge: Heroines, Birds and Monsters

Kontakt

Dr. Johanna Leinius, Cornelia Goethe Centrum
Leinius@em.uni-frankfurt.de

https://cgc.uni-frankfurt.de/veranstaltungen/cornelia-goethe-colloquien
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