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Wilhelm Fraenger - Subversion und Eigensinn

Liebe Frau Weckel,

unter grossem Zeitdruck stehend moechte ich kurz auf Ihre Anfrage eingehen: In der Tat erlaubt der Begriff "Eigensinn" keine Eindeutigkeit(en) - aber ist das nicht ein Moment der "Sache selbst", d.h. des Verhaltens historischer Akteure?

Eigensinn meint Verhaltensformen, in dem einzelne versuchen, "bei sich" zu sein, sich zu distanzieren von Anreizen oder Zumutungen "von oben" wie von "nebenan" (oder auch "von unten"). Insofern wird die Zweipoligkeit von entweder Gehorsam oder Widerstaendigkeit in dieser Perspektive "ausgehebelt": Denn sie erfasst nur einzelnen Segmente des Verhaltens der Menschen und ihrer (Selbst-)Deutungen.

Aus den (momentanen) Distanzierungen des "Eigen-Sinns" erwuchsen:

Mitmachen, aber auch Verweigerung oder es blieb bei - "Abwarten" (mit graesslichen Folgen z.B. im NS), und dies nicht selten bei denselben Menschen! Revolutionaere 1918/19 konnten 1923 die "nationale Sache" gegen die "Ruhr-Besatzer" verteidigen und 1933 die "nationale Revolution" der Nazis begruessen (oder sogar unterstuetzen).

Sie werden mir bitte nachsehen, dass ich Sie auf das schon bei anderer Gelegenheit erwaehnte Buch verweise, also: A. Luedtke, Eigen-Sinn, S. 375-382, aber auch S. 290ff und 406ff.

Mit den besten Wuenschen fuer Ihre interessante und wichtige Arbeit -

und herzlichen Gruessen

Ihr Alf Luedtke


Quelle = Email <H-Soz-u-Kult>

From: "Alf Luedtke" <Luedtke@MPGS-NTS1.mpi-g.gwdg.de>
Subject: Re: Anfrage: Subversion und Eigen-Sinn
Date: 15.01.1998 14:58 Uhr


       

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