Diskussionsbeiträge zur Rezension:
"Belsers Lexikon der Kunst- und Stilgeschichte" (fuer Windows und Macintosh).
Muenchen: Verlag United Soft Media 1997. ISBN: 3-8032-7100-2; 1 CD-ROM; Preis:
DM 79,90 / SFr 76,00 / OeS 623.
Rezensiert für
H-Soz-u-Kult von
Prof. Dr. Michael Metzger
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Diskussionsbeitrag von Paul Richard Blum
<106233.1104@compuserve.com>: vom 24.2.1999
"Die "Kunst" naemlich, welche die CD darstellt, ist vor allem die Europas
und des Mittelmeerraumes in ihren bedeutendsten Epochen von der Fruehzeit
bis zur Gegenwart. Bei aller Achtung fuer das, was die Herausgeber hier positiv
leisten, muss man fragen, ob eine Konzeption heute als adaequat gelten kann,
die die kuenstlerischen Traditionen von Indien, China, Japan, Afrika, dem
praekolumbischen Amerika u.a.m. fast voellig ausser acht laesst. Die Gefahr
besteht, dass wir die alten Vorurteile des weissen Westens nun digital auf
Kunststoffscheiben weiter festschreiben, anstatt es analog auf dem geduldigen
Papier zu tun."
Liebe Kollegen,
die oben zitierten Bemerkungen aus der CD-Rezension von Prof. Dr. Michael
M. Metzger, University at Buffalo, reizen mich zu der Frage, worin die
"Vorurteile" bestehen sollen. Als Nicht-Kunsthistoriker und als nicht permanent
in den USA lebendem Wissenschaftler ist mir schleierhaft, ob die "kuenstlerischen
Traditionen von Indien, China, Japan, Afrika, dem praekolumbischen Amerika
u.a.m. " denn in einer "Kunst- und Stilgeschichte", um die es sich handelt,
und das ist ein abendlaendisches Thema, sinnvoll dargestellt werden koennen.
Werden Sie auch verlangen, dass African American Philosophy in einer
Philosophiegeschichte der Renaissance behandelt wird?
Paul Richard Blum
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Diskussionsbeitrag von Petra Mautner
<petra.mautner@kfunigraz.ac.at>: vom 26.2.1999
Im Prinzip ist dieser Vorschlag, der augenscheinlich ein rethorischer sein
sollte, tatsaechlich ernsthaft zu ueberdenken. Allein schon wegen der
kritischen Auseinandersetzung mit dem Epochenbegriff - Renaissance,
Barock usw. bedeuten sie doch in diversen Disziplinen durchaus diverses (am
schoensten ist das zu sehen mit dem Begriff der Modernen).
Generell scheint mir, ich habe die Rezension allerdings nicht gelesen, das
ein Kunstgeschichtelexikon, welches afrikanische, asiatische usw. Kulturen
ausschliesst, zumindest einen gewisen Erklaerungsnotstand hinterlaesst. Das
jetzt afrikanische Kunst nicht unbedingt mit unserem Epochenbegriff korreliert
kann ja nicht den Grund fuer deren "Nicht-Existenz" liefern. Ich sehe sehr
wohl in solch unreflektierter Auslassung die Manifestation eines "Vorurteils"
oder doch wenigstens von "Eurozentrismus". Eine Frage stellt sich mir, wieso
sollte "Kunst- und Stilgeschichte" ein ausschliesslich abendlaendisches Thema
sein, oder besser gefragt warum ist es unvorstellbar, das eine traditonelle
Fragestellung in einen neuen Kontext gestellt werden kann?
Petra Mautner
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