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Wilhelm Fraenger - Subversion als biografische Kategorie

Der subversive Fraenger...

Die Arbeit scheint mir sehr interessant und die angesprochenen Fragestellungen zu Fraengers Kontakten und seiner Stellung zu den politischen Systemen seiner Zeit zentral. Dennoch denke ich, dass der vorgeschlagene Titel der Arbeit nicht gut ist. Meiner Ansicht nach sprechen vor allem zwei Gruende gegen die Charakterisierung Fraengers als subversiv. Zum einen ist der Begriff grundsaetzlich pejorativ besetzt, es sei denn, dass man gegen die buergerliche Ordnung eingestellt ist, also Subversion als Ausdruck einer anzustrebenden Lebenshaltung ansieht. Das scheint mir fuer Fraenger nicht gegeben. (Die Anwendung wuerde daher meoglicherweise den Eindruck vermitteln, dass vielmehr die Autorin darin eine positive Bewertung sieht.) Es waere zudem immer schwer, die Biographie Fraengers "offen" zu halten, also fuer den Leser eine Moeglichkeit der Identifikation und Stellungnahme zu bieten.

Das zweite Argument ist, dass entsprechend der im Text angebotenen Definitionen Fraenger nicht subversiv war. Er hat sich sicher ein ganzes Leben in Auseinandersetzung mit seiner Gesellschaft gefunden, sie in Teilen wohl auch abgelehnt. Aber die ganze Karriere Fraengers scheint mir doch von der Einhaltung praktisch aller Regeln eines buergerlichen Gelehrtenlebens gepraegt gewesen zu sein: also die klassische Ausbildung an einer Universitaet, die Universitaetslaufbahn, die dann gegen die - kaum verpoente - Privatgelehrtenlaufbahn eingetauscht wurde. Dann die Zeitschriften, gesellschaftliche Kontakte zu Kuenstlern (George). Schliesslich die politische Betaetigung fuer eine staatstragende Partei und die Mitarbeit an der Akademie. Das kann kaum als "auf den Umsturz der bestehenden staatlichen Ordnung zielende Taetigkeit" oder gar "konterrevolutionaer" bezeichnet werden. Der Begriff wiese daher in die falsche Richtung.

Mein Plaedoyer ginge daher auf einen eher wertneutralen Titel, der vielleicht weniger interesseweckend ist.

Mit freundlichen Gruessen

Heiko Droste

Sveavaegen 164, L 02
11346 Stockholm
heiko.droste@hist.uu.se


Quelle = Email <H-Soz-u-Kult>

From: Heiko Droste <Heiko.Droste@hist.uu.se>
Subject: Re: Anfrage: Subversion als biographische Kategorie
Date: 08.01.1998 22:46 Uhr


       

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